Die Kritik an moderner Architektur ist weit verbreitet, doch Berlin liefert hin und wieder auch positive Gegenbeispiele. ENTWICKLUNGSSTADT zeigt fünf Bauwerke, die Mut, Kreativität und neue Perspektiven vereinen. Diese Auswahl zeigt, dass moderne Architektur in der Hauptstadt neue Impulse setzen kann.
© Visualisierung Titelbild: Aesthetica Studio
Die moderne Architektur hat es in Berlin schwer, sich einen guten Ruf zu erarbeiten. Allzu oft wird sie als monoton, steril oder leblos kritisiert, besonders im Wohn- und Gewerbebau. Doch gerade in einer Stadt, die von Kriegszerstörungen und den pragmatischen Bauten der Nachkriegsjahrzehnte geprägt ist, hat sich längst auch eine andere, experimentierfreudige Seite gezeigt.
Zwischen nüchternen Fassaden finden sich immer wieder Bauwerke, die mit ungewöhnlichen Formen, innovativen Konzepten und mutiger Gestaltung überraschen. Wir zeigen fünf ausgewählte Projekte, deren ungewöhnliche Architektur im Stadtbild auffallen wird, mit spannender Gegenwartsarchitektur in einer sich stetig wandelnden Metropole.
Carl-Bechstein-Campus: Kultur- und Gewerbeprojekt soll Europacity in Moabit bereichern

Kultur- und Gewerbecampus: An der Heidestraße in Berlin-Moabit soll der Carl-Bechstein-Campus entstehen. / © Visualisierung: Aesthetica Studio
Der geplante Carl-Bechstein-Campus in Berlin-Moabit soll die kulturelle Landschaft im Neubauquartier Europacity entscheidend prägen. Auf einem Grundstück an der Heidestraße entsteht ein vielseitiges Ensemble mit zwei Konzertsälen, Übungsräumen, Verkaufsflächen, einer Akademie und Bürobereichen für das traditionsreiche Klavierunternehmen. Ergänzt wird das Projekt durch ein Restaurant, eine Tiefgarage und Wohnungen für Stipendiatinnen und Stipendiaten.
Gleichzeitig ist das Vorhaben technisch wie städtebaulich komplex. Der Entwurf des Berliner Büros Graft integriert ein bestehendes historisches Gebäude in das moderne Ensemble und schafft so den Übergang zwischen alter Bausubstanz und neuer Architektur entlang der Heidestraße. Solange die Baugenehmigung noch aussteht, bleibt unklar, wann das aufwendige Projekt umgesetzt werden kann.
Grenzhafen Berlin: Historischer Steg auf der Spree soll Kultur- und Erinnerungsort werden

Ein Werkstattverfahren soll die Grundlage schaffen, um das denkmalgeschützte Bauwerk über der Spree zu sichern und als öffentlich erlebbaren Stadtraum zu gestalten. / © Visualisierung Titelbild: GMH / &MICA
Zwischen Oberbaum- und Elsenbrücke soll der historische Steg auf der Spree in einen Kultur- und Erinnerungsort verwandelt werden. Jahrzehntelang Teil der Grenzanlagen zwischen Ost- und West-Berlin, blieb er für die Öffentlichkeit unzugänglich. Mit dem „Grenzhafen Berlin“ soll die Anlage denkmalgerecht saniert und künftig durch ein Museum, einen Hafen mit historischen Binnenschiffen sowie Gastronomie und Veranstaltungsflächen belebt werden.
Die Umsetzung gilt als anspruchsvoll, da Denkmalschutz und neue Nutzungen in Einklang gebracht werden müssen. Ein laufendes Werkstattverfahren mit zwei Architekturbüros soll dafür die Grundlage schaffen. Noch in diesem Jahr soll ein Bauantrag gestellt werden. Gelingt die Realisierung, könnte der „Grenzhafen Berlin“ Ausstellungen, Führungen und Veranstaltungen beherbergen und zu einem neuen Anziehungspunkt am Spreeufer werden.
Technikmuseum in Kreuzberg plant neues Eingangsgebäude

Das Technikmuseum in Berlin-Kreuzberg soll ein neues Eingangsgebäude erhalten. Der geplante Neubau entsteht zwischen dem Haupthaus von 2001 und dem historischen Kopfbau und soll mit Foyer und Dachpark als neuer Mittelpunkt des Museums fungieren. / © Visualisierung: querkraft architekten zt GmbH
Das Deutsche Technikmuseum in Berlin-Kreuzberg erhält ein neues Eingangsgebäude. Es entsteht am Halleschen Ufer zwischen dem Haupthaus von 2001 und dem historischen Kopfbau. Den Generalplanungsauftrag erhielt ein Team um das Wiener Büro querkraft architekten, das mit einem nachhaltigen und städtebaulich überzeugenden Entwurf den europaweiten Wettbewerb gewann.
Geplant sind ein großzügiges Foyer, ein öffentlich zugänglicher Dachpark sowie Restaurant und Museumsshop. Damit soll der Standort stärker mit seiner Umgebung verbunden und die Besuchersituation verbessert werden. Die BIM kündigte zudem nachhaltige Bauweisen an, darunter Photovoltaik und ressourcenschonende Materialien.
„Funkytown“: Kreativcampus auf historischem Rundfunkgelände in Oberschöneweide

