Fünf Tage lang tagte die Jury – nun stehen die Siegerentwürfe für den nächsten Bauabschnitt am Berliner Molkenmarkt fest. Neben 220 Wohnungen sollen auch ein neues Theater, Gewerbe und öffentliche Plätze entstehen. Alle Details zur Pressekonferenz und den Planungen jetzt auf ENTWICKLUNGSSTADT.

Im Juni 2026 bewertete und prämierte ein unabhängiges Preisgericht die eingereichten Entwürfe des zweiten Realisierungswettbewerbs für „Block B“ am Berliner Molkenmarkt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Im glücklicherweise gut gekühlten Otto-Suhr-Saal des Standesamtes Mitte fand am Montagmorgen die Pressekonferenz des Berliner Senats zur Präsentation eines weiteren Bauabschnitts am Berliner Molkenmarkt statt, offiziell „Block B“ genannt.
Das Podium war prominent besetzt, mit Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt, Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler und Lars Dormeyer von der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft WBM.
Neuer Molkenmarkt in Berlin-Mitte: Die Jury tagte fünf Tage am Stück
Auch Prof. Antje Freiesleben war stellvertretend für die Jury-Vorsitzenden anwesend und stellte die gekürten Entwürfe der siegreichen Büros vor.
Petra Kahlfeldt zeigte sich angetan von der Leistung der Jury, die ganze fünf Tage zusammengesessen und beraten hatte, um die Entwürfe des neuen Molkenmarkts final auszuwählen. Eine Mammutsitzung, die wohl für alle Beteiligten in dieser Form einmalig war, wie auch Ephraim Gothe, Bezirksstadtrat im Bezirk Mitte, bestätigte.
Christian Gaebler: Archäologische Ausgrabungen wurden abgeschlossen
Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler betonte, dass die Archäologischen Arbeiten, die in den vergangenen Jahren am Molkenmarkt durchgeführt wurden, mittlerweile abgeschlossen wurden, so dass die Bebauung nun endlich beginnen könne.
Die Voraussetzungen seien laut Gaebler also endlich geschaffen, so dass nach langer Planung ganz konkret auch mit dem Bau der neuen Gebäude begonnen werden könne. Auch WBM-Geschäftsführer Dormeyer zeigte sich optimistisch, dass es am Molkenmarkt zeitnah mit dem Bau losgehen kann.
Dormeyer ging sogar so weit, dass er von einem für die Hauptstadt historischen Tag sprach und betonte, dass es gelungen sei, die verfügbaren 36.000 Quadratmeter voll auszuplanen.

Die Grabungen am Molkenmarkt haben neue Erkenntnisse zur Entwicklung Berlins vom Mittelalter bis in die Neuzeit hervorgebracht. / © Foto: Landesdenkmalamt Berlin, Judith Katharina Stern
Molkenmarkt: 220 neue WBM-Wohnungen sollen im Block B entstehen, mehr als geplant
Insgesamt 23.000 Quadratmeter Wohnfläche sollen im „Block B“ entstehen, aufgeteilt auf 220 Wohnungen. Dormeyer betonte, dass somit noch einmal 10 Prozent mehr bezahlbare Wohnungen entstehen sollen, als ursprünglich geplant waren.
Dormeyer ging gleich proaktiv auf die zu erwartenden Baukosten ein und räumte ein, dass die WBM derzeit noch über dem Plan liege. Vor dem anstehenden Verhandlungsverfahren liegen die erwarteten Kosten noch 17 Prozent über den veranschlagten Kostenrahmen – laut Dormeyer ein erwartbarer Wert, weshalb er hier nach eigener Aussage „tiefenentspannt“ sei.

Die Fläche am Molkenmarkt zählt zu den wichtigsten innerstädtischen Entwicklungsarealen Berlins und soll zu einem gemischt genutzten Quartier mit Wohnen, Gewerbe, Kultur und öffentlichen Freiräumen entwickelt werden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
6.800 Euro pro Quadratmeter im „Block B“: Baukosten sind noch zu hoch
Pro Quadratmeter würde das aktuell einen Kostenwert von 6.800 Euro für die neuen Wohnungen im Planungsgebiet „Block B“ bedeuten.
