Die Debatte um eine Magnetschwebebahn zwischen Tegel und Spandau gewinnt an Schärfe: Die Berliner Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) bringt das Projekt als Alternative zur Straßenbahn offensiv ins Spiel. Kritik an dem Vorhaben kommt vom BUND.

Verkehrssenatorin Ute Bonde spricht sich für die Prüfung einer Magnetschwebebahn zwischen Tegel und Spandau aus. Während die CDU von einer innovativen Lösung für ein Platzproblem spricht, warnt der BUND vor jahrelangen Verzögerungen beim Tram-Ausbau. / © Foto: Wikimedia Commons, Sandro Halank (CC BY SA 4.0)
© Visualisierung Titelbild: GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH
Die neuerliche Diskussion um eine Magnetschwebebahn im Berliner Westen konkretisiert sich, und sie wird wieder kontrovers geführt. Nachdem das Thema über Monate eher als technologische Vision gehandelt wurde, liegt nun eine klare politische Positionierung vor: Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) spricht sich offen für die Prüfung einer Magnetschwebebahn zwischen der Urban Tech Republic auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tegel und dem Bahnhof Spandau aus. Unterstützt wird sie dabei von der Spandauer CDU.
Im Zentrum der Überlegungen steht eine Verbindung vom neuen Innovationsquartier in Tegel über Gartenfeld – perspektivisch im Kontext der Reaktivierung der Siemensbahn – bis zum Rathaus Spandau. Bonde hatte zuletzt deutlich gemacht, dass sie die Magnetschwebebahn als ernsthafte Alternative zur Straßenbahn prüfen lassen wolle. In der dicht bebauten Spandauer Innenstadt fehle es schlicht am Raum für eine neue Tramtrasse.
Von Tegel nach Spandau: Verkehrssenatorin Bonde setzt auf technologische Alternative zur Tram
Bonde argumentiert, dass die Herausforderungen im Berliner Nordwesten neue Lösungen erforderten. Mit der Entwicklung der Urban Tech Republic, dem geplanten Wohnungsbau in Tegel und steigenden Pendlerzahlen wachse der Druck auf die Verkehrsinfrastruktur erheblich. Eine Magnetschwebebahn könne zusätzliche Kapazitäten schaffen, ohne in den ohnehin ausgelasteten Straßenraum einzugreifen.
Vor allem Spandaus Bezirksstadtrat Thorsten Schatz (CDU) unterstützt diesen Ansatz. Spandau habe kein Ideen-, sondern ein Platzproblem, so seine Position. Der Verkehrsraum sei vielerorts ausgereizt, eine Straßenbahn lasse sich auf zentralen Achsen kaum unterbringen.
Bezirksstadtrat Thorsten Schatz (CDU) will eine Magnetschwebebahn für Spandau
Eine Magnetschwebebahn könne hingegen „den Raum über der Straße“ nutzen, sei leise, leistungsfähig und im Betrieb emissionsfrei. Es gehe nicht um ein Prestigeprojekt, sondern um eine realistische Prüfoption für wachsende Quartiere.
Tatsächlich verweist die CDU auf das sogenannte Transport System Bögl, eine Weiterentwicklung der Transrapid-Technologie. Das System verspricht vergleichsweise geringe Baukosten durch standardisierte Betonfertigteile und einen weitgehend automatisierten Betrieb. Eine Machbarkeitsstudie soll nun klären, ob eine solche Trasse technisch, wirtschaftlich und städtebaulich realisierbar wäre.
BUND warnt vor „Blockadepolitik“ und isoliertem Verkehrssystem
Deutliche Kritik kommt vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). In einer aktuellen Stellungnahme wirft der Verband der CDU vor, mit „Magnetschwebebahnfantasien“ die Planungen für eine Straßenbahn erneut zu verzögern. Jahrelange Vorleistungen für Tramstrecken würden infrage gestellt, obwohl der Bedarf unstrittig sei.
