Am Halleschen Ufer in Berlin-Kreuzberg entsteht mit der „Macherei Berlin-Kreuzberg“ ein gemischt genutztes Stadtquartier, das Wohnen, Arbeiten und Nahversorgung miteinander verbindet. Der Rundgang zeigt, wie das Areal zwischen neuem Wohnraum, gewerblicher Nutzung und einem Stück West-Berliner Geschichte strukturiert ist.
Zwischen Neubauten und dem ehemaligen Hochhaus schafft ein neu gestalteter öffentlicher Raum die Verbindung im Quartier.

Der Blick zeigt die Verzahnung zwischen den neuen DEGEWO-Wohnhäusern (links) und dem derzeit noch im Umbau befindlichen Hochhaus des ehemaligen Postscheckamts (rechts). Diese Verbindung steht exemplarisch für das Konzept der Macherei, Alt- und Neubau in einem funktionalen Stadtgefüge zu kombinieren. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

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Das Quartier „Macherei Berlin-Kreuzberg“ entsteht rund um ein Gebäude mit Geschichte. Direkt am Halleschen Ufer steht das frühere Postscheckamt Berlin West, ein 80 Meter hohes Verwaltungsgebäude, das zwischen 1965 und 1971 nach den Plänen von Oberpostdirektor Prosper Lemoine errichtet wurde. Der Bau diente damals als Antwort auf die politische Teilung Deutschlands. West-Berlin benötigte ein eigenes zentrales Postscheckamt, das schließlich an diesem Standort errichtet wurde.

Heute wird das Gebäude umfassend saniert und modernisiert. Der Bauherr Art-Invest Real Estate plant, das Hochhaus bis 2026 fertigzustellen. Künftig soll es rund 43.000 Quadratmeter Bürofläche sowie 6.000 Quadratmeter für Gastronomie und Einzelhandel bieten. Durch die Revitalisierung wird der historische Bau in ein modernes Nutzungskonzept überführt. Neue Zugänge, eine geöffnete Sockelzone und nachhaltige Gebäudetechnik verbinden die Geschichte des Ortes mit einem zeitgemäßen Stadtverständnis.

Wohnraum für unterschiedliche Bedürfnisse: Die neuen DEGEWO-Häuser am nördlichen Quartiersrand

Das Café „Agiori“ und die umliegenden Neubauten zeigen die Kombination aus Wohnen und kleinteiliger Nahversorgung im Quartier.

Die Erdgeschosszonen der Wohnhäuser bieten Raum für kleinteiligen Einzelhandel und Gastronomie. Die Anordnung der Gebäude schafft einen städtisch geprägten Raum, der sowohl für Bewohnerinnen und Bewohner als auch für die Nachbarschaft offen zugänglich ist. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Im nördlichen Teil des Geländes hat die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO sechs neue Gebäude mit insgesamt 337 Mietwohnungen errichtet. Die Neubauten fügen sich in die bestehende Stadtstruktur ein und ergänzen das historische Hochhaus durch moderne Baukörper. Die Wohnungen bieten Flächen von 33 bis 101 Quadratmetern und richten sich sowohl an Alleinwohnende als auch an Familien.

Ein Großteil der Wohnungen ist öffentlich gefördert. Insgesamt sind etwa 75 Prozent der Einheiten zu Einstiegsmieten ab 6,50 Euro pro Quadratmeter verfügbar. Die DEGEWO reagiert damit gezielt auf die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum in innerstädtischer Lage. Darüber hinaus sind 172 Wohnungen barrierefrei zugänglich. Diese wurden in enger Kooperation mit der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft konzipiert und ermöglichen auch Menschen mit chronischen Erkrankungen ein eigenständiges Wohnen im Quartier.

Ein Holzspielplatz im Innenhof der neuen DEGEWO-Wohnhäuser bietet kindgerechte Aufenthaltsqualität zwischen den Gebäuden.

Die DEGEWO hat mit diesen Gebäuden ein breites Angebot an Mietwohnungen realisiert, das von kleinen Apartments bis hin zu Familienwohnungen reicht. Der Freiraum zwischen den Häusern schafft Luft, Licht und Aufenthaltsflächen mitten in der verdichteten Stadtstruktur. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Ein begrünter Innenhof mit Bänken und Fahrradständern ergänzt das Wohnangebot. Die Fassadengestaltung kombiniert helle Putzflächen mit einem grauen Klinkersockel.

