Beton gilt als Sinnbild für Dauerhaftigkeit, doch auch dieser Baustoff altert. Im Interview erläutert Philipp Brandner von Unisan, warum Betonsanierung heute ein zentrales Thema für Sicherheit, Nachhaltigkeit und den langfristigen Erhalt unserer Bauwerke ist.

Sanierung findet oft im Verborgenen statt, entscheidet aber über die Zukunft ganzer Infrastrukturen. Philipp Brandner erklärt im Interview, warum präventiver Substanzerhalt ökologisch sinnvoller ist als Abriss und Neubau. / © Foto: Unisan GmbH

© Fotos: Unisan GmbH

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Beton ist das Rückgrat der modernen Bauwelt. Vom einfachen Gehweg bis zur komplexen Verkehrsbrücke prägt der Werkstoff seit Jahrzehnten das Bild unserer Städte und Infrastrukturen. Doch der scheinbar stabile Baustoff hat seine Schwächen. Sichtbare Risse, abplatzende Stellen, rostende Bewehrung, was wie kleine Schönheitsfehler aussieht, kann langfristig fatale Folgen haben. Wer sich um den Erhalt dieser Bausubstanz kümmert, ist oft im Hintergrund tätig, leistet dabei aber einen essenziellen Beitrag zur Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit des Bauens.

Ein Unternehmen, das sich dieser Aufgabe seit mittlerweile vier Jahrzehnten widmet, ist Unisan. Gegründet in einer Zeit, als Betonsanierung kaum als eigenes Fachgebiet wahrgenommen wurde, hat sich das Unternehmen zu einem Spezialisten mit umfassender Expertise entwickelt. Philipp Brandner gehört zur Geschäftsleitung und kennt die Entwicklung des Unternehmens und der Branche im Detail. Im Gespräch wird deutlich, wie sich das Verständnis für Beton gewandelt hat und warum das Thema Sanierung heute aktueller ist denn je.

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Redaktion: Herr Brandner, vier Jahrzehnte Unternehmensgeschichte bieten viel Stoff für Rückblicke. Wie hat sich Unisan seit der Gründung verändert?

Philipp Brandner: Die Anforderungen sind über die Jahre deutlich komplexer geworden. Als das Unternehmen Anfang der 1980er-Jahre gegründet wurde, war Betonsanierung ein eher handwerklich geprägtes Tätigkeitsfeld. Es ging hauptsächlich darum, Schäden zu beheben, die bereits sichtbar und oft weit fortgeschritten waren. Heute ist unser Ansatz ein völlig anderer. Wir betrachten Bauwerke ganzheitlich, analysieren Zustände detailliert, planen vorbeugend und beraten Bauherren frühzeitig. Auch technisch hat sich vieles getan. Die Werkzeuge, Materialien und Verfahren, die wir heute einsetzen, waren damals schlicht nicht verfügbar.

Redaktion: Wie hat sich denn das Verständnis für Beton als Baustoff in der Öffentlichkeit verändert?

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Brandner: Früher war Beton der Inbegriff von Dauerhaftigkeit. Viele waren überzeugt, dass ein einmal errichtetes Bauwerk aus Beton praktisch wartungsfrei sei. Diese Illusion ist mittlerweile verschwunden. Es hat sich herumgesprochen, dass Beton altert und auf Umwelt- und Nutzungseinflüsse reagiert. Besonders Chloride aus Streusalz, Feuchtigkeit, CO₂ aus der Luft oder mechanische Belastungen können die Substanz und vor allem die Bewehrung langfristig schädigen. Heute ist klar, dass auch ein Betonbau regelmäßige Pflege und Instandhaltung benötigt.

Redaktion: Trotzdem wirkt das Thema Betonsanierung oft wie ein Nischenthema. Woran liegt das?

Brandner: Vielleicht, weil es nicht spektakulär ist. Sanierung passiert meist im Verborgenen, ohne große Gesten. Niemand stellt sich vor ein frisch beschichtetes Parkdeck und sagt: „Wow, das sieht aber toll aus“. Aber genau dort liegt das Paradoxe. Die Relevanz ist riesig, die Sichtbarkeit gering. Dabei sprechen die Zahlen eine klare Sprache. In Deutschland gibt es zehntausende Bauwerke, die sanierungsbedürftig sind. Viele davon wurden in den 60er- und 70er-Jahren errichtet. Ihre Lebenszyklen enden in den kommenden Jahren. Hier entsteht ein enormer Handlungsbedarf, den man nicht ignorieren kann.

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Redaktion: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit bei der Sanierung?

