Seit fast zehn Jahren prägen Poller und Betonelemente den Breitscheidplatz. Nun beginnt der langersehnte Umbau, und mit ihm rückt eine grundsätzliche Frage in den Fokus: Wie lässt sich ein zentraler Platz vor Fahrzeugangriffen schützen, ohne dass er seinen Charakter verliert? Am Beispiel Berlins zeigt sich, welche Ansätze dafür infrage kommen.

Wie soll das zukünftige Sicherheitskonzept für den Breitscheidplatz aussehen? Diese KI-generierte Visualisierung zeigt einen möglichen Ansatz mit in das Pflaster integrierten Betonelementen als Absperrung. / ©Visualisierung: ENTWICKLUNGSSTADT / KI-generiert mit OpenAI.
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT / OpenAI (mit KI erstellt)
Rund um die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche stehen Metallkörbe mit Sandsäcken und rot-weiße Poller seit dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt im Dezember 2016. Was ursprünglich als kurzfristige Sicherung gedacht war, ist bis heute geblieben.
Erst jetzt beginnt schrittweise der Ersatz durch dauerhafte Lösungen, und damit wird der Platz zu einem Beispiel dafür, wie Städte künftig mit der Bedrohung durch Fahrzeugangriffe umgehen könnten.
Denn das Dilemma betrifft längst nicht nur Berlin. Massive Barrieren lösen zwar das Sicherheitsproblem, verändern aber gleichzeitig den öffentlichen Raum. Deshalb suchen Planer und Behörden nach Wegen, Schutz und Aufenthaltsqualität zusammenzudenken statt gegeneinander auszuspielen.
Stahlpoller am Breitscheidplatz: Ein Jahrzehnt Übergangslösung
Die derzeitigen Absperrungen gelten selbst bei den zuständigen Stellen als unbefriedigend. Aus stadtgestalterischer Sicht erfüllen die provisorischen Anlagen zwar ihre sicherheitstechnische Funktion, fügen sich jedoch nicht in das städtebauliche Umfeld der City West ein. Zudem schränken sie mobilitätseingeschränkte Menschen ein, da die Anordnung und Gestaltung der Elemente kaum auf Barrierefreiheit ausgelegt sind.
Genau diese Kritik treibt nun den Umbau an. Seit April 2026 laufen erste Arbeiten an Versorgungsleitungen, die Grundlage für die weiteren baulichen Schritte sind. Der eigentliche Umbau der Südseite soll anschließend beginnen, während die Nordseite planerisch noch in Abstimmung ist.
Umbau des Breitscheidplatzes: Feste Elemente statt mobiler Sperren
Ein erster Lösungsansatz setzt auf dauerhafte, aber unauffälligere Bauelemente. Für die Rankestraße ist vorgesehen, die bisherigen Stahlgitterkörbe durch halb im Boden versenkte Barrieren zu ersetzen, die ebenso wirksam, aber weniger präsent sein sollen.
Ergänzt werden soll das Konzept durch Hochbeete, die Sicherheitsfunktion und Begrünung verbinden. Solche festen Elemente sind aufwendiger in der Umsetzung, bieten dafür aber deutlich mehr gestalterischen Spielraum als provisorische Aufbauten.
Verkehrsumleitung der Budapester Straße: Sicherheit durch weniger Verkehr
Ein zweiter Ansatz verzichtet weitgehend auf sichtbare Barrieren. Diskutiert wird, die Budapester Straße dauerhaft auf eine Fahrspur pro Richtung zu reduzieren. Damit entfiele die Möglichkeit, direkt auf den Platz zu fahren, ohne dass zusätzliche Sperrelemente nötig wären.
Dieses Modell verlagert die Sicherheitsfrage in die Verkehrsplanung. Weniger Durchgangsverkehr bedeutet weniger potenzielle Gefahr und zugleich mehr Aufenthaltsqualität für den Platz.
Sicherheitsmaßnahmen in der Kantstraße: Schutz im Gewand des Stadtmöbels
Ein dritter Ansatz verkleidet Sicherheitstechnik als gewöhnliches Stadtmobiliar. In der Kantstraße wird derzeit ein System namens „Protection Cube“ getestet, bestehend aus bepflanzten, holzverkleideten Modulen mit Stahlkern. Laut Hersteller hält die Anlage einen auffahrenden Lastwagen zuverlässig auf und lässt sich innerhalb weniger Stunden aufbauen.
Die Entwickler des Systems erklärten gegenüber der Berliner Morgenpost, der Fokus liege bewusst auf der Möbelfunktion, nicht allein auf der Abwehr. Wichtig für die Einordnung bleibt jedoch, dass es sich bislang um einen Testaufbau handelt und nicht um ein fertiges Modell für den Breitscheidplatz.
