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Im Kurfürstenkiez in Berlin-Schöneberg soll ab dem ersten Quartal 2026 eine moderne Notrufsäule getestet werden. Das Pilotprojekt setzt auf Video- und Audioübertragung in Echtzeit und richtet sich insbesondere an vulnerable Gruppen im Quartier. Ziel ist es, das Sicherheitsgefühl vor Ort spürbar zu verbessern.

Bülowstraße

Im Rahmen eines Pilotprojekts soll an der Kreuzung Bülowstraße und Frobenstraße eine moderne Notrufsäule installiert werden, um das Sicherheitsgefühl im Kiez zu stärken. Wird der Notruf ausgelöst, überträgt die Anlage Ton- und Videoaufnahmen der Umgebung in Echtzeit an die Einsatzleitstelle. / © Foto: Wikimedia Commons, JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0

© Foto: Wikimedia Commons, JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0
© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Angelpeream, CC BY-SA 3.0

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Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg plant gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Inneres und Sport ein neues Sicherheitsprojekt im Kurfürstenkiez. Ab dem ersten Quartal 2026 soll an der Kreuzung Bülowstraße und Frobenstraße eine moderne Notrufsäule in Betrieb gehen. Sie ist Teil eines Pilotversuchs, mit dem auf die besondere soziale und kriminalitätsbelastete Situation im Quartier reagiert werden soll.

Der Standort wurde gezielt ausgewählt. Nach Angaben des Bezirksamts gegenüber rbb24 spielen dabei sowohl die hohe Nachtaktivität als auch Herausforderungen wie Straßenprostitution, Drogenhandel und andere sicherheitsrelevante Problemlagen eine Rolle.

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Hightech statt alter Notruftelefone: Säule überträgt Video, Ton und Licht in Echtzeit

Die geplante Notrufsäule unterscheidet sich deutlich von früheren Modellen, die vor rund 20 Jahren aus dem Berliner Stadtbild verschwunden sind. Löst eine Person den Notruf aus, überträgt die Anlage automatisch Video- und Tonaufnahmen in Echtzeit an die Einsatzleitzentrale. Zusätzlich kann das unmittelbare Umfeld ausgeleuchtet werden.

Damit entsteht ein klar definierter Schutzbereich, der Gefahrensituationen dokumentiert und zugleich eine schnelle Reaktion ermöglicht. Betroffene müssen nach dem Auslösen des Notrufs nicht weiter aktiv handeln.

Senat und Bezirk arbeiten zusammen: ASOG-Änderung ermöglicht neues Sicherheitsprojekt

Nach Angaben des Bezirksamts richtet sich das Angebot insbesondere an vulnerable Gruppen. Dazu zählen unter anderem Sexarbeitende im Umfeld der Kurfürstenstraße, queere Menschen sowie Anwohnerinnen und Anwohner. Die Notrufsäule soll niedrigschwellig Hilfe ermöglichen, unabhängig davon, ob ein Mobiltelefon vorhanden ist oder in einer Stresssituation bedient werden kann. Der Bezirk betont, dass Menschen in akuten Angst- oder Bedrohungslagen oft überfordert seien, selbst einen Notruf über das Handy abzusetzen. Die Säule solle hier eine verlässliche Alternative bieten.

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Die technische Ausstattung der Notrufsäule mit Video- und Audiofunktion wurde erst durch eine Änderung des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes Berlin (ASOG) möglich. Der Senat schuf damit die rechtliche Grundlage für den Einsatz solcher Systeme im öffentlichen Raum. Bereits 2024 hatte sich das Abgeordnetenhaus in einer schriftlichen Anfrage mit dem Projekt befasst. Dabei wurde deutlich, dass Senat und Bezirk eng bei technischen, rechtlichen und finanziellen Fragen zusammenarbeiten.

Finanzierung und Betrieb: Björn-Steiger-Stiftung trägt Kosten für Notrufsäule

Die Kosten für die Errichtung der Notrufsäule werden von der Björn-Steiger-Stiftung getragen und belaufen sich auf rund 7.000 Euro. Die jährlichen Betriebskosten von rund 500 Euro trägt der Bezirk Tempelhof-Schöneberg, wie aus einer schriftlichen Anfrage einer CDU-Abgeordneten an das Abgeordnetenhaus vom 4. Oktober 2024 hervorgeht. Für Wartung, Funktionsfähigkeit und Reparaturen ist ebenfalls die Stiftung zuständig. Damit soll sichergestellt werden, dass technische Störungen zeitnah behoben werden.

Vorerst bleibt es bei einer einzelnen Notrufsäule. Sollte die Testphase erfolgreich verlaufen, könnten weitere Standorte folgen. Der Bezirk nennt insbesondere andere belastete Kieze sowie stark frequentierte Verkehrsknotenpunkte als mögliche Einsatzorte. Ob und in welchem Umfang das Modell ausgeweitet wird, soll nach Abschluss der Testphase entschieden werden. Das Pilotprojekt im Kurfürstenkiez dient damit auch als Grundlage für eine mögliche berlinweite Anwendung.

Quellen: Abgeordnetenhaus Berlin, rbb24, Berliner Morgenpost

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