Die Berliner Senatsverwaltung schafft mit dem zweiten Teil der Leitlinien Rahmenbedingungen für die weitere Bebauung des Molkenmarkts. Nutzungsmix, Höhenentwicklung und Gestaltung sind nun klarer definiert. Das neue Quartier soll nachhaltig und mit historischem Bezug gestaltet werden.

Die Bebauungsleitlinien für die Blöcke A und den südlichen Teil von B wurden nun festgelegt. / © Grafik: C4C // Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Gerd Eichmann, CC BY-SA 4.0
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen hat den zweiten Teil der Bebauungsleitlinien für das Molkenmarkt-Quartier veröffentlicht. Zusammen mit dem ersten Teil bilden die Leitlinien die Grundlage für die städtebauliche Umsetzung des neuen Quartiers, das historische Stadträume Berlins neu beleben und zugleich moderne Wohn-, Gewerbe- und kulturelle Nutzungen integrieren soll.
Festgelegt wurde insbesondere, wie die künftige Bebauung auf den Flächen der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) in den Blöcken A und B aussehen soll. Die Leitlinien umfassen dabei nicht nur die architektonische Gestaltung, sondern auch ein Konzept für Funktion, Nutzung und Infrastruktur.
Bebauungsleitlinien geben Vorgaben für Neustrukturierung des historischen Stadtkerns
Das Ziel der Leitlinien ist die Neustrukturierung des historischen Stadtkerns. In unmittelbarer Nähe zum Alten Stadthaus und zur Alten Münze soll ein Stadtquartier mit einer Mischnutzung aus Wohnen, Gewerbe, Gastronomie, Kultur und Tourismus realisiert werden. Im Bebauungsplan ist dafür vorgesehen, die Bundesstraße B1 um ein kleines Stück zu verlegen. So sollen weitere Bauflächen erschlossen werden.
Außerdem liefern die Bebauungsleitlinien mithilfe von Block- und Gebäudesteckbriefen detaillierte Grundlagen für anschließende Bauwettbewerbe. So sind die Vorgaben zur Höhenentwicklung, zur Materialität und Farbgebung sowie zur Dachstruktur nun verbindlicher definiert.
Neue Bebauung am Molkenmarkt: Helle Fassaden und vier bis sechs Geschosse
Zu den gestalterischen Vorgaben gehört etwa die Verwendung langlebiger Materialien: Sockelbereiche sollen zum Beispiel aus Naturstein wie Rüdersdorfer Kalk- oder Sandstein bestehen, die Fassaden darüber aus Putz oder Naturstein. Die Farbgebung orientiert sich an klassischen Berliner Tönen wie gebrochenem Weiß, Sand oder Ocker.
Auch die Gebäudehöhen sind klar geregelt. Während im Kerngebiet eine sechsgeschossige Blockrandbebauung vorgesehen ist, wird in anderen Abschnitten nur maximal viergeschossig gebaut. Die Leitlinien fordern beispielsweise eine möglichst kleinteilige Ausformung entlang der Parochialgasse und der Jüdenstraße – sowohl in Parzellierung, Höhenentwicklung als auch in der Fassaden- beziehungsweise Erdgeschossstruktur. In den jeweiligen Gebäudesteckbriefen werden detaillierte Vorgaben zu Trauf- und Dachhöhen, Geschosshöhen und Nutzungen formuliert.
Berlin-Mitte: Nutzungsmix aus Wohnen, Gewerbe, Einzelhandel, Gastronomie und Kultur
Die Nutzungen variieren je nach Stockwerk und Gebäude. Während in den Erdgeschossen viel Einzelhandel und Gastronomie einziehen soll, sind in den Obergeschossen hauptsächlich Wohnungen und Gewerbe vorgesehen. In Block A ist zusätzlich ein Kulturhaus mit Probebühnen und Ausstellungsflächen vorgesehen, was das Quartier auch in kultureller Hinsicht aufwertet.
Ein signifikanter Anteil der Wohnungen, die am Molkenmarkt entstehen, soll gefördert sein. Die Erdgeschosse werden adressbildend gestaltet, Eingänge klar definiert, und Fußwege durch großzügige Durchgänge und öffentliche Räume vernetzt. Ein zentraler Stadtplatz gegenüber dem Alten Stadthaus soll als Herz des Quartiers dienen.
