Die geplante Verlängerung der Tramlinie M10 vom Bahnhof Warschauer Straße bis zum Hermannplatz gilt seit Jahren als wichtiges Verkehrsprojekt im Berliner Osten. Lange blieb es jedoch ruhig um den Planungsstand. Auf Anfrage hat die Senatsverwaltung nun aktuelle Informationen zum Projekt und zum weiteren Zeitplan genannt.

Visualisierung der Strecke zum Hermannplatz

Die neue Tramstrecke soll unter anderem durch die Falckensteinstraße führen und anschließend über Görlitzer Park, Glogauer Straße und Sonnenallee bis zum Hermannplatz verlaufen. / © Visualisierung: Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verbraucher- und Klimaschutz

© Fotos: Wikimedia Commons, Kurt Rasmussen

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Die Verlängerung der Tramlinie M10 gehört seit mehreren Jahren zu den größeren Nahverkehrsprojekten im Berliner Osten. Geplant ist eine neue Strecke vom S-Bahnhof Warschauer Straße bis zum U-Bahnhof Hermannplatz. Damit sollen die dicht besiedelten Stadtteile Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln direkter miteinander verbunden werden. Der Senat bestätigte bereits im April 2021 nach einer Grundlagenuntersuchung die planerisch bevorzugte Streckenvariante.

Die neue Verbindung soll rund 2,9 Kilometer lang sein und mehrere neue Haltestellen erhalten. Laut früheren Untersuchungen könnte die Strecke an Werktagen von durchschnittlich etwa 35.000 Fahrgästen genutzt werden. Gleichzeitig soll sie bestehende Netzlücken schließen und Direktverbindungen zwischen Friedrichshain, Kreuzberg und Neukölln ermöglichen. Öffentliche Informationen zum Projekt blieben jedoch lange unverändert, sodass der Eindruck entstand, die Planung komme kaum voran.

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Aktueller Planungsstand in Berlin: Senatsverwaltung nennt Fortschritte, BVG übernimmt Projekt

Auf Anfrage von ENTWICKLUNGSSTADT teilte die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt nun mit, dass die Vorplanung inzwischen abgeschlossen ist. Seit September 2025 fungiert die BVG als Vorhabenträgerin. Das Verkehrsunternehmen arbeitet aktuell an der Entwurfsplanung, also an der Leistungsphase 3 nach HOAI. Damit beginnt die Phase, in der technische Details der Strecke konkret ausgearbeitet werden.

Auch der Zeitplan hat sich inzwischen verändert. Während frühere Angaben eine mögliche Inbetriebnahme ab etwa 2031 nannten, rechnet die Senatsverwaltung inzwischen nicht vor 2032 mit einer Fertigstellung der Strecke. Der Beginn des Planfeststellungsverfahrens hängt laut Verwaltung vom weiteren Projektverlauf ab. Derzeit könne ein Start dieses Genehmigungsverfahrens nicht vor 2027 erwartet werden. Die BVG selbst äußerte sich nicht zu einer Anfrage und verwies darauf, dass in dieser Planungsphase die Senatsverwaltung für Auskünfte zuständig sei.

Streckenverlauf durch Kreuzberg und Neukölln: 2,9 Kilometer lange Verbindung geplant

Die geplante Strecke soll nach der Spreequerung über die Oberbaumbrücke zunächst durch die Falckensteinstraße führen. Danach verläuft die Trasse durch den Görlitzer Park und anschließend weiter über Glogauer Straße, Pannierstraße und Sonnenallee bis zum Hermannplatz beziehungsweise zur Urbanstraße. Insgesamt ist eine rund 2,9 Kilometer lange Verbindung vorgesehen.

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Entlang dieser Route prüfen die Planer verschiedene Lösungen für den Straßenraum. Inzwischen gilt eine Führung in der Straßenmitte als bevorzugte Lösung, da der Baumbestand geschützt werden soll. Neben engen Straßenräumen müssen die Planer auch bestehende Brückenbauwerke berücksichtigen.

