Nach der Insolvenz der Projektgesellschaften kommt wieder Bewegung in das Großprojekt an der Ringbahn in Neukölln. Die VBL will die Entwicklung nun selbst vorantreiben, der Wohnanteil steigt deutlich – doch Kritik an möblierten Apartments und studentischem Wohnen bleibt bestehen. Das Projekt hat auch einen neuen Namen erhalten.

Nach Jahren des Stillstands zeichnet sich für das Großprojekt an der Ringbahn eine neue Perspektive ab. Die geplante Wohnungszahl steigt auf bis zu 1.000 Einheiten, während Bezirk und Politik Nachbesserungen bei Sozialquote und Nutzungsmix einfordern. / © Visualisierung: Wehrhahn Architekten

© Titelbild: Wehrhahn Architekten

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Das lange blockierte Großprojekt an der Ringbahn in Berlin-Neukölln bekommt nach aktuellen Medienberichten eine neue Perspektive. Nachdem die Projektgesellschaften der „Ringbahnhöfe Neukölln“ 2024 in die Insolvenz geraten waren, zeichnet sich nun eine strategische Neuausrichtung ab.

Der bisherige Hauptgläubiger, die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), will die Entwicklung des Areals offenbar selbst vorantreiben – gemeinsam mit Axa Investment Managers, die die konkrete Projektsteuerung übernehmen sollen. So berichtet es Der Tagesspiegel.

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Neukölln: Zwei neue Hochhäuser sollen an der Ringbahn entstehen

Auf dem rund 18.000 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Hertabrücke und Karl-Marx-Straße sind rund 90.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche vorgesehen. Geplant sind zwei Hochhäuser mit etwa 60 und 40 Metern Höhe.

An der grundsätzlichen Kubatur der Entwürfe des Berliner Büros Wehrhahn Architekten soll demnach festgehalten werden. Hintergrund ist der fortgeschrittene Stand des Bebauungsplanverfahrens: Größere Änderungen würden zusätzliche Verfahrensschritte erforderlich machen.

Mehr Wohnungen, weniger Büros: Wohnanteil soll deutlich steigen

Inhaltlich deutet sich jedoch eine Verschiebung der Nutzungen an. Während die bisherigen Entwickler stark auf Büro- und Sondernutzungen gesetzt hatten, soll nun der Wohnanteil deutlich steigen.

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Statt bislang rund 700 Wohnungen ist von bis zu 1.000 Einheiten die Rede; das entspräche etwa 52.000 Quadratmetern Wohnfläche. Mindestens 30 Prozent davon müssten gemäß dem Berliner Modell der kooperativen Baulandentwicklung als geförderte Wohnungen realisiert werden.

Diese neuen Zahlen stammen wohl aus einer Ende Januar im Neuköllner Stadtentwicklungsausschuss vorgestellten Präsentation von Axa IM. Dort firmiert das Projekt nicht mehr als „Ringbahnhöfe Neukölln“, sondern unter dem Namen „BRING“.

Bauvorhaben am S-Bahnhof Neukölln: Deutliche Reduzierung der Büroflächen

Die Büroflächen werden im Gegenzug reduziert. Auch das ursprünglich geplante Hochhaus mit umfangreichen Hotelnutzungen und Selfstorage-Flächen stößt politisch auf Skepsis. In den vergangenen Ausschusssitzungen wurden insbesondere möblierte Apartments und Mikroapartments kritisch diskutiert.

Vertreterinnen und Vertreter mehrerer Fraktionen äußerten Zweifel, ob das Projekt ausreichend bezahlbaren und regulären Wohnraum schaffe.

Studentisches Wohnen bleibt Streitpunkt im Quartier „BRING“

Ein Schwerpunkt beim Projekt „BRING“ liegt weiterhin auf studentischem Wohnen mit rund 10.000 Quadratmetern Fläche. Vorgesehen sind möblierte Apartments sowie Wohngemeinschaften mit Einzel- und Doppelzimmern. Kritiker sehen darin jedoch keine substanzielle Abkehr vom bisherigen Mikroapartment-Konzept und befürchten hohe Mieten außerhalb öffentlicher Kontrolle.

Diskutiert wurde daher auch eine Beteiligung landeseigener Wohnungsunternehmen. Gespräche mit der berlinovo über eine mögliche Übernahme von Teilflächen hatten stattgefunden, wurden jedoch bislang nicht vertieft, heißt es. Politisch besteht weiterhin der Wunsch, zumindest Teile des Projekts in landeseigene Hand zu überführen.

Bebauungsplan in Neukölln: Entscheidung wohl erst nach der Wahl

Ob der Bebauungsplan noch vor der anstehenden Wahl beschlossen werden kann, erscheint derzeit fraglich. Nach den jüngsten Rückmeldungen aus dem Ausschuss dürften weitere Anpassungen erforderlich sein. Gleichwohl markiert das Engagement der VBL durchaus einen Wendepunkt in diesem bisherigen Problemprojekt: Erstmals seit dem Insolvenzstillstand gibt es wieder konkrete Bewegung in der Quartiersentwicklung an der Ringbahn.

Angesichts der zentralen Lage und der angespannten Wohnungssituation in Neukölln bleibt das Areal ein Schlüsselprojekt für den Bezirk, zwischen Renditeinteressen institutioneller Anleger und dem politischen Anspruch auf bezahlbaren Wohnraum. Es geht wieder ein stückweit voran, aber es ist ganz offenbar noch längst nicht das letzte Wort gesprochen.

 

Quellen: Wehrhahn Architekten, Immobilien Zeitung, Der Tagesspiegel, Bezirksamt Neukölln, Aggregate, Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder, Axa Investment Managers

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