Molkenmarkt-Quartier: Historischer Bezug durch „archäologische Fenster“ und Fassadengestaltung
Nachhaltigkeit und technische Infrastruktur sind ebenfalls zentral. Die Leitlinien sehen vor, dass Dachflächen für Regenwasserretention und Photovoltaik genutzt werden, während Haustechnik möglichst unauffällig integriert wird. Fahrradstellplätze und Abfallräume sollen effizient in Untergeschossen oder Innenhöfen untergebracht werden. Gleichzeitig sind barrierefreie Zugänge für alle Wohn- und Gewerbeeinheiten festgeschrieben.
Die Leitlinien heben außerdem den historischen Bezug des neuen Quartiers hervor. Historische Relikte sollen als „archäologische Fenster“ in die Quartiersgestaltung integriert werden, sodass die Geschichte des Ortes sichtbar bleibt. Die Materialwahl und Fassadengliederung sollen historische Anklänge aufnehmen, während die Gebäude zugleich den Anforderungen eines modernen, städtischen Lebens gerecht werden sollen.
Berlin-Mitte: Architekturwettbewerbe sollen bald starten
Trotz der klaren Vorgaben wird bewusst ein gewisser Spielraum für architektonische Kreativität eröffnet, um kommende Realisierungswettbewerbe zu fördern.
„Mit der Veröffentlichung der Bebauungsleitlinien für die verbliebenden Bauflächen der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) im Block A und B haben wir alle Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die weiteren hochbaulichen Wettbewerbe zügig starten können“, sagt Christian Gaebler, Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen. Ein Wettbewerb für die ersten Teilflächen des neuen Molkenmarkt-Quartiers wurde vor Kurzem bereits entschieden.
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
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7 Kommentare
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Gut, dass es voran geht! Detaillierte Gebäudesteckbriefe und Vorgaben heben erfahrungsgemäß die Qualität der Entwürfe. Dass hier sehr hochwertig gebaut werden soll, gleichzeitig alles in Hand des gleichen kommunalen Bauherren ist und möglichst viele günstige Wohnungen entstehen sollen, ist jedoch die berühmte „eierlegende Wollmilchsau“.
Meiner Ansicht nach sollte hier die architektonische Qualität im Vordergrund stehen. Kommunale Sozialwohnungen lassen sich anderswo mehr und günstiger bauen, die historische Mitte gibt es hingegen nur einmal. Ich hoffe jedenfalls, dass andere politische Mehrheiten nicht aus ideologischen Gründen alles wieder umwerfen, sondern den einmal beschrittenen Weg fortsetzen. Dass hier viel zu lange nichts passiert ist, hat das Bauen jedenfalls nicht günstiger gemacht.
Hallo Kurt, beim Molkenmarkt geht es nicht um Sozialwohnungen. Geplant sind laut dieser Seite etwa 500 Wohnungen, davon die Hälfte mit Mietpreise im Mietspiegelsegment. Auch das sind beileibe keine Sozialwohnungspreise, sondern Durchschnittsmieten.
Abgesehen davon begrüße ich die tollen Leitlinien mit Naturstein, Putz und roten Dachziegeln sehr, das kann echt toll werden.
Bei den Sozialwohnungen bin ich ganz bei Ihnen. Die Hauptkosten – das wird immer wieder bei der leidigen Diskussion, die Standards beim Bau herabzusetzen – werden nicht durch Baustandards gesetzt, sondern vor allem durch die Bodenpreise. Die Bodenpreise in Innenstädten waren schon immer „irre“ hoch, das gilt erst Recht für Großstädte, das gilt seit Jahren vor allem für Berlin (unter anderem übrigens begründet, weil die Provinzschnepfen in den Bezirksverwaltungen und Bezirksparlamenten sich bedingungslos Hochhäusern, gar Wolkenkratzern – Mindesthöhe 150 Meter – mit den abstrusesten Argumenten entgegenstellen)! Und Flächen mit diesen Bodenpreisen im Zentrum der Millionenstadt Berlin für „sozialistische“ Mietpreise zu verschwenden, kann nicht richtig sein.
