Der geplante 17. Bauabschnitt der Berliner Stadtautobahn A100 rückt näher und mit ihm wächst die Sorge in der Beermannstraße. Mieterinnen und Mieter befürchten, dass ihre Häuser dem Autobahnausbau oder dessen Baustellenlogistik weichen könnten. Der Konflikt berührt zentrale Fragen von Wohnraumschutz, Verkehrspolitik und Stadtentwicklung.

So stellte sich die Berliner CDU im Jahr 2023 die Weiterführung der A100 als „Klimaautobahn“ vor. Bis heute ist jedoch kein Zeitpunkt für die Realisierung des 17. Bauabschnitts festgelegt, während die Kritik der Anwohnenden am geplanten Eingriff in das Wohnumfeld wächst. / © Visualisierung: CDU Berlin
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Der Weiterbau der Berliner Stadtautobahn A100 sorgt erneut für Proteste. In Treptow formiert sich Widerstand gegen den geplanten 17. Bauabschnitt, der vom Treptower Park bis zur Storkower Straße führen soll. Besonders betroffen fühlen sich die Bewohnerinnen und Bewohner der Häuser Beermannstraße 16 und 18, die einen Abriss ihrer Wohnungen befürchten.
Bereits beim Bau des 16. Bauabschnitts standen diese Häuser auf der Abrissliste. Dass sie heute noch existieren, ist einem juristischen Teilerfolg aus dem Jahr 2012 zu verdanken. Damals sagte die öffentliche Hand vor Gericht zu, die Gebäude für diesen Bauabschnitt zu erhalten. Mit dem nächsten Abschnitt rückt die Gefahr nun erneut näher.
Widerstand gegen die A100: Zwei Wohnhäuser an der Beermannstraße könnten 17. Bauabschnitt weichen
Als Reaktion gründeten Anwohnerinnen und Anwohner die Initiative „Beermannstraße bleibt“. Unterstützt wird sie vom Aktionsbündnis „A100 stoppen“. Beide verweisen darauf, dass es nicht nur um die Autobahntrasse selbst gehe, sondern womöglich nur um Flächen für Baustelleneinrichtung und Materiallager. Aus Sicht der Initiative wäre es nicht hinnehmbar, dass bezahlbarer Wohnraum für temporäre Nutzungen aufgegeben wird.
Die Initiative fordert ein grundsätzliches Umdenken in der Verkehrspolitik. Angesichts steigender Baukosten von mindestens 1,8 Milliarden Euro und der angespannten Wohnraumsituation sei der weitere Ausbau der Autobahn nicht mehr zeitgemäß. Stattdessen solle der Fokus stärker auf den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs gelegt werden.
Wohnhäuser der Beermansstraße 20 und 22 wurden 2015 bereits für den A100-Ausbau abgerissen
In den Häusern Beermannstraße 16 und 18 leben rund 163 Haushalte, darunter viele ältere Menschen und Familien. Zahlreiche Mieterinnen und Mieter wohnen dort seit Jahrzehnten, einige seit ihrer Kindheit. Die Gebäude sind rund 100 Jahre alt und Teil einer gewachsenen Nachbarschaft, die bereits durch den Bau des 16. Bauabschnitts stark verändert wurde.
Die Erfahrungen aus der Vergangenheit prägen den aktuellen Widerstand. Für den vorherigen Bauabschnitt wurden die Häuser Beermannstraße 20 und 22 abgerissen. Damals gingen rund 90 bis 100 günstige Wohnungen verloren. Diese Geschichte verstärkt heute die Sorge, dass sich Verdrängung und Abriss wiederholen könnten.
Verkehrspolitik muss auch sozial gedacht sein: Bezirk Treptow-Köpenick lehnt den 17. Bauabschnitt ab
Konkrete Planungen für den 17. Bauabschnitt liegen bislang nicht vor. Entsprechend habe es noch keinen direkten Kontakt zwischen Bezirk und betroffenen Mietern gegeben. Dennoch positioniert sich das Bezirksamt Treptow-Köpenick kritisch. Die zuständige Baustadträtin lehnt laut Tagesspiegel, den Weiterbau ausdrücklich ab, insbesondere wenn dadurch bezahlbarer Wohnraum gefährdet würde.
Von Seiten der Autobahn GmbH gibt es bislang keine Stellungnahme. Auch die betroffene Wohnungsgenossenschaft äußerte sich öffentlich noch nicht. Für die Mieterinitiative ist diese Unklarheit Teil des Problems: Sie sieht sich gezwungen, Informationen selbst zu recherchieren und frühzeitig politischen Druck aufzubauen.
Unsicherheit für Anwohnende: Stehen Verkehrsausbau und Wohnraumschutz im Widerspruch?