Görlitzer Park schließt ab 22:00 Uhr – Senatsverwaltung hält an Streckenverlauf fest

Vogelperspektive Görlitzer Park in Kreuzberg, Berlin

© Foto: Wikimedia Commons, Boris Niehaus, CC BY SA 3.0

Zusätzlich rückt der Görlitzer Park stärker in den Fokus der Diskussion. Die Trasse soll weiterhin durch die Grünanlage führen, obwohl der Park seit Anfang März nachts geschlossen wird. Die Tore schließen je nach Jahreszeit ab etwa 22 oder 23 Uhr.

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Da die Linie M10 rund um die Uhr fährt, stellt sich die Frage, wie sich der nächtliche Tramverkehr künftig mit dieser Regelung vereinbaren lässt. Die Senatsverwaltung hält dennoch am geplanten Streckenverlauf fest.

Bedeutung der neuen Tramstrecke: Hohe Nachfrage und wichtige Verbindung im Berliner Netz

Mit der Verlängerung der M10 will das Land Berlin eine wichtige Verbindung zwischen mehreren stark wachsenden Stadtteilen schaffen. Heute endet die Linie am Bahnhof Warschauer Straße, obwohl viele Wegebeziehungen weiter nach Kreuzberg und Neukölln führen. Eine direkte Tramverbindung könnte diese Lücke im Berliner Netz schließen und neue Direktverbindungen schaffen.

Nach Angaben der Senatsverwaltung wird die Planung derzeit weitergeführt. Neue Informationsveranstaltungen sind aktuell allerdings nicht vorgesehen. Projektseite und Plattformen wie mein.berlin sollen aktualisiert werden und künftig über den Abschluss der Vorplanung informieren.

Damit bleibt die M10-Verlängerung weiterhin ein langfristiges Infrastrukturprojekt, dessen Umsetzung noch mehrere Jahre in Anspruch nehmen dürfte.

S Warschauer Straße
Görlitzer Park
U Hermannplatz

Quellen: mein.berlin, BVG, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt

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18 Kommentare

  1. Mitte-Mitte-Anwohnerin 6. März 2026 at 16:59 - Reply

    „ÖPNV-Spur – Einsatzfahrzeuge frei“
    Mit einer befahrbaren Tram-Spur, könnte die Fläche mulitifunktional genutzt werden.
    Beispiel: Bei Vereisung der Oberleitungen könnten Busse als Ersatz fahren.
    Durch die Freigabe für Einsatzfahrzeuge könnten diese schnell und ohne im Auto-Stau zu stehen durch die Stadt kommen, bei z.B. einem Herzinfarkt oder gar Hochhausbrand.
    Diese Idee wäre vielleicht eine Überlegung wert.

    • Mayer 8. März 2026 at 08:52 - Reply

      Unsere Vorväter hatten für die Weiterentwicklung des Verkehrs in Berlin den Begriff der Unterpflasterbahn gewählt. Das bedeutet, die Straßenbahnen nach und nach in den Untergrund zu verlegen. Das ist ja auch geschehen, nur gab es da noch keine Grüne für die das Auto Teufelszeug ist und daher verbannt werden sollten. Von der überirdischen Straßenbahnen wollte man sich trennen.
      Bis zum Jahr 2003 war eine Verlängerung der U1 zum Frankfurter Tor noch vorgesehen. Danach verschwand dieses Bauvorhaben aus den Planungsunterlagen. Diese Planung stammt noch aus den 30ziger Jahren.

      • Chris Da 10. März 2026 at 17:08 - Reply

        Es gibt eine weitere Weiterentwicklung: „moderne Stadtentwicklung“.

        Diese kehrt dem Auto den Rücken aufgrund fehlender (Menschen-) Transportleistung und hohem Flächenverbrauch sowie Schadstoffausstoß.

        Am Besten ist zu Fuß gehen. Sehr hohe Transportleistung bei geringem Oberflächenverbrauch und kein Schadstoffausstoß.
        Dann kommt Fahrradfahren. Hohe Transportleistung bei geringem Oberflächenverbrauch und kein Schadstoffausstoß (etwas Reifenabrieb und Klingellärm).
        U-Bahnen sind super. Sie haben eine hohe (Menschen-)Transportleistung, verbrauchen kaum Oberfläche und haben enormes Automatisierungspotenzial. Dafür sind sie teuer.
        Trams haben auch eine hohe Transportleistung und sind günstiger als U-Bahnen. Dafür verbrauchen sie Oberfläche, so dass ein Konflikt mit den anderen Verkehrsteilnehmern und Stakeholdern für Oberfläche besteht.
        Dann kommt der Bus. Immer noch beachtliche Transportleistung bei mideratem Oberflächenverbrauch, aber Schadstoffausstoß (variierend je nach Antriebsart).
        Erst dann kommt das Auto mit der schlechtesten Ratio von Transportleistung zu Oberflächenverbrauch – insbesondere wenn die Parkplätze mit eingerechnet werden. Dazu eine extrem hohe Forderungshaltung der Nutzer.