Vision für ein jahrzehntelang leerstehendes Gebäude: Wo einst unter anderem der Jugendfunk DT64 sein Zuhause hatte, entsteht mit „Funkytown“ in der Rummelsburger Landstraße 34 ein neues Zentrum für Kunst, Kultur, Bildung und Co-Working, Unterhaltung, Beherbergung und Gastronomie. Das Projekt setzt auf Erhalt, Kreativität – und ungewöhnliche architektonische Visionen. / © Foto: Trockland Management GmbH
In der Rummelsburger Landstraße entsteht mit „Funkytown“ ein Projekt, das die Radiogeschichte der DDR in die Gegenwart holt. Der markante Stahlbetonbau BLOCK E, einst Sitz des Jugendsenders DT64, wird saniert und in ein Nutzungskonzept integriert, das Räume für Studios, Ateliers und Büros vorsieht. Parallel dazu sollen acht Neubauten entstehen, die das Gelände architektonisch ergänzen und bis 2027 fertiggestellt werden sollen.
Die geplanten STATIONS-Gebäude umfassen rund 38.500 Quadratmeter und sollen Gastronomie, Co-Working, Events, Ausstellungen sowie Hotel- und Bildungsangebote beherbergen. Mit diesem Nutzungsmix soll das Areal nicht nur Kreativen und Unternehmen, sondern auch der Nachbarschaft offenstehen.
Exilmuseum Berlin: Neubau am Anhalter Bahnhof geplant

Der geplante Standort des Exilmuseums liegt direkt hinter der historischen Portalruine des ehemaligen Anhalter Bahnhofs. In einem internationalen Wettbewerb wurde bereits 2020 der Entwurf der dänischen Architektin Dorte Mandrup ausgewählt. / © Foto: Stiftung Exilmuseum Berlin
Direkt hinter der Portalruine des ehemaligen Anhalter Bahnhofs soll in den kommenden Jahren das Exilmuseum Berlin entstehen. Der Entwurf stammt vom dänischen Büro Dorte Mandrup, das 2020 den internationalen Gestaltungswettbewerb für sich entschied. Geplant ist ein Bau, der die historische Ruine respektvoll ergänzt und zugleich Raum für ein modernes Museum bietet, das sich mit den Erfahrungen von Exil und Vertreibung auseinandersetzt.
Allerdings verzögert sich die Umsetzung. Ursprünglich für 2025 vorgesehen, ist der Baubeginn noch nicht erfolgt. Die Stiftung Exilmuseum sammelt weiterhin Spenden, um das Projekt zu finanzieren. Ein konkreter Zeitplan für den Start der Bauarbeiten und die Eröffnung liegt bislang nicht vor, auch wenn das Vorhaben breite gesellschaftliche Unterstützung erfährt.
Quellen: Aesthetica Studio, KVL Projektentwicklung Plus GmbH, Grenzhafen Berlin GmbH, Stiftung Museumshafen, BIM Berliner Immobilienmanagement GmbH, querkraft architekten zt gmbh, Trockland Funkytown GmbH, Tagesspiegel, Deutsches Architektur Forum, KSP Engel Berlin, Architektur Urbanistik Berlin, Graft Architekten, Grüntuch Ernst Architekten, Tchoban Voss Architekten, Julian Breinersdorfer, Thomas Hillig Architekten, LAVA, LXSY, Stiftung Exilmuseum Berlin
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4 Kommentare
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Genau so müßte es viel viel mehr laufen. Dann müßte man hier nicht immer rummeckern und rummäkeln… Wie auch immer, man sieht das es geht, wenn man will…….Ja, „wenn man will“, sieht man ganz klar in China. Da sagen dir Provinzfürsten; Bürgermeister (oft selbst Architekten) und sonstige Statthalter unmissverständlich an, dass du mit Massenware, Langeweile und Kotzbalkenarchitektur unterster Schublade gar nicht erst zu kommen brauchst. Kannst du gleich dein Skizzenpapier wieder einstecken und den PC ausgeschaltet lassen…. Null Chance.
Irgendwie scheint man sich beim Spenden sammeln für das Exilmuseum nicht so richtig anzustellen. Wenn die Protagonisten nicht irgendwie öffentlicher und professioneller werden, sind die letzten Vertriebenen, die sicher genug a la Stadtschloss beitragen könnten und würden, nicht mehr unter uns… Jedenfalls habe ich davon noch nichts mitbekommen. Googelt man das, kommt kaum was diesbezüglich rüber…… Wilhelm v.Boddien dagegen kam gefühlt permanent um die Ecke und hat vorgemacht, wie so etwas gehen könnte.
In Anbetracht der Tatsache, dass Architektur für 1/3 der CO2 Emissionen verantwortlich ist, kann ich mich über solche Aussichten nicht freuen. Über gut gemachte Revitalisierungen hingegen sehr.
Ist nicht so schön wie HR Schinkel bauen könnte ! Leider sieht immer mehr aus wie Dortmund