Im Zentrum des Märkischen Viertels soll ein jahrelang stagnierendes Großprojekt neu durchstarten: Statt Einkaufszentrum sind beim Bauvorhaben „Märkisches Quartier“ nun 739 Wohnungen geplant, zu großen Teilen gefördert. Die Investoren setzen auf dringend benötigten Wohnraum statt auf überdimensionierten Handel.

Der Neustart für das „Märkische Quartier“ ist eingeläutet: Nach geplatzten Center-Plänen soll auf dem Areal nun ein Wohn- und Lebensquartier entstehen. Die Chancen auf bezahlbare Wohnungen für Reinickendorf steigen. / © Foto: IMAGO / Jürgen Ritter

© Fotos: IMAGO / Jürgen Ritter

 

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Im Zentrum des Märkischen Viertels könnte bald ein umfangreiches Bauprojekt Gestalt annehmen. Der Bauantrag für das „Märkische Quartier“ wurde im April 2025 beim Bezirksamt Reinickendorf eingereicht. Seitdem stehen Bezirk und Projektentwickler, die Laborgh Investment GmbH, in engem Austausch. Ziel ist es, die noch offenen baurechtlichen Fragen zügig zu klären, um die Voraussetzungen für eine Genehmigung zu schaffen.

Zu den offenen Punkten zählen laut Bezirksamt vor allem die Abstandsflächen zu den Nachbargebäuden sowie erforderliche Einträge im Baulastenverzeichnis. Das Bezirksamt verfolgt das Vorhaben laut eigenen Angaben mit hoher Priorität, betont aber gleichzeitig, dass eine sorgfältige rechtliche Prüfung unabdingbar sei.

In Reinickendorf: 739 Wohnungen geplant, Großteil im geförderten Segment

Das „Märkische Quartier“ soll aus fünf Gebäuden bestehen, die insgesamt 739 Wohnungen umfassen. Rund 90 Prozent davon sind für den geförderten Wohnungsbau vorgesehen. Ergänzt wird das Ensemble durch etwa 22 Gewerbeeinheiten sowie eine Tiefgarage.

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Der Nutzungsmix aus Wohnen und Gewerbe soll laut Planungen dazu beitragen, das Märkische Zentrum städtebaulich neu zu strukturieren und die Nahversorgung im Viertel zu stärken. Dabei steht insbesondere die Wohnnutzung im Vordergrund – eine Reaktion auf die angespannte Marktlage in Berlin.

Reaktionen aus der Bezirkspolitik: Baugenehmigung für das Märkische Viertel noch 2025?

Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) machte deutlich, dass das Projekt aus Sicht des Bezirks eine hohe Dringlichkeit besitzt. Sie verwies auf die unzureichende Versorgungssituation und den Zustand des bestehenden Zentrums. Die Bau- und Wohnungsaufsicht im Bezirk arbeite mit großem Einsatz daran, eine Genehmigung noch im Jahr 2025 zu ermöglichen.

Auch die zuständige Stadträtin für Stadtentwicklung, Korinna Stephan (Bündnis 90/Die Grünen), unterstützt die neue Ausrichtung des Projekts. Die Entscheidung, das Quartier stärker auf Wohnraum auszurichten, sei aus ihrer Sicht eine notwendige Anpassung an aktuelle Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt.

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Geplanter Wohnraum im Märkischen Quartier: Spatenstich noch ungewiss

Ob der Bau noch im laufenden Jahr beginnen kann, hängt vom weiteren Verlauf des Genehmigungsverfahrens ab. Das Bezirksamt will eine zügige Bearbeitung, betont aber zugleich, dass alle rechtlichen Fragen vollständig geklärt sein müssen, bevor grünes Licht gegeben wird. Erst danach könne der Spatenstich erfolgen.

Ursprünglich hatten Hauptinvestor Cheyne Capital Deutschland und Projektentwickler Kintyre eines der größten Einkaufszentren im Berliner Norden geplant: 25.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, eine 4.000 Quadratmeter große Markthalle, 10.000 Quadratmeter Bürofläche, ein 8.000 Quadratmeter großer Dachgarten sowie Platz für 50 Arztpraxen, 1.000 Parkplätze, 360 Apartments in einem Wohnturm und 130 Kitaplätze.

„Märkisches Quartier“: Ursprüngliche Pläne gingen am Marktbedarf völlig vorbei

Zum Vergleich: Die Hallen am Borsigturm in Tegel, aktuell das größte Center im Bezirk, umfassen rund 50.000 Quadratmeter. Doch infolge der Corona-Pandemie und des Ukrainekriegs explodierten die Baukosten, und das „Märkische Quartier“ geriet ins Stocken.

