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Der Abriss des ehemaligen SEZ in Friedrichshain rückt näher, nun steht das erste Planungsteam für die Neuentwicklung des prominenten Areals fest. Die Machbarkeitsstudie für ein nutzungsgemischtes Quartier markiert den nächsten Schritt für das städtebauliche Schlüsselprojekt. 550 Wohnungen sollen auf dem Areal genauso entstehen wie eine Schule, eine Kita sowie Freizeit- und Erholungsflächen.

Was wird aus dem legendären SEZ an der Landsberger Allee? Die Pläne für ein neues Stadtquartier konkretisieren sich, inklusive Schule, Kita und bezahlbarem Wohnraum. Einen Erhalt oder Teil-Erhalt des ikonischen Baus der Ostmoderne plant die WBM allerdings nicht. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Visualisierung Titelbild: Stefan Forster GmbH

 

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Seit der offiziellen Schließung im Jahr 2002 ist das SEZ zunehmend verfallen. Große Teile des früheren Freizeitkomplexes sind heute verwüstet und vermüllt. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), der das Areal seit 2023 gehört, sieht laut eigener Aussage keine Alternative zum Abriss.

Die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft bezeichnete das Grundstück in der Vergangenheit als „prominent“ und mit „enormem Entwicklungspotenzial“. Nun wird die Entwicklung des Geländes konkreter, denn das Unternehmen hat das Planungsteam für die Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur künftigen Entwicklung des ehemaligen Sport- und Erholungszentrums in Berlin-Friedrichshain ausgewählt.

Ehemaliges SEZ in Friedrichshain: Planungsteam für Erstellung einer Machbarkeitsstudie ausgewählt

Das ließ die WBM in einem offiziellen Statement wissen. Die Auswahl erfolgte demnach im Rahmen eines qualitätsorientierten Auswahlverfahrens durch ein prominent besetztes Gremium. Das unabhängige Gremium setzte sich unter anderem aus der Senatsbaudirektorin Prof. Petra Kahlfeldt und dem Bezirksstadtrat für Bauen in Friedrichshain-Kreuzberg, Florian Schmidt, zusammen.

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Nach ausführlicher Diskussion erhielt das Frankfurter Büro Stefan Forster GmbH den Zuschlag. Das Architekturbüro überzeugte das Gremium durch ein fundiertes Verständnis für die sozialen, städtebaulichen und ökologischen Potenziale des Areals sowie durch ein stimmiges Konzept. Die im Auswahlprozess entwickelten Wettbewerbsbeiträge sollen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. In welchem Format dies geschehen soll, ist derzeit wohl noch nicht entschieden.

SEZ-Gelände an der Landsberger Allee: Schlüsselprojekt an zentralem Berliner Standort

Das Areal an der Schnittstelle von Landsberger Allee und Danziger Straße, in unmittelbarer Nähe zum Volkspark Friedrichshain, gilt als eines der zentralen Entwicklungsgebiete im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Die WBM bezeichnet das Projekt als Schlüsselvorhaben für eine nachhaltige und vielfältige Quartiersentwicklung.

Durch die zentrale Lage und die gute Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr bietet das SEZ-Areal laut WBM ideale Voraussetzungen, um dringend benötigten Wohnraum zu schaffen und einen Beitrag zur Entlastung des Berliner Wohnungsmarkts zu leisten.

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Ziel: Nutzungsgemischtes Wohnquartier mit städtebaulicher Qualität

Im Fokus der Machbarkeitsstudie steht die Entwicklung eines zukunftsfähigen, nutzungsgemischten Quartiers mit einem Schwerpunkt auf Mietwohnungen. Dabei soll ein übergeordnetes städtebauliches Konzept unter Berücksichtigung des geltenden Bebauungsplans entstehen, wie es heißt.

Die Untersuchung wird verschiedene Varianten prüfen, um sowohl die Qualität der Freiräume als auch das Maß der baulichen Nutzung gezielt zu optimieren. Der Start der Studie ist für Juli 2025 vorgesehen, also innerhalb der nächsten Tage. Erste Ergebnisse werden frühestens im Dezember 2025 erwartet.

