Die bauliche Substanz vieler Hochschulgebäude in Berlin ist kritisch. Neue Projekte in Charlottenburg, Mitte und Dahlem zeigen, wie unterschiedlich der Umgang mit dem Investitionsstau ausfällt.

Physikneubau, TU Berlin

Der geplante Neubau „CIPHOR“ wird auf dem Ost-Campus der TU Berlin zwischen dem IMoS und dem Wirtschaftsgebäude des Zoologischen Gartens errichtet und soll künftig einen zentralen Punkt im Entwicklungsgebiet an der Hertzallee bilden. / © Visualisierung: Telluride Architektur

© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, TU Berlin/Pressestelle/Ulrich Dahl
© Visualisierung: Telluride Architektur

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Entlang der Straße des 17. Juni reiht sich auf dem Campus der Technischen Universität Berlin ein Großbau an den nächsten. Viele der Gebäude stammen aus den 1960er Jahren und weisen erhebliche bauliche Defizite auf. Wasserschäden, Brandschutzmängel und gesperrte Gebäudeteile prägen den Alltag auf dem Universitätsgelände.

TU-Kanzler Lars Oeverdieck beschreibt die Situation gegenüber dem rbb als flächendeckend problematisch. Nahezu jedes Gebäude weise Mängel auf, die kurz- oder mittelfristig behoben werden müssten. Die Auswirkungen seien im Lehr- und Forschungsbetrieb deutlich spürbar.

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Technische Universität Berlin: Sanierungsbedarf bei fast allen Gebäuden

An der TU Berlin gelten rund 96 Prozent der insgesamt 102 Gebäude als sanierungsbedürftig. Lediglich vier Bauten befinden sich nach Angaben der Universität in einem guten baulichen Zustand. Vergleichbare Probleme zeigen sich auch an anderen Berliner Hochschulen. An der Humboldt-Universität zu Berlin sind rund 94 Prozent der Gebäude sanierungsbedürftig, an der Freien Universität etwa zwei Drittel.

Die Hochschulen fordern daher zusätzliche Investitionen für ihre bauliche Infrastruktur. Wissenschaftssenatorin Ina Czyborra verweist darauf, dass in den vergangenen Jahren bereits mehr als eine halbe Milliarde Euro in Hochschulbauprojekte geflossen sei. Zugleich setzt der Senat auf strukturelle Anpassungen, etwa durch neue Arbeitsmodelle und einen langfristig sinkenden Flächenbedarf.

Charlottenburg: TU plant neues Physikzentrum „CIPHOR“

Parallel zur Debatte um den Sanierungsstau richtet die TU Berlin den Blick auf neue Bauprojekte. In der Müller-Breslau-Straße in Berlin-Charlottenburg ist ein Laborneubau für die Physik geplant. Dort soll künftig das „CIPHOR“ (Center for Integrated Photonics Research) untergebracht werden. Bauherrin ist die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, die das Verfahren gemeinsam mit der Wissenschaftsverwaltung und der TU Berlin steuert.

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Der Neubau ist als fünfgeschossiger Baukörper mit rund 4.500 Quadratmetern Nutzfläche konzipiert. Der Kostenrahmen liegt bei etwa 93,75 Millionen Euro, wobei ein erheblicher Anteil auf hoch spezialisierte Forschungsgeräte entfällt. Der Baubeginn ist derzeit für das Jahr 2028 vorgesehen.

Humboldt- und Freie Universität Berlin: Bauen und Sanieren im Bestand

Auch an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin zeigen sich die Dimensionen des Sanierungs- und Neubedarfs. In Berlin-Mitte wird das Philologische Institut der HU an der Invalidenstraße umfassend erneuert. Das Eckgebäude aus DDR-Zeiten weist erhebliche Defizite bei Gebäudetechnik, Brandschutz und Schadstoffbelastung auf. Geplant sind eine vollständige Entkernung, eine Neuorganisation der Innenräume sowie eine bauliche Aufstockung. Die Sanierung des Ostflügels des Hauptgebäudes an der Straße Unter den Linden lässt dagegen weiter auf sich warten.

An der Freien Universität Berlin hat im September 2025 der Bau eines neuen Büro- und Seminargebäudes auf dem Campus Dahlem begonnen. Der Neubau an der Habelschwerdter Allee soll künftig zentrale Einrichtungen der Lehrkräftebildung sowie wirtschaftswissenschaftliche Institute aufnehmen und die stark beanspruchte Bestandsinfrastruktur entlasten.

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Hochschulbau in Berlin: Zwischen Sanierungsstau und Neubauprojekten

Der Physikneubau der TU Berlin steht exemplarisch für den Versuch, den Wissenschaftsstandort Charlottenburg trotz erheblicher baulicher Defizite im Bestand weiterzuentwickeln. Gleichzeitig machen die laufenden Sanierungs- und Neubauvorhaben an der Humboldt-Universität und der Freien Universität deutlich, dass der Investitionsbedarf berlinweit struktureller Natur ist.

In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob neue Finanzierungsmodelle, organisatorische Reformen und gezielte Neubauprojekte ausreichen, um Sanierung, Erweiterung und den laufenden Hochschulbetrieb dauerhaft miteinander zu vereinbaren.

Quellen: rbb24, TU Berlin, Senatsverwaltung für Stadt­ent­wicklung, Bauen und Wohnen, Humboldt Universität Berlin

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