Frankfurt am Main gewinnt den bundesweiten Wettbewerb „Abpflastern“ und wird für seine Entsiegelungsprojekte ausgezeichnet. Der Erfolg verweist auf konkrete Fortschritte, wirft aber auch Fragen nach Tempo, Flächenumfang und Verstetigung der Maßnahmen auf.

Mobilitätsdezernent Wolfgang Siefert und Klima- und Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez erhielten den Preis von Deniz Hsu sowie Lorenz Kestler vom Abpflastern-Team. / © Foto: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Bernd Roselieb
© Titelbild: Stadt Frankfurt am Main, Foto: Iris Eckstein
Frankfurt am Main hat beim bundesweiten „Abpflastern“-Wettbewerb den ersten Platz belegt. Überreicht wurde der symbolische Preis Mitte Dezember auf dem Paul-Arnsberg-Platz; einem Ort, der selbst als Referenzprojekt für Entsiegelung gilt. Die Auszeichnung misst nicht gestalterische Qualität, sondern die Menge entfernten Pflasters im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Frankfurt lag hier vor Städten wie Darmstadt und Hamburg.
Bemerkenswert ist, dass die Teilnahme nicht von der Stadtverwaltung ausging, sondern von einer Initiative des Klimaentscheids angestoßen wurde. Sie sammelte und meldete Projekte, die im Wettbewerbszeitraum umgesetzt worden waren. Damit wurde sichtbar, wie stark bürgerschaftliches Engagement die Entsiegelung in Frankfurt mitträgt.
Der Paul-Arnsberg-Platz als Blaupause

Paul-Arnsberg-Platz in Frankfurt im Jahr 2005, vor der Entsiegelung. / © Foto: Wikimedia Commons, Mwallace, CC BY-SA 3.0
Der rund 3.000 Quadratmeter große Paul-Arnsberg-Platz wurde 2022 umgestaltet. Etwa die Hälfte der Fläche ist heute unversiegelt, Regenwasser kann versickern, neue Bäume und eine Wildblumenwiese prägen das Bild. Die zuständige Dezernentin ordnete das Projekt als frühen, aber wichtigen Schritt ein: Entsiegelung verbessere das Mikroklima und steigere die Aufenthaltsqualität, vor allem an heißen Tagen.
Tatsächlich reiht sich der Platz in eine Serie weiterer Maßnahmen ein, etwa an der Staufenmauer, am Goetheplatz oder zuletzt am Walther-von-Cronberg-Platz. Auch Konzepte aus der Innenstadt, die auf Schwammstadt-Prinzipien setzen, zeigen, dass Entsiegelung inzwischen planerisch mitgedacht wird. Aus Sicht des Mobilitätsdezernats hängt Entsiegelung eng mit Fragen der Fortbewegung zusammen. Wo Asphalt verschwindet, entstehen nicht nur Grünflächen, sondern oft auch attraktivere Räume für Fuß- und Radverkehr.
Frankfurt entsiegelt: Engagement als Motor, Verwaltung unter Druck
Die AG Stadtgrün des Klimaentscheids Frankfurt verweist darauf, dass viele Projekte jahrelange Vorläufe hatten und häufig von Initiativen angeschoben wurden, beispielsweise von Nachbarschaften bis hin zu Schulen. Der Wettbewerb habe geholfen, das Thema zu beschleunigen und öffentlich zu machen. Gleichzeitig zeigt sich hier eine Schwäche: Ohne zusätzlichen zivilgesellschaftlichen Druck wäre Frankfurt wohl nicht angetreten.
Der Wettbewerb selbst ist offen angelegt: Kommunen, Initiativen und Privatpersonen können Flächen melden, um Entsiegelung sichtbar zu machen. Platz eins ist damit weniger Endpunkt als Zwischenbilanz. Frankfurt hat gezeigt, was möglich ist – gemessen an Hitzevorsorge und Flächenbedarf bleibt jedoch noch viel zu tun.
Paul-Arnsberg-Platz
Goetheplatz
Staufenmauer
Walther-von-Cronberg-Platz
Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Altes Neuland Frankfurt, abpflastern.de, Frankfurter Neue Presse, Gruene Frankfurt, Regionalverband Frankfurt Rhein Main
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