Eine Allianz Berliner Bürgervereine bewertet die neuen Pläne für den Molkenmarkt. Sie lobt große Teile der Entwürfe, fordert für Los 4 jedoch deutliche Änderungen an Fassaden, Fenstern und Dachgestaltung.

Die Grafik zeigt die Aufteilung der Lose am Molkenmarkt in Block A und B2.

Das Wettbewerbsgebiet am Molkenmarkt ist in vier Lose gegliedert, die unterschiedliche Bausteine für Wohnen, Gewerbe und Kultur sowie einen gemeinsamen Stadtplatzbereich umfassen. / © Grafik : Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

© Titelbild / Visualisierung: Hemprich Tophof Gv, Berlin mit Max Dudler GmbH, Berlin / Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

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Die Entscheidung über die Architekturentwürfe für Block A und Block B2 hat die Debatte über den Molkenmarkt neu belebt. Eine Allianz mehrerer Berliner Bürgervereine erkennt Fortschritte bei der Gestaltung des künftigen Quartiers an. Ihre Stellungnahme enthält jedoch auch detaillierte Kritik; vor allem an jenem Gebäudekomplex, der den südlichen Abschluss des neuen Stadtviertels bilden soll.

  • Bezirk: Berlin-Mitte
  • Adresse: Molkenmarkt
  • Bauherrin: Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM)
  • Projektstatus: 2. Realisierungswettbewerb abgeschlossen
  • Nutzung: Wohnungen, Gewerbe, Kultur
  • Wohnungen: mindestens 220

Die Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine begrüßt zunächst die grundsätzliche Richtung der neuen Molkenmarkt-Pläne. Sie würdigt, dass Stadtentwicklungssenator Christian Gaebler, Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt und die WBM hohe gestalterische Anforderungen in das Wettbewerbsverfahren aufgenommen hätten.

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In Los 3 setzte sich ein Münchner- und Berliner Bürokonsortium mit einem robusten städtebaulichen Konzept durch.

Los 3 gewann ein Entwurf von P/E/P Architekten + Stadtplaner GmbH, Münster mit Kleihues + Kleihues GvA mbH, Berlin und Muck Petzet Architekten GmbH, München. / © Visualisierung: P/E/P Architekten + Stadtplaner GmbH, Münster mit Kleihues + Kleihues GvA mbH, Berlin und Muck Petzet Architekten GmbH, München

Molkenmarkt: Struktur ermögliche Sichtbeziehungen

Zugleich bedauert das Bündnis, dass Vertreter der Stadtgesellschaft nicht stärker am Verfahren beteiligt waren. Zur Allianz gehören die Berliner Historische Mitte, die Errichtungsstiftung Bauakademie, die Gesellschaft Historisches Berlin, der Berliner Ortsverband von Stadtbild Deutschland und die Stiftung Mitte Berlin.

Positiv bewertet die Allianz die geplante Abfolge am Molkenmarkt aus Plätzen, schmalen Gassen und breiteren Straßen. Diese Struktur ermögliche Sichtbeziehungen zur Nikolaikirche und zum Alten Stadthaus. Zusammen mit kleineren Parzellen könne daraus ein abwechslungsreiches Quartier entstehen.

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Die Bürgervereine sehen allerdings zu wenig Bezug zur konkreten Geschichte des Ortes. Sie vermissen sogenannte Leitfassaden, die frühere Gebäude oder typische historische Gestaltungsmerkmale aufgreifen. Für den später zu planenden Block C und besonders für den Großen Jüdenhof fordert das Bündnis deshalb verbindlichere Vorgaben.

Modellfoto und Visualisierung zeigen, wie Los 2 in Block B am Molkenmarkt aussehen könnte.

Der erste Preis in Los 2 ging an von Ey Henkel Architektur gemeinsam mit internationalen Partnerbüros aus Basel und London. / © Modellfoto: Till Budde / Visualisierung: Ey Henkel Architektur GmbH, Berlin mit jessenvollenweider architektur ag, Basel und Trutz von Stuckrad Penner Architekten TVSP GmbH, Berlin

Molkenmarkt-Pläne: Allianz warnt vor Abstrichen bei der Bauqualität

Die Stellungnahme richtet den Blick auch auf die spätere Umsetzung. Die Allianz fordert, bei Materialien, Fassadendetails und handwerklicher Ausführung nicht aus Kostengründen von den Wettbewerbsentwürfen abzuweichen. Sie begründet dies mit der exponierten Lage zwischen Rotem Rathaus, Altem Stadthaus, Nikolaiviertel und Klosterviertel. Die Gebäude seien nicht nur Wohn- und Gewerbeimmobilien der WBM, sondern prägten langfristig einen zentralen Berliner Stadtraum.