Der BUND verweist auf die Leistungsfähigkeit moderner Straßenbahnen. Eine Autospur transportiere in der Stadt durchschnittlich 700 bis 1.000 Personen pro Stunde, eine Tramlinie selbst im Zehn-Minuten-Takt hingegen rund 1.800 Fahrgäste. Ein einziges Straßenbahnfahrzeug ersetze zur Hauptverkehrszeit mehrere hundert Pkw. Zudem sei die Tram in ein bestehendes Netz integrierbar und ermögliche attraktive Direktverbindungen – ein entscheidender Vorteil gegenüber einem isolierten Pendelsystem.
Der BUND setzt auf das Verkehrsmittel Tram und fürchtet Betriebskosten der Magnetbahn
Kritisch sieht der Verband auch die Abhängigkeit von einem einzelnen Hersteller. Proprietäre Systeme hätten in anderen europäischen Städten zu erheblichen Problemen geführt, nachdem Hersteller insolvent gegangen seien oder Ersatzteile fehlten.
Unabhängige Erfahrungswerte zu Bau- und Betriebskosten der Magnetschwebebahn gebe es bislang kaum. Die Gefahr bestehe, hohe Investitionen in ein technologisches Nischensystem zu tätigen, das sich nicht flexibel erweitern lasse.
Stadtraum, Akzeptanz und Kosten: Offene Fragen der Magnetschwebebahn
Neben der verkehrspolitischen Debatte rückt zunehmend die städtebauliche Dimension in den Fokus. Eine aufgeständerte Trasse würde sichtbar in den Stadtraum eingreifen. Fragen nach Verschattung, Lärmentwicklung, Eingriffen in Eigentumsrechte und der Akzeptanz in dicht bebauten Quartieren sind bislang ungeklärt.
Erfahrungen mit urbanen Seilbahnprojekten in Deutschland zeigen, dass Überbrückungen von Privatgrundstücken juristisch keineswegs einfacher sind als ebenerdige Trassenführungen. Auch hierauf weist der BUND in seinem Statement hin.
Ute Bonde: Es geht um eine ergebnisoffene Prüfung, keine Vorfestlegung
Befürworter halten dem entgegen, dass Berlin offen für Innovationen bleiben müsse. Gerade im Kontext der Urban Tech Republic, die sich als Zukunftsstandort für nachhaltige Technologien positioniert, könne eine Magnetschwebebahn ein sichtbares Signal setzen. Bonde betont, es gehe zunächst um eine ergebnisoffene Prüfung, nicht um eine Vorfestlegung.
Gleichzeitig steht die Entscheidung in einem größeren Kontext: Die Verkehrswende in Berlin verlangt nach schnellen, leistungsfähigen Lösungen. Buslinien im Westen der Stadt gelten seit Jahren als überlastet und unpünktlich.
Magnetbahn ja oder nein: Berlins Grundsatzentscheidung über künftige Mobilität
Die Reaktivierung der Siemensbahn, der Ausbau des Straßenbahnnetzes und neue Radverkehrsinfrastruktur konkurrieren um knappe Planungs- und Finanzmittel. Ob die Magnetschwebebahn hier ein Baustein oder ein Umweg ist, wird sich erst nach Vorlage belastbarer Studien zeigen.
Klar ist jedoch: Mit der klaren Positionierung der Verkehrssenatorin hat die Debatte eine neue Dynamik erhalten. Zwischen technologischer Offenheit und netzorientierter Pragmatik steht Berlin einmal mehr vor einer Grundsatzentscheidung über seine zukünftige Mobilitätsarchitektur.
Urban Tech Republic
Rathaus Spandau
Quellen: Berliner Verkehrsseiten, Berliner Zeitung, Firmengruppe Max Bögl, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, dpa, Tagesspiegel, rbb, magnetbahn.org, Wikipedia, Berliner Morgenpost, CDU Berlin, GRAFT Gesellschaft von Architekten mbH, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.
Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag
11 Kommentare
Hinterlasse einen Kommentar Antwort abbrechen
Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



Berlin hat kein Geld und es wird an allen Ecken gestrichen.
