Prenzlauer Berg: Rund um Mauerpark und Jahnsportpark sollen öffentliche Flächen modernisiert und erweitert sowie neue Angebote geschaffen werden. Doch beide Projekte wurden und werden begleitet von langjährigen Protesten gegen Eingriffe in Natur, Geschichte und vertraute Nutzungen. Die Konflikte zeigen, wie eng Modernisierung, Mitbestimmung und Vertrauen miteinander verbunden sind, und welche Probleme daraus resultieren können. Ist all die Skepsis gerechtfertigt?

Der Umbau des Jahnsportparks wird seit Jahren von erbittertem Widerstand, wechselnden Planungen und steigenden Kosten begleitet. Zwischen berechtigter Kritik an Abriss und Natureingriffen und dem Bedarf an modernen, inklusiven Sportflächen steht die Frage, welchen öffentlichen Mehrwert das Millionenprojekt tatsächlich schaffen wird. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

© Titelbild: bloomimages

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Mehr Grün, bessere Wege, nachaltige Infrastruktur und inklusive Sportanlagen: Rund um den Mauerpark sowie den Jahnsportpark in Prenzlauer Berg verfolgt der Berliner Senat eigentlich Ziele, die grundsätzlich Zustimmung erwarten lassen dürften.

Trotzdem begleiten erbitterte Auseinandersetzungen beide Orte seit Jahren, beim Mauerpark sogar seit Jahrzehnten. Dahinter stehen konkrete Einwände, gewachsene Bindungen und die Sorge, unter dem Versprechen einer Verbesserung Einfluss auf vertraute Räume zu verlieren.

Blick über die lückenhaft bewachsene Wiese des Berliner Mauerparks mit sandigen Flächen, einer Graffitiwand rechts und dem baumbestandenen Sonnenhügel mit Flutlichtmasten links.

Der Mauerpark vor der Sanierung: Lückenhafter Rasen und großflächig freiliegender Boden zeigen die starke Beanspruchung der zentralen Wiese. Die Erneuerung sollte die Grünflächen widerstandsfähiger machen und zugleich den offenen Charakter des Parks bewahren. Dennoch waren die Vorbehalte dagegen groß. / © Wikimedia Commons, Traktorminze (CC BY-SA 4.0)

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Mauerpark und Jahnsportpark: Zwei Orte, um die seit Jahrzehnten gestritten wird

Die Nachbarschaft zeigt damit einen grundlegenden Konflikt der Stadtentwicklung: Berlin soll öffentliche Anlagen modernisieren und zusätzliche Angebote schaffen.

Gleichzeitig sollen deren Charakter, Geschichte und Freiräume möglichst unangetastet bleiben. Beides miteinander zu verbinden, ist anspruchsvoller, als es politische Ankündigungen oder Protestparolen vermuten lassen.

Mauerpark-Erweiterung: Jahrzehntelanger Streit um Grünflächen und Wohnungsbau

Der 1994 eröffnete Mauerpark blieb lange kleiner als ursprünglich vorgesehen. Um seine Erweiterung wurde über Grundstücke, Finanzierung und Bebauung verhandelt. Bereits 2009 protestierten Anwohner gegen Wohnhäuser am Parkrand. Sie befürchteten weniger Freiraum und spätere Lärmbeschwerden gegen Musik, Feiern und Freizeitaktivitäten.

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In den Jahren 2014 und 2015 konzentrierte sich der Widerstand dann vor allem auf das geplante Groth-Wohnquartier nördlich des Gleimtunnels. Umstritten waren Bebauungsdichte, Verkehr und mögliche Verdrängungseffekte. Der Kompromiss „Baurecht gegen zusätzliche Parkfläche“ verstärkte bei vielen Gegnern des Wohnprojekts den Eindruck, öffentliche Interessen würden von privaten Bauvorhaben abhängig gemacht.

Weitläufige grüne Wiese im Berliner Mauerpark mit Besuchern und dem Fernsehturm im Hintergrund.