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Die offiziellen Wettbewerbsziele verbinden gestalterische Qualität allerdings ausdrücklich mit Wirtschaftlichkeit. Gefordert waren robuste und langfristig nutzbare Gebäude, die sich wirtschaftlich errichten und betreiben lassen. Die Nutzungen sollen bezahlbares Wohnen ebenso ermöglichen wie Angebote für Gewerbe, Kultur, Bildung und Kreativwirtschaft. Historische Bodenfunde sollen teilweise durch archäologische Fenster sichtbar bleiben.

Das Wettbewerbsgebiet umfasst Block B2 entlang der geplanten Parochialgasse sowie den gesamten Block A und wurde in vier architektonische Lose gegliedert.

Den ersten Preis in Los 4 erhielt Lederer Ragnarsdóttir Architekten mit Baumschlager Eberle für den künftigen Kulturbaustein.

In Los 4 überzeugte ein Berliner Vorhaben von Lederer Ragnarsdóttir gemeinsam mit Baumschlager Eberle als zentraler Kulturbaustein. / © Visualisierung: Lederer Ragnarsdóttir Architekten PartGmbB, Berlin mit Baumschlager Eberle Architekten GmbH, Berlin

Kritik an Los 4: Fassaden am Molkenmarkt sollen überarbeitet werden

Am deutlichsten fällt die Kritik am Siegerentwurf für Los 4 aus. Dieser Bereich umfasst den Kulturbaustein im südlichen Teil von Block A. Den ersten Preis erhielten Lederer Ragnarsdóttir Architekten und Baumschlager Eberle Architekten. Vorgesehen ist ein multifunktionaler Komplex für Kunstproduktion und Kunstpräsentation mit Schwerpunkten bei den Bildenden und Darstellenden Künsten.

Die Allianz hält das Ensemble wegen seiner Lage am Molkenmarkt und an der Stralauer Straße für besonders prägend, bewertet seine architektonische Ausarbeitung aber schwächer als die übrigen Siegerentwürfe.

Proportionen des Molkenmarkt-Eckhauses überzeugen nicht

Im Zentrum der Kritik stehen die Fassaden beiderseits des Eckgebäudes Molkenmarkt und Stralauer Straße. Nach Darstellung der Allianz weisen das zweite und dritte Obergeschoss dort größere geschlossene Bereiche ohne reguläre Fensteröffnungen auf. Punktuell angeordnete Leuchtkörper könnten die fehlende Gliederung nicht ersetzen. Dadurch wirke der Bau zum Molkenmarkt hin verschlossen, während sich die Nutzung von außen nur schwer ablesen lasse.

Auch die Proportionen des Eckhauses überzeugen das Bündnis nicht. An dieser Stelle befand sich früher die Zornsche Apotheke. Nach Ansicht der Allianz verzerrt das überhöhte zweite Obergeschoss die Wirkung des Gebäudes. Zusätzlich stößt die nach oben abknickende Dachkrone auf Kritik.

Die Bürgervereine stellen dem Wettbewerbsentwurf eine bereits 2021 entstandene hypothetische Zeichnung gegenüber, die an dieser Ecke Elemente der früheren Apotheke als Leitfassade aufgreift. Diese Zeichnung gehört jedoch nicht zu den tatsächlichen Molkenmarkt-Plänen.

Eine Architekturzeichnung zeigt mögliche Gebäude am Molkenmarkt in Berlin-Mitte mit kleinteiligen Fassaden, geneigten Dächern und dem Alten Stadthaus im Hintergrund. Die Visualisierung stellt einen hypothetischen Entwurf mit Bezug zur historischen Zornschen Apotheke dar.

