Die Mieten in Berlin steigen schneller als in jeder anderen deutschen Stadt. Während viele Haushalte mit alten Verträgen noch vergleichsweise günstig wohnen, zahlen neue Mieterinnen und Mieter inzwischen das Doppelte. Die Politik ringt um Lösungen und fordert mehr Handlungsfreiheit vom Bund.
Plattenbau in Marzan

Plattenbauten im Berliner Osten: Während viele Bestandsmieterinnen und -mieter noch vergleichsweise günstig wohnen, steigen die Mieten bei Neuvermietungen stark an. Der soziale Wohnungsbau kommt trotz politischer Ziele nur schleppend voran. / © Foto: Wikimedia Commons, Singlespeedfahrer, CC0

© Foto Titelbild: Imago / Seeliger
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Berlin verzeichnet derzeit den stärksten Anstieg der Angebotsmieten im gesamten Bundesgebiet. Nach Daten des Forschungsinstituts Empirica sind die Mieten in der Hauptstadt seit Anfang 2022 um rund 42 Prozent gestiegen. Damit liegt Berlin nun auf Platz zehn der teuersten Städte in Deutschland. Zwei Jahre zuvor rangierte die Stadt noch auf Platz 53. Durchschnittlich werden inzwischen 14,90 Euro pro Quadratmeter für neu angebotene Wohnungen aufgerufen.

Die Unterschiede zur ortsüblichen Vergleichsmiete sind besonders deutlich. Diese lag laut aktuellen Zahlen 2024 bei nur 7,21 Euro pro Quadratmeter. Das bedeutet, dass neue Mieterinnen und Mieter im Schnitt mehr als doppelt so viel zahlen wie Haushalte mit bestehenden Verträgen. Damit fällt die Differenz in Berlin größer aus als in jeder anderen deutschen Großstadt.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen verschärfen die Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt

Hinter dem drastischen Anstieg der Mietpreise stehen mehrere Entwicklungen. Zum einen haben sich die Baukosten seit 2022 deutlich erhöht. Die Europäische Zentralbank hob zur Inflationsbekämpfung mehrfach die Leitzinsen an, was zu steigenden Bauzinsen führte. In der Folge stoppten viele Bauunternehmen geplante Projekte oder verschoben sie auf unbestimmte Zeit. Das Angebot an neuen Wohnungen stagnierte oder wuchs nur noch sehr langsam.

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Gleichzeitig bleibt die Nachfrage nach Wohnraum in Berlin ungebrochen hoch. Die Kombination aus zurückgehendem Neubau und wachsender Nachfrage lässt die Preise weiter steigen. Der Senat konnte im vergangenen Jahr lediglich rund 15.000 neue Wohnungen fertigstellen, obwohl das Ziel bei 20.000 lag. Auch die Maßnahmen des sogenannten Schneller-Bauen-Gesetzes zeigen bislang kaum Wirkung, wie der Tagesspiegel berichtet.

Neubau durch landeseigene Unternehmen stockt: Ziele im Sozialwohnungsbau werden nicht erreicht

Im Jahr 2024 haben Berlins landeseigene Wohnungsbaugesellschaften nur 3.461 neue Wohnungen fertiggestellt. Besonders deutlich zeigt sich das Defizit bei Sozialwohnungen: Statt der angestrebten 50 Prozent lag ihr Anteil bei lediglich 906 Einheiten. Damit verfehlt der soziale Wohnungsbau erneut die selbst gesetzten Ziele.

Die Gründe für den Rückgang liegen unter anderem in gestiegenen Baukosten, Personalmangel und Verzögerungen bei der Umsetzung von Förderprogrammen. Obwohl die landeseigenen Gesellschaften zentrale Akteure beim Bau günstiger Wohnungen sind, geraten auch sie zunehmend an strukturelle und wirtschaftliche Grenzen.

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SPD fordert neue rechtliche Instrumente: Mietendeckel in Berlin soll erneut diskutiert werden

Angesichts dieser Entwicklung fordern führende Politikerinnen und Politiker der SPD deutlich mehr Regulierung. Berlins Fraktionsvorsitzender Raed Saleh sprach sich laut Tagesspiegel für eine „gesetzliche mietenpolitische Revolution“ aus. In seinen Augen habe der Markt die Lage nicht mehr im Griff. Besonders Mieterinnen und Mieter mit geringem Einkommen seien zunehmend überfordert. Deshalb sei es aus seiner Sicht notwendig, den Ländern mehr Spielraum im Mietrecht zu geben.

Konkret fordert Saleh eine Öffnungsklausel im Bundesmietrecht, die es Berlin ermöglichen soll, erneut einen Mietendeckel einzuführen. Der erste Versuch eines landeseigenen Deckels war vor dem Bundesverfassungsgericht gescheitert, da Mietrecht ausschließlich auf Bundesebene geregelt wird. Das Instrument sei nicht gescheitert, erklärte Saleh, sondern lediglich der rechtliche Weg dorthin versperrt.

