Hamburg hat das Potenzial für eine neue Markthalle. Eine Analyse vergleicht sechs Standorte und zeigt, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen.

Markthallen-Potenzial: Karstadt Osterstraße
Das Karstadt-Gebäude an der Osterstraße gehört zu den sechs von der BBE untersuchten Standorten für eine mögliche Markthalle in Hamburg.
Markthallen-Potenzial: Kampnagel
Das Kampnagel-Areal gehört zu den untersuchten Standorten mit besonders hohem fußläufigem Einwohnerpotenzial.
Markthallen-Potenzial: Bahnhof Altona
Der Bahnhof Altona weist laut BBE unter den untersuchten Standorten ein besonders großes Frequenzpotenzial auf.
Markthallen-Potenzial: Fleischgroßmarkt Sternschanze
Der Fleischgroßmarkt verbindet den Standort mit dem Lebensmittelhandel, weist laut Analyse aber eine vergleichsweise geringe fußläufige Einwohnerdichte auf.
Markthallen-Potenzial: Gruner + Jahr
Das frühere Gruner-und-Jahr-Areal am Baumwall wurde als möglicher Standort für ein spezialisiertes Markthallenformat untersucht.
Markthallen-Potenzial: Bergedorf
Bergedorf gehört zu den sechs von der BBE untersuchten Standorten für eine mögliche Markthalle in Hamburg und eignet sich laut Analyse vor allem für ein stadtteilorientiertes Nischenformat.

© Titelbild: Wikimedia Commons, Diego Delso, CC BY-SA 3.0

 

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Hamburg hat den Fischmarkt, den Isemarkt, den Großmarkt und die Rindermarkthalle. Doch eine große Markthalle nach dem Vorbild anderer europäischer Städte fehlt bislang. Eine neue Untersuchung der BBE Handelsberatung geht deshalb der Frage nach, ob ein solches Konzept in Hamburg funktionieren könnte. Die Antwort fällt nicht eindeutig aus, denn entscheidend ist vor allem, wo und wie eine solche Halle entstehen würde.

  • Stadt: Hamburg
  • Untersuchte Standorte: Karstadt Osterstraße, Kampnagel Jarrestraße, Bahnhof Altona, Fleischgroßmarkt Sternschanze, Gruner + Jahr und Bergedorf
  • Projektstatus: Potenzial- und Standortanalyse
  • Nächster möglicher Schritt: vertiefte Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsanalyse

Hamburg besitzt durchaus eine lange Markttradition. Sie entwickelte sich jedoch anders als in Städten mit großen innerstädtischen Markthallen. Offene Märkte, der Hafen und später der Großmarkt bestimmten die Versorgung. Die heutigen Deichtorhallen entstanden ursprünglich ebenfalls als Markthallen. Nach der Verlagerung des Großmarktes nach Hammerbrook erhielten sie eine kulturelle Nutzung. Der Großmarkt eröffnete 1962 und blieb auf den gewerblichen Handel ausgerichtet; private Endkunden können hier regulär nicht einkaufen.

Gleichzeitig existieren längst kleinere oder anders ausgerichtete Formen der Marktkultur. Die BBE nennt die Hobenköök im Oberhafen, die Rindermarkthalle St. Pauli, den Isemarkt und den Fischmarkt. Sie zeigen nach Einschätzung der Berater, dass Angebote rund um Lebensmittel, Gastronomie und regionale Produkte in Hamburg grundsätzlich auf Nachfrage treffen.

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Außenansicht der markanten Großmarkthalle Hamburg in Hammerbrook mit ihren geschwungenen Hallendächern und dem vorgelagerten Betriebsgelände.

Der Großmarkt Hamburg in Hammerbrook ist ein zentraler Handelsplatz für frische Lebensmittel. Eine klassische Markthalle für private Kunden ist die Anlage jedoch nicht. / © Foto: Wikimedia Commons, GM-Hamburg, CC BY-SA 4.0

Markthalle Hamburg: Osterstraße und Kampnagel mit großem Umfeldpotenzial

Besonders interessant bewertet die Untersuchung zwei Standorte. Das ehemalige Karstadt an der Osterstraße in Eimsbüttel und das Kampnagel-Areal an der Jarrestraße in Hamburg-Nord erreichen unter den geprüften Varianten die stärksten Werte beim fußläufig erreichbaren Einwohnerpotenzial. Das allein macht sie allerdings noch nicht zu Favoriten. Die BBE betont, dass Einwohnerzahl, Frequenz, Flächenstruktur, Kosten und Betreiberkonzept zusammenspielen müssen.