Was die Qualität des Bauens angeht: Die bereits beschiedenen Bauten, die demnächst errichtet werden sollen, sind denn reichlich medioker. Daran wird sich nichts ändern. Berlin kann einfach nicht anders! Und wer die Mitarbeiter in der Bauverwaltung bis rauf in die Senatsbauverwaltung kennt, weiß, woran es liegt!
Es ist ja ein bisschen Standard, in dieser Stadt immer auf „Provinzschnepfen“ in politischen Vertretungen und Behördern zu schimpfen, und mit dem Satz „Berlin kann einfach nicht anders!“ der ganzen Stadt und ihren Bewohnern die Schuld an irgendwas zu geben – wobei sich der Verfasser stets ausnimmt. Aber Sie ahnen schon: Solche Schuldzuweisungen sind reichlich unterkomplex.
Unterkomplex ist auch Ihre Behauptung, Mietpreise im Mietspiegelsegment seien „sozialistisch“. Wenn Sozialismus schon bedeutet, dass sich die gehobene Mittelschicht eine Wohnung leisten kann, bin ich gerne Sozialist. Und wie Hochhäuser über 150 Meter die Bodenpreise senken, sollten Sie auch erklären.
Bisher zeigt sich eher, dass sich solche Bauten kaum rechnen, weswegen ja rechtlich mögliche Vorhaben aus wirtschaftlichen Gründen kaum voran kommen.
Also, ich kenne genügend Leute aus der Berliner Verwaltung: Provinzschnepfen. Und weshalb man Ihnen erklären muss, dass in die Höhe zu bauen die Bodenpreise regulieren kann, bleibt unverständlich. Wenn ich Wohnraum auf 15.000 Quadratmeter schaffe mit fünf, sechs Geschossen, oder auf 2.500 Quadratmeter und mit 180 Metern Höhe, dann verbrauche ich in letzterem Falle sehr viel weniger Grund und Boden. Mit den 15.000 Quadratmetern verbrauche ich das Mehrfache an Fläche – und diese ist begrenzt. Und da greift dann der Grundsatz von „Angebot und Nachfrage“. Je geringer das Angebot, je höher der Preis!
Und was die Mietpreise angeht: Selbstverständlich muss es bezahlbaren Wohnraum geben. Den kann es aber nicht im Zentrum einer knapp 4-Millionen-Einwohnerstadt geben, weil dort die Bodenpreise und daraus folgend die Baukosten am höchsten sind! Sozialer Wohnungsbau findet durch steuerliche Förderung statt. Das ist für den Steuerzahler unbezahlbar, für den Bauherren erst Recht!
Und zählen Sie mir mal auf, wo rechtliche mögliche Bauvorhaben aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorankommen – „Butter bei de Fische“! Aber: Wenn denn die Wirtschaft nicht hoch hinaus bauen will, weil es – wie Sie substanzlos meinen – nicht wirtschaftlich ist, dann soll das so sein. Es ist aber die Berliner Bauverwaltung, die höheres Bauen verhindert. Ein schönes Beispiel taucht hier auf entwicklungsstadt.de immer wieder auf: Der Central-Tower an der Jannowitzbrücke! Das Gebäude ist, mit Ausnahme der Materialwahl, todlangweilig, der – aufgrund der mediokren Berliner Bauverwaltung – den klassischen Schuhkarton, hochkant gestellt, mit Schießscharten als Fenster, darstellt. Aufregend wurde er im oberen Segement, den oberen 15 Metern. Nur: Die dürfen jetzt nicht mehr gebaut werden! Es bleibt der langweilige hochkant gebaute Schuhkarton mit Schießscharten als Fenster! Gescheitert an der piefigen, miefigen, linkskleinbürgerlichen, linksspießigen Bauverwaltung!