Berliner Mietpreisbremse bleibt bestehen: SPD plant jedoch weitergehende Reformen

Der Bundestag hat Ende Juni die bestehende Mietpreisbremse bis 2029 verlängert. Sie erlaubt es in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt, die Miete bei Neuvermietungen auf maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete zu begrenzen. Laut SPD-Fraktion reicht diese Regelung jedoch nicht aus, um die Dynamik auf dem Wohnungsmarkt zu stoppen.

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Deshalb kündigte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig eine neue Expertenkommission an. Diese soll unter anderem prüfen, wie Verstöße gegen die Mietpreisbremse künftig geahndet werden können. Darüber hinaus will die SPD strengere Regeln für möblierte Vermietung und Indexmietverträge einführen, um Umgehungen der bestehenden Vorschriften zu verhindern.

Geteilter Wohnungsmarkt innerhalb der Stadtgrenzen: Innenstadt deutlich teurer als Randbezirke

Der aktuelle Wohnungsmarktbericht der Investitionsbank Berlin zeigt, wie stark die Preisunterschiede innerhalb der Stadt inzwischen ausfallen. Wer 2024 neu in eine Wohnung zieht, zahlt durchschnittlich 15,40 Euro pro Quadratmeter. In der Innenstadt liegen die Preise sogar bei rund 19,50 Euro. Bestandsmieten hingegen bewegen sich im Schnitt bei 7,20 Euro pro Quadratmeter. Bausenator Christian Gaebler sprach in diesem Zusammenhang von einem geteilten Wohnungsmarkt. Wer bereits eine Wohnung habe, zahle deutlich weniger als Wohnungssuchende.

Dieses Ungleichgewicht zwingt viele Altberlinerinnen und Altberliner, in die äußeren Bezirke zu ziehen. Gleichzeitig konzentriert sich der Zuzug von Neuberlinerinnen und Neuberlinern zunehmend auf die Innenstadt. Auch in den Randlagen sind die Preise deutlich gestiegen. Im Durchschnitt liegt die Angebotsmiete dort inzwischen bei 12,94 Euro pro Quadratmeter.

 

Quellen: Tagesspiegel, nd.Genossenschaft, rbb, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen

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3 Kommentare

  1. Anda Tirpitz 8. August 2025 at 15:27 - Reply

    Der Grund, dass Privatinvestoren ein Wohnungsbau-Expose aus Berlin bald nicht mal mehr mit der Pinzette anfassen werden,
    liegt genau in diesen Sozialismusphantasien von Saleh und Konsorten. Das hat doch nun die Geschichte unzählige Male bewiesen,
    dass solche geplanten DDR-Nummern immer in die Sackgasse geführt haben.
    Na klar; ich kann es schon hören: „Dieses Mal machen wir es besser. Das hat keiner wirklich mal richtig angegangen und klug
    durchgezogen“…Alles klar, Markt ist Mist und böse, wenn nicht sogar räächts….. In 5 Jahren werden außer den kommunalen
    Unternehmen alle weg sein und einen großen Bogen um diese Stadt machen.

    Und man sieht es ja schon, die kommunalen Betriebe bekommen es allein nicht gebacken und private, die das alles zupflastern würden, bis der Laden gesättigt ist und damit die Preise logischerweise wieder fallen würden, werden die „Mietdeckel und
    Enteignungsschmankerl“ zu vermeiden wissen und dankend ablehnen…Günter Mittag und Horst Dohlus lassen grüßen.

    • Böhme 10. August 2025 at 08:47 - Reply

      Genau so ist es! Linke sind völlig lernunwillig und -unfähig. Der Sozialismus ist auf allen Ebenen nicht an irgendwelchen westlichen Verschwörungen gescheitert, sondern am eigenen System, dass einfach anthropologische Konstanten leugnet und deswegen nur scheitern kann. Und der Sozialismus ist nicht nur im ehemaligen Ostblock gescheitert, sondern genauso in ganz Asien, in allen afrikanischen, süd- und mittelamerikanischen Ländern, die sich je daran versucht hatten. Und der Grund war immer derselbe.

      Genau wegen dieser anthropologischen, „sozialismusfeindlichen“ Konstanten ist der Sozialismus ja immer mit gnadenloser „Umerziehung“ einhergegangen. Oder besser gesagt: Umerziehungsversuchen! Denn auch beim Umerziehen ist man dann gescheitert, wie Korruption, Oligarchentum, Schwarzmärkte usw. im Sozialismus belegen. Und kaum waren die Sozialisten weg, ging alles weiter wie vor dem Sozialismus.

      Und – und damit sind wir dann auch wieder beim Thema – gerade die Wohnungspolitik im Sozialismus war ein einziges klägliches Scheitern. Wenn ich hier Vermieter enteignen will, wird selbst der Unbedarfteste erkennen, dass es keinen privaten Vermieter gibt, der hier auch nur noch eine Wohnung bauen wird!

      • M.Hillen 14. August 2025 at 14:58 - Reply

        Stimme Böhme und Anda Tirpitz komplett zu. Die Frage, die sich dann allerdings stellt, ist folgende: Was läuft in unseren Schulen und Universitäten so dermaßen falsch, dass dieser linke Schwachsinn (anders kann man das leider nicht bezeichnen) immer noch sooo extrem präsent ist in Politik und Medien und Teilen der Gesellschaft????

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