Gleichzeitig wird eine Magnetschwebebahn derart in den Vordergrund gerückt.
Ist das nun mehr „politischer Wille“ oder tatsächlich „fundiert ausgewählte beste Alternative“ mit Kriterien wie Kosten, Kompabilität (Netz und Fahrer), Unabhängigkeit (Anzahl Anbieter, Fahrerqualifikation, Ersatzteile, Reparatur und Wartung, etc.), Einbindung ins bestehende Netz, behindertengerechter Zugang, Auffindbarkeit, Attraktivität, Klimabilanz für Herstellung und Betrieb, Wechselgeschwindigkeit zwischen Verkehrsteilnehmern, Akzeptanz der Anwohner, u. v. m.
Wird das wirklich ergebnisoffen geprüft?
Warum muss eigentlich schon wieder nur gemeckert werden?
Da entsteht ein neues innovatives Quartier, wäre es da nicht klug, da gleichzeitig einen neuen innovativen Weg mit der Magnetschwebebahn zu gehen?
Vielleicht steigen ja grade deswegen auch Menschen auf den ÖPNV um, weil sie ein bisschen Japanfeeling haben wollen?
Seid doch mal offen für Neues!
Die CDU tut alles, um die normale Bahn- und Straßenbahninfrastruktur möglichst nicht auszubauen. Ideologisch extrem verblendete Verkehrspolitik, wie man sie seit Jahrzehnten kennt von dieser Partei. Dazu sind natürlich auch jederzeit populistische, völlig abwegige und über alle Maßen hochtrabende Leuchtturm-Illusionen das gewünschte Mittel der Wahl, um davon abzulenken, dass man im Hintergrund weiter Verkehrspolitik für das Auto und gegen den Menschen macht.
So altbekannt, so durchschaubar und so schädlich für Berlin. Verkehrspolitik auf Springer-Niveau. Man kann sich nur an den Kopf fassen…
Genau auf den Punkt gebracht!
Ziel von Frau Bonde ist es nicht, das beste und leistungsfähigste ÖPNV Verkehrsmittel zu finden sondern die Autoverkehrsbahnen im Bestand zu erhalten. Lobbyismus für Autofahrer. Oder Frau Bonde fährt selbst mit dem Auto über die besagten Strecke.
Um mal eine Einordnung der Verkehrsmittel zu verdeutlichen:
Am leistungsfähigsten und damit zukunftsfähigen wäre U-Bahn bzw. Getunnelte S-Bahn und zudem noch lärmbelastungsfrei und schonend bezüglich Oberflächenverbrauch und Zerschneidung von Räumen. Dazu sehr unfallsicher. Ist aber teuer.
Danach folgt deren oberirdische Verlegung dieser. Deutlich günstiger, aber hoher Oberflächenverbrauch, wo auch nach Aussage von Frau Bonde wenig Fläche vorhanden ist und mit Lärmbeslastung. Zudem werden durch die Gleise Räume zerschnitten und voneinander getrennt. Bei Verlegung der Gleise zur gleichzeitigen Nutzung mit Autos oder auch Fußgängerbereich (z.b. Alexanderplatz) steigt das Unfallrisiko erheblich.
Danach folgt die Tram. Weniger leistungsfähig, weniger teuer, aber ebenfalls Nachteile bezüglich Flächenverbrauch, Lärm und Zerschneidung. Unfallrisiko ebenfalls gegeben.
Von der Leistungsfähigkeit würde hier die Magnetschwebebahn sich wiederfinden. Die ist jedoch pro beförderten Passagier teurer als die Tram. Flächenverbrauch fällt geringer aus, dafür entsteht Verdunklung unter der Bahn als auch Stau von Abgasen, Feinstaub und Co. Der Lärm ist stärker zu bewerten, da er sich direkt vor den Fenstern der Anwohner befindet. Und in vielen Bereichen in Berlin werden die Grenzwerte für Lärm bereits dauerhaft überschritten. Unfallrisiko etwas geringer – hier mehr durch die Nutzer bedingt. Wahrscheinlich wird an jeder Station Assistenz/Personal benötigt um eine unfallfreie Nutzung (insbesondere für eingeschränkte Personen) gewährleisten zu können. Damit wird sie wieder teurer.
