
Auf dem Areal am Juliusturm in Berlin-Spandau war mit „in.grid“ ein milliardenschweres Innovationsquartier mit Büros, Laboren, Produktionsflächen und Rechenzentrum geplant. / © Visualisierungen: Heesch Kommunikation
© Titelbild: Wikimedia Commons, Olaf Tausch, CC BY 3.0
Am Spandauer Spreeufer sollte in den kommenden Jahren eines der größten Gewerbequartiere Berlins entstehen. Unter dem Namen „in.grid“, beziehungsweise ursprünglich „The Hub“, planten die Investoren ein milliardenschweres Innovationsareal mit Büros, Laboren und Rechenzentrum. Doch inzwischen ruht das Projekt offenbar vollständig.
Während die ursprünglichen Zeitpläne eine Fertigstellung bis Ende des Jahrzehnts vorsahen, bleibt derzeit offen, ob das Vorhaben überhaupt umgesetzt wird. Auch von den Projektbeteiligten gibt es aktuell kaum öffentliche Aussagen.
Quartiersentwicklung in Spandau: Großprojekt am Spandauer Spreeufer geplant
Das rund sechs Hektar große Areal liegt zwischen der Straße „Am Juliusturm“ und dem Spreeufer in Berlin-Spandau. Ursprünglich wurde das Projekt im Jahr 2022 unter dem Namen „The Hub“ vorgestellt. Später wurde das Vorhaben in „in.grid“ umbenannt. Hinter der Entwicklung stehen Invesco Real Estate und Kauri CAB. Das Investitionsvolumen wurde zeitweise mit rund 1,5 Milliarden Euro angegeben.
Geplant war ein großflächiger Gewerbecampus mit mehr als 200.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Vorgesehen waren unter anderem Büros, Labore, Produktionsflächen, Rechenzentren und Life-Science-Nutzungen. Wohnungen sollten dagegen nicht entstehen. Stattdessen wollten die Entwickler ein offenes Arbeitsquartier mit öffentlichen Freiflächen und direktem Bezug zur Spree schaffen.
Konzept des Milliardenprojekts in Spandau: Nachhaltiges Gewerbequartier vorgesehen
Den städtebaulichen Wettbewerb gewann das Zürcher Architekturbüro E2A. Die Entwürfe sahen mehrere unterschiedlich große Baukörper vor, die locker über das Gelände verteilt werden sollten. Geplant waren zudem Grünflächen, öffentlich zugängliche Uferbereiche sowie ein Hochhaus mit rund 65 Metern Höhe.
Auch nachhaltige Technologien spielten in den Planungen eine wichtige Rolle. So sollte etwa die Abwärme eines Rechenzentrums für das Quartier genutzt werden. Darüber hinaus waren Regenwassernutzung, Photovoltaik-Fassaden und extensive Begrünungen vorgesehen. Die Entwickler beschrieben das Projekt als zukunftsfähigen Innovationsstandort für Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Forschung und Industrie 4.0.
Projekt „in.grid“ in Spandau steht still: Baustopp und offene Zukunft
Nach Angaben des Bezirksamts Spandau wurden im Juli 2024 die Baugenehmigungen für den ersten Bauabschnitt erteilt. Dieser umfasst ein Rechenzentrum sowie ein zugehöriges Umspannwerk. Mitte 2024 begannen erste Abrissarbeiten auf dem Gelände.
Doch anschließend stoppte der Projektentwickler offenbar die weiteren Maßnahmen. Das Bezirksamt teilte auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT mit, dass das Vorhaben derzeit ruhe. Ob und wann die Bauarbeiten wieder aufgenommen werden, sei bislang nicht bekannt. Inzwischen ist auch die Projektwebsite nicht mehr aktiv. Auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT äußerten sich weder E2A noch die Kauri CAB GmbH zum aktuellen Stand.
Gewerbeprojekte in Berlin: Schwierige Bedingungen für Großprojekte
Der Stillstand des Projekts könnte mit der derzeit schwierigen Lage am Immobilienmarkt zusammenhängen. Hohe Baukosten, gestiegene Finanzierungskosten sowie eine schwache Nachfrage nach Büro- und Gewerbeflächen setzen viele Projektentwicklungen unter Druck.
Vor diesem Hintergrund stellt sich inzwischen die Frage, ob das ursprüngliche Konzept noch zeitgemäß ist und ob das Projekt „in.grid“ in seiner bisherigen Form realisiert werden kann oder das Konzept grundlegend überarbeitet werden muss.
Quellen: Heesch Kommunikation, Bezirksamt Spandau, E2A Architekten
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Vielen Dank für den Artikel, da ich mich witzigerweise erst vor wenigen Tagen gefragt habe, wie es dort denn weitergeht. Es wird sich wohl einreihen in eine lange Geschichte der Spandauer Pleiten, Pech und Pannen bei Immobilieninvestitionsvorhaben. Erinnert sei nur an das „Spandauer Tor“ direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite, die Multifunktionshalle an der Paulsternstraße, die „Geschützgießerei“ oder das „Spandauer Ufer“. Weitere kleinere Vorhaben rund um die Wasserstadt will ich gar nicht erst nennen.
Ich lieb’s mittlerweile, den Bezirkspolitikern beim Schwadronieren zuzuhören, welch großartige Zukunft der Bezirk durch diese Projekte habe, nur um wenige Jahre später ihre kleinlauten – schriftlichen – Rückzieher wahrzunehmen. Im Übrigen sorgen ebenjene Kommunalpolitiker selbst kaum dafür, für bessere infrastrukturelle Bedingungen einzustehen und diese beim Senat einzufordern. Vielleicht kämen dann auch mal seriöse Projektentwickler vorbei.