Anderes Beispiel: Die Eigentümer des Gebäudes gegenüber dem Theater des Westens wollten den Turm um einige Stockwerke aufstocken. Die verantwortlichen Sozis in der Bauverwaltung waren dazu bereit! Bedingung: Keine Werbung mehr auf dem Metallsegel. Diese dümmliche Werbungsfeindlichkeit (für diese gibt es ein schönes anderes Beispiel: BMW hatte am Kurfürstendamm – heute Spielbank Berlin – eine Repräsentanz. Und vergleichbar mit dem Mercedes-Stern auf dem Europa-Center wollte man dort auf dem „Eckturm“ das BMW-Emblem – drehend. Natürlich an den Sozis in der Bauverwaltung gescheitert, weil Werbung den armen, wehrlosen Menschen verführt und daher „äh-bäh“ ist.
„Den Sozialismus in seinem Lauf …“! Sie bekennen sich als Sozialist! Dumm nur: Der Sozialismus ist nicht nur im Ostblock gescheitert, er ist in Asien gescheitert, in China, in Vietnam, in Kambodscha, Laos, er ist in allen afrikanischen Staaten, die sich daran versucht haben, in Süd- und Mittelamerika, also kurz weltweit gescheitert. Und das liegt nicht an bösen kapitalistischen Kräften, sondern schlicht am Sozialismus. Er funktioniert schlicht nicht!!! Und deswegen funktionieren auch „sozialistische“ Mietpreise im Zentrum von Berlin oder jeder anderen Stadt nicht! Menschen sind kraft Genetik nicht sozialistisch. Deswegen hat Rudi Dutschke (nicht nur der) mit einem wahnhaften Gesichtsausdruck in einer Schwarz-weiß-Filmaufnahme“ die „Umerziehung“ der Menschen verlangt!
Ihr Kommentar liest sich ein wenig so, als hätten Sie ihn schreiend verfasst. Entsprechend ist es gar nicht einfach, darauf sachlich zu antworten.
Nur soviel: Dass bei Hochbauten wahnsinnig viel Fläche für die Erschließung des Gebäudes draufgeht, müssten Sie als eventueller Architekturfachmann wissen. Dass die zahlreichen Hochhäuser um den Alex im Kollhoff-Plan bisher nicht gebaut wurden, kann nicht ausschließlich an Ihren „Schnepfen“ in der Bauverwaltung liegen, sondern liegt ganz offensichtlich am Mangel an Investoren.
Warum Hochbaufans stehene Fenster als „Schießscharten“ abtun, war mir noch nie klar. Wollen Menschen wie Sie die ganze Welt mir Achtzigerjahres-Spiegelfassaden beglücken? Und welchen Nutzen haben BMW-Logos im Stadtbild? Glauben Sie und Ihre Blase etwa, irgendjemand kauft sich deswegen einen BMW?
Schade, dass sie durch ihren Wutanfall nicht in der Lage waren, meinen Satz zum Thema Sozialismus zu verstehen. Wenn Sie noch einmal nach einer Tasse Beruhigungtee durchlesen, werden Sie feststellen, dass ich mich keineswegs als Fan des Sozialismus bezeichnet habe. Ich habe mich lediglich als Fan von leistbaren Wohnungen für Mittelschichtangehörige in der Innenstadt bezeichnet, weil ich es nicht richtig finde, dass Sie es offenbar richtig finden, dass sich ausschließlich Superreiche Wohnungen in der Innenstadt leisten können…
In diesem historischen Viertel sollte mehr Wert auf architektonische Details gelegt werden. Graue, moderne Kisten zu bauen, wäre im Molkenmarkt-Viertel ein Witz. Die Fassaden der Gebäude sollten zu den umliegenden Gebäuden wie dem roten Rathaus und anderen historischen Gebäuden in diesem Viertel passen. So etwas wie das, was in Potsdam, Dresden und Frankfurt im „klassischen Stil” gebaut wurde. Wir haben sehr darunter gelitten, dass Berlin ein historisches Stadtzentrum hat, daher sollte diese Gelegenheit nicht verpasst werden.Sozialwohnungen mit mehreren Stockwerken können überall in Berlin gebaut werden, aber nicht in diesem historischen Viertel.Wir können das Problem der Wohnungsknappheit in Berlin nicht in diesem kleinen Molkenmarkt-Viertel lösen, indem wir Hochhaus-Ghettos bauen….