In der Verhandlungsphase soll dieser Wert also noch nach unten gedrückt werden. Mit den erwarteten rund 250 Millionen Euro soll an prominenter Stelle trotzdem ein hochattraktives Wohnquartier an einer städtebaulich bedeutenden Stelle entstehen. Dormeyer zog dazu einen anschaulichen Vergleich und sprach von einer „Viertelmilliarde“, die etwa auch für die Sanierung des SEZ an der Landsberger Allee erforderlich wäre.
Vier Lose definieren das neue Stadtquartier am Berliner Molkenmarkt
Antje Freiesleben stellte die vier Lose, in die der Wettbewerb für „Block B“ aufgeteilt war, den anwesenden Pressevertretern vor. Los 1 umfasste insgesamt vier Bausteine, die sich direkt gegenüber vom Nikolaviertel befindet.
Siegreich in Los 1 ist das Team Hemprich Tophof GvA mbH, Berlin mit Max Dudler GmbH, Berlin und Simone Boldrin Architettura, Berlin, das mit einem städtebaulich klar gefassten Entwurf und klassischen Architekturelementen überzeugte.
Direkt benachbart zu Los 1 soll zukünftig das Areal des Los 5 liegen, für das keine eigene Preisvergabe erfolgte, sondern die Gestaltungsvorgabe aus dem 1. Preis des Loses 2 übernommen wurde.

Den ersten Preis in Los 1 erhielt ein Berliner Konsortium um Hemprich Tophof GvA und Max Dudler mit einem klassisch geprägten Entwurf. / © Visualisierung: Hemprich Tophof Gv, Berlin mit Max Dudler GmbH, Berlin / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Freiesleben nannte den Entwurf einen „Eckbaustein“, der mit klassischen Architekturelementen und dem Motiv einer klassischen Platzkolonnade arbeite.
Erker, Kolonnaden und Arkade: Die neuen Gebäude sollen klassische Architektur-Akzente setzen
Der Erker, den das siegreiche Büro-Konsortium vorschlug, überzeugte letztlich die Jury. So soll die vorgelagerte Schicht geschickt betont werden. Obwohl in diesem Los überwiegend Gewerbeflächen entstehen, sollen auch 27 Wohneinheiten gebaut werden.
Auch Los 2 arbeitet mit Rundbögen und einer Arkade, zudem soll hier ein zusammenhängendes Erdgeschoss entstehen, um attraktive Flächen für die Ansiedlung von Gewerbe anzubieten. Sieger ist das Büro von Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin mit jessenvollenweider architektur ag, Basel und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin.

Der erste Preis in Los 2 ging an von Ey Henkel Architektur gemeinsam mit internationalen Partnerbüros aus Basel und London. / © Modellfoto: Till Budde / Visualisierung: Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin mit jessenvollenweider architektur ag, Basel und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
„Kulturbaustein“: Im künftigen Molkenmarkt-Quartier soll auch ein neues Theater entstehen
Die Gebäude der Lose 2 und 5 sollen zukünftig einen neuen Stadtplatz kreieren, der nach den Wünschen der Projektverantwortlichen eine zentrale Rolle im neuen Quartier einnehmen soll.
Los 4 soll der zentrale „Kulturbaustein“ für das neue Quartier werden und wird laut Freiesleben einer der wichtigsten Elemente des neuen Molkenmarkts werden. Den ersten Preis erhielt Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin, deren Entwurf als besonders präzise und robust für die kulturelle Nutzung bewertet wurde.

Los 4 wird als zentraler Kulturbaustein des neuen Quartiers entwickelt und soll Räume für Kunst, Theater und kulturelle Produktion bieten. / © Foto: Till Budde / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Mehrere Theater- und Konzertsäle sollen im neuen Molkenmarkt entstehen
Insgesamt drei Gebäude und vier Fassadentypen umfasst dieser siegreiche Entwurf, der unter anderem auch Flächen für ein neues Theater schaffen soll.