Brandner: Eine sehr große. Wenn ein Gebäude oder eine Infrastruktur durch gezielte Instandsetzungsmaßnahmen 20 oder 30 Jahre länger genutzt werden kann, ist das nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch ein aktiver Beitrag zum Ressourcenschutz. Jeder vermiedene Abriss spart CO₂. Zudem wird für eine Sanierung deutlich weniger Material benötigt als für einen Neubau. Auch in der Auswahl unserer Systeme und Produkte achten wir darauf, dass sie möglichst langlebig, emissionsarm und umweltverträglich sind.

Redaktion: Gibt es technische Entwicklungen, die Sie als besonders wegweisend empfinden?

Brandner: Ja, definitiv. In den letzten zehn Jahren hat sich in der Materialtechnologie viel getan. Wir arbeiten heute mit carbonfaserverstärkten Lamellen, mineralischen Korrosionsschutzsystemen oder hydroaktiven Abdichtungen. Auch die Diagnostik hat sich massiv verbessert. Mit zerstörungsfreien Prüfmethoden, etwa Radar- oder Ultraschallverfahren, können wir uns ein exaktes Bild vom inneren Zustand eines Bauwerks machen, ohne es zu beschädigen. Auch der Einsatz von Drohnen zur visuellen Dokumentation und digitalen Zustandsaufnahme gewinnt an Bedeutung. Das alles erhöht die Planbarkeit und reduziert Risiken.

Redaktion: Wie sieht das konkret im Alltag aus? Können Sie ein Projekt nennen, das besonders heraussticht?

Brandner: Ein gutes Beispiel ist die Sanierung einer großflächigen Tiefgarage in Süddeutschland. Das Bauwerk war stark chloridbelastet, es bestand also erhebliche Gefahr für die Bewehrung. Früher hätte man möglicherweise flächendeckend alles herausgestemmt und neu aufgebaut. Heute gehen wir gezielter vor. Wir haben genau untersucht, wo die kritischen Stellen liegen, dort punktuell saniert und die restlichen Bereiche mit einem System geschützt, das künftigen Schäden vorbeugt. Die Maßnahme war nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch deutlich nachhaltiger.

Redaktion: Wer beauftragt Sie in der Regel? Kommunen, Unternehmen, private Eigentümer?

Brandner: Die Auftraggeber sind sehr unterschiedlich. Kommunen gehören genauso dazu wie Industrieunternehmen, Wohnungsbaugesellschaften oder Generalunternehmer. Die Anforderungen unterscheiden sich oft stark. Während bei öffentlichen Bauwerken häufig die Dauerhaftigkeit und Verkehrssicherheit im Vordergrund stehen, geht es im industriellen Bereich eher um kurze Ausfallzeiten oder chemische Beständigkeit. Genau das macht die Arbeit so vielseitig.

Redaktion: Was würden Sie sagen, ist derzeit die größte Herausforderung für Ihre Branche?

Brandner: Der Fachkräftemangel ist sicherlich eines der drängendsten Probleme. Es braucht spezialisierte Kräfte, die nicht nur technisch fit sind, sondern auch Erfahrung haben. Viele Arbeiten dürfen nur von qualifizierten Fachbetrieben ausgeführt werden. Gleichzeitig müssen wir den steigenden technischen und regulatorischen Anforderungen gerecht werden. Die Normenlage ist komplex und verändert sich regelmäßig. Wer da nicht Schritt hält, kann schnell ins Hintertreffen geraten.

Redaktion: Wohin wird sich die Branche in den kommenden Jahren entwickeln?

Brandner: Ich glaube, dass das Thema Substanzerhalt noch stärker in den Fokus rücken wird. Wir sehen bereits jetzt, dass Bauherren vermehrt auf präventive Instandhaltung setzen. Auch die Digitalisierung wird weiter an Bedeutung gewinnen. Digitale Bauwerksakten, sensorgestützte Zustandsüberwachung oder KI-gestützte Schadenserkennung sind keine Zukunftsvisionen mehr, sondern bereits in der Praxis angekommen. Und ich hoffe, dass das Bewusstsein für den Wert bestehender Bausubstanz weiter wächst. Denn wer rechtzeitig saniert, sichert nicht nur Werte, sondern trägt auch gesellschaftliche Verantwortung.

Redaktion: Wenn Sie eine Botschaft an Politik, Bauherren und Öffentlichkeit richten könnten, wie würde die lauten?

Brandner: Investieren Sie in den Bestand. Es ist ökologisch, wirtschaftlich und technisch sinnvoll, bestehende Strukturen zu erhalten, bevor sie unrettbar geschädigt sind. Betonsanierung ist kein Notnagel, sondern eine Chance, verantwortungsvoll mit dem umzugehen, was bereits gebaut wurde.

 

Quelle: Unisan GmbH

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