Unter veränderten Marktbedingungen wurde klar, dass ein Center dieser Größenordnung kaum noch tragfähig wäre. Zwar ist das Märkische Viertel dicht besiedelt, verfügt jedoch über eine vergleichsweise geringe Kaufkraft und ist infrastrukturell schlecht angebunden. Bis heute fahren nur Busse in das Quartier; ein U-Bahn-Anschluss ist frühestens in den späten 2030er Jahren realistisch.

Seit 2024 ist ein neuer Investor an Bord und will deutlich mehr Wohnraum schaffen

Ein nennenswerter Zustrom externer Kundschaft wäre kaum zu erwarten gewesen. Die Betreiber hätten voraussichtlich nicht alle Flächen vermieten können, einige Geschäfte wären mangels Nachfrage und hoher Konkurrenz wohl gescheitert.

Ein im Herbst 2024 vorgelegtes Gutachten des Bezirks bezifferte das realistische Potenzial für Einzelhandelsflächen im Märkischen Zentrum bis 2035 auf lediglich 16.000 bis 17.900 Quadratmeter – deutlich weniger als geplant.

Projektentwickler Laborgh realisiert in Berlin Wohnprojekte in Marzahn und Hellersdorf

Im gleichen Jahr ist der Berliner Projektentwickler Laborgh Investment GmbH in das Projekt eingestiegen, um es unter veränderten Vorzeichen abzuschließen. Laut Bezirksamt wollen die Investoren nun den Schwerpunkt der künftigen Entwicklung stärker auf Wohnraum legen.

Laborgh ist in Berlin bereits an mehreren anderen Projekten beteiligt, so etwa beim Bauvorhaben „Konnekt Berlin“ in Marzahn oder bei einem Wohnprojekt in der Schkeuditzer Straße in Hellersdorf. Auch im Märkischen Viertel will das Unternehmen nun nach eigenen Angaben bezbahlbaren Wohnraum schaffen, die Fertigstellung avisiert Laborgh derzeit für das Jahr 2027 an. Es wäre den Menschen, die seit Jahren rund um die stillstehende Baustelle des „Märkischen Quartiers“ leben müssen, wirklich zu wünschen.

 

Quellen: Bezirksamt Reinickendorf von Berlin, märkischesviertel.de, Chayne Capital Deutschland GmbH

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6 Kommentare

  1. Sabrina 25. Juli 2025 at 22:10 - Reply

    Ist sehr gut das beste was es geben wird

  2. Lieselotte Preihs 26. Juli 2025 at 09:30 - Reply

    Vielen lieben Dank, das es bald los geht. Ich hoffe ich erlebe es noch .Bin ja erst 85 Jahre ,und wir haben ja schon lange kein schönes Zentrum mehr.Ich hoffe es wird schön!!!

  3. Anni Olsson 27. Juli 2025 at 10:01 - Reply

    Noch mehr Menschen im MV und nur 1 Kaufland und 1 Aldi dort. Schlangen bis zum Eingang und die meisten Menschen sind jetzt schon mehr als unzufrieden. Über 700 neue Wohnungen? Oje oje!!! Bloß schnell weg … 🤬😡😠

  4. S.L. 27. Juli 2025 at 22:50 - Reply

    Noch mehr Bewohner für das MV sind einfach zuviel zumal bereits auch am Ende des Wilhemsruher Damms für die entfernten Kleingärten Wohnungen gebaut werden. Es werden Geschäfte und ausreichend Parkplätze nicht nur für die Anwohner, sondern auch für deren Besucher- so wie es vor den Absperrungen der vorhandenen Parkplätze war- gebraucht ,welche die Versorgung der Anwohner sicherstellen. Darunter sind nicht nur Lebensmittel gemeint sondern ein Angebot durch alle Bedürfnisse der Menschen generell , wie es vor der Zerstörung des ehemaligen Zentrums war ! Die Anbindung mit einer evtl. U-Bahn Anbindung bringt für die Bewohner des MV’s herzlich wenig ! Wer bitte setzt sich für eine Station am Senftenberg Ring -nehmen wir als Beispiel die Hausnummer 52 an- , um ins Zentrum zu fahren in eine U-Bahn , wenn er über den Weg zu Fuß oder per Rad am Mittelfeld- Becken schneller im Zentrum ankommt .Außerdem wäre die jahrelange Bauphase für die U-Bahn vom Bahnhof Wittenau über den Wilhemsruher Damm/ Senftenberger Ring, als Zufahrt und Hauptverkehrsader ins MV ein einziger nicht zumutbarer Albtraum für die Bewohner.

  5. Tammy 6. August 2025 at 22:31 - Reply

    Bitte nicht noch mehr Wohnungen! Es werden doch bereits genug gebaut!Das Märkische Viertel ist bereits maßlos überfüllt, mehr Geschäfte statt Wohnraum wären um einiges vorteilhafter für die Gegend. Mehr Einkaufsmöglichkeiten, Cafés und Modegeschäfte würden der Umgebung soooo viel mehr bringen.. der Bedarf ist da!!!

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