Die Gedächtniskirche in Charlottenburg wird umfassend saniert. Rund 45 Millionen Euro sind für Kirche, Türme, Ausstellung und Foyer vorgesehen.

Bauzäune am Breitscheidplatz informieren über die geplante Neugestaltung der historischen Turmruine und werben zugleich um Spenden für die Sanierung der Gedächtniskirche. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz steht vor einer der größten Sanierungsphasen ihrer Geschichte. Kirche, Glockenturm und historische Turmruine werden in den kommenden Jahren gleichzeitig oder nacheinander zu Baustellen. Dabei geht es nicht nur um bröckelnden Beton. Zehntausende Glaselemente, alte Leitungen, historische Mosaiken und die gesamte Ausstellung müssen bearbeitet werden. Doch was kostet das alles?
- Bezirk: Charlottenburg-Wilmersdorf
- Adresse: Breitscheidplatz, 10789 Berlin
- Projekt: Sanierung und Weiterentwicklung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
- Geplante Wiedereröffnung: 2028/29
- Kosten: rund 45,1 Millionen Euro
Die Dimension des Vorhabens zeigt sich vor allem beim Blick auf die einzelnen Budgets. Für die Kirche nennt die Stiftung rund 14,4 Millionen Euro, für den Glockenturm weitere 10,8 Millionen Euro. Für die historische Turmruine einschließlich der Mosaiken sind rund 13,3 Millionen Euro vorgesehen. Hinzu kommt das Foyer-Haus, dessen Sanierung derzeit auf etwa 6,6 Millionen Euro geschätzt wird. Zusammengerechnet ergeben diese Angaben rund 45,1 Millionen Euro.
Damit liegt die aktuelle Größenordnung deutlich über früheren Planungsständen. ENTWICKLUNGSSTADT hatte 2023 noch über Gesamtkosten von gut 35 Millionen Euro berichtet. Im August 2026 sind die voraussichtlichen Kosten bereits um gut 10 Millionen Euro gestiegen.

Die historische Turmruine bleibt das Herzstück der Gedächtniskirche. Für ihre Sanierung und die neue Ausstellung sind rund 13,3 Millionen Euro vorgesehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Gedächtniskirche in Charlottenburg: Allein die Kirche kostet 14,4 Millionen Euro
Der größte einzelne Posten entfällt auf das moderne Kirchengebäude von Egon Eiermann. Für dessen Sanierung sind rund 14,4 Millionen Euro eingeplant. Der Baubeginn ist für den Frühsommer 2027 vorgesehen, die Wiedereröffnung für 2029. Dabei geht es sowohl um die weithin sichtbaren Fassaden als auch um einen großen Teil der technischen Infrastruktur des gesamten Ensembles. Denn zentrale Anlagen für mehrere Gebäude befinden sich im Inneren der Kirche.
Nach mehr als 60 Jahren haben Wasserleitungen, Elektroleitungen und weitere technische Anlagen das Ende ihrer regulären Nutzungszeit erreicht. Laut Stiftung kam es bereits wiederholt zu Verstopfungen und Wasserschäden. Schwer erreichbare Abwasserrohre sollen deshalb gereinigt und von innen mit einem Harzgemisch ausgekleidet werden. Elektroanlagen werden dort, wo sie weiterhin benötigt werden, nach heutigen Brandschutzanforderungen erneuert. Auch die bestehende Fußbodenheizung verursacht Probleme: Sie lässt sich nur schlecht steuern und führt zu starken Temperaturschwankungen im Kirchenraum.
Dämmung soll Energieverbrauch der Gedächtniskirche senken
Die Sanierung greift deshalb deutlich tiefer als eine reine Reparatur der sichtbaren Schäden. Neue Pumpentechnik und Temperatursensoren sollen die Heizung künftig präziser an die Außentemperatur anpassen. Außerdem erhält das Dach eine neue Dämmschicht. Moderne Lüftungstechnik mit Wärmepumpen soll ebenfalls dazu beitragen, das Raumklima zu stabilisieren und den Energiebedarf zu senken.
Davon profitiert auch ein Ausstattungsstück, das im öffentlichen Blick oft hinter den blauen Fenstern zurücktritt: die Schuke-Orgel von 1963. Nach Angaben der Stiftung leidet sie unter den starken Temperaturwechseln und der teilweise extrem trockenen Wärme im Kirchenraum. Während der Bauzeit soll die Orgel deshalb umfassend gereinigt, überholt und erweitert werden.

