Die Arbeiten zur Umgestaltung des Freiraums am Marx-Engels-Forum sind inzwischen weit vorangeschritten. Dabei werden im Untergrund Reste der früheren Bebauung freigelegt, die archäologisch untersucht werden. Nach der geplanten Umgestaltung werden diese Überreste aber nicht mehr sichtbar sein.

Die Bauarbeiten zur Umgestaltung des Marx-Engels-Forums laufen derzeit auf Hochtouren. Im Zuge der Erdarbeiten werden außerdem archäologische Strukturen dokumentiert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Auf dem heutigen Marx-Engels-Forum in Berlin-Mitte untersuchen Archäologinnen und Archäologen seit mehreren Monaten Überreste der historischen Stadtbebauung. Entlang des Spreeufers gegenüber dem wiedererrichteten Berliner Stadtschloss werden Keller- und Grundmauern ehemaliger Wohnhäuser freigelegt und dokumentiert, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Die Arbeiten sind Teil der bauvorbereitenden Maßnahmen für die geplante Neugestaltung des Areals zwischen Fernsehturm, Rotem Rathaus und Spree und verlaufen parallel zu den laufenden Erd- und Bauarbeiten.
Das untersuchte Gebiet liegt auf dem Verlauf der früheren Burgstraße, die bis 1945 dicht bebaut war. Die freigelegten Strukturen stammen überwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert und ermöglichen Einblicke in die frühe bauliche Entwicklung Berlins. Nach Kriegsende ließ die Stadt die Ruinen abtragen und verfüllte die Keller größtenteils mit Trümmerschutt.
Marx-Engels-Forum: Jüdische Wohnhäuser und enteigneter Grundbesitz
Ein Teil der freigelegten Grundstücke befand sich vor 1933 im Besitz jüdischer Eigentümer. Historikerinnen und Historiker gehen davon aus, dass mindestens 225 der rund 1.500 Grundstücke im historischen Stadtkern jüdischem Besitz zugeordnet waren. Diese Eigentümer wurden während der NS-Zeit enteignet, vertrieben oder ermordet. Weder in der DDR noch nach der Wiedervereinigung erfolgte eine Rückgabe der Grundstücke.
Zu den dokumentierten Gebäuden zählt auch das frühere Haus in der Burgstraße 20, das dem Chemiker und Nobelpreisträger Richard Willstätter gehörte. Willstätter emigrierte 1939 und verlor im Zuge der nationalsozialistischen Verfolgung sein gesamtes Vermögen. Weitere Grundstücke gehörten jüdischen Kaufleuten, darunter dem Briefmarkenhändler Philipp Kossack, dessen Sammlung bis heute museal erhalten ist.
Spreeufer in Berlin-Mitte: Archäologie als Teil der Bauvorbereitung
Die archäologischen Untersuchungen stehen unter der Leitung des Landesdenkmalamts Berlin und sind fester Bestandteil der bauvorbereitenden Maßnahmen für die Umgestaltung des Spreeufers. Das Team vermisst die freigelegten Befunde, hält sie fotografisch fest und dokumentiert sie digital, unter anderem mithilfe dreidimensionaler Modelle. Anschließend werden die Strukturen entfernt, um Platz für die neue Uferanlage zu schaffen.
Kritikerinnen und Kritiker sehen darin einen Verlust historischer Substanz, wie zuletzt BILD berichtete. Die zuständigen Stellen verweisen hingegen darauf, dass sich eine dauerhafte Konservierung im Boden nicht mit den geplanten Nutzungen vereinbaren lasse. Deshalb sichern die Fachleute die Funde zumindest wissenschaftlich und binden sie in die weitere historische Aufarbeitung ein.
