Unter den Linden, Kurfürstendamm oder Friedrichstraße: Während Berlin auf seinen zentralen Boulevards weiterhin stark auf den Autoverkehr setzt, gestaltet die polnische Hauptstadt Warschau sein Zentrum grundlegend und konsequent um. Die Straßen Złota und Zgoda zeigen, wie Verkehrsflächen zu grünen Stadträumen werden können.

Blick von oben auf den begrünten Stadtraum der Złota mit Bäumen, Rasenflächen, Sitzgelegenheiten und Fußgängern.

Neue Grünflächen übernehmen auf der umgestalteten Złota eine zentrale Rolle. Zwischen Bäumen, Rasenflächen und geschwungenen Sitzgelegenheiten ist ein neuer öffentlicher Aufenthaltsraum entstanden. / © Fot. UM Warszawa

© Fotos: Fot. UM Warszawa

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Während in vielen europäischen Metropolen zentrale Straßenräume neu verteilt werden, bleibt Berlin bei einigen seiner bekanntesten Boulevards vergleichsweise stark am motorisierten Individualverkehr orientiert. Unter den Linden, Friedrichstraße und Kurfürstendamm zeigen dabei unterschiedliche Ausprägungen derselben Debatte: Wie viel Raum soll das Auto künftig in der Innenstadt einnehmen?

Auf der Straße Unter den Linden sollen zwar rund 160 neue Silberlinden, Staudenflächen und eine neue Mittelpromenade entstehen, zugleich sind künftig jedoch wieder zwei Fahrspuren je Richtung für den motorisierten Verkehr vorgesehen (derzeit ist es jeweils eine Spur). Frühere Überlegungen, den Autoverkehr auf dem Boulevard deutlich zu reduzieren, werden damit von der aktuellen Verkehrsverwaltung nicht weiterverfolgt.

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Berlin setzt in der Innenstadt und für seine wichtigen Boulevards weiterhin auf den Autoverkehr

Auch auf dem mehr als 50 Meter breiten und mehr als drei Kilometer langen Kurfürstendamm gibt es bislang keine Planungen für einen durchgängigen, separaten Radweg. Radfahrende teilen sich dort auf weiten Abschnitten den Straßenraum mit Bussen, Taxis und Autos, während große Teile des Mittelstreifens weiterhin als Parkraum genutzt werden.

Planungen für einen Radweg, eine Reduzierung des Autoverkehrs oder eine Begrünung des Boulevards gibt es nach Angaben des Bezirks sowie der Senatsverkehrsverwaltung nicht. Gleichzeitig sind Raser und illegale Autorennen, die immer wieder Todesopfer fordern, weiterhin ein Problem.

Baustelle an der Złota im Zentrum von Warschau mit dem Kultur- und Wissenschaftspalast im Hintergrund.

Schon während der Bauphase war der tiefgreifende Umbau im Warschauer Zentrum deutlich sichtbar. Im Umfeld der Złota wurden große Teile der bisherigen Verkehrsflächen aufgenommen und für die Neugestaltung vorbereitet. / © Foto: Wikimedia Commons, Wistula (CC BY-SA 4.0)

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Wo ist die Innovation? Für Berlins zentrale Magistralen herrscht das Credo „Weiter so!“

In der Friedrichstraße wiederum wurde ein zeitweise autofreier Abschnitt wieder für den allgemeinen Verkehr geöffnet, anstatt ein übergreifendes, verkehrsreduziertes Konzept für die Straße zu entwickeln.

Einzelne Konzepte, wie das vom Architekten Tobias Nöfer im November 2025 präsentierte Weiterentwicklungskonzept, werden ganz offensichtlich nicht ernsthaft weiterverfolgt. Es wäre zwar nur ein „Umbau Light“, aber es wäre wohl ein kleiner Schritt nach vorn. Doch still ruht der See, weiterhin.

