Straßenbäume sollen dicht bebaute Quartiere kühlen und Regenwasser aufnehmen. Doch eine neue Baum-Bilanz für Berlin-Mitte zeigt, wie schwer es ist, den Bestand zu halten. Besonders die Entwicklung der vergangenen beiden Jahre fällt auf.

Neu gepflanzte Straßenbäume mit hölzernen Stützgerüsten stehen entlang mehrerer Wege in einer Grünanlage in Berlin-Mitte.

Neu gepflanzte Bäume ergänzen den Bestand in Berlin-Mitte. Zwischen 2016 und 2025 wurden im Bezirk insgesamt 3.081 Straßenbäume neu gepflanzt. / © Foto: Bezirksamt Mitte

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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In Berlin-Mitte stehen Straßenbäume unter schwierigen Bedingungen. Hitze, Trockenheit, Verkehr, Leitungen und Bauarbeiten setzen ihnen zu. Gleichzeitig gewinnen sie für die Klimaanpassung an Bedeutung. Neue Zahlen des Senats zeigen nun, wie sich Pflanzungen und Fällungen im Bezirk seit 2016 entwickelt haben; und an wie vielen Stellen derzeit gar kein Baum mehr steht.

  • Bezirk: Berlin-Mitte
  • Betrachteter Zeitraum: 2016 bis 2025
  • Neugepflanzte Straßenbäume:081
  • Gefällte Straßenbäume:061

Zwischen 2016 und 2025 ließ der Bezirk 3.081 Straßenbäume pflanzen. Im gleichen Zeitraum wurden aber auch 4.061 Bäume gefällt. Damit ergibt sich aus Pflanzungen und Fällungen rechnerisch ein Minus von 980 Bäumen. Allerdings weist das Bezirksamt zusätzlich Bestandskorrekturen aus, etwa aufgrund nachträglich erfasster Zu- und Abgänge oder neuer Bestandsprüfungen.

Baum-Bilanz Berlin-Mitte: 2024 und 2025 besonders viele Fällungen

Die einzelnen Jahre unterscheiden sich dabei erheblich. 2019 wurden 507 Straßenbäume gepflanzt und 406 gefällt. Auch 2020 war die Bilanz mit 424 Pflanzungen gegenüber 295 Fällungen positiv. Gleiches galt 2022 mit 407 neuen und 267 gefällten Bäumen. In anderen Jahren überwogen dagegen die Verluste deutlich. 2017 standen 295 Pflanzungen 610 Fällungen gegenüber.

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Zuletzt verschlechterte sich die Bilanz erneut. Im Jahr 2024 wurden 244 Straßenbäume gepflanzt und 495 gefällt. 2025 kamen 363 neue Bäume hinzu, während 569 gefällt wurden. Allein in diesen beiden Jahren ergibt sich damit aus Pflanzungen und Fällungen ein Minus von 457 Straßenbäumen.

494 freie Baumscheiben und 1.347 Stubben in Berlin-Mitte

Hinzu kommen zahlreiche Standorte, an denen derzeit gar kein Baum wächst. Das Bezirksamt zählt 494 freie Baumscheiben und weitere 1.347 Stubben im Straßenraum. Ob diese insgesamt 1.841 Standorte wieder bepflanzt werden können, steht jedoch nicht fest. Nach Angaben des Bezirks erfolgt die Prüfung der Wiederbepflanzbarkeit erst im Zuge konkreter Neupflanzungsvorhaben.

Parallel versucht Mitte, die Bedingungen für bestehende und neue Straßenbäume zu verbessern. Dazu gehört die Entsiegelung von rund 2.000 Quadratmetern Straßenfläche. Rund 50 sogenannte Grüne Gullys sollen Regenwasser in den Boden leiten. Weitere Flächen werden unter anderem durch größere und miteinander verbundene Baumscheiben entsiegelt. Erste Maßnahmen laufen in der Togostraße, am Nordufer und in der Adolfstraße.

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Torstraße zeigt, warum Straßenbäume in Berlin-Mitte verschwinden

Wie unterschiedlich die Ursachen für Baumverluste sind, zeigt die Torstraße. Dort dokumentiert die Verwaltung für die Jahre 2022 bis 2025 acht Fällungen. Genannt werden unter anderem ein Bauvorhaben, ein Sturmschaden, abgestorbene Bäume, Faulstellen und Pilzbefall, eine biologische Schädigung sowie ein Unfallschaden. Unabhängig von den Fällungen im Zuge der geplanten Baumaßnahme seien derzeit keine weiteren Fällungen aus der regulären Grünunterhaltung bekannt.

Das ist relevant, weil beim geplanten Umbau der Torstraße weitere Bäume betroffen sein könnten. Nach Angaben der Senatsverwaltung sollen für das Vorhaben 32 Bäume gefällt und 24 neu gepflanzt werden. Der Baubeginn ist derzeit für das vierte Quartal 2026 vorgesehen.

Visualisierung Torstraße mit Radweg

Die Visualisierung des Senats zeigt, wie die Torstraße in Berlin-Mitte nach dem geplanten Umbau aussehen könnte – mit neuen Radwegen, neu geordneten Fahrspuren und mehr Grünflächen. / © Visualisierung: bloomimage

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Nicht jede frühere Baumscheibe kann wieder bepflanzt werden

Ein ungewöhnlicher Einzelfall zeigt zugleich, warum eine ehemalige Baumscheibe nicht zwangsläufig erneut genutzt wird. Auf dem Hackeschen Markt musste am 17. Februar 2023 ein Baum nach einem Sturmschaden gefällt werden. Laut Bezirksamt hatten Händler zuvor wiederholt altes Frittieröl und andere Flüssigkeiten in die Baumscheibe geschüttet und die Fläche als Ablage genutzt. Eine Neupflanzung hielt die Verwaltung deshalb für nicht tragbar und ließ die Fläche schließen.

An anderen Stellen entstehen dagegen bessere Bedingungen für Stadtgrün. An der Pohl- und Kluckstraße wurden entsiegelte Flächen unter Straßenbäumen neu bepflanzt. Auch in der Triftstraße, Gerichtstraße, Thomasiusstraße und Kirchstraße hat der Bezirk Flächen geöffnet oder Baumscheiben vergrößert. Die neue Baum-Bilanz zeigt dennoch: Bei den Straßenbäumen konnte die Zahl der Pflanzungen die Fällungen im betrachteten Zehnjahreszeitraum nicht ausgleichen.

 

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, Schriftliche Anfrage 19/27079, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Bezirksamt Mitte von Berlin

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2 Kommentare

  1. Mitte-Mitte-Anwohnerin 25. September 2026 at 20:34 - Reply

    Mitte hat einige Hitzeinseln -> logische Antwort: mehr Bäume und gerne auch Wasser zum kühlen.
    Soweit die Theorie.

    Realität: Weniger Bäume, noch mehr Hitze, in dieser Folge mehr Hitzetote, etc.

    Das ist doch absurd!

  2. Löwe 26. September 2026 at 11:35 - Reply

    Berliner Baumgesetz beschlossen
    Berlin soll bis 2040 mehr als doppelt so viele Bäume bekommen
    Mo 03.11.2025 https://www.rbb24.de/politik/beitrag/2025/11/berlin-abgeordnetenhaus-baumentscheid-sondersitzung-stadtbaeume.html

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