Ob und in welchem Umfang die Häuser für den 17. Bauabschnitt tatsächlich benötigt werden, ist derzeit offen. Fest steht jedoch, dass die A100-Verlängerung erneut zentrale Zielkonflikte der Berliner Stadtentwicklung sichtbar macht: zwischen Verkehrsinfrastruktur und Wohnraumschutz, zwischen langfristiger Planung und sozialen Folgen.
Für die Bewohnerinnen und Bewohner der Beermannstraße ist klar, dass sie den Ausgang nicht abwarten wollen. Ihr Widerstand richtet sich nicht nur gegen mögliche Abrisse, sondern auch gegen eine Verkehrspolitik, die aus ihrer Sicht nicht mehr zu den Herausforderungen einer wachsenden Stadt passt.
Quellen: Aktionsbündnis A100 stoppen, Rote Fahne, Tagesspiegel, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, VIZ – Verkehrsinformationszentrale, Autobahn GmbH des Bundes
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„..Flächen für Baustelleneinrichtung und Materiallager […] Baukosten von mindestens 1,8 Milliarden Euro und der angespannten Wohnraumsituation..“
Nicht nachvollziehbar warum dieses Projekt weiter durchgepeitscht werden soll, bin 100% dagegen.
Die Ai Anfrage zu den Kosten: „Die Baukosten für die Berliner Stadtautobahn A100 sind enorm gestiegen, wobei der 16. Bauabschnitt (Neukölln-Treptow, 3,2 km) mit rund 720 Millionen Euro der teuerste Autobahnabschnitt Deutschlands ist und im August 2025 eröffnet wurde; für den gesamten Ausbau (16. und geplanter 17. Abschnitt) wurden die Gesamtkosten zuletzt auf bis zu 1,8 Milliarden Euro geschätzt, mit potenziellen Steigerungen, die den Ausbau insgesamt auf bis zu 4 Milliarden Euro erhöhen könnten, was zu starken Protesten führt. „
Zitat: Kaum war der 16. Bauabschnitt der Stadtautobahn A100 in Treptow eröffnet worden, forderten die ersten den Stopp des Autobahnausbaus. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) hingegen sagte noch am Tag der Eröffnung: „Der 17. Abschnitt muss folgen“.
„..im Berliner Abgeordnetenhaus setzen sich AfD-Politiker jedoch für den Ausbau der Autobahn durch Lichtenberg ein“
„Autobahnausbau „unverzichtbar für Lückenschluss und Entlastung“. „Nur wenn die Verbindung vollendet wird, können die angrenzenden Hauptstraßen vom Durchgangsverkehr entlastet und die östlichen Stadtteile besser angebunden werden“, sagt Mike Krüger, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Lichtenberg“ https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/lichtenberg/debatte-um-a100-ausbau-nach-berlin-lichtenberg-verschlechterung-der-lebensqualitat-oder-unverzichtbar-14329121.html
Da die Mehrheit der Berliner wahlberechtigten bei der letzten Berlin-Wahl die CDU zur stärksten Fraktion ernannt hatte und auch ein großer Teil der Wählerschaft von der AFD überzeugt wurde, scheint der weitere Ausbau beschloßen, wäre da nicht die Koalition mit der SPD-Fraktion welche allerdings gegen einen Weiterbau ist.
Zitat vom obigen Link: „Ein Weiterbau endet wieder mitten in einem Wohngebiet, das aktuelle Verkehrschaos wird sich an anderer Stelle wiederholen“, sagt Tamara Lüdke (SPD).
Die nächsten Berliner Wahlen sind am 20. September 2026, in knapp 9 Monaten.
„Klimaautobahn“
Welch ein Oxymoron und Hohn, mehr muss man eigentlich nicht dazu sagen. Verstehe wer will, warum der BA17 unbedingt durchgeboxt werden muss.
Ich bin für einen 17. Bauabschnitt, wenn durch den massiver Eingriff in eine gewachsenen Stadtstruktur, eindeutige Vorteile für Anwohner und Autofahrer entstehen, d. h.:
Sozial verträgliche Umzugsangebote für die vom Abriss betroffenen Bewohner im selben Stadtteil.
Schaffung von Grün- und Nutzflächen durch teilweise Deckelung der neuen Autobahn.
Teilweise Überbauung der Autobahn mit neuen Wohnhäusern.
Leistungsfähige Verkehrsanbindung am Ende des neuen Autobahnabschnitts.
Wenn das nicht gelingt, muss eine Verkehrsreduzierung mit Hilfe automatischer Verkehrslenkung erfolgen.
Geschwindigkeitsüberwachung durch Dunkelblitzer, besonders in den Nachtstunden.