Warschau gestaltet mit Złota und Zgoda einen ganzen Teil der Innenstadt grundlegend neu

Einen deutlich anderen Ansatz verfolgt derzeit Warschau. Anfang August wurde nach rund zweijähriger Bauzeit die umfassende Neugestaltung der Straßen Złota und Zgoda abgeschlossen. Das Projekt ist Teil des Programms „Neues Herz von Warschau“ und verwandelt einen zuvor stark von Asphalt, Beton und Autoverkehr geprägten Bereich in einen begrünten öffentlichen Stadtraum.

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Im Umfeld der beiden Straßen entstanden neue Fußgängerbereiche, Sitzmöglichkeiten und Aufenthaltsflächen. Insgesamt wurden rund 200 neue Bäume gepflanzt; hinzu kommen großflächige Pflanzungen mit Sträuchern und Stauden. Zwei neue Brunnen sollen an heißen Tagen zusätzlich zur Abkühlung des Stadtraums beitragen.

Baustelle im Zentrum Warschaus mit neu angelegten Beeten, Wegen und jungen Bäumen.

Wo zuvor versiegelte Verkehrsflächen dominierten, entstanden während des Umbaus neue Grün- und Aufenthaltsbereiche. Das Foto zeigt die Anlage der geschwungenen Pflanzflächen im Warschauer Zentrum im Frühjahr 2026. / © Foto: Wikimedia Commons, Wistula (CC BY-SA 4.0)

Regenwassermanagement, neue Bäume und Fußgängerbereiche prägen Warschaus neues Zentrum

Bemerkenswert ist auch die technische Infrastruktur: Unter dem Areal befinden sich zwei Regenwasserspeicher mit einem Gesamtvolumen von mehr als drei Millionen Litern. Das gesammelte Wasser wird für die Bewässerung der neuen Grünflächen genutzt; entstanden sind die Speicher an der Stelle eines zurückgebauten Autotunnels unter der Marszałkowska-Straße.

Gleichzeitig versucht Warschau, die verkehrsberuhigten Bereiche zu einem größeren Netz zu verbinden. Neue Fußgängerzonen, baulich getrennte Radwege und eine ausschließlich Fuß- und Radverkehr vorbehaltene Weichselbrücke zeigen, dass die Projekte nicht isoliert betrachtet werden, sondern Teil eines umfassenderen Umbaus der Innenstadt sind. Die neu gestalteten Bereiche waren vorher vom Autoverkehr geprägte, vollständig versiegelte Verkehrsachsen.

Berlin und Warschau zeigen unterschiedliche Strategien für die Zukunft ihrer Innenstädte

Der Vergleich macht deutlich, wie unterschiedlich europäische Hauptstädte derzeit mit ihren zentralen Straßenräumen umgehen. Während Warschau Flächen des Autoverkehrs gezielt zugunsten von Grün, Fuß- und Radverkehr sowie neuen Aufenthaltsbereichen reduziert oder sogar vollständig umwidment, hält Berlin auf mehreren prominenten Innenstadtachsen an einer vergleichsweise starken Rolle des Autos fest.

Welche Strategie langfristig erfolgreicher ist, dürfte sich nicht allein an Verkehrskennzahlen messen lassen. Entscheidend wird auch sein, wie sich die Konzepte auf Aufenthaltsqualität, Einzelhandel, Klimaanpassung und die Nutzung des öffentlichen Raums auswirken – und damit auf die Frage, welche Funktion zentrale Boulevards künftig in europäischen Metropolen übernehmen sollen.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Berlins aktuelle Strategie, den Autoverkehr wieder auszuweiten, in Europa Schule machen wird. Ganz im Gegenteil. Der Blick nach Frankreich, Skandinavien, Spanien oder, ganz aktuell, Polen zeigt ein völlig anderes Bild.

Radfahrerin auf einem breiten Weg zwischen neu angelegten Grünflächen im Zentrum von Warschau.

Auch Radfahrende profitieren von der Neuordnung des Straßenraums rund um Złota und Zgoda. Großzügige Wege werden von neuen Bäumen, Stauden und weiteren Pflanzflächen begleitet. / © Fot. UM Warszawa

Begrünte Złota mit zahlreichen Bäumen und Pflanzflächen vor dem Kultur- und Wissenschaftspalast in Warschau.