        Der fokussieren sich moderne Städte wie Barcelona auf Fußgänger, Fahrradfahrer und ÖPNV anstatt Auto.

  2. Marcel S. 6. März 2026 at 19:52 - Reply

    Seien wir doch mal realistisch. Das Genehmigungsverfahren soll nicht vor 2027 beginnen. Bis sämtliche Baugenehmigungen vorliegen haben wir frühestens 2028, dann die LP5 mindestens 1 jahr, Ausschreibungen und Vergabe nochmal mindestens 1 Jahr, Baubeginn frühestens 2030. Bauzeit minimum 3 Jahre und das funktioniert nur wenn alles glatt geht. Da der Streckenverlauf aber kompliziert ist, durch enge verwinkelte Straßenzüge, durch den Görli führt etc. mit vielen verschiedenen Interessen und Begehrlichkeiten entlang der Strecke, wird ncihts glatt laufen, es wird Preissteigerungen geben, Nachträge, Finanzierungsprobleme, dann müssen Behörden von zwei Bezirken auch zusammen arbeiten, Neukölln und Kreuzberg, die Neuköllner Verwaltung ist eine Katastrophe etc. meine Prognose: Fertigstellung frühestens 2040

  3. Reinhardt Kirchner 6. März 2026 at 21:08 - Reply

    Hallo Marcel , die Einschätzung ist mehr als richtig. Ebenerdig fahrende Eisenbahnen sind nach meiner Meinung so modern wie schnurgebundene Telefone..eine Technik von gestern mit sehr hohem Unfallrisiko und schwacher Kombinationsmobilität. Berlin benötigt einen neuen Plan mit einer Alternative zur Straßeneisenbahn!

    • Marcel S. 6. März 2026 at 22:08 - Reply

      Hallo Reinhardt, ich glaube du verstehst mich falsch. Meine Kritik richtet sich nicht an das Transportmittel Straßenbahn, sondern an die Verwaltungen und ihre langwierigen Prozesse solche Dinge umzusetzen. Ich finde Straßenbahnen sind auch heutzuage noch ein sehr effizientes und relativ einfach umzusetzendes öffentliches Transportmittel, noch einfacher und güsntiger sind nur Busse. Aber das „schnurlose Telefon“ um bei der Metapher zu bleiben, sind die vielen privaten PKW welche die Innenstadt verstopfen und den ÖPNV erst so kompliziert machen. Es braucht in erster Linie eine alternative zum PKW.

  4. Franz 7. März 2026 at 07:53 - Reply

    Danke für den Artikel und seine Informationen. Nur, wie auch ausgeführt: Das dauert viel zu lange. Hier wäre es gut, wenn die Verkehrsverwaltung mal über Verfahrensverschlankungen nachdenkt. Das gilt auch für die viel zu lang dauernde Tramstrecke am Ostkreuz. Das ist alles nur noch absurd.

  5. DIETER 7. März 2026 at 09:28 - Reply

    …und im harten Berliner Winter bleiben die Trambahnen liegen…
    Ein Schelm der Angestellten dabei denkt

    • Hai 7. März 2026 at 12:46 - Reply

      Nicht böse gemeint, aber in Berlin heißt es entweder Straßenbahn oder Tram.
      LG

      • Ole Pankow 7. März 2026 at 17:03 - Reply

        Nein, in Berlin immer nur Strassenbahn oder einfach Bimmel ! Das Wort ,,Tram“ brachten die ,,Zugereisten“ aus West-Deutschland ab 1990 mit und ,,vertreiben“ diesen Begriff seit dem.
        Gruss

    • Franz 7. März 2026 at 14:23 - Reply

      Und die vielen Autos, die freigesetzt werden müssen, finden keinen Parkplatz, wenn alle ÖPNV-Nutzenden sich auch noch individualisieren ;-)

    • Chris Da 7. März 2026 at 17:55 - Reply

      Und mit der oben genannten befahrbaren ÖPNV-Spur können im Winter einfach Ersatzbusse fahren, bis die Leitungen enteist sind. Wo ist das Problem?