Marx-Engels-Forum in Berlin-Mitte: Neugestaltung bis 2027
Parallel zu den Ausgrabungen gestaltet das Land Berlin den rund 7,2 Hektar großen Freiraum neu. Auf Grundlage eines internationalen Wettbewerbs baut das landeseigene Unternehmen Grün Berlin das Marx-Engels-Forum und den angrenzenden Rathausbereich um. Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 33,9 Millionen Euro und wird aus dem Förderprogramm Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ sowie aus Landesmitteln finanziert.
Geplant sind neue Wegeführungen, großzügige Aufenthaltsflächen sowie eine barrierefreie Treppen- und Rampenanlage zum Spreeufer. Ergänzend entstehen Freizeit-, Spiel- und Sportangebote. Darüber hinaus sieht das Konzept ein modernes Regenwassermanagement vor, das Niederschläge vor Ort versickern lässt und so die Kanalisation entlastet.
Stadtentwicklung und Erinnerung am Marx-Engels-Forum
Die Arbeiten am Marx-Engels-Forum verdeutlichen die komplexe Überlagerung von Geschichte, Stadtplanung und öffentlichem Raum im Berliner Zentrum. Während die archäologischen Funde an die vormoderne und bürgerliche Stadt erinnern, spiegelt die Freifläche zugleich die städtebaulichen Leitbilder der Nachkriegszeit und der DDR wider.
Mit der geplanten Umgestaltung beginnt ein weiterer Abschnitt im fortlaufenden Wandel des Areals. Wie präsent die historischen Spuren künftig im Stadtraum bleiben und welche Rolle sie in der öffentlichen Erinnerung spielen werden, bleibt eine zentrale Frage der weiteren Entwicklung. Nach aktuellem Planungsstand werden die Überreste im neu gestalteten „Rathausforum“ aber nicht mehr sichtbar sein.

Während das Marx-Engels-Forum schrittweise umgestaltet wird, bleiben die Skulpturen der Marx-Engels-Denkmalgruppe weiterhin an ihrem altbekannten Platz stehen. / © Foto: Wikimedia Commons, OTFW Berlin, CC BY-SA 3.0
Quellen: Bild, rbb24, Grün Berlin, Stadtmuseum Berlin
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3 Kommentare
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Hat schon was befremdliches, diese Plastik dort stehen zu lassen und einem Menschen zu huldigen dessen Lehre die Grundlage dafür war, Millionen von Menschen ins Nirvana zu befördern und der, obwohl per Geburt selbst einer, den Antisemiten und Judenhasser par excellence gab. Aber das kennt man ja schon vom Hitlerverehrer und Petain-Kollaboratuer Le Corbusier. Wenn es irgendwann ins Weltbild paßt, darf es auch antisemitisch sein oder schweigt es einfach unter den Tisch…Kleiner Tipp: Der Name Karl-Marx-Stadt ist ja seit über 30 Jahren wieder frei verfügbar….Wäre doch was für Berlin.
Fast der gesamte Medien-, Kultur-, Schul- und Universtätsbereich in Deutschland ist extrem antibürgerlich, extrem linkslastik ausgerichtet. In jeder zivilisierten (bürgerlichen) Gesellschaft hätten geistige Brandstifter wie Marx keinen Platz.
Aber in Berlin ist nicht nur der öffentliche Raum – für jeden erkennbar – heruntergekommen. Auch die geistige und moralische Verfassung unserer Gesellschaft ist dementsprechend. Die sichtbare Verwahrlosung ist nur Ausdruck der unsichtbaren Geisteshaltung, die ursächlich ist. Und diese Verwahrlosung hat meiner Ansicht nach hauptsächlich mit der linken Kulturdominanz in unserer heutigen Gesellschaft zu tun. Marx ist noch lange nicht überwunden..Im Gegenteil: dem größten ideologischen Brandstifter der Geschichte wird im Zentrum unserer Hauptstadt mit einem Denkmal gehuldigt… Unfassbar! Das allein sagt alles über die geistige und moralische Verwahrlosung (Bildungsferne) unserer Gesellschaft (und ihrer sogenannten Elite) aus.
„linkslastig“ meinte ich natürlich…