Der Blick in Richtung Kultur- und Wissenschaftspalast zeigt die Dimension des Umbaus: Die vormals stark versiegelten Flächen wurden durch Bäume, Beete, Wege und neue Aufenthaltsbereiche ergänzt. Das Projekt gehört zum Programm „Neues Zentrum Warschau“. / © Fot. UM Warszawa

Nächtlicher Blick über die begrünte Złota in Richtung Kultur- und Wissenschaftspalast in Warschau.

Aus der Vogelperspektive wird das neue grüne Band im Zentrum Warschaus besonders deutlich. Zahlreiche Bäume und Pflanzflächen führen in Richtung des markanten Kultur- und Wissenschaftspalastes. / © Fot. UM Warszawa

Belebter neuer Stadtraum an der Złota in Warschau mit Bäumen, Sitzgelegenheiten und Wasserspiel vor dem Kultur- und Wissenschaftspalast.

Neue Aufenthaltsflächen, Bäume und Wasserelemente prägen nach dem Umbau das Umfeld der Złota. Der zuvor stark vom Autoverkehr geprägte Stadtraum wurde zugunsten von Fußgängern und Grünflächen neu geordnet. / © Fot. UM Warszawa

Zentrum Warschau

Quellen: Changing Cities, Stadtverwaltung Warschau, Pragmatika Media, IMAGO, UM Warszawa

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12 Kommentare

  1. Böhme 13. August 2026 at 06:09 - Reply

    Was kann Berlin von Warschau lernen: Genau nichts! Hier wird jetzt von einer – relativ kurzen – Straße im Herzen Warschaus berichtet, die zu einer begrünten Fußgängerzone umgebaut wurde, also dem, was in deutschen Städten seit Jahrzehnten geschehen ist! Wobei in deutschen begrünten Fußgängerzonen die meisten Sitzgelegenheiten wieder abgebaut wurden, damit sich dort nicht die Obdachlosen einrichten. Wird in Warschau eher kein Problem sein, weil die meisten polnischen Obdachlosen sich in Berlin aufhalten!

    • osmosis 13. August 2026 at 08:39 - Reply

      Ihnen mag es vielleicht peinlich erscheinen, von Nachbarländern zu lernen. Ich finde es jedoch völlig in Ordnung und sogar gut! Nicht alles was Berlin macht ist perfekt, oder?

      • Böhme 14. August 2026 at 09:00 - Reply

        Nö, völlig daneben! Wenn ich allerdings anderweit lernen wollte, dann eher in Kopenhagen als in Warschau. Nochmals: Die beschriebene Straße ist extrem kurz und ist eine Fußgängerzone, die es in Deutschland seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt. Sie mag partiell begrünter sein, was allerdings in Deutschland daran scheitert, dass der „Durchschnittsproll“ solche Anlagen relativ schnell zerstört, darüber hinaus die öffentlichen Haushalte für Erhalt und Pflege nichts hergeben!

  2. M.Hillen 13. August 2026 at 08:43 - Reply

    Der gestalterische Wert irgendeiner deutschen Fußgängerzone dürfte unter dem Niveau der obigen Illustration der Warschauer Neuanlage liegen.

    Auch darüber hinaus könnte Berlin eine ganze Menge von Warschau lernen:

    Ein historisches Zentrum so zu gestalten und – wenn notwendig- wiederaufzubauen, daß Ursprung und Historie einer Stadt erlebbar gefeiert (!) werden, damit dieses klar erkennbare Herz der Stadt als feste Basis für eine zeitgemäße und moderne, vielleicht sogar futuristische Weiterentwicklung außerhalb des historischen Zentrums fungieren kann – so, daß sowohl die Geschichte als auch die zeitgemäße Modernität als gleichwertiger Teil der komplexen Identität einer Stadt wahrgenommen werden und wirken und begeistern dürfen.