Nach der Sanierung: Dichte Rasenflächen, die konsequent bewässert (und intensiv genutzt) werden. Der Mauerpark ist noch immer ein viel genutzter Freizeit- und Erholungsraum, der seinen Charakter bewahren konnte. Von den großen Wiesenflächen reicht der Blick über den Park bis zum Berliner Fernsehturm. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Mauerpark-Sanierung bis 2027: Verbesserungen verändern einen vertrauten Freiraum

Im Juni 2020 wurde die rund sieben Hektar große Erweiterung eröffnet. Für etwa 14 Millionen Euro entstanden zusätzliche Wiesen, Spielangebote und Wege. Der Park wuchs auf ungefähr 15 Hektar, also auf die doppelte Größe. Bürgerengagement hatte wesentlich dazu beigetragen, ursprünglich zur Bebauung vorgesehene Flächen zu sichern.

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Seit Dezember 2022 wird der ursprüngliche Park saniert. Rund 16 Millionen Euro sind für erneuerte Wege, Spielbereiche, Pflanzungen und Bewässerung vorgesehen.

Der Falkplatz ist seit Juni 2026 fertig; die Gesamtmaßnahme läuft noch bis 2027. Obwohl ein völlig übernutzter und an vielen Stellen beschädigter Parkraum aufwendig modernisiert werden sollte, bestanden große Vorbehalte gegen Eingriffe in Gehölze und einen möglichen Verlust des robusten Parkcharakters.

Jahnsportpark-Umbau: Mehrere Planungsphasen und eine umstrittene Abrissentscheidung

Nebenan entwickelte sich aus Modernisierungsüberlegungen ein umfassender Inklusionssportpark. Auf die Machbarkeitsstudie von 2014 und deren Aktualisierung bis 2020 folgte nach breiter Kritik ein Werkstattverfahren, das im Jahr 2021 durchgeführt wurde. Untersucht wurden Stadionerhalt, Ersatzneubau und ein Neubau an anderer Stelle.

Verschiedene Optionen wurden geprüft, beschlossen und wieder verworfen, während Berlins Landessportbund den Bau eines modernen Stadions für Leichtathletik und Profifußball und die Vereine mehr Flächen und modernisierte Umkleiden für den Breitensport forderten.

Der Friedrich Ludwig Jahnsportpark nach der Sprengung der Flutlichtmasten im Februar 2026.

Vom ehemaligen DDR-Stadion im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sind mittlerweile nur noch gewaltige Trümmerberge übrig. Auf dem Gelände entsteht ein neues inklusives und barrierefreies Stadion. Anfang 2026 wurden zwei der ikonischen Flutlichtmasten gesprengt. / © Foto: karachoberlin – Volker Gehrmann

Gegen viele Widerstände: 2022 wurde der Stadionneubau im Jahnsportpark beschlossen

Der Weg dorthin war zäh und von zahlreichen Veränderungen, Auseinandersetzungen und vielen gesellschaftlichen und medialen Nebengeräuschen geprägt. Der Wettbewerb von 2022 führte schließlich zum heute verfolgten Ersatzneubau, der im kommenden Jahr beginnen soll.

Architekturverbände und Initiativen hatten dagegen für einen ressourcenschonenden Umbau geworben. Sie hielten den Verlust historischer Stadionstrukturen für vermeidbar und bezweifelten, dass umfassende Inklusion zwingend einen vollständigen Abriss voraussetze.

Artenschutz und Kosten im Jahnsportpark: Der Widerstand hat konkrete Grundlagen

Dass diese Einwände mehr als Veränderungsskepsis sind, zeigte der teilweise gerichtliche Abrissstopp im November 2024: Ersatzbrutstätten für Haussperlinge waren nicht ausreichend gewährleistet. Nach zusätzlichen Schutzmaßnahmen wurde der Abriss der Osttribüne im Januar 2025 wieder zugelassen.

Hinzu kommen Kosten und Prioritäten. Zuletzt wurden für die drei Bauabschnitte zusammen knapp 296 Millionen Euro genannt. Während der Stadionabriss sowie die Planung der neuen Arena voranschreiten, wurde das Programm für den übrigen Sportpark reduziert. Kritiker fragen deshalb, ob Angebote für den alltäglichen Breiten- und Inklusionssport ausreichend gesichert bleiben.

Blick auf die bestehenden Sportanlagen im Berliner Jahnsportpark vor der umfassenden Erneuerung.