Auf dem Gelände in Friedrichshain soll ein Wohn- und Schulstandort entstehen

Wir danken dem Fachgremium für seine engagierte und fachkundige Mitwirkung und gratulieren dem ausgewählten Team herzlich zum Zuschlag„, so WBM-Geschäftsführer Lars Dormeyer. „Qualitätsgeleitete Auswahlverfahren sind für uns gelebte Praxis. Gerade bei sensiblen Stadtentwicklungsprojekten sichern sie Transparenz, Teilhabe und planerische Qualität – das ist unser Anspruch als landeseigenes Immobilienunternehmen.“

Ganz konkret sollen 550 neue, landeseigene Mietwohnungen entstehen, mit einem Anteil von 50 Prozent für einkommensschwächere Bevölkerungsgruppen. Auch Gemeinbedarfsflächen, Schul- und Kitaflächen sowie eine öffentliche Grünfläche werden konkret geplant. Einige Details der geplanten Bebauung sind bereits bekannt.

SEZ-Gelände: Neue Schule soll auf einer unbebauten Fläche am Volkspark Friedrichshain entstehen

Geplant ist, die neue Schule auf dem bislang unbebauten Teil des Areals in direkter Nähe zum Volkspark Friedrichshain zu errichten. Aufgrund der begrenzten Fläche soll die Sporthalle baulich in den Schulkomplex integriert werden. Auf welchem Teil des Grundstücks die geplanten Wohnungen errichtet werden soll, ist hingegen noch nicht klar.

Hier sollen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie abgewartet werden. Für die Befürworter eines Erhalts des nicht denkmalgeschützten DDR-Baubestands aus den 1980er Jahren ist die Veröffentlichung der konkreten Planungen also eher eine schlechte Nachricht.

Abriss-Gegner fordern den Erhalt des SEZ anstelle einer Neubebauung des Areals

Mehrere Berliner Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken forderten im Mai 2025 nach einer Begehung des SEZ-Gebäudes eine unabhängige Prüfung möglicher Erhaltungsoptionen, da sie Zweifel am schlechten baulichen Zustand äußerten.

Ein vom Verein Gemeingut in BürgerInnenhand beauftragtes Gutachten stützt diese Haltung: Demnach sei das Tragwerk intakt und eine Sanierung deutlich günstiger als ein Neubau. Dass diese neuen Erkenntnisse die politische Entscheidung über Abriss oder Erhalt beeinflussen, ist eher unwahrscheinlich. Das Land Berlin und die WBM setzen derzeit alles daran, um das Gelände vollkommen neu zu entwickeln, ohne Erhalt des einstigen Spaß- und Erholungszentrums.

© Visualisierung: Stefan Forster GmbH

© Foto: IMAGO / Jürgen Ritter

Quellen: Stefan Forster GmbH, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, Der Tagesspiegel, Berliner Kurier, B.Z., BVV Friedrichshain-Kreuzberg, Gemeingut in BürgerInnenhand

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7 Kommentare

  1. A.Tirpitz 24. Juli 2025 at 15:50 - Reply

    Die eingeplante Kita aus einem Gebäuderest dieses Raumschiffs hätte einem schon einfallen können…..Das Teil jetzt so vollständig abzuräumen zu wollen, erinnert mich plötzlich an eine viel größere Abrißschandtat: Die Mütherschale „Ahornblatt“ an der Fischerinsel.
    Dafür wurde dann auch so ein völliger nichtssagender Blockrand hingesetzt…Ja ja….Aber warum fällt mir dazu gleich wieder die Verbindung Fischerinsel – WBM – SEZ ein?… Hatten die nicht erst gefühlt neulich so ein „schickes“ Wohnungsbauteil dort (Fischerinsel) platziert?

    Wie auch immer, den Befürwortern des SEZ-Erhalts kann ich es nachfühlen… Ohne jetzt oft dort draußen zu sein, kommt es mir instinktiv in den Sinn, dass das Gelände irgendwie Teil eines markanten Dreiecks mit dem Velodrom und dem gerade erst implantierten DSTRCT-Campus auf dem Gelände der alten Schlachthöfe ist… Nun gut, jetzt legen halt wieder die Ritter des Banalen Hand an….. Berlin nur als zukünftiges Besiedlungsgebiet zu verstehen, muss scheinbar reichen.

    • Baumbart 25. Juli 2025 at 12:28 - Reply

      Was Ihnen eingefallen, geht doch komplett an diesem Artikel hier vorbei, in dem es einzig um einen groben Strukturentwurf ging. Darauf bauen Sie dann unwissend Ihre weitere Argumentation voller Vorurteile auf.

      Keine Frage, Kritik ist wichtig und sollte den weiteren Planungs- und Bauprozess begleiten, aber doch bitte konstruktiv und realistisch.

      Als jemand der das SEZ selbst noch aus guten Tagen kennt, kann ich auch vieles nachfühlen. Ich gehe auch gerne in Museen, finde alte Autos, Radios spannend. Auf die Idee, dass in die heutige Zeit dichotom und unrealistisch zu adaptieren komme ich hingegen nicht.