Die Visualisierung zeigt einen hypothetischen Entwurf für den Molkenmarkt mit einer historisch gegliederten Bebauung an der Ecke zur Stralauer Straße und dem Turm des Alten Stadthauses im Hintergrund. / © Visualisierung: Patzschke Architekten, / Pakertharan Jeyabalan

Molkenmarkt-Kritik an Fenstern, Dächern und Metallfassaden

Entlang der Stralauer Straße beanstandet die Allianz drei weitere Baukörper. Die ungleichmäßige Anordnung der Fenster erzeuge nach ihrer Einschätzung ein unruhiges Fassadenbild. Zudem entwickelten sich die Dächer nicht klar aus einem sichtbaren Gesims, sondern wirkten wie nachträglich aufgesetzt. Fehlende Gauben verstärkten aus Sicht der Bürgervereine den sterilen Eindruck. Auch grünliche Metallelemente in den oberen Geschossen lehnt das Bündnis ab, da es dafür weder einen gestalterischen Zusammenhang mit dem übrigen Ensemble noch einen historischen Bezug zum Standort erkenne.

Die Allianz fordert deshalb eine Überarbeitung von Los 4, lehnt die Gesamtplanung für den Molkenmarkt jedoch nicht ab. Ob und in welchem Umfang die Kritik in die weitere Planung einfließt, steht offen. Die Wettbewerbssieger haben noch keinen automatischen Anspruch auf den Planungsauftrag. Die WBM führt zunächst mit den prämierten Teams jedes Loses ein Vergabeverfahren. Neben der Platzierung berücksichtigt sie dabei die Organisation der weiteren Bearbeitung und die Honorarangebote.

Ein konkreter Baubeginn oder Fertigstellungstermin wurde für Block A und B2 bislang nicht veröffentlicht. Auch die endgültigen Planungsbüros stehen erst nach Abschluss der Vergabeverfahren fest. Die Wettbewerbsentwürfe sollen voraussichtlich ab September 2026 öffentlich gezeigt werden. Ort und genauer Termin der Ausstellung sind noch offen.

Molkenmarkt

 

Quellen: Allianz der baukulturell engagierten Berliner Bürgervereine, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte, BauNetz

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2 Kommentare

  1. Kurt 14. Juli 2026 at 11:23 - Reply

    Richtige Kritik der Bürgervereine! Los 4 geht dar nicht, in jeder Etage andere Fensterformen, was soll das? Dann Kleinteiligkeit suggerieren, aber für alle Abschnitte das selbe Sockelmaterial vorsehen. Die komischen Lamellen in den oberen Etagen, das Grün, die geschlossenen Dächer, das ist alles sehr unschön. Es ist einzusehen, dass in diesem Bereich Kulturbauten vorgesehen sind, daher auch fensterlose Flächen entstehen, aber so wahllos muss man deshalb noch lange nicht entwerfen.

  2. Böhme 15. Juli 2026 at 03:58 - Reply

    Ich hatte mich zu diesen Entwürfen hier ja schon geäußert. Es sind im Grunde die Kästen aus den 70ern des letzten Jahrhunderts, die man mit angeklebten Vorsprüngen, Rundbögen und Bogengängen ein wenig aufzuwerten versucht hat. Ich halte die Kritik der Bürgervereine für völlig berechtigt und hatte sie ähnlich formuliert. Aber: Das ist Folge des Umstandes, dass man hier zum guten Teil sozialen Wohnungsbau (mitten im Zentrum einer 3,8-Mio.-Einwohner-Stadt mit entsprechenden Bodenpreisen) etablieren will. Heißt: Bei allen Entwürfen müssen die Kosten klein gehalten werden. Ich hatte darüber hinaus bemängelt, dass ich die wirtschaftliche Basis für die geplanten Kultur- und Unterhaltungseinrichtungen nicht sehe. Berlin hat Opern, Theater, Konzerthallen ohne Ende, die in weiten Teilen nicht mehr gefüllt werden, was sich mit dem zunehmenden kulturellen Desinteresse der Jeunesse, aber vor allem auch der zugewanderten Kulturkreise weiter reduzieren wird. Das Quartier ist schwierig: Nach Lage müssten dort deutlich gehobene Bevölkerungsschichten hinziehen. Aber die Bedingungen, irgendjemanden, der Geld hat, dort sich ansiedeln zu lassen, sind schlecht. Man sollte gehobene große Mietwohnungen anbieten und dazu mehr in die Höhe bauen!

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