Vorbild für Platzgestaltung im Ausland: Sicherheit als Gestaltungsaufgabe
International zeigt sich, dass Schutzarchitektur auch gestalterisch gedacht werden kann. Am Bloomberg-Gebäude in London etwa wurde eine Anti-Terror-Sperre als begehbares Kunstwerk umgesetzt, ein aus Bronze gegossenes Flussbett, durch das tatsächlich Wasser fließt. Die Schutzfunktion bleibt erhalten, wirkt aber einladend statt abweisend.
Auch der Berliner Bausenator verwies zuletzt auf London, wo Barrieren am Trafalgar Square wie gewöhnliches Stadtmobiliar gestaltet seien. Solche Beispiele zeigen, in welche Richtung sich die Debatte auch am Breitscheidplatz entwickeln könnte.
Wie das vollständige Sicherheitskonzept für den Platz am Ende aussehen wird, ist derzeit weiterhin nicht vollständig bekannt: Operative Details werden aus Sicherheitsgründen nicht offengelegt, konkrete Gestaltungskonzepte für die baulichen Elemente lagen zum aktuellen Planungsstand ebenfalls noch nicht vor.
Breitscheidplatz
Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, F.A.Z., Berliner Morgenpost
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6 Kommentare
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Kunststück: Ein ellenlanger Beitrag über teure Verteidigungs- und Sicherheitskonzepte, aber kein Wort, kein Nebensatz darüber, gegen wen wir unsere öffentlichen Plätze, Weihnachtsmärkte, Festveranstaltungen usw, usw schützen müssen… und warum das in osteuropäischen Ländern, die etwas mehr Verstand und Weitblick in Migrationsfragen erkennen lassen, kein Thema ist.
Mit dieser Tabuisierung erreichen Sie das Gegenteil dessen, was Sie beabsichtigen. Das ist Ihnen schon klar, oder?
Keine Frage, das ist ein sehr wichtiges gesellschaftliches Thema! Aber es ist nicht der Zweck dieses Forums, das sich dem Thema Stadtentwicklung widmet.
„Gesellschaft, News, Politik, Verkehr“ – das steht so direkt über der Überschrift dieses Artikels. Ich glaube nicht, dass es zuviel verlangt wäre, den Grund für die Notwendigkeit von Verteidigungs- und Sicherheitsmaßnahmen in einem Nebensatz kurz zu erwähnen. Es ist hier bei Entwicklungsstadt auch schon ein ganzer Artikel über den 7.Okt.2023 erschienen…, sooo super verengt auf Stadtentwicklung ist Entwicklungsstadt nicht, da liegen Sie falsch.
Ich bleibe dabei, die Tabuisierung des Themas „muslimische Einwanderung“ (Merkel ist Geschichte, trotzdem dürfen immer noch jedes Jahr über 100 000 Muslime neu in unser Land einwandern) wenn es um Fragen der Inneren Sicherheit geht – und darum geht es ja bei den geplanten Baumaßnahmen am Breitscheidplatz – ist ein großer Fehler von Politik und Medien. Es ist doch sonnenklar, dass beide dadurch massiv an Glaubwürdikeit und Ansehen in der Bevölkerung verlieren und eine bestimmte Partei dadurch an Ansehen und Anhängerschaft gewinnt. Wenn man genau das erreichen möchte, dann macht einfach so weiter. Dann hat auch Entwicklungsstadt mit diesem Artikel alles richtig gemacht. Gratuliere!
Warum können hier nicht Bäume gepflanzt werden? Ist es der wiederkehrende Konflikt zw. Denkmalschutz und anderen Interessen? Kühlung, Sicherheit, Schwammstadtprinzip könnten hier zusammengedacht werden. Es kann doch gleichzeitig auch eine Aufwertung des Platzes erfolgen. Dem Argument, dass junge Bäume einfach umgefahren werden können, würde ich entgegenhalten, dass man ja durchaus auch ältere Bäume, die anderswo gefällt werden sollten, umpflanzen kann. Dafür gibt es spezielle Maschinen. Teuer, aber machbar. Günstiger als diese Sicherungsmaßnahmen? Ich denke schon.
Natürlich Bäume und Pflanzen Trögen. Was sollen diese grauenhaften Blöcke? Jetzt hat man die Chance auf dem Platz etwas zu machen. Und den scheinbar ständig aufgebaute Wurstgrill samt der anderen unangemessenen und unwürdigen Kirmesbuden kann gerne auch verschwinden. Castrop Rauxel hat stilsichere Volksfeste…