    In Berlin ist weder die reiche Geschichte der Stadt überzeugend und begeisternd im Stadtbild vertreten, noch die zeitgenössische urbane Modernität. Die deutsche Identitätsverleugnung, die zweifelsohne als pathologisch und behandlungsbedürftig zu betrachten ist, steht da sowohl dem verständigen Blick zurück als auch dem selbstbewussten Blick auf Gegenwart und Zukunft im Wege. Der städtebauliche und architektonische Mist und Murks in Berlin ist nur sichtbarer Ausdruck dieser kranken Identitätsverleugnung [Jüngstes Symbol dafür: das Humboldtforum]

    Über den städtebaulichen und architektonischen Ansatz hinaus könnte Berlin bzw Deutschland auch in der Sozial- und Einwanderungspolitik von Warschau bzw Polen lernen: Abschaffung des völlig überzogenen (!!!) Asyl- und Sozialstaats und der damit verbundenen Pull-Faktoren fürs Faulsein auf Kosten anderer.
    Es gibt ja einen Grund, warum auch das soziale Stadtbild in Warschau deutlich angenehmer aussieht als in Berlin, wo ein extrem großer Bevölkerungsanteil (teils deutsch, überproportional zugewandert) vom Staat alimentiert wird.

    • Böhme 14. August 2026 at 09:03 - Reply

      Sorry, hat Lächerlichkeitswert: Bisher haben Sie hier Stimmanns Blockrandbebauung mit der kritischen historischen Rekonstruktion bejubelt und gefordert. Jetzt lese ich das, wofür ich seit ewig eintrete: Eine zeitgenössische urbane Modernität!

    • Böhme 14. August 2026 at 09:05 - Reply

      Ach ja, ich hoffe, sie meinen mit einer „zeitgenössischen urbanen Modernität“ (wo haben Sie eigentlich diese Floskeln her?) nicht die Bauten in der besagten Straße. Die sind nämlich ohne Zweifel potthässlich … und liegen nicht in Randlagen der Stadt, sondern im Zentrum Warschaus!

    • Ewald Karl 16. August 2026 at 13:42 - Reply

      „…selbstbewussten Blick auf Gegenwart und Zukunft im Wege. Der städtebauliche und architektonische Mist und Murks in Berlin ist nur sichtbarer Ausdruck dieser kranken Identitätsverleugnung“

      Ist das von Ihnen oder von Björn Höcke? Liest sich jedenfalls rechtsextrem.

  3. Günther 13. August 2026 at 09:16 - Reply

    Es stimmt einen einfach nur traurig, wenn man daran denkt, wie Berlin unter der derzeitigen Regierung zurückgefallen ist, die Stadt weiter verschandelt wird und die CDU Regierung weiterhin an veralteten Bildern hängt, wie eine Stadt zu funktionieren hat. Berlin hat das Potential für mehr!

  4. M.Hillen 14. August 2026 at 13:18 - Reply

    An Böhme:
    Warschau kann sich ein gewisses Maß an belangloser, öder sozialistischer Nachkriegsarchitektur im Innenstadtbereich leisten, weil es eben eine sehr gelungen rekonstruierte Altstadt mit Königsschloss und hist. rekonstruiertierter PrachtAchse nach Süden besitzt (zu den zahlreichen Schlössern und Gärten) UND – seit dem Fall des Eisernen Vorhangs – auch zahlreiche moderne Wolkenkratzer. Bis auf die prachtvolle Epoche um die Jhwende (19./20.Jh), die im Stadtbild auch nach Einschätzung der Warschauer etwas unterrepräsentiert ist, ist nahezu jede Epoche heute – trotz der erlittenen Kriegszerstörungen – im Stadtbild vertreten. Sogar die Stalinarchitektur der Nachkriegszeit. Dies macht Warschau architektonisch und städtebaulich insgesamt zu einer sehr komplexen, lebendigen, reichen und attraktiven Metropole.
    Diese neue, kleine Fußgängerzone besticht natürlich nicht durch die Architektur der Gebäude, da haben Sie recht. Aber durch Autoeliminierung und eine überzeugende Grüngestaltung hat diese Strasse ganz eindeutig erheblich an Niveau und Aufenthaltsqualität gewonnen. Das ist doch sehr positiv zu bewerten, zumal Warschau ein Gesamtkonzept für die Innenstadt in dieser Hinsicht verfolgt. Da geht es also sehr erkennbar voran im Hinblick auf eine höhere Lebensqualität für die Bewohner der Stadt.

