Am Molkenmarkt geht die Planung für eines der zentralen Stadtentwicklungsprojekte Berlins in die nächste Phase. Mit dem Start eines zweiten Realisierungswettbewerbs werden nun konkrete architektonische Entwürfe für weitere Teilbereiche des künftigen Quartiers gesucht. Im Fokus stehen bezahlbares Wohnen, Nutzungsmischung und der sensible Umgang mit der Geschichte des Ortes.

Der Wettbewerb wird nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW 2013) durchgeführt und betrifft den südlichen Teil von Block B sowie Block A am Molkenmarkt. Er ist in vier Planungsbereiche gegliedert, die jeweils mehrere Gebäude umfassen und aufgrund ihrer Lage, Nutzungsmischung und archäologischen Funde jeweils eigene planerische Anforderungen mit sich bringen. / © Grafik: C4C // Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat einen zweiten Realisierungswettbewerb für die Bebauung des Molkenmarkts angekündigt. Ausgeschrieben sind der südliche Teilbereich des Blocks B, bezeichnet als Block B/2, sowie der gesamte Block A. Beide Flächen liegen im historischen Zentrum Berlins und gehören zu den wichtigsten Entwicklungsarealen der Innenstadt. Der Wettbewerb wird europaweit nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe durchgeführt.
Mit der baulichen Umsetzung ist die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, kurz WBM, betraut. Gemeinsam mit der Senatsverwaltung ruft sie Architektinnen und Architekten zur Teilnahme auf. Dabei wird ausdrücklich zur Bildung von Bewerbergemeinschaften ermutigt, um eine möglichst große gestalterische Vielfalt zu erreichen. Ziel ist es, unterschiedliche architektonische Handschriften in ein zusammenhängendes Quartier zu integrieren.
Realisierungswettbewerb Molkenmarkt: Vier Planungsbereiche mit bis zu sieben Teams pro Los
Der Wettbewerb gliedert sich in vier Planungsbereiche, sogenannte Lose. Jedes Los umfasst mehrere Gebäude und stellt eigene städtebauliche und funktionale Anforderungen. Diese ergeben sich unter anderem aus der Lage innerhalb des Quartiers, den vorgesehenen Nutzungen sowie den unterschiedlichen Bauvolumina. Hinzu kommt die besondere Situation am Molkenmarkt, wo archäologische Bodenfunde in die Planung einbezogen werden müssen.
Das Verfahren ist zweistufig angelegt. In einem vorgeschalteten Teilnahmewettbewerb werden je Los bis zu sieben Planungsteams ausgewählt, ergänzt um drei gesetzte Bietergemeinschaften. Die Entwürfe sollen sowohl gestalterisch überzeugen als auch wirtschaftlich tragfähig sein. Gerade mit Blick auf bezahlbares Wohnen und mietpreissensible Nutzungen gilt die Kostenkontrolle als zentrales Wettbewerbsziel.
Molkenmarkt Berlin-Mitte: Nutzungsmix mit bezahlbarem Wohnen und historischem Bezug
Am Molkenmarkt soll ein innerstädtisches Quartier mit einer Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel, Gastronomie, Kultur und Bildung entstehen. Ein wesentlicher Teil der Wohnungen soll bezahlbar realisiert werden. Gleichzeitig ist vorgesehen, das Quartier so zu gestalten, dass es sich in den umgebenden Stadtraum einfügt und öffentlich zugängliche Räume mit hoher Aufenthaltsqualität bietet.
Besondere Bedeutung kommt dem historischen Kontext zu. Der Molkenmarkt gilt als einer der ältesten Siedlungsorte Berlins. Künftige Gebäude sollen diese Geschichte nicht überdecken, sondern sichtbar machen. Vorgesehen ist unter anderem die Integration archäologischer Funde durch sogenannte archäologische Fenster, die Einblicke in frühere Stadtschichten ermöglichen.
Preisgericht entscheidet im Juni 2026 und öffentliche Ausstellung der Entwürfe geplant
Über die eingereichten Entwürfe entscheidet ein unabhängiges Preisgericht. Die Sitzung ist für Juni 2026 vorgesehen. Nach Abschluss des Wettbewerbs sollen alle Arbeiten öffentlich ausgestellt werden, um Transparenz zu schaffen und die Diskussion über die künftige Gestaltung des Molkenmarkts zu fördern.
Der zweite Realisierungswettbewerb baut auf den kürzlich vorgestellten Bebauungsleitlinien für die Blöcke A und B auf. Diese definieren Höhen, Materialität und Nutzungen und bilden den verbindlichen Rahmen für die Entwürfe. Mit dem Wettbewerb rückt die Entwicklung des Molkenmarkts damit einen Schritt näher an die bauliche Umsetzung.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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4 Kommentare
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Immerhin hat man jetzt offensichtlich den Unfug sozialer Wohnungen in dieser zentralen Lage gelassen. Stattdessen soll es „bezahlbaren“ Wohnraum geben, was irgendwie Unfug ist, weil kaum jemals „unbezahlbarer“ Wohnraum gebaut wird. Es kommt eben auf die Mieter an!
Wie beim ersten Realisierungswettbewerb (wer hat sich eigentlich diese Bezeichnung ausgedacht?) wird man kaum gehobene Architektur erwarten dürfen. Klappt einfach in Berlin nicht!
Leider ist zu befürchten, dass die Wohnung am Mörken Markt sehr unattraktiv werden, weil die CDU-Senatorin durchgesetzt hat, die Mühlendammbrücke jetzt doch wieder Autobahn ähnlich auszubauen. Dadurch ist das Projekt der Rückgewinnung einer ansehnliche Altstadt schon im Ansatz gescheitert. Im Zweifelsfall entscheiden sich Christ-Demokraten immer für das Auto und gegen eine liebenswerte Stadt. Schade.
Ich finde es unsinnig, in der Innenstadt Berlins eine künstliche Altstadt aufzubauen, die keine Rekonstruktion darstellt und darstellen kann, für deren Straßen- und Gassen-Raster willkürlich in die Zeitkiste Berlins gegriffen wird und bei deren Gestaltung man nicht nach den Bedürfnissen der Menschen in einer zukunftsorientierten Stadt fragt, sondern simpel und nostalgisch baulich ausgelöschte Vergangenheit kopieren will für Leute, die es sich leisten wollen, dort zu wohnen. Rückwärtsgewandtes Kunstgewerbe. Das war bereits beim „Schloss“ peinlich.
Ich kann mir in der Fasanenstraße auch keine Wohnung leisten, freue mich aber immer wenn ich an den „schmucken“ Fassaden entlang flaniere…
Ich persönlich brauche/möchte keine mietpreisgebundenen WDVS Kisten an solch prominenter Stelle.
Dafür gibt es in der Stadt sonst (fast) überall Platz für. Aber bitte nicht hier.
Mühlendamm Ecke Fischerinsel können wir frisch gebaut sehen was ansonsten dabei rauskommt…