Nach monatelangem Baustopp sanieren Stadt und ABG die denkmalgeschützten Bastionen und Stützwände der Römerstadt wieder. Das millionenschwere Projekt soll den historischen Mauerabschluss des Quartiers zur Nidda für die kommenden Jahrzehnte sichern.

Links eine der vier Bastionen, rechts eine Kurtine. Stadt und ABG lassen das gesamte östliche Bauwerk denkmalgerecht instand setzen und dabei Betonschäden wie Risse und freiliegende Bewehrung beheben./ © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Bastionen und Stützwände der Frankfurter Römerstadt zählen zu den prägenden Bauwerken der Siedlung. Sie entstand 1927 und 1928 unter Ernst May als erste Großsiedlung des „Neuen Frankfurt“. Die bis zu vier Meter hohen Stützmauern aus bewehrtem Ortbeton bilden bis heute den südlichen Abschluss der Siedlung zur Nidda. Sie stehen seit Jahrzehnten unter Denkmalschutz.
Seit Juni 2025 saniert die Stadt gemeinsam mit der ABG Frankfurt Holding einen Teil dieser Anlage. Im November 2025 mussten die Arbeiten gestoppt werden, da die beauftragte Firma Karrié Bauwerkserhaltung Insolvenz anmelden musste. Seit dem 8. Juni 2026 führt eine neu beauftragte Firma die Sanierung fort. Laut einer Pressemitteilung des Stadtplanungsamts soll sie im Dezember 2026 enden. Vor Ort auf dem Baustellenschild steht jedoch, dass das Projekt erst im Jahr 2027 abgeschlossen sein wird.
Stützwände zwischen Römerstadt und Nidda: Sanierung des Baudenkmals

Bei der Instandsetzung kommt es wohl zu Verzögerungen, ursprünglich war die Fertigstellung im Dezember 2026 geplant, laut dem Baustellenschild verzögert sich der Abschluss nun bis Ende des ersten Quartals 2027. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Aktuell betrifft die Maßnahme nur das östliche Mauersegment entlang der Straße „An der Ringmauer“ mit fünf Kurtinen und vier Bastionen. Die Bastionen gehören der Stadt Frankfurt, die Kurtinen der ABG. Deshalb tragen beide Partner das Projekt gemeinsam mit dem Amt für Straßenbau und Erschließung.
Ein Gutachten aus dem Jahr 2022 dokumentierte Betonabplatzungen, freiliegende Bewehrung und Risse an der fast hundert Jahre alten Konstruktion. Zudem stellte es eine starke Algenbildung fest. Die Planer verzichteten deshalb auf einen flächigen Austausch. Stattdessen behandelten sie einzelne Schadstellen gezielt, um möglichst viel historische Originalsubstanz zu erhalten.
Kosten der Instandsetzung: Millionenprojekt mit Finanzierung aus Bundesmitteln
Für die Gesamtmaßnahme kalkuliert die Stadt 3,575 Millionen Euro, davon entfallen 2,23 Millionen Euro auf den städtischen Anteil. Den Rest trägt die ABG als Eigentümerin der Kurtinen, unterstützt durch einen städtischen Zuschuss.
Das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ fördert die Maßnahme mit rund 1,9 Millionen Euro. Es soll das baukulturelle Erbe des Neuen Frankfurt sichern. Nach dem Ostabschnitt soll ein ebenfalls sanierungsbedürftiger Westabschnitt folgen, für den bislang aber noch kein konkreter Zeitplan vorliegt.
Kritik an der Umsetzung des Projekts: Anwohner und ABG äußern sich

Anwohnende hatten Kritik an der Vorgehensweise der inzwischen insolventen Baufirma geäußert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Im Juni 2026 verlangte der Ortsbeirat 8 unter Vorsitz von Roger Bohn vom Magistrat Aufklärung über den schleppenden Baufortschritt. Zudem kritisierte er liegen gebliebenen Bauschutt und eine unzureichende Kommunikation mit den Anwohnern. Anwohnende schilderten gegenüber der FNP, dass Mitarbeiter der insolventen Baufirma wiederholt unangekündigt ihren Garten betreten und dabei Pflanzen beschädigt hätten.
Die ABG begründete den Gartenzugang damit, dass sich Mauerkrone und Mauerrückseite nur von der Gartenseite aus begutachten und sanieren ließen. Das sei nötig, weil sich diese Bauteile ausschließlich von dort aus fachgerecht instand setzen ließen. Eine Sanierung der Wand entlang des Gehwegs an der Straße „In der Römerstadt“ sei dagegen nicht vorgesehen.

Reihenhäuser der Siedlung Römerstadt, die 1927 und 1928 als erste Großsiedlung des „Neuen Frankfurt“ nach Plänen von Ernst May entstand. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Quellen: Stadtplanungsamt Frankfurt am Main, Magistratsvorlage M 82/2024, Anfrage des Ortsbeirats 8 (V_35_2026), FNP
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