Die M10 soll von der Turmstraße bis Jungfernheide verlängert werden. Neue Angaben zeigen den Zeitplan und wie viele Straßenbäume die Planung betrifft.

So könnte die verlängerte Straßenbahnlinie M10 künftig am Mierendorffplatz aussehen. Die Planung für „Turmstraße II“ sieht unter anderem Rasengleise sowie neue Rad- und Fußwege vor. / © Visualisierungen: Ramboll / BVG
© Titelbild: Ramboll / BVG
Die Straßenbahnlinie M10 endet heute am U-Bahnhof Turmstraße. Dabei soll es nicht bleiben. Mit dem Projekt „Turmstraße II“ will Berlin die Strecke durch Moabit und über die Mierendorffinsel bis zum Bahnhof Jungfernheide verlängern. Neue Angaben des Senats zeigen nun, wie weit die Planung ist. Dabei geht es nicht nur um den Zeitplan, sondern auch um erhebliche Eingriffe entlang der vorgesehenen Strecke.
- Bezirke: Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf
- Projekt: Straßenbahnneubaustrecke U-Bahnhof Turmstraße – S+U-Bahnhof Jungfernheide
- Streckenlänge: 3,8 Kilometer
- Projektstatus: Entwurfsplanung
- Planfeststellungsverfahren: Einleitung für Sommer 2027
Die Verlängerung der M10 bis zur Turmstraße war nur der erste Teil des Projekts. Mit „Turmstraße II“ soll die Straßenbahn künftig weitere 3,8 Kilometer durch Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf fahren. Die Trasse führt über Turmstraße, Huttenstraße, Wiebestraße, Kaiserin-Augusta-Allee, Mierendorffplatz, Osnabrücker Straße und Tegeler Weg. Nördlich des Bahnhofs Jungfernheide ist die Endstelle vorgesehen.
Die Strecke soll damit das westliche Moabit besser erschließen und eine direkte Straßenbahnverbindung über den Hauptbahnhof bis in den Berliner Osten ermöglichen. Auf weiten Teilen der Strecke soll die Tram entweder auf einem eigenen Gleiskörper oder auf der Fahrbahn fahren.
In der Turmstraße sind abschnittsweise Rasengleise vorgesehen. In der Huttenstraße sowie Teilen der Kaiserin-Augusta-Allee und Osnabrücker Straße soll die Straßenbahn dagegen gemeinsam mit Autos die Fahrbahn nutzen. Dadurch will Berlin unter anderem vorhandene Bäume und Seitenräume besser erhalten.
„Turmstraße II“: Planfeststellung soll erst im Sommer 2027 starten
Der Zeitplan hat sich gegenüber früheren Planungen jedoch deutlich verschoben. Ältere Projektunterlagen sahen den Beginn des Planfeststellungsverfahrens für Ende