    Was meine Wunschvorstellung für Berlin betrifft, da verstehen Sie mich möglicherweise falsch. Ja, ich befürworte eine historische Rekonstruktion zu 100% für den Bereich der mittelalterlichen Kernstadt (Petriviertel, Marienviertel, Nikolaiviertel, Klosterviertel usw) – allerdings ohne Prinzipienreiterei. D.h. da hätten grundsätzlich alle Bauten aus den verschiedensten Epochen bis zum Beginn des 2.WK eine Rekonstruktionsberechtigung: da würde man sich schon auf eine sinnvolle und breite Variante einigen, welche alle Epochen angemessen und ausreichend stimmig berücksichtigt.

    Die sozialistische Epoche würde ich geographisch erst mit dem Fernseturm und dem Alexanderplatz, also hauptsächlich jenseits der Stadtbahn respektieren und belassen wollen. Mit der ehem. Stalinallee dazu gerechnet wäre diese Epoche völlig ausreichend im Stadtbild vertreten. Im Altstadtbereich (Fischerinsel, Rathaus- und Karl Liebknechtstraße) würde ich deshalb alle DDR-Plattenbauten abreißen. Sie verschandeln und trivialisieren die historische Innenstadt auf eine Weise, die – bei Lichte betrachtet- nahezu unerträglich ist. Auf der Fischerinsel würde ich die unmittelbaren Vorkriegsbauten rekonstruieren. An der Rathaus- und Karl-Liebknechtstr. würde ich die Prachtbauten aus der Kaiserzeit rekonstruieren, ebenso an den Linden und in der Friedrichstraße (zwischen Spree und Leipziger Strasse).. und auch an allen Blöcken rund um den Gendarmenmarkt: Friedrichstraße und Gendarmenmarkt hätten dann eine ästhetische Attraktivität, die es auch ermöglichen würde, diesen gesamten Bereich autofrei zu gestalten, mit attraktiver Aussengastronomie, Geschäften und im Bereich des Gendarmenmarktes und auch in den autofreien Straßen drum herum deutlich grüner als heute (auch wenn dies in der Friedrichstraße usw ahistorisch wäre).

    Auch den Kurfürstendamm würde ich in der Pracht der Kaiserzeit rekonstruieren wollen (incl. Strassenbahn bis zum Alex via WittenbgPlatz,Potsdamer platz, LeipzigerStr und Alexanderplatz).

    In Mitte würde ich alle Spreebrücken und Hohenzollerndenkmäler und natürlich Dom und Stadtschloss und die Gestaltung um das Stadtschloss herum originalgetreu rekonstruieren (Kaiserzeit). Berlin war schließlich Jahrhunderte lang Residenzstadt der Hohenzollern, dies muss und darf und soll Berlin stolz und selbstbewusst zeigen. [Das heißt doch nicht, daß man zurück zur Monarchie möchte. Nein, das heißt einfach nur, diese Zeit als Teil der Identität der Stadt anzuerkennen (ja was denn auch sonst: alles andere wäre doch kindisch und dumm und dusselige und idiotische Selbstverleugnung – und abgesehen davon auch absolut unglaubwürdig)].

    Jede historische Stadtepoche wäre somit wieder im Stadtbild erkennbar, und zwar an den Orten, an denen es Sinn macht.

    Und dann – auf dieser Grundlage – wäre es fantastisch, wenn Berlin auch die heutige Epoche großartig abbilden würde – mit Wolkenkratzern (>150m !) an klar definierten Orten:
    1. östlicher Breitscheidplatz (heutiges Europacenter) und die komplette Tauentzien und Kleiststrasse entlang. Aber nicht im Hinterhof, sondern stolz und elegant in der ersten Reihe, an der Stassenfront!
    2. Rund um den Alexanderplatz (allerdings die Sichtachse FrankfurterTor – Fersehturm beachten!) – erste, zweite und dritte Reihe nach Osten hin.
    3. Von Jannowitzbrücke bis Elsenbrücke beidseitig der Spree (zwischen S-Bahn im Osten und KöpenickerStr und Fortsetzung im Westen).