Ephraim Gothe betonte, dass das neue, geplante Kulturhaus mit mehreren Theater- und Konzertsälen ein neues Kultur-Highlight im Berliner Zentrum werden soll.
Am Molkenmarkt soll ein „europäisches Quartier“ entsehen
Durch anspruchsvolle Architektur und dem Mix aus Wohnen, Büro, Gastronomie und Kultur soll nach Wünschen von Freiesleben ein europäisches Quartier entstehen, mit Anlehnungen an süd-, nord- und osteuropäische Stadtquartiere.
Die Planung geht weiter am Molkenmarkt: „Block C“ ist der dritte und letzte Baustein
Ganz am Ende sind die Planungen für den Molkenmarkt damit aber nicht, denn der dritte und letzte Baustein ist „Block C“, nachdem nun die Bauteile A und B, aufgeteilt in mehrere Lose, fertig geplant sind.
Dort, so betonte Petra Kahlfeldt, müssen jedoch vier Eigentümer übereinander gebracht werden. Dazu gehörten unter anderem die degewo, das Land Berlin und die BimA. Der Prozess zur Klärung der Grundstücksverhältnisse soll zeitnah beginnen.

Die Bebauungsleitlinien für die Blöcke A und den südlichen Teil von B wurden Ende 2025 festgelegt. / © Grafik: C4C // Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Klimaresilient? Wie reagiert das neue Quartier am Molkenmarkt auf den Klimawandel?
Das neue Quartier muss natürlich auch den gestiegenen Anforderungen an den Klimawandel genügen, vor allem vor dem Hintergrund der kürzlichen Hitzewelle. Hier sollen die anstehenden Freiraumwettbewerbe, die noch nicht gestartet wurden, entsprechende Lösungen bieten.
Vor dem Start dieser Wettbewerbe sollten laut Kahlfeldt aber erst einmal die Wettbewerbe für die Blöcke A und B abgeschlossen werden, was mit der heutigen Pressekonferenz erst einmal gelungen ist.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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28 Kommentare
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Warum Sozialwohnungen auf dem teuersten Grundstück der Stadt?
Durch Quer Finanzierung könnte woanders mehr davon bauen.
Optisch passt das alles sehr gut zur DDR Platte im Nikolai Viertel.
Langweilige Architektur wie überall bei Berliner Neubauten.
Das nächste völlig überteuerte Quartier ohne Seele.
Mario – Nikolai- Viertel ist auch wirklich hässlich, stimmt.
Hallo Max,
ich bin wahrlich kein Fan von der DDR Architektur, aber dieser Zusammenhang erschließt sich mir nicht.
Wir haben hier kleinteile Parzellen, die mit guten Entwürfen bearbeitet wurden. Dann bitte ich um eine Erläuterung, wo der konkrete Bezug zum Nokolaiviertel sein soll?
Insgesamt entwickelt sich das ganze Konzept um den Molkenmarkt zu einem guten Leuchtturmprojekt. Bitte mehr davon. Meine einzige Angst bleibt, dass jetzt in der Materialität gespart wird und wir nachher einen großen WDVS Block erhalten. Gerade WBM traue ich da einiges zu.
Die kleinen Parzellen sind der einzige Lichtblick.
Das Problem ist dort WBM bauen zu lassen, für 6800 € pro Quadratmeter oder noch mehr. Dafür könnten Sie woanders fast die doppelte Menge an Quadratmetern bauen.
Zusätzlich bekommen Sie dort nicht die nötige Miete im Verhältnis zum eingesetzten Kapital, um andere Projekte zu finanzieren.
Private Bauträger hätten das nötige Kapital die Fassaden auch entsprechend zu machen, was bei der WBM zweifelhaft sein könnte, wie du bemerkst. Außerdem könnte man durch den Verkauf der Grundstücke zusätzliches Kapital für die Stadt bekommen. So verschenkt man die an die WBM.
Alles für das Mantra des bezahlbaren Wohnraum. Was aber nur heißt jemand anders zahlt den Rest.