Eine weitere Variante liegt in Altona. Der heutige Bahnhof Altona erreicht laut BBE das größte Frequenzpotenzial. Seine sehr gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr könnte ein Konzept tragen, das stark von Pendlern, Reisenden und Laufkundschaft lebt. Gerade an diesem Standort verändert sich das Umfeld jedoch grundlegend. Der Fern- und Regionalverkehr soll künftig am Diebsteich gebündelt werden. Damit verändert sich auch die Rolle des bisherigen Bahnhofsstandorts.

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Verschiedene Voraussetzungen für Hamburger Markthalle

Beim Fleischgroßmarkt an der Lagerstraße sieht die Untersuchung andere Stärken. Das Areal besitzt einen direkten historischen Bezug zum Lebensmittelhandel und bietet Parkmöglichkeiten. Gleichzeitig weist dieser Standort laut BBE unter den untersuchten Varianten die geringste fußläufige Einwohnerdichte auf. Der Fleischgroßmarkt selbst ist bis heute ein aktiver Standort für Lebensmittelhandel, Produktion, Im- und Export sowie die Versorgung von Gastronomie und Hotellerie.

Auch das frühere Gruner-&-Jahr-Areal am Baumwall in Hamburg-Mitte und ein Standort in Bergedorf gehören zur Untersuchung. Hier sieht die BBE eher Chancen für spezialisierte beziehungsweise auf den jeweiligen Stadtteil zugeschnittene Formate. Das zeigt zugleich, dass eine Markthalle nicht überall dieselbe Größe und Funktion haben müsste. Ein touristisch geprägter Standort in der Innenstadt benötigt ein anderes Konzept als eine Halle, die vor allem ein Wohnquartier versorgt.

Verkaufsstand in einer Markthalle in Barcelona mit einer großen Auswahl an Nüssen, Trockenfrüchten, Gewürzen und weiteren Lebensmitteln.

Markthallen gehören in zahlreichen Metropolen wie Barcelona fest zur städtischen Einkaufskultur. Das breite Angebot an frischen und regionalen Lebensmitteln dient auch als Vergleich für die Diskussion um eine neue Markthalle in Hamburg. / © Foto: Wikimedia Commons, Bautsch, Gemeinfrei

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Handelskammer brachte eine Markthalle für Hamburg schon früher ins Gespräch

Die Idee reicht zudem weiter zurück als die aktuelle Untersuchung. Die Handelskammer Hamburg führte ein Markthallenkonzept bereits in ihrem Zukunftsbild für die Innenstadt auf. Als mögliches Beispiel nannte sie Flächen des ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäudes an der Mönckebergstraße. Eine Markthalle könne dort Handel mit regionalen Lebensmitteln, Gastronomie und Veranstaltungen verbinden und zusätzliche Besucher in die Innenstadt bringen.

Das passt zur allgemeinen Strategie der Stadt. Hamburg will seine Innenstadt stärker als gemischten Ort entwickeln, an dem Handel, Gastronomie, Kultur, Arbeit und Aufenthalt ineinandergreifen. Das 2025 vorgestellte Zukunftsbild reagiert ausdrücklich auf den Strukturwandel im Einzelhandel und setzt auf eine größere Nutzungsmischung. Auch Projekte wie das Elisen Palais an der Mönckebergstraße verbinden inzwischen Handel und Gastronomie mit weiteren Nutzungen.

 

Quellen: DEAL-Magazin, BBE Handelsberatung, Handelskammer Hamburg, Großmarkt Hamburg

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One Comment

  1. Franz 7. September 2026 at 19:15 - Reply

    Was macht eine Markthalle auf Kampnagel mit dem lebendigen open air Markt am Goldbekufer? Wird das dann teurer für die Händler? In Berlin sind die Markthallen zu erheblichen Teilen ziemlich teure und verschleierte Gastro-Tempel. Nur mal so.

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