    Ansonsten: Den Charme der Gründerzeitviertel bewahren durch eine Architektur, die sich durch Beachtung der traditionellen Architektursprache respektvoll einfügt (wenn Baulücken geschlossen und Nachkriegsbauten ersetzt werden).

    Berlin würde dadurch mit seinem Stadtbild in der historischen Alt- und Innenstadt und im Neuen Westen deutlich anschaulicher und stolzer und selbstbewußter als dies heute der Fall ist von allen Epochen seiner reichen Geschichte erzählen.

    Touristisch und wirtschaftlich wäre die Bedeutung dieser sehr langfristig angelegten städtebaulichen Gestaltungsmaßnahmen vom ersten Tag an ein enormer Aufmerksamkeitsgewinn für diese Stadt: Sie würde selbstbewußter und stolzer von sich selbst in die Welt ausstrahlen, als dies heute – mit der thematischen Verengung von Berlin auf Nazizeit, Teilung und Überwindung der Teilung – der Fall ist.
    Mich jedenfalls ödet diese thematische Verengung nur noch an.

    Und nur weil ich genau diese oben beschriebene gestalterische Vorstellung für wünschenswert halte bin ich nicht etwa rückwärts gewandt oder nostalgisch unterwegs (wie Sie mir mal unterstellt haben). Nein, ich finde einfach nur – als BerlinFan – dass Berlin sich weit unter seinen Möglichkeiten verkauft, indem es einen Großteil seiner reichen Vorkriegsgeschichte verleugnet und sehr erfolgreich aus dem Stadtbild eliminiert hat.

    Die Stadt wirkt dadurch im historischen Innenstadtbereich (und zunehmend auch im Neuen Westen) ziemlich öde und langweilig, gerade auch im Vergleich mit nahezu allen anderen Metropolen in Mitteleuropa.

  5. M.Hillen 14. August 2026 at 14:41 - Reply

    …wenn man auf einer Berlin-Karte nun alle diese Gebiete, die ich im oben geäußerten Sinne als Stadt Berlin stadtplanerisch und architektonisch gestalten würde, straffierte, dann blieben wahrscheinlich über 99,999% der bebauten Fläche Berlins von Rekonstruktionsmaßnahmen unbetroffen. Die Gründerzeitviertel betreffend würde ich diese grundsätzlich bei Neubauten durch kleinteilige Blockrandbebauung, Traufhöhe und Berücksichtigung der traditionellen Architektursprache respektiert wissen wollen. Diese Neubauten sind dann natürlich trotzdem modern oder zeitgenössisch. Warum soll nur irgendeine BauhausVariation, irgendeine Kistenarchitektur mit Raster- oder Schießschartenfassade als zeitgenössisch oder modern gelten?
    Aber bitte, wer unbedingt auf eine Architektursprache im Bauhausstil wert legt, der hat immer noch riesige Gebiete außerhalb der winzigen Rekonstruktionsgebiete und der großen Gründerzeitviertel zur Verfügung. Da bin ich ohne Probleme bereit, jede Häßlichkeit, jede Flachdachkiste, jede armselige Raster- und Schießschartenfassade zu ertragen. Auch neue Plattenbauten von städtischen Wohnungsbaugesellschaften, die sparsam haushalten sollen und müssen. Alles kein Problem. Aber nicht Unter den Linden. Nicht am Kurfürstendamm. Nicht auf der Fischerinsel. Nicht hinter der Hedwigskathedrale. Nicht im ehemaligen Altstadtbereich. Nicht auf den wichtigsten Prachtstraßen der Hohenzollernzeit. Nicht hinter dem Berliner Dom, nicht am Roten Rathaus usw,usw. Eigentlich sollte dies selbstverständlich sein!

  6. M.Hillen 14. August 2026 at 15:40 - Reply

    Vergessen: … und nicht in den charmanten Gründerzeitvierteln. Eigentlich sollte dies selbstverständlich sein!

  7. Lena 17. August 2026 at 14:59 - Reply

    Ein sehr interessanter Ansatz für die Stadtplanung – mehr Grün und weniger Autos sind ein Weg, den viele Großstädte wohl noch gehen müssen.

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