Am Rathenauplatz in Frankfurt nehmen die Pläne für den Hugendubel-Gebäudekomplex konkrete Formen an. Durch ein Architekturauswahlverfahren entstanden Entwürfe, die den Platz aufwerten und historische Strukturen bewahren sollen.

Am Rathenauplatz kündigt sich ein Wandel an: Der bestehende Gebäudekomplex an der Ecke Steinweg soll künftig neu gedacht werden und die Gegend in direkter Nähe zu Zeil und Hauptwache prägend weiterentwickeln. / © Foto: Wikimedia Commons, Simsalabimbam, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Andreas Praefcke, Public domain
Der Rathenauplatz in Frankfurt steht vor einer städtebaulichen Veränderung, die das Gesicht des Quartiers prägen könnte. An der Ecke Steinweg, nur wenige Minuten von der Zeil und dem Verkehrsknotenpunkt Hauptwache entfernt, soll der alte Gebäudekomplex künftig moderner genutzt werden.
Die Pläne für eine Modernisierung oder einen Neubau nahmen nun durch ein privates Architekturauswahlverfahren konkrete Formen an. Das Büro cyrus.architekten, mit Standorten in Bremen und Frankfurt, setzte sich dabei durch und wurde mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Damit liegen nun Entwürfe für die mögliche Zukunft des Komplexes vor.
Architekturwettbewerb entschieden: konkreter Ablauf und Umfang der Umsetzung bisher noch unklar
Der Wettbewerb widmete sich der Frage, wie vorhandene Bauwerke zukunftsorientiert weiterentwickelt werden können. Das gesamte Auswahlverfahren fand im vergangenen Jahr statt, insgesamt gab es vier teilnehmende Büros. Dabei arbeiteten die Eigentümer eng mit dem Stadtplanungsamt zusammen, um städtebauliche Vorgaben und planerische Anforderungen frühzeitig zu berücksichtigen.
Die Eigentumsverhältnisse gestalten sich kompliziert. Zwei Familienstiftungen und ein Frankfurter Immobilienunternehmer aus der Signa-Gruppe halten Anteile an dem Komplex. Bevor der Entwurf von cyrus.architekten also umgesetzt werden kann, müssen die Eigentümer zunächst eine gemeinsame Strategie finden und die baurechtlichen Rahmenbedingungen klären. Ob und wann es zur Realisierung kommt, bleibt derzeit offen.
Rathenauplatz, Umbau oder Neubau: Was sehen die Siegerentwürfe von cyrus.architekten konkret vor?
Die Eigentümer des Rathenauplatz-Komplexes prüfen derzeit noch, ob das Gebäude modernisiert oder vollständig neu errichtet werden soll. Cyrus.architekten lieferten Entwürfe für beide Szenarien. Selbst die Neubauvariante orientiert sich dabei stark am bestehenden Bau, die historischen Strukturen sollen weitgehend erhalten bleiben. Im Zentrum der geplanten Umbauarbeiten stehen also entweder eine zeitgemäße Revitalisierung des Bestandsgebäudes oder ein historistischer Neubau. Zudem erhoffen sich die Projektbeteiligten durch die Maßnahmen eine städtebauliche Aufwertung des Rathenauplatzes.
Der Entwurf für das Bestandsgebäude sieht vor, zwei Geschosse abzutragen und vier neue, leichte Geschosse in Holzkonstruktion aufzusetzen. Ziel ist eine Nachverdichtung, die den historischen Charakter bewahrt. Ergänzend sind begrünte Dachflächen, Innenhöfe und eine Nutzungsmischung vorgesehen, um den Komplex vielfältiger und attraktiver zu gestalten.
Hotelstandort am Rathenauplatz: Umbau könnte einen Standort für das historische „Hotel zum Schwan“ bieten
In der Neubauvariante von cyrus.architekten ist zudem eine Hotelnutzung vorgesehen. Damit könnte das historische „Hotel zum Schwan“ am Standort wiederbelebt werden, inklusive Skyline-Blick und Pool. Das Gebäude würde sich stärker zum Rathenauplatz öffnen und die städtebauliche Situation verändern. Geplant sind Eingänge sowohl vom Steinweg als auch von der Biebergasse, um die Zugänglichkeit für Besucher zu erhöhen.
Das „Hotel zum Schwan“ blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits 1592 etablierte es sich als vornehmes „Gasthaus am Steinweg“, 1791 wurde es im klassizistischen Stil neu errichtet. Historische Bedeutung erlangte es vor allem 1871, als hier der „Frankfurter Frieden“ unterzeichnet wurde. Nach Umwandlungen in ein Geschäftshaus, Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg und einem Neubau im Jahr 1949 beherbergte das Gebäude zudem mehrere Kinos und Geschäfte.
Nachverdichtung in Innenstädten: Projekt am Rathenauplatz ist charakteristisch für aktuelle Entwicklungen
Nachverdichtungen gewinnen in deutschen Innenstädten zunehmend an Bedeutung. Vor allem wenn dabei, wie hier am Rathenauplatz, behutsam mit der historischen Bausubstanz umgegangen wird, lassen sich solche Projekte aus städtebaulicher Sicht als grundsätzlich positiv bewerten.
Auch der vorgesehene Nutzungsmix entspricht aktuellen Entwicklungen in der Frankfurter Innenstadt. Monokulturen wie reine Einkaufsstraßen wandeln sich zunehmend zu lebendigen, vielfältig genutzten Stadtvierteln. Das Projekt könnte so zu der Bereicherung der Frankfurter Innenstadt beitragen und dem Rathenauplatz gleichzeitig neues Leben verleihen. Ob und vor allem wann genau damit konkret begonnen werden kann, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.

Schon früher galten Goethe- und Rathenauplatz als repräsentative Orte in der Stadt Frankfurt. Das Bild zeigt das Hotel zum Schwan und rechts den Steinweg bei der 25-jährigen Jubiläumsfeier des Sedantags am 2. September 1895. / © Foto: Wikimedia Commons, Fotograf: Friedrich Lauffer (1868-1940), Quelle: Stadtarchiv Frankfurt

Der „Friede von Frankfurt“ zwischen der Französischen Republik und dem Deutschen Reich wurde am 10. Mai 1871 im Frankfurter Hotel Zum Schwan geschlossen. Heute erinnert eine Gedenktafel am Rathenauplatz an dieses Ereignis. / © Fotos: Wikimedia Commons, links: Holzschnitt aus der Leipziger Illustrierten Zeitung vom 3. Juni 1871, Institut für Stadtgeschichte, Frankfurt a.M., rechts: Dirk Schneider (ds-foto), CC BY-SA 3.0
Quellen: cyrus.architekten, Skyline Atlas, Wikipedia
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