Dann folgt der Bus. Günstig und schnell zu etablieren, aber weniger leistungsfähig und steht mit im Stau. Flächenverbrauch für Straße zum Fahren als auch Lärm und Abgas/Feinstaub sind negativ zu bewerten.
In einer Stadt ist folglich die tunnelgeführte Variante von S-Bahn/ U-Bahn die effektivste, aber teuerste Variante. Hohe Leistungsfähigkeit, Flächenverbrauch ist gering als auch Lärm-, Abgas-, Feinstaubabgabe.
Die Siemensbahn ist zusammengefasst eine gute Lösung. Die bereits geleistete Vorleistung dazu jetzt wegzuwerfen, ist unverhältnismäßig, teuer und nicht zielführend.
Frau Bonde kann eine Seil-/Magnetschwebebahn für eine ganz neue Strecke prüfen und sich dann dort ein Denkmal setzen.
Bei dem TSB ist man komplett abhängig von Bögl! Für Straßenbahnen gibt es viele etablierte Hersteller. Wenn man neue Fahrzeuge braucht, kann man problemlos eine Ausschreibung starten. Bei dem TSB müsste man darauf hoffen dass der Hersteller in 20-30 Jahre noch existiert und zudem bereit sein jeden Preis zu zahlen den er für sein proprietäres System verlangt.
Von daher ein Vorschlag der perfekt zur CDU passt: Wenig sinnvoll, aber lukrativ für die Partikularinteressen eines Unternehmens das scheinbar viel Energie in Lobbyarbeit steckt.
Genau. Standardlösungen sind günstiger.
Hinzu kommt die Möglichkeit bei Ausfällen von anderer Stelle im System zu unterstützen. Das geht viel einfacher, günstiger und umfassender beim Verbleib bei den bestehenden Systemen.
Berlin ist einfach zu arm um sich ein solches alleinstehendes System leisten zu können.
Man denke nur an die alten Schmalspur-U-Bahn (1-4), die nicht mit der neueren U-Bahn (ab 5) kompatibel ist.
Allein das stellt Berlin schon regelmäßig vor Probleme. Wie soll das bei einem noch weniger umfassenden und noch weniger kompatibelen Verkehrsmittel funktionieren?
Es gibt in Berlin keine Schmalspur U-Bahn. Die Fahrzeuge des Kleinprofils können auch auf dem Grossprofil verkehren.
… allerdings nicht anders herum…
Der Begriff war laienhaft gewählt, bin ich ja auch.
Meines Wissens nach sind die Tunnel schmaler, nicht hoch genug und die Kurven zu eng. Deswegen die Einschränkung.
Ist das so korrekt, Thomas?
Bedeutet trotzdem, dass die großen nicht auf der schmalen fahren können.
Na, ist Frau Bonde zufällig mit jemandem bei Bögl verwandt, verheiratet oder verschwägert? Anders kann ich mir dieses Hirngespinst nicht erklären. Nichts geschafft als Senatorin, U Bahn funktioniert nicht, kein Tram-Ausbau, keine neuen Busse, Autobahnen verstopft und kaputt, Mobilitätsgesetz nicht umgesetzt. Die Frau gehört abgesägt.
Zitat, „Die Verkehrswende in Berlin verlangt nach schnellen, leistungsfähigen Lösungen. Buslinien im Westen der Stadt gelten seit Jahren als überlastet und unpünktlich.“
Die Verkehrswende verlangt mehr Ladestationen und mehr und bessere-sichere Radwege, Tempolimits, Ahndung von Verstößen, und eine Verbannung von abgashaltigen Antrieben. Und beim Thema Unpünktlichkeit handelt es sich wohl um ein Problem des Betreibers was bedeutet das der Handlungsspielraum und die Kompetenzen des Betreibers ausgebaut bzw aktualisiert werden müssten.