Der neue Entwurf für das Lutherdenkmal in Berlin-Mitte sorgt für Kritik. Frühere Wettbewerbssieger stellen das Vergabeverfahren infrage, während der Senat die Neuausschreibung verteidigt.

Das bestehende Lutherdenkmal steht als Fragment des historischen Ensembles vor der St.-Marien-Kirche in Berlin-Mitte. / © Foto: Wikimedia Commons, Lear 21, CC BY 4.0
© Titelbild / Visualisierung: BASD / Vill
Das Lutherdenkmal vor der St.-Marien-Kirche soll restauriert und neu in den Stadtraum eingebunden werden. Doch kurz nach der Bekanntgabe des ausgewählten Entwurfs rückt nicht mehr nur dessen Gestaltung in den Mittelpunkt. Frühere Wettbewerbssieger werfen dem Berliner Senat vor, ein bereits abgeschlossenes Verfahren übergangen und eine jahrelang vorbereitete Arbeit ohne überzeugende Begründung beendet zu haben.
- Bezirk: Berlin-Mitte
- Standort: Vor der St.-Marien-Kirche, nahe dem Roten Rathaus
- Projektstatus: Entwurf ausgewählt, rechtliche Überprüfung angekündigt
- Ausgewähltes Planungsteam: BASD – Gerhard Schlotter und Claudia Kruschel-Bücker Architekten mit Maria Vill und David Mannstein
- Finanzierung: Bis zu 1,5 Millionen Euro für das Lutherdenkmal sowie 2,4 Millionen Euro für das Umfeld
Der Senat hatte am 7. Juli 2026 das Ergebnis eines europaweiten Verhandlungsverfahrens mit Teilnahmewettbewerb bekannt gegeben. Den Zuschlag erhielt das Planungsbüro BASD gemeinsam mit den Künstlern Maria Vill und David Mannstein.
Ihr Konzept stellt die erhaltene Lutherfigur auf einen neuen Natursteinsockel. Eine umlaufende Sitzbank und eine Informationsstele sollen das historische Fragment sichtbarer machen und zugleich in den öffentlichen Raum integrieren. Die Grün Berlin GmbH soll das Vorhaben im Zusammenhang mit der bereits begonnenen Neugestaltung des Rathausforums und Marx-Engels-Forums umsetzen.
Kritik am Lutherdenkmal entzündet sich am Wettbewerb von 2016
Der aktuelle Streit dreht sich allerdings nicht allein um den neuen Entwurf, sondern um einen früheren Wettbewerb. Bereits 2016 hatte der Evangelische Kirchenkreis Berlin-Stadtmitte eine Neugestaltung des Lutherdenkmals ausgelobt. Die Finanzierung erfolgte nach Angaben der Berliner Morgenpost mit öffentlichen Mitteln, während die Fläche dem Bezirk Mitte gehört. Unter 52 eingereichten Arbeiten gewann ein gemeinsamer Entwurf des Berliner Künstlers Albert Weis und des Architekturbüros Zeller & Moye.
Das damalige Konzept setzte auf eine sichtbare Auseinandersetzung mit Luther und dessen Wirkungsgeschichte. Neben der historischen Figur sollte eine abstrahierte Aluminiumfigur entstehen. Ein begehbares Lichtraster war dafür vorgesehen, historische Zitate in den Boden einzuspielen. Unter anderem sollten Texte von Dietrich Bonhoeffer und dem US-amerikanischen Bürgerrechtler Martin Luther King erscheinen. Nach Darstellung der Urheber empfahlen die Beteiligten das Vorhaben 2021 abschließend zur Umsetzung.
Trotzdem leitete die Senatsverwaltung Anfang 2026 ein neues Verfahren ein. Sie begründet diesen Schritt mit veränderten Auftraggeberstrukturen, einem anderen Budget sowie neuen technischen und vergaberechtlichen Rahmenbedingungen. Beim Verfahren von 2016 habe es sich zudem um einen Ideenwettbewerb ohne verbindliche Realisierungsabsicht gehandelt. Daher habe keine Verpflichtung bestanden, den damaligen Siegerentwurf umzusetzen.

Das Lutherdenkmal vor der Marienkirche und Fernsehturm in Berlin. / © Foto: Wikimedia Commons, Gerd Eichmann, CC BY 4.0
Kritik am Lutherdenkmal betrifft auch Transparenz
Unterstützung erhalten die früheren Wettbewerbssieger aus der Berliner Landespolitik. Daniel Wesener, kulturpolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, kritisiert laut Berliner Morgenpost, dass der erste Entwurf über Jahre nicht umgesetzt und anschließend durch ein neues Verfahren ersetzt worden sei. Ein solches Vorgehen schwäche aus seiner Sicht das Vertrauen in Wettbewerbe, Fachjurys und transparente Entscheidungen über Kunst im öffentlichen Raum.
Dabei war auch der Entwurf von 2016 nicht unumstritten. Theologen und Historiker störten sich unter anderem an der zweiten, abstrahierten Lutherfigur und am geplanten Lichtraster. Sie hielten die Kombination mit Zitaten Bonhoeffers und Martin Luther Kings teilweise für ungeeignet.
Leser äußern deutliche Kritik am neuen Lutherdenkmal
Auch unter den Leserinnen und Lesern von ENTWICKLUNGSSTADT überwiegen bislang kritische Reaktionen auf den ausgewählten Entwurf. In den Kommentaren wird vor allem die zurückhaltende Gestaltung bemängelt. Mehrere Leserinnen und Leser äußern die Ansicht, der Entwurf werde der historischen Bedeutung des Ortes nicht gerecht und lasse die Chance ungenutzt, den Platz gestalterisch stärker aufzuwerten.
Auch der Wunsch nach einer stärkeren Orientierung am ursprünglichen Ensemble wird mehrfach geäußert. Vereinzelt wird die Auffassung vertreten, das Denkmal sollte in seinem heutigen Zustand verbleiben, solange eine Rekonstruktion der verlorenen Begleitfiguren nicht vorgesehen ist.
Für das aktuelle Konzept stehen nach offiziellen Angaben bis zu 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Weitere 2,4 Millionen Euro entfallen auf die Gestaltung des Umfelds einschließlich neuer Baumpflanzungen. Das Gebiet gehört seit August 2025 zum Städtebauförderprogramm „Lebendige Zentren und Quartiere“. Konkrete Angaben zum Baubeginn, zur Bauzeit und zur Fertigstellung hat der Senat bislang nicht veröffentlicht.
Lutherdenkmal
Quellen: Berliner Morgenpost, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
One Comment
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Ich finde den aktuellen Entwurf nicht besonders gelungen … den früheren Entwurf empfinde ich als albern. Dieses ewige „Asche auf das Haupt streuen“, und deswegen müssen wir Luther den Spiegel vorhalten, weil er – heftiger – Antisemit war. Jo, das war Zeitgeist … und auch ansonsten kann man sich über die eine oder andere Aussage Luthers auseinandersetzen. Aber es ist meines Erachtens Nonsense, aus der Zeit des Dritten Reichs mit all seiner Brutalität gerade auch gegenüber Juden die Zeit über 400 Jahre zuvor be- und verurteilen zu wollen.