„Verschenkt“? Wäre das wirklich das zutreffende Attribut dafür, zu beschreiben, wenn das Land Berlin bei einer 100%igen Tochtergesellschaft, also der WBM, eine Einlage tätigt (wenn es so wäre, was möglich ist, aber ich nicht weiß)? Für das Land (und damit die Gesamtheit der Steuerzahler) wäre das dann doch gut, nicht wahr?
Das erschließt sich mir nicht. Genau das brauchen wir doch: Öffentliche Träger schaffen bezahlbare Konkurrenz, wo sonst meist nur teurer Luxus-Schrott entsteht. Klar könnten wir alles dem Diktat privatwirtschaftlichen Denkens unterwerfen, aber dann werden halt Menschen mit normalem Geldbeutel immer weiter an den Rand verdrängt und die Mitte der Stadt verkommt zur Wüste der Wohlhabenden.
Ich weiß jetzt nicht, wofür diese Stadt noch mehr Theater- und Kulturraumflächen benötigt? Das kostet doch alles irre Geld – und die Bevölkerung nimmt auf Dauer ab, vor allem die, die sich für Kunst, Kultur und Theater interessieren.
Einfach schade! Chance zur vollständigen Rekonstruktion mit moderner Energie, Technik verpasst ! Ihr dacht dass ihr etwas besser gestalten könntet, aber leider zu schwach. Wo ist eine schöne Pracht des alten Molkenmarkt, der die Tourismus anzieht !
Versagen Versagen Versagen Versagen Jahrhunderte Chance weggewischen
So ist es… und noch vile mehr….Dieses Zentrum hätte nur eine Chance mit seinen drei zu rekonstruierenden historischen Vierteln zusammen.(Heiliggeist, Marienviertel und Molkenmarkt). Nur dieser kompakte Block würde genug Schmackes haben, etwas zu revitalisieren… Stattdessen gibt es jetzt bald eine große Grünfläche am Schornstein mit Kugel und einem dann bald abseitig von der fetten Trasse der Grunerstraße liegendem Viertel, dass weder Fisch noch Fleisch ist… Heißt, im großen Zenrum-Nichts wird wie gehabt weitergespielt, nur mit ein paar Gebäude mehr… Bedeutet auch, der Molkenmarkt wird wohl mehr zur prolligen Roten Burg des Alexas zugehörig wahrgenommen werden, als denn irgendwie den Eindruck von Zentrum (geschweige denn „historisch“) zu vermitteln.
Ich denke, es gäbe wirklich bedeutsamere Plätze zu rekonstruieren als das von Nazis und Krieg zerstörte Ensemble am Molkenmarkt mit einem Mix aus Gründerzeit-Geschäftshaus und vielfach aufgestockten und umgebauten Wohnhäusern…
Sieht verdammt gut aus. Wird vielleicht wirklich mal ein schönes Viertel mit spannenden Ecken und Remineszenen an die verschwundene Altstadt.
Gleichzeitig werden Klosterviertel und Nikolaiviertel optisch verbunden. Toll!
In einem Altstadtviertel erwarte ich ein in der Anmutung altes Stadtviertel, d.h. hauptsächlich historische Nachbauten in überzeugender Qualität und Ausführung und ergänzend Neubauten in einer historischen Gestaltung (Architektursprache) und Materialität (Putz, Holzfenster, Holztüren und gegebenenfalls Dachziegel, usw).. Nur so könnte auch etwas für Herz, Seele und Gemüt entstehen.
Das was stattdessen entsteht sind moderne Hochbauten aus Stahlbeton mit vorgehängten Fassaden und Plastik- oder Metallfenstern, die so auch in jedem Neubaugebiet außerhalb eines Jahrhunderte alten Stadtzentrums stehen könnten. Für Herz, Seele und Gemüt wird da nicht viel bei herumkommen. Es wird von der Architektur und Materialität her vermutlich ein eher kaltes und seelenloses Viertel werden.
Trotzdem bin ich natürlich darauf gespannt, wie es in der Realität aussehen und wirken wird. Vielleicht -hoffentlich- irre ich mich ja auch in meiner Einschätzung.
