Seit 2023 arbeitet der Senat an einem neuen Verkehrskonzept für die Berliner Mitte. Nun wurden die ersten Ergebnisse vorgestellt. Vorgesehen sind unter anderem mehr Grünflächen, verbesserte Verkehrssicherheit und eine Neuaufteilung des Straßenraums. Bis Ende Januar kann man sich die Pläne noch im Foyer der ZLB anschauen.
Spreeufer
Checkpoint Charlie
Spittelmarkt
© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
In Berlin-Mitte ist zurzeit viel los: Kurz nachdem der erste Architekturwettbewerb für den Molkenmarkt entschieden wurde, stellte der Regierende Bürgermeister Kai Wegner das Konzept zur Umgestaltung der Friedrichstraße vor. Hinzu kommt ein seit Mitte Dezember 2025 geltendes neues Regelwerk zur zukunftsorientierten Gestaltung des Straßenraums in den Bereichen Friedrichstadt, Friedrichswerder und Dorotheenstadt. Und auch für das kommende Jahr stehen bereits große Pläne im Raum: Ab 2026 soll die Neugestaltung der Torstraße beginnen.
Nun wurden zusätzlich die ersten Ergebnisse des sogenannten Masterplans für die Berliner Mitte öffentlich. An dem umfassenden Verkehrskonzept für den Bezirk arbeitet die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt seit 2023. Ziel ist es, den Verkehr neu zu ordnen und besser aufeinander abzustimmen, vor allem in hochfrequentierten Gebieten wie dem Checkpoint Charlie. Die Ergebnisse werden zurzeit in einer Ausstellung im Foyer der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) präsentiert.
Verkehrskonzept für Berlin-Mitte: Acht Leitthesen zur zukunftsorientierten Umgestaltung
Das Gebiet, das im neuen Verkehrskonzept berücksichtigt wurde, erstreckt sich von der Torstraße im Norden bis zum Mehringplatz im Süden. Im Westen wird es von der Ebertstraße und der Stresemannstraße begrenzt, im Osten von der Lindenstraße, dem Spittelmarkt, der Jannowitzbrücke und der Otto-Braun-Straße.
Die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt stellte am 15. Dezember 2025 insgesamt acht Leitthesen vor, nach denen der Verkehrsraum in Berlin-Mitte umgestaltet werden soll. Im Fokus stehen dabei mehr Verkehrssicherheit und eine höhere Aufenthaltsqualität. Gleichzeitig sollen aktuelle Anforderungen berücksichtigt werden: Der Straßenraum soll klimaresilient und besser angepasst an neue Mobilitätsformen gestaltet werden.
Spreeufer: Mehr Aufenthaltsqualität und Platz für Fuß- und Radverkehr
Für das Spreeufer zwischen Friedrichstraße und Museumsinsel sieht das Konzept eine grundlegende Neuordnung des Straßenraums vor. Ziel ist es, die Bedeutung der Strecke als zentrale Fuß- und Radverkehrsachse stärker sichtbar zu machen und die Aufenthaltsqualität deutlich zu erhöhen. Vor allem am südlichen Ufer sollen Flächen zugunsten von Fußgängerinnen und Fußgängern sowie neuer Begrünung umverteilt werden.
Die Ebertbrücke soll als Teil dieser durchgängigen Verbindung saniert werden und zur Aufwertung des Straßenraums beitragen. Am Schiffbauerdamm sollen zudem Parkplätze zurückgebaut und für gastronomische Nutzungen geöffnet werden.
Checkpoint Charlie: Entschleunigter Verkehr und mehr Raum für Tourismus
Am touristisch stark frequentierten Checkpoint Charlie setzen die Planer auf Verkehrsberuhigung und eine klarere räumliche Ordnung. Die Friedrichstraße soll trotz weiterer Befahrbarkeit für den Autoverkehr durch gestalterische Maßnahmen entschleunigt werden.
Der Checkpoint Charlie selbst wird als künftiger Bildungs- und Erinnerungsraum gedacht, mit mehr Platz für Fußgängerinnen und Fußgänger, Grünflächen und Aufenthalt. Die Zimmerstraße soll zur Fahrradstraße mit verbreiterten Gehwegen werden, Mittelinseln sollen aufgewertet und der bislang stark versiegelte Stadtraum begrünt werden. Reisebusse sollen künftig nicht mehr direkt am Checkpoint halten, sondern in die Kochstraße verlegt werden.
Spittelmarkt: Höhere Verkehrssicherheit und Reduzierung von Verkehrsflächen
Auch für den Spittelmarkt sieht das Konzept ein hohes städtebauliches Entwicklungspotenzial. Der heute stark vom Verkehr geprägte Knotenpunkt soll neu strukturiert werden, mit besseren Querungen für Fuß- und Radverkehr, zusätzlichen Bäumen und mehr Raum für den ruhenden und fließenden Radverkehr.
Geplant sind Entsiegelungen und eine Reduzierung von Verkehrsflächen, um den Platz stärker an das nahe Spreeufer anzubinden. Zudem ist vorgesehen, die Einmündung der Seydelstraße für den Autoverkehr zu schließen und und damit neue zusammenhängende Aufenthaltsflächen zu schaffen.