  6. Franz 7. März 2026 at 14:24 - Reply

    freigekratzt statt freigesetzt … sorry

  7. ROMMEL 8. März 2026 at 08:19 - Reply

    Wenn ich nur das Bild sehe…. Tram direkt neben Radweg. Laut StVO 1,5m Abstand beim vorbeifahren, da sind Probleme vorhersehbar. Weiterhin werden wieder viele Klagewege folgen, die eine Tram in diesen Bereich um Jahre verzögern.

  8. Marc 8. März 2026 at 19:53 - Reply

    Ganz ehrlich, Berlin ist das beste ausgebaute Stadt in ganz Deutschland! Wir brauchen keine weitere Strassenbahn. Unnötig weil auch das Personal fehlt oder wollt ihr 2€ mehr zahlen wollen um es zu finanzieren?

    • Mitte-Mitte-Anwohnerin 9. März 2026 at 11:02 - Reply

      Berlin hat eben nicht genug ÖPNV.

      Nur zu Fuß gehen und Fahrradfahren ist günstiger als ÖPNV. Es ist also auch eine wirtschaftlich attraktive Option zur Betätigung von Wegen.

      Die vorhandenen Bahnen sind schon voll und es gibt noch reichlich Potenzial an Autofahrern, die auf ÖPNV umsteigen könnten bzw. das Auto abschaffen, da sie es gar nicht mehr finanzieren können. Darüber hinaus ist Berlin eine wachsende Stadt mit immer mehr Einwohnern. Dazu die Touristen. In Zukunft werden also mehr Menschen ÖPNV-Angebote brauchen.

      Daher sollte jede Ecke von Berlin mit möglichst leistungsfähigem ÖPNV in Kombination mit kurzen Fußwegen erreichbar sein.

      Insbesondere in Mitte sind die vorhandenen ÖPNV schon sehr gut ausgelastet – vor allen zu den Rush Hours (morgens zur Arbeit, Touristen-Rish-Hour, abends nach Hause oder zum Ausgehen). Daher sind weitere Strecken nötig.

      Auch für die moderne Stadtentwicklung – siehe auch die entsprechende Broschüre des UBA – ist der ÖPNV-Ausbau essentiell notwendig.

      Schon die ab spätestens 2030 greifenden verschärften Regelungen der EU-Luftreinhaltungsrichtline, wird zu Maßnahmen zur Reduktion des (privaten) Autoverkehr führen. Dann noch faire Flächenverteilung im Rahmen moderner Stadtentwicklung und Maßnahmen zur Eindämmung von Hitzeinseln, zum Umgang mit Starkregen, etc.

      Im Ergebnis werden mehr Menschen ÖPNV nutzen uns brauchen daher mehr ÖPNV.

  9. H 9. März 2026 at 12:11 - Reply

    Was ich nicht verstehe ist – warum gibt es mittlerweile keinen Bus, der Neukölln direkt mit der Warschauer Straße verbindet?

    Warschauer Straße zum Ostbahnhof? Möglich. Neukölln zum Ostbahnhof? Möglich.

    Beide Orte zum Görlitzer Bahnhof? Möglich?

    Aber direkt von Neukölln zur Warschauer Straße sogar mit dem Bus? Irgendwie unmöglich.

    Bizarr.

  10. Dirk Sommerfeld 9. März 2026 at 16:06 - Reply

    Bei der ausufernden Bürokratie schätze ich das die geplante Verlängerung der M 10 frühestens im Jahr 2031 in Angriff genommen wird. Ich denke bloß daran wie lange es gedauert hat die Strassenbahn bis zum Hauptbahnhof und dann weiter bis zum U Bahnhof Turmstr zu verlängern. Ein nicht ernst gemeinter Vorschlag vielleicht sollte man es mit einer Schwebebahn ähnlich wie in Wuppertal versuchen

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