Wie auch immer, besser als die bisherige Stadtödnis und trennende Verkehrsschneise wird dieses Neubauviertel sowieso, weil es zumindest die historische Struktur des alten Berliner Zentrums widerspiegelt und die schreckliche Nachkriegsideologie der autogerechten Stadt endlich korrigiert.
Ziemlich spießig, irgendwie wie Dortmund
Warum muss auf Teufel komm raus das wunderschöne Alte Stadthaus wieder versteckt werden?
Ob diese ewige Planung am Ende zu einem Ergebnis führt? Seit Jahren buddelt man dort rum – wieso steht der Entwurf nicht bereits komplett fest? Und wieso nimmt man nicht einfach die ursprüngliche Bebauung und stockt sie evtl mit 2-3 vollverglasten Stockwerken auf? Dann wären beide unversöhnliche Lager u.U. zufrieden (Rekonstruktion vs Moderne).
Es dürfen nicht fehlen: kalt, seelenlos und ähnlicher Schwachsinn. O wait, DDR 2.0 fehlt noch. Oder auch nicht. Ich find`s gut. Los 4 allerdings ist nicht ganz so überzeugend.
O wait! Wie kann ich’s auf deutsch sagen? Allein die Dachgauben von Los 1 sind furchtbarer Murks – Mittelalter in die kalte, kantige Moderne transferiert. Wozu? Wen soll das überzeugen?
Und so könnte man jedes dieser Lose ohne großen Aufwand zerlegen! Allerdings ist das vielleicht wirklich schwachsinnig, denn das Durchschnittspublikum von heute kann Murks von Qualität nicht mehr unterscheiden. Perlen vor die Säue.
..transformiert..
Was ist denn aus den rekonstruktionsfähigen „Leitbauten“ geworden?
Irgendwie ist das alles erschütternd! Wenn ich mir den ersten Preis in Los 1 ansehe, denke ich, das ist 50er-Jahre (gab in den 50ern übrigens auch sehr gute Architektur, aber die Masse war Müll) mit im Erdgeschoss angeklebter Rundbogenelemente! Die sind irgendwie gelungen, aber der Rest ist „schlechte“ 50er Jahre!
Los 4 ist irgendwie unbeschreiblich! Ich weiß nicht, was ich mit den Entwürfen anfangen soll (mich hätten dazu im Übrigen weniger die Modelle als die Zeichnungen interessiert). Der Witz ist, dass die einzigen aufregenden Bauten die mit der im Mittelfeld geschlossenen Fassade sind – offensichtlich für Kunst und Kultur gedacht! Nur schöner wird das Ganze dadurch auch nicht!
Und Los 2 ist einfach nicht Berlin! Da liegt wohl der Hase im Pfeffer! Irgendwie will man erklärtermaßen hier ein bisschen Italien, Tschechien usw. Ich will hier nix internationales, ich will hier reines Berlin. Und der Entwurf Los 2 ist nicht, ist überhaupt nicht Berlin! Der Fehler ist schon, hier die WBM bauen zu lassen mit der Maßgabe, jedenfalls in wesentlichen Teilen „bezahlbaren“ Wohnraum zu schaffen! Was ist bezahlbarer Wohnraum? Jeder Wohnraum ist bezahlbar, es kommt auf die Finanzkraft des Mieters an! Aber selbst die unter Wegner zu einer sozialistischen Partei mutierte Berliner CDU, von SPD & Co. ganz zu schweigen (… den Sozialismus in seinem Lauf halten weder …) will ja mitten im Zentrum Berlins sozialen Wohnungsbau. Das schränkt die Baukosten und damit die Gestaltungsmöglichkeiten ein! Und die Kosten werden selbst an diesen mediokren Entwürfen „knabbern“ und die Entwürfe noch weiter nach unten ziehen. In allen Städten der Welt sind allein die Bodenpreise im Zentrum „unbezahlbar“. Wer dort sozialen Wohungsbau betreiben will, muss irre sein!