Die Schnittdarstellung zeigt die geplante neue Erschließung der historischen Turmruine der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Neue Ebenen, Treppen und ein Aufzug sollen den Alten Turm künftig bis in die oberen Bereiche für Besucher zugänglich machen. / © Skizze: heneghan peng architects Dublin Berlin und Ralph Appelbaum Associates
Glockenturm der Gedächtniskirche: Weitere 10,8 Millionen Euro
Für den sechseckigen Glockenturm von Egon Eiermann liegt das Budget bei rund 10,8 Millionen Euro. Die Arbeiten sollen Anfang 2027 beginnen, die Wiedereröffnung ist ebenfalls für 2029 vorgesehen. Grundlage sind Untersuchungen, die über Jahre durchgeführt wurden. Eine Musterwabe wurde bereits 2022 im Glockenturm eingebaut, um das entwickelte Verfahren unter realen Bedingungen zu testen.
Der Sanierungsbedarf ist bereits seit langer Zeit sichtbar. Der Glockenturm musste 2013 aus Sicherheitsgründen eingerüstet werden. Seitdem blieb die Konstruktion wegen der Schäden an den Betonwaben weitgehend hinter dem Gerüst verborgen. Schon frühere Reparaturen konnten die Probleme nicht dauerhaft lösen. Die Stiftung und die beteiligten Fachbüros verfolgen deshalb nun einen grundsätzlicheren Ansatz, bei dem stark geschädigte Bauteile ersetzt werden.

Der Glockenturm der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ist bereits vollständig eingerüstet. Bis 2029 werden Betonwaben, Glasfenster und Tragwerk umfassend saniert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Gedächtniskirche: 13,3 Millionen Euro für den „hohlen Zahn“ am Breitscheidplatz
Ein weiterer großer Kostenblock betrifft die historische Turmruine von 1895. Für den Alten Turm einschließlich der Restaurierung seiner Mosaiken nennt die Stiftung ein Budget von rund 13,3 Millionen Euro. Hier verändert die Sanierung zugleich die spätere Nutzung. Die heutige Ausstellung in der Gedenkhalle stammt aus dem Jahr 1987 und soll vollständig neu konzipiert werden.
Künftig soll die Ruine selbst wesentlich stärker Teil des Rundgangs werden. Besucherinnen und Besucher sollen über mehrere Ebenen bis in den Turm hinauf gelangen können. Ein Aufzug schafft einen barrierefreien Zugang zu den oberen Ausstellungsebenen. Das nach dem Krieg eingebaute Dach soll wieder geöffnet werden. Damit können künftig auch Regen und Schnee in Teile der Ruine gelangen. Eine neue Innenbeleuchtung soll zugleich die Struktur des Turms nach Einbruch der Dunkelheit stärker von außen sichtbar machen.
Teil des 13,3-Millionen-Euro-Pakets sind die historischen Mosaiken der Gedenkhalle. Sie wurden 1906 erstmals öffentlich präsentiert und stammen von Ernst Pfannschmidt, Hermann Schaper und Max Seliger. Die Wand- und Deckenmosaiken fertigte der Berliner Hersteller Puhl & Wagner, die Bodenarbeiten die Firma Leistner. Die Kunstwerke überstanden die Zerstörung der alten Kirche im Zweiten Weltkrieg.
Foyer-Haus für 6,6 Millionen Euro: Finanzierung noch nicht gesichert
Der unsicherste Teil des Gesamtprojekts liegt westlich der Kirche. Das 1963 eröffnete Foyer-Haus von Egon Eiermann soll langfristig einen neuen Kultur- und Veranstaltungsort aufnehmen. Seit 2024 nutzt das Center for Contemporary Arts das Gebäude bereits für Ausstellungen und Kulturprojekte. Nach der Sanierung sollen hier dauerhaft unterschiedliche Veranstaltungsformate sowie Kunst- und Kulturangebote Platz finden.
Dafür müsste das Dach abgedichtet, die Stahlstruktur behandelt und die beschädigte Fassade gesichert werden. Auch Heizung, Lüftung und Sanitärtechnik benötigen eine Erneuerung. Eine neue Treppe soll außerdem das Untergeschoss besser erschließen. Die Planungen sind zwar abgeschlossen und als Baubeginn wird 2027 genannt. Die Stiftung stellt jedoch ausdrücklich klar, dass die Umsetzung derzeit noch nicht gesichert ist. Die Kostenprognose beträgt rund 6,6 Millionen Euro.
Bund beteiligt sich mit 17,5 Millionen Euro an der Gedächtniskirche
Ein erheblicher Teil des Geldes stammt aus öffentlichen Förderprogrammen und von Stiftungen. Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien unterstützt die Sanierung nach Angaben von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit 17,5 Millionen Euro. Weitere Fördermittel kommen unter anderem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Wüstenrot Stiftung, der Lotto-Stiftung Berlin und der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Für Turmruine und Ausstellung fließen zudem Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“.
Spenden spielen ebenfalls eine Rolle. Die Stiftung weist darauf hin, dass der Erhalt des Ensembles seit Langem auch durch private Unterstützung finanziert wird. Die Stiftung selbst besteht seit 1903, besitzt das Gebäudeensemble und ist Erbbauberechtigte des Grundstücks am Breitscheidplatz. Die offizielle Website verweist darauf, dass bereits das Podium 2017/18 und die Kapelle zwischen 2015 und 2017 grundlegend saniert wurden.
Sanierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
Quellen: Stiftung Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche, Tagesspiegel, rbb24
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