Dieser Hof gehört zu einem der sechs neuen Wohngebäude, die im nördlichen Teil des Quartiers errichtet wurden. Die klar strukturierte Gestaltung mit Fahrradabstellanlagen, Sitzbänken und jungen Bäumen zeigt, wie Aufenthaltsqualität und Funktionalität miteinander verbunden wurden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Im Erdgeschoss eines der Gebäude befindet sich eine Kindertagesstätte mit Platz für 48 Kinder. Ergänzt wird das Ensemble durch einen Holzspielplatz im Innenhof, Balkone, Terrassen und gemeinschaftlich nutzbare Grünflächen. Die architektonische Planung übernahm das Berliner Büro Dahm Architekten + Ingenieure. Besonderen Wert legten die Planenden auf gute Lichtverhältnisse, natürliche Belüftung und energetische Effizienz nach dem KfW-55-Standard.

Gewerbliche Nutzung und Nahversorgung am Halleschen Ufer: Erste Geschäfte bereits eröffnet

Parallel zum Wohnungsbau entwickelt sich auch die gewerbliche Nutzung des Areals. Bereits jetzt haben erste Mieter ihre Flächen bezogen. Ein REWE-Supermarkt sichert die Nahversorgung für die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers und der Umgebung. Zudem bietet das Café „Agiori“ Sitzplätze im Freien und schafft Raum für nachbarschaftliche Begegnungen. Weitere Gewerbeflächen für Gastronomie und Einzelhandel sollen in den kommenden Monaten folgen.

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Das frühere Postscheckamt am Halleschen Ufer bildet mit seiner markanten Glasfassade den historischen Mittelpunkt des Quartiers.

Das ehemalige Postscheckamt mit seiner klar gegliederten Fassadenstruktur wurde ursprünglich zwischen 1965 und 1971 als Verwaltungsgebäude des Postscheckamts Berlin West errichtet. Heute wird das Gebäude grundlegend revitalisiert und erhält eine neue Nutzung mit Büroflächen, Gastronomie und Einzelhandel. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Es wurden mehrere Neubauten für Gewerbefläche errichtet. Dieser hat eine grüne Glasfassade.

Hinter dem Bauzaun verläuft die Rückseite des zukünftigen Büro- und Gewerbestandorts. Die geplanten 43.000 Quadratmeter Bürofläche und 6.000 Quadratmeter Retail-Nutzung sollen die wirtschaftliche Basis des Quartiers stärken. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Die Wegeführung im Quartier ermöglicht eine klare Orientierung. Fußgängerwege verbinden die einzelnen Gebäudeteile miteinander und sorgen für Durchlässigkeit im Quartier. Neue Plätze, begrünte Zonen und öffentlich zugängliche Bereiche schaffen eine Mischung aus Urbanität und Aufenthaltsqualität. Auch wenn einzelne Baubereiche noch nicht fertiggestellt sind, zeigt sich bereits das Ziel des Projekts: eine enge Verzahnung von Wohnen, Arbeiten und öffentlicher Infrastruktur.

Rechtlich basiert dieses Nutzungskonzept auf der Einstufung des Areals als „Urbanes Gebiet“. Diese städtebauliche Kategorie erlaubt eine höhere Dichte und die gleichzeitige Kombination unterschiedlicher Funktionen auf engem Raum. Bezirksstadtrat Florian Schmidt sieht in der „Macherei Berlin-Kreuzberg“ ein Modell für zukünftige Projekte in Berlin. Er betont die Verbindung aus sozialer Vielfalt, kurzen Wegen und klimafreundlicher Planung.

 

Quellen: Die Macherei, DEGEWO, Art Invest Real Estate, KEC Architekten, Pandion AG, SAUERBRUCH HUTTON, EIKE BECKER ARCHITEKTEN

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2 Kommentare

  1. M.Hillen 17. Juli 2025 at 15:15 - Reply

    Gibt es irgendwo irgendeine Vorschrift, die besagt, dass einfach gestaltete Wohnbauten grundsätzlich in dem Farbton „Tristesse-Grau“ gestrichen werden müssen? Oder sind andere, freundlichere Farben bei neuen Wohngebäuden mittlerweile grundsätzlich verboten? Sind für Mietobjekte mittlerweile nur noch schwarz, weiß und grau erlaubt (damit ja nicht zu viel Lebensfreude aufkommt)? Was für eine gestalterische Erbärmlichkeit, die da zum Ausdruck kommt!

  2. Mehringdamm1 18. Juli 2025 at 13:40 - Reply

    Kann nur zustimmen, war gestern da und die im Artikel gepriesen Aufenthaltsqualität zwischen den grauen Häusern, dem grauen Boden und dem grauen Himmel ist nicht sehr hoch und urban schon mal gar nicht, eher schlafstadthaft. Man hat sich wohl an den tristen 70er Fassaden des benachbarten Mehringplatz orientiert und möchte den sozialen Brennpunkt stimmig erweitern.

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