Nach dem unsäglichen Stimmann mit dem Diktat seiner Durchschnittsarchitektur, dem Anhänger von Ritter Sport (Quadratisch, praktisch …) und seiner erklärtermaßen verweigerten Leuchtturmarchitektur kam Regula Lüscher, die zu Recht das Machen Stimmanns deutlich kritisiert hatte … und machte nichts besser, versuchte stattdessen ihre Verantwortung auf das neu geschaffene „Baukollegium“ (das in seinem Dauerversagen abzuschaffen überfällig wäre) zu übertragen, um von ihrer eigenen Fantasielosigkeit abzulenken. Lüscher, die sich als „Schwätzerin“ erwies, ist dann ja gegangen, was Gründe gehabt haben dürfte. Und jetzt Kahlfeldt! Alle hatten nach dem glücklosen Stimmann und der genauso glücklosen Lüscher Hoffnungen in Kahlfeldt gelegt! Indes …
Das Kennzeichen Berliner Stadt-/Landespolitik ist, dass es immer noch schlechter geht. Wer Leute wie den Bürokaufmann und Drucker Müller, die von mir persönlich geschätzte, aber fachlich verachtete Giffey und jetzt diesen kleinbürgerlichen Versicherungskaufmann Wegner zum Regierenden Bürgermeister der einzigen Metropole Deutschlands macht, kann nichts anderes erwarten. Berlin wurde regiert von Willy Brandt, von Albertz, Schütz, Hans-Jochen Vogel, von Weizsäcker (!) … und dann Wowereit, Müller, Giffey, Wegner.
Deutschland wie Berlin werden täglich nach unten durchgereicht. Man denkt, es geht nicht mehr schlimmer … doch, es geht noch viel schlimmer!
Ich leide täglich mit und unter dieser Nation!
Ich finde, dieses Forum ist nicht der geeignete Ort, um immer wieder die eigene negative Weltsicht loszuwerden.
In einem Brief an Frau Kahlfeldt am 10.11. 25 bäume ich mich gegen diese geplante, geschichtslose Bauweise auf dem Molkenmarkt auf. Als Berlinerin tut es mir sehr weh wie geschichtsvergessen hier gehandelt wird. Andere Städte gehen mit ihrer Historie viel würdevoller um, Dresden, Frankfurt a.M., Leipzig, Potsdam etc. Das Nachempfinden alter Straßenzüge, durch Leitbauten, Rekonstruktionen könnte von der Vergangenheit in die Zukunft weisen, unter Verwendung neuer Energiequellen und zeitgemäßer Baumaterialien. Frau Kahlfeldt hat an vielen o.g. Orten, die mit ihren Rekonstruktionen zu Anziehungspunkten in ihren Städten geworden sind, mitgewirkt.
Welche Geschichten ließen sich auf dem Molkenmarkt zur Zorn´schen Apotheke erzählen mit dem Lehrling Johann Friedrich Böttger, der in der Apotheke als Alchemist Gold herstellen sollte. Stattdessen entwickelte er einen anderen kostbaren Stoff. Er überführte diese Erfindung in den Produktionsprozess und war der Gründungsadministrator der Porzellanmanufaktur Meissen. An den Molkenmarkt gehört ein Haus, das an die Apotheke erinnert. Warum nicht auf städtischem Grund durch Erbpachtverträge privat etwas errichtet lassen? Ist das verwerflich?
Udo Badelt schrieb am 16.08.2011 in einer Tageszeitung: Was ist nach den Grabungen am Molkenmarkt geplant: „Wir haben hier die Chance, die Vergangenheit produktiv zu machen und eine Brücke vom Mittelalter ins 21. Jahrhundert zu schlagen…“
Der Jüdenhof, in vergangenen Zeiten errichtet, könnte in der Rekonstruktion die Geschichten bis in unsere Zeit erzählen. Warum nicht diese kleinen Häuser mit ihren Gewerben und ihren Familiengeschichten – auch wieder privat auf Erbpacht- errichten lassen? Wir verschleudern den Ort, die Wiege unserer Stadt und damit den Blick in ihre Entwicklung über Jahrhunderte.
Die sozialen Wohnungen, die ohne Zweifel errichtet werden müssen, lassen sich bestens in die Neuverträge mit den Hochhäusern auf dem Alex einbinden, weil z.B. durch die Insolvenz von Sigma, Bauherren nicht mehr an Altverträge gebunden sind.