  2. Max 25. Juli 2025 at 09:23 - Reply

    Wir brauchen ein Bürger-Baukollegium! Die Architektur ist zu wichtig um sie dem unfähigen Senat zu überlassen.

    • Baumbart 25. Juli 2025 at 12:18 - Reply

      Nein Max, wir brauchen Wohnungen, Zukunft und kein Nimby-tum, dass seit Jahrzehnten diese Stadt zerstört. Seit über 25 Jahren haben besagte „Bürger“ das SEZ vergammeln lassen und nichts getan. Dieser Aktionismus auch von Ihnen ist so typisch für Stillstand. Es war genug Zeit.

      Eine Debatte über die Architektur und Fassaden begrüße ich gerne. Ob darin Elemente des jetzigen SEZ noch Platz finden können, ist noch überhaupt nicht geklärt und weiterhin offen.

      Das Problem vieler, sie können einfach nicht mit Abschieden umgehen. Ein SEZ ist dafür das falsche Therapiemittel.

      • Al 26. Juli 2025 at 12:50 - Reply

        Hä, was ist das denn für ein quatschiger Kommentar? Welche „besagte Bürger“ haben das SEZ vergammeln lassen? Ein Immobilieninvestor hat es vergammeln lassen, nach dem die Stadt es unsäglicher Weise „verschenkt“ hat. Das war genau das Gegenteil von bürgerschaftlicher Beteiligung. Es gab bisher keinen Raum für eine ernsthafte Beteiligung.

        Sich jetzt 1-2 Jahre zeit zu nehmen und ein sinnvolles und sensibles Umnutzungskonzept mit der Anwohnerschaft auszuarbeiten (welches sicherlich Wohnungen enthalten wird), ist genau das was wir brauchen um die Stadt positiv weiterzuentwickeln und auch politisches Vertrauen zu stärken. Das hat nichts mit Nimby-tum zu tun und wird die Wohnungsproblematik ohne hin nicht beeinflussen.

        Eine banale „Masse, Masse, Masse und basta“ Baupolitik über die Köpfe der Stadtgesellschaft hinweg ist genau das , was die Menschen frustriert und die Stadt immer unlebenswerter werden lässt.

  3. Steffen Lehmann 29. Juli 2025 at 19:07 - Reply

    Fertigstellung 2050.

  4. Reinhardt Kirchner 15. September 2025 at 16:33 - Reply

    Die Darstellung des Objekts könnte falscher kaum sein. Was heute oft abwertend als „Freizeitkomplex“ bezeichnet wird, war in Wirklichkeit ein sehr großer und beliebter Sportkomplex.

    Nach allem, was bekannt ist, führte nicht mangelndes Interesse zur Schließung, sondern die Unfähigkeit des Managements, die Preise den wirtschaftlichen Gegebenheiten anzupassen. So wurden rote Zahlen geschrieben – und das Objekt zum Problem erklärt.

    Dabei ist die Geschichte vielmehr eine politische Farce: Ein Bauwerk, das nicht aus der DDR stammen durfte und deshalb schlechtgeredet wurde – obwohl es mit Unterstützung der BRD und Schweden entstanden ist.

    Gerade wegen seiner zentralen Lage wäre es auch heute kein Problem, den Komplex sinnvoll weiterzuentwickeln. Möglichkeiten gäbe es genug: Über der Eisbahn ließe sich problemlos bauen, ohne die Bahn aufzugeben. Entlang der Straße wäre eine Blockrandbebauung denkbar, kombiniert mit Bauten auf Stelzen, wie es längst bei vielen Discountern praktiziert wird. So ließe sich die Fläche deutlich besser ausnutzen, und die Eisbahn könnte erhalten bleiben.

    Die angeblich so hohen Sanierungskosten wirken wenig transparent. Statt einer offenen Diskussion wird das Eigentum einfach an die WBM übergeben – und schon ist nichts mehr öffentlich nachvollziehbar. Ein merkwürdiges Demokratieverständnis.

    Hinzu kommt: Die Bausubstanz besteht aus solidem Stahlbeton – keineswegs marode. Berlin steuert auf die Marke von vier Millionen Einwohnern zu, und doch gibt es in der Stadt kein großes öffentliches Bad. Ein Blick nach Bukarest, Otopeni zeigt, was möglich ist: Dort steht eine Therme, die internationalem Niveau entspricht – vergleichbar mit Dubai. Und während man dort solche Projekte erfolgreich umsetzt, bekommt das „reiche“ Deutschland scheinbar nichts mehr auf die Reihe.

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