Der Jahnsportpark weist erheblichen Sanierungs- und Modernisierungsbedarf auf. Wie die Sportanlagen erneuert werden sollen und welche bestehenden Strukturen erhalten bleiben können, ist seit Jahren Gegenstand intensiver Auseinandersetzungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Bürgerbeteiligung in Prenzlauer Berg: Warum Mitsprache allein noch kein Vertrauen schafft

Beide Projekte wurden von umfangreichen Beteiligungsverfahren begleitet. Dennoch blieb bei Teilen der engagierten Nachbarschaft die Sorge, gehört zu werden, ohne wesentliche Entscheidungen beeinflussen zu können.

Auf der anderen Seite standen (und stehen) aber auch reale Bedürfnisse: gepflegte Grünanlagen, klimaangepasste Vegetation, selbstständig nutzbare Sportstätten und zusätzliche Flächen für Schulen und Vereine, die nicht völlig überaltert sind. Auch Menschen, die bisher an Barrieren scheitern, haben Anspruch auf eine Weiterentwicklung dieser öffentlichen Orte.

Neue Angebote für Schulen und Vereine: Verbesserungen müssen sich im Alltag bewähren

Bei der Bewertung beider Projekte sollten neben Kosten, Eingriffen und Nutzungskonflikten auch die vorgesehenen Verbesserungen berücksichtigt werden. Zusätzliche Aufenthaltsflächen, erneuerte Wege und eine bedarfsgerechte Bewässerung können den langfristigen Nutzen öffentlicher Grünanlagen erhöhen.

Barrierefreie Sportstätten und neue Angebote für Schulen und Vereine können bestehende Versorgungslücken verringern. Ob diese Ziele erreicht werden, muss sich an der tatsächlichen Umsetzung und späteren Nutzung zeigen.

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Der Jahnsportpark in seiner früheren Gestalt: Für viele Menschen gehört die Anlage zur Geschichte ihres Kiezes. Ihre Erneuerung verbindet deshalb die Frage nach besseren Sportbedingungen mit dem Wunsch, vertraute Qualitäten zu bewahren. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Prenzlauer Berg: Bürgerengagement verdient Anerkennung, gelungene Verbesserungen ebenso

Der Widerstand gegen beide Projekte hat wichtige Fragen aufgeworfen und an mehreren Stellen notwendige Korrekturen eingefordert. Diese Rolle bürgerschaftlichen Engagements verdient Anerkennung.

Gleichzeitig sollte die Skepsis gegenüber einzelnen Entscheidungen aber auch nicht den Blick auf sämtliche Verbesserungsmöglichkeiten verstellen. Mehr nutzbares Grün, klimaangepasste Anlagen und zusätzliche inklusive Sportangebote können einen echten öffentlichen Mehrwert schaffen.

Ob dieser Mehrwert auch wirklich geschaffen wird, wird sich beim Jahnsportpark erst in einigen Jahren feststellen lassen. Die fast abgeschlossene Modernisierung und Erweiterung des benachbarten Mauerparks wird vor Ort jedenfalls sehr positiv aufgenommen.

Die Darstellung zeigt das geplante Stadion im Jahnsportpark Berlin mit gefüllten Tribünen, Leichtathletikanlage und Blick auf das Spielfeld aus Zuschauerperspektive.

Mit dem Stadionneubau an der Schönhauser Allee verbindet Berlin den Anspruch, Sport und Publikum gleichberechtigte Zugänge zu ermöglichen. Damit könnte im Jahnsportpark ein Ort entstehen, der Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen neue Möglichkeiten eröffnet. / © Visualisierung: O+M Architekten GmbH

Mauerpark
Jahnsportpark

 

Quellen: Grün Berlin, Bezirksamt Pankow, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Grün Berlin, Projektportal „Mauerpark“, Projektportal „Jahnsportpark für Alle“, Freunde des Mauerparks e.V., Bürgerinitiative Jahnsportpark, NaturFreunde Berlin, Der Tagesspiegel, Berliner Morgenpost, taz, rbb24, Baunetz, Architektenkammer Berlin, Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA), Visit Berlin, BBS Landscape Engineering, Mit Vergnügen Berlin, OpenPetition, Wikipedia, O+M Architekten GmbH

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