Tatsächlich wäre es reizvoll (und ja auch nicht ausgeschlossen!), den Jüdenhof oder einige seiner Gebäude wieder zu errichten, das war ja ein stimmiges Ensemble.
Zu den Planungen direkt am Markt: Durch die rege Abrisstätigkeit rund um den Molkenmarkt seit 150 Jahren machen dort Rekonstruktionen meines Erachtens weniger Sinn, weil dort zuletzt wenig eindrucksvolle Ensembles aus allerlei Gründerzeit-Bauten standen. Und würde man die Zorn´sche Apotheke wieder errichten, wäre der Stadtplatz vor dem Stadthaus, der ja durchaus Charme verspricht, nicht mehr möglich.
Die Entwürfe sind überzeugend und ermöglichen eine gelingende Stadtreparatur. Am Naturstein – Bauqualität – sollte nicht gespart werden. Langlebige Bauten sind nachhaltig, klimafreundlich – statt kurzfristige Konsumbauten vom Fleißband – und reduzieren Folgekosten erheblich, keine aufwendigen Sanierungen nach wenige Jahren notwendig.
zunächst pardon für den Übertragungsfehler „Fließband“ und „wenigen“. Ich erlaube mir noch folgende Anmerkung. Durch seinen leidenschaftlichen Einsatz hat der Sozialdemokrat Hans Stimmann die kleinteilige Neubebauung am Molkenmarkt ermöglicht. Er war/ ist – seine Schriften bleiben als sehr wichtige Diskussionsgrundlage aktuell – der Streiter für die Wiedergewinnung des Gestaltungsmuster der europäischen Stadt in der Berliner Altstadt – nach den städtebaulichen Verheerungen des 20. Jahrhunderts mit seiner ganzen Gewaltgeschichte in Berlin. Dies sollte auch von den Kritikern nicht vergessen werden.
Da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Ich war in den Neunzigerjahren auf mehreren Diskussionsveranstaltungen, auf denen ich Hans Stimmann und seinen Einsatz für die Wiedergewinnung des traditionellen architektonischen und städtebaulichen Gestaltungsmusters im historischen Berliner Zentrum erlebt habe. Ohne seinen Einsatz hätten wir z.Bsp weniger kleinteilige Strukturen im Zentrum. Und überall im Berliner Zentrum, wo man seiner Expertise nicht gefolgt ist, ist nur Murks entstanden (Plätze wurden nicht komplett eingefasst: z.Bsp südl Bhf Frdrstr. am DorotheaSchlegelPlatz ODER die Traufhöhe wurde missachtet: nördl Bhf Frdrstr häßliches Hochhaus, welches das Umfeld komplett verunstaltet ODER die Überdimensionierung/ Missachtung der Kleinteiligkeit bei Neubauten westl.UnterDenLinden: Furchtbare Öde und Monotonie ODER Glasbau am Pariser Platz: keine klassische Gebäudestrukturierung und Materialität: zerstört die gestalterische Harmonie des Platzes durch freche Ignoranz und dummes Geltungsbedürfnis ODER, ODER, ODER Nur Ignoranten und Ahnungslose wissen die Leistung von Hans Stimmann für Berlin nicht zu würdigen. Die überfällige Korrektur der autogerechten Stadt im hist. Zentrum Berlins durch den nun geplanten kleinteiligen Wiederaufbau des Molkenmarkts ist selbstverständlich auch das Verdienst von Hans Stimmann. Ich bin dankbar für das inspirierende Erbe, das er der Stadt Berlin und allen Menschen, die sich für Architektur und Städtebau interessieren, hinterlassen hat.
ja, haben die denn noch alle Kerzen im Leuchter – lese ich richtig, ein neues Theater soll gebaut werden. Nicht dass ich irgendetwas gegen Theater hätte – ganz im Gegenteil. Aber an den vorhandenen Theatern werden die Bühnenvorhänge auf Minirockhöhe gekürzt und hier soll ein neues Theater gebaut werden?! Das muss mal einer verstehen!