Masterplan Berliner Mitte: Ausstellung noch bis zum 30. Januar 2026 in der ZLB
Die Vorschläge für das neue Verkehrskonzept sind noch bis zum 30. Januar 2026 im Rahmen einer Ausstellung im Foyer der ZLB zu sehen. Neben Karten und Visualisierungen finden sich dort auch Erläuterungen zu den methodischen Grundlagen der Planung. Deutlich wird, dass das Verkehrskonzept eng mit städtebaulichen Zielsetzungen des Masterplans verknüpft ist. Dazu zählen unter anderem die Aufwertung öffentlicher Räume, die Stärkung historischer Stadtstrukturen und eine bessere Nutzbarkeit des Stadtraums für unterschiedliche Aktivitäten.
Nach Abschluss der Ausstellung Ende Januar soll auch der Abschlussbericht zum Masterplan für die Berliner Mitte erscheinen.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Berliner Morgenpost, Berliner Zeitung, Buro Happold
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7 Kommentare
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Mit Interesse habe ich gelesen, das der Bereich Spreeufer zwischen Friedrichstraße und Museumsinsel eine grundlegende Neuordnung des Straßenraums erfährt mit dem Ziel die Bedeutung der Strecke als zentrale Fuß- und Radverkehrsachse stärker sichtbar zu machen und die Aufenthaltsqualität deutlich zu erhöhen. Ich kann nur hoffen, dass Ihnen das besser gelingt wie im Bereich Schiffbauerdamm zwischen Am Zirkus und Albrechtstraße. Es ist absolut unverständlich wie dieser Bereich generalsaniert wurde um ihn dann gänzlichen der gastronomischen Nutzung zu überlassen. Wir Anwohner sind gezwungen auf der unsanierte Straßenseite zu laufen. Auf dieser Seite können sich keine Zwei Personen geschweige Rollstühle ohne Ausweichmanöver begegnen. Im Sommer läuft der größte Teil der Passanten nun mittlerweile auf der Straße.
Mit freundlichen Grüßen
Michael Buch
Hier wäre es tatsächlich nötig, den Schiffbauerdamm autofrei zu machen, um den Platz ausschließlich Fußgängern und (langsamen) Fahrradfahrern zur Verfügung zu stellen.
Die Ausstellung weckt Hoffnung, dass die Innenstadt aus ihrem bisherigen traurigen Zustand erlöst wird. Vielleicht können wir bald wie in anderen Metropolen durch autoarme und begrünte Straßen flanieren, anstatt immer noch die Folgen einer menschenfeindlichen und überkommenen Verkehrspolitik ertragen zu müssen.
Es wäre auch dem Tourismus zuträglich, weil weder Bewohner noch Besuche einer Stadt Lust haben, sich die immer gleichen Parkplätze und Asphaltschneisen anzugucken und die Lärmkulisse zu ertragen.
Leider scheint die regierende CDU derzeit einen Schritt vor und einen zurück zu machen: Einerseits solche Planwerke, andererseits wird gerade klammheimlich die Mühlendammbrücke wieder auf Autobahn-Größe (ohne Tram erweitert!) und damit der Kampf um die Wiedergewinnung der Altstadt torpediert.
Die CDU macht sich aber derzeit mit ihrer steinzeitlichen Fixierung auf den Individual-PKW-Verkehr in der Innenstadt absolut lächerlich.
Stadt braucht viel ÖPNV und Fußgängerflächen für Verkehr. Einfach um die schiere Menge an Menschen überhaupt auf der geringen Fläche bedienen zu können.
Nur auf dem Land, wo Fläche kein Problem ist und die Menschen auf das Auto angewiesen sind, ist Individual-PKW-Verkehr sinnvoll.
Absolut!
Mir gefällt die Ausweitung auf Fußgänger- und Radverkehr als auch ÖPNV in Verbindung mit Entsieglung (zu viel Hitze/ Kälte) und mehr Grün.
Mitte ist nun mal besonders stark touristisch genutzt. Logischerweise folgt damit Gastronomie. Dem Rechnung zu tragen und die Fußgängerbereiche (Touristen sind fast ausschließlich zu Fuß unterwegs) zu erweitern und die Aufenthaltsqualität zu verbessern ist folgerichtig. Dann bleiben Touristen länger, geben mehr Geld vor Ort aus und kommen evt. auch wieder -> Stärkung der Wirtschaft.
Indirekt profitieren die Anwohner ebenfalls von den Maßnahmen.
Sind die Touristenströme (Alex Gendarmenmarkt Check Point Charlie) berücksichtigt bei der Breite der Gehwege bei gleichzeitiger Teilnutzung durch Gastronomie?
Ist in der Planung eigentlich die ab 2030 verschärften Grenzwerte für Luftreinhaltung der EU bedacht?
Hitzeinseln müssten ebenfalls entschärft werden.
Und Versickerungsflächen geschaffen werden.
Behindertenparkplätze und Lieferzonen sollten Vorrang für ebenerdige Flächen haben (für den Rest gibt es Parkhäuser und Tiefgaragen)