Das Künstlerkollektiv Massif Central verwandelt den Bethmannhof in einen lebendigen Raum für Kultur, Austausch und kreative Experimente. Doch wie lange kann das Kollektiv noch bleiben, bevor die Zukunft des historischen Gebäudes neu entschieden wird?

Das Projekt Massif Central im Bethmannhof belebt den innerstädtischen Raum auf vielfältige Weise, bietet einen Ort für Austausch und Begegnung. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Wer durch das Tor des Bethmannhofs tritt, steht in einem lebendigen Innenhof, in dem kulturelle Veranstaltungen stattfinden und Menschen zusammenkommen, um sich auszutauschen und zu begegnen. Denn seit April 2023 bespielt das Künstlerkollektiv Massif Central den Bethmannhof in Frankfurt als Zwischennutzung.
Das Kollektiv verwandelt das historische Gebäude in eine vielseitige Begegnungsstätte, die Café, Bar, Veranstaltungsräume und Anlaufpunkte für Künstlerinnen und Kulturschaffende umfasst. Doch wie lange kann das Kollektiv noch bleiben?
Krieg, Wiederaufbau und Teilmodernisierung: Die bauliche Entwicklung des Bethmannhofs in Frankfurt
Der Bethmannhof blickt auf eine lange Geschichte zurück. Seit 1762 diente das Gebäude der Bethmann Bank als Unternehmenssitz. Im Zweiten Weltkrieg wurde es weitgehend zerstört, jedoch in den 1950er-Jahren mit den damals verfügbaren Mitteln wiederaufgebaut. Eine Teilmodernisierung vor rund 20 Jahren ließ Fassaden und Dächer im ursprünglichen Zustand, sodass viele historische Elemente erhalten blieben.
2019 verlegte die Bethmann Bank ihren Sitz in das neu errichtete Marienforum. Das Gebäude hatte zu diesem Zeitpunkt seine technische und wirtschaftliche Lebensdauer erreicht, und moderne Anforderungen an Energieeffizienz und Bürostandards konnten nicht mehr erfüllt werden.
Vom Wettbewerb zur Zwischennutzung: BGF+ Entwurf und die Suche nach einer langfristigen Lösung
Aus diesem Grund wurde 2023 ein Wettbewerb ausgeschrieben und ausgewertet. Die Jury vergab jedoch keinen ersten Platz. Den zweiten Platz belegte das Architekturbüro BGF+ aus Wiesbaden. Die Architektinnen und Architekten planten dabei eine Aufstockung des Gebäudes von vier auf sechs Stockwerke. Derzeit finden Gespräche statt, wie der Entwurf weiterentwickelt werden kann, um alle Anforderungen zu erfüllen.
Vor diesem Hintergrund entstand die Zwischennutzung durch das Massif Central, während Eigentümer und Stadt Frankfurt prüften, welche Möglichkeiten einer langfristigen Nutzung und Modernisierung bestehen.
Lebendiger Innenhof und urbane Kultur: Die positive Resonanz der Bevölkerung auf das Massif Central
Die Zwischennutzung durch das Massif Central wird von der Bevölkerung nach Angaben der Bethmann Bank sehr positiv aufgenommen. Das Projekt belebt den innerstädtischen Raum auf vielfältige Weise, bietet einen Ort für Austausch und Begegnung und bringt kulturelle Angebote direkt in die Nähe zentraler städtischer Orte wie dem Römer und der Paulskirche.
Durch Veranstaltungen, Cafébetrieb, Bar und kreative Projekte entsteht ein lebendiges, öffentlich zugängliches Umfeld, das sowohl Künstlerinnen und Kulturschaffende als auch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt niedrigschwellig an Kultur und gemeinschaftlichen Austausch heranführt.
Wie kreative Nutzung Innenstadtbelebung fördert: Einschätzung von Städtebauexperte Torsten Becker
Auch der Architekt und Städtebauexperte Torsten Becker betont in einem Interview mit Skyline Atlas, dass die Zwischennutzung durch das Massif Central für die Stadt von großem Wert ist. Seiner Ansicht nach zeigt die aktuelle Nutzung beispielhaft, wie ein solcher Ort die Innenstadt beleben und kulturelle Begegnungen ermöglichen kann.
Becker sieht zudem Chancen, die bestehende Nutzung durch einen behutsamen Ausbau der Dachgeschosse zu ergänzen. Dadurch ließe sich ein wirtschaftlicher Mehrwert für die Eigentümer schaffen, ohne den Betrieb der kulturellen Einrichtung zu beeinträchtigen.
Von temporärer Zwischennutzung zu langfristiger Stadtentwicklung? Wie der Bethmannhof Frankfurt bereichern kann
Auch in der Podiumsdiskussion „Was Treffpunkte für das städtische Leben bedeuten“ am 17. September 2025 wurde deutlich, welche zentrale Rolle innerstädtische Begegnungsräume für Frankfurt spielen. Orte jenseits von Wohnen und Arbeiten ermöglichen Austausch, kulturelle Aktivitäten und soziale Vernetzung und tragen wesentlich zur Lebensqualität der Stadt bei.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob eine dauerhafte Nutzung des Bethmannhofs durch das Massif Central nicht nicht nur für das Künstlerkollektiv, sondern auch für die Stadt insgesamt von nachhaltigem Wert wäre. Die zentrale Lage und die historische Bedeutung des Gebäudes bieten die Chance, den urbanen Raum dauerhaft zu beleben, kulturelle Angebote zu sichern und die Innenstadt als Ort der Begegnung und des Austauschs zu stärken.
Quellen: Stadt Frankfurt am Main, Skyline Atlas, Bethmann Bank, Massif Central, YouTube
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.




