Beim Stadion-Neubau im Jahnsportpark ist offenbar eine wichtige Entscheidung gefallen. Nach Angaben einer Bürgerinitiative hat Berlin einen Generalunternehmer vertraglich gebunden. Doch genau der Zeitpunkt und mögliche finanzielle Risiken sorgen nun für neue Kritik.

Die Visualisierung zeigt den geplanten Neubau des Stadions im Jahnsportpark in Prenzlauer Berg, der künftig rund 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer aufnehmen soll. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Der Umbau des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks beschäftigt Politik, Gerichte und Anwohner seit Jahren. Nun rückt der zweite Bauabschnitt in den Mittelpunkt. Dabei geht es um den eigentlichen Stadion-Neubau und um die Frage, welche Risiken Berlin mit der Vergabe eingeht.
- Bezirk: Pankow
- Adresse: Cantianstraße 24, 10437 Berlin
- Projekt: Neubau des Großen Stadions im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
- Baubeginn: 2026
- Fertigstellung: Quartal 2029
- Kosten: 207,5 Millionen Euro
Ende April hatte die Senatsverwaltung die Bauleistungen für das neue Stadion ausgeschrieben. Gesucht wurde ein Generalunternehmer mit Planungsanteilen, der die Arena schlüsselfertig errichten soll. Die Angebotsfrist endete am 30. Juni 2026. Bereits im Juli hatte der Senat erklärt, den Zuschlag möglichst im August erteilen zu wollen.
Nach Angaben der Bürgerinitiative Jahnsportpark gab Bausenator Christian Gaebler am 14. September bekannt, dass inzwischen ein Generalunternehmer vertraglich gebunden sei. Die Initiative kritisiert dabei vor allem den Zeitpunkt wenige Tage vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl am 20. September.

Die Visualisierung zeigt den Innenraum des neuen Stadions im Jahnsportpark mit Tribünen, Laufbahn und Zuschauern während einer Sportveranstaltung. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH
Jahnsportpark: Bürgerinitiative warnt vor Nachträgen beim Stadionbau
Im Zentrum der Kritik steht jedoch nicht nur der Zeitpunkt. Die Bürgerinitiative sieht ein finanzielles Risiko, falls sich der Beginn der Arbeiten wegen des Artenschutzes weiter verschiebt. Sie argumentiert, dass ein Generalunternehmer bei Verzögerungen möglicherweise Nachträge geltend machen könnte. Die Initiative fordert deshalb, die Kalkulationsgrundlagen und mögliche Nachtragsrisiken offenzulegen.
Die Sorge trifft auf ein Projekt, dessen Kosten bereits deutlich gestiegen sind. Für den zweiten Bauabschnitt nennt der Senat inzwischen 207,5 Millionen Euro. Für den ersten Bauabschnitt sind 20,41 Millionen Euro angegeben, für den verkleinerten dritten Bauabschnitt 68 Millionen Euro. Damit ergeben sich nach den im Frühjahr veröffentlichten Zahlen knapp 296 Millionen Euro. Die Kostenentwicklung und geplanten Einsparungen im Jahnsportpark hatte bereits im Frühjahr für Diskussionen gesorgt.

Bausenator Christian Gaebler (SPD) stellte sich beim Presserundgang auch der Kritik der Projektgegner. Er verwies auf den langjährigen Beteiligungsprozess und verteidigte den Neubau als Voraussetzung für einen umfassend inklusiven Sportpark. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Neues Stadion soll den Jahnsportpark zum inklusiven Sportzentrum machen
Unabhängig vom Streit um die Vergabe ist der Stadion-Neubau Teil eines deutlich größeren Umbaus des Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportparks. An Stelle der alten Arena soll ein neues Stadion für mehr als 20.000 Zuschauerinnen und Zuschauer entstehen. Vorgesehen ist eine Nutzung für Leichtathletik, Para-Sport, Fußball und American Football. Schulen und Vereine sollen die Anlage ebenfalls nutzen können.
Einen besonderen Schwerpunkt legt Berlin auf die Inklusion: Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen sollen sich möglichst selbstständig durch das Stadion bewegen und Sportveranstaltungen auch unmittelbar am Spielfeldrand verfolgen können.
Projektverantwortliche sehen hohen Bedarf für den neuen Sportpark
Wie weit das Projekt inzwischen vorangekommen ist, zeigte ein Rundgang Ende August 2026. Das frühere Tribünengebäude war zu diesem Zeitpunkt bereits verschwunden, auch große Teile der alten Wallanlage waren abgetragen. Weil sich in den Wällen Kriegsschutt befindet, laufen die Arbeiten unter Kampfmittelbegleitung. Zwei der historischen Flutlichtmasten sollen dagegen erhalten und in die neue Anlage integriert werden.
Beim Termin verteidigten Gaebler, Sportstaatssekretärin Franziska Becker und der Präsident des Landessportbundes, Thomas Härtel, das Projekt. Der organisierte Sport verweist vor allem auf fehlende Trainingsflächen in Prenzlauer Berg und die zusätzlichen Möglichkeiten für Schul-, Vereins- und inklusiven Sport, die durch den Jahnsportpark geschaffen werden sollen.
Artenschutz bleibt beim Jahnsportpark-Neubau entscheidender Faktor
Jahnsportpark-Gegner nutzten den Termin für Proteste. Dabei geht es nicht nur um die gestiegenen Kosten, sondern auch um den seit Langem schwelenden Konflikt um geschützte Vogelarten. Das Verwaltungsgericht Berlin hatte die Abrissarbeiten im November 2024 zunächst teilweise gestoppt, weil Ersatzbrutstätten für Haussperlinge nicht ausreichend gewährleistet waren.
Im Januar 2025 ließ das Gericht den Abriss der östlichen Tribüne nach zusätzlichen Schutzmaßnahmen wieder zu. Die Bürgerinitiative behauptet nun, die Haussperlingspopulation sei inzwischen um rund 60 Prozent zurückgegangen und die vorgeschriebenen CEF-Maßnahmen müssten nachgebessert werden.
Damit bleibt die entscheidende Frage, ob Artenschutz, Bauablauf und Vertragsbedingungen ohne weitere Verzögerungen zusammenpassen. Der Senat hält grundsätzlich am Neubau fest. Offizielle Projektinformationen sehen die Inbetriebnahme des neuen Stadions ab 2028 vor.
Stadion-Neubau im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark
Quellen: Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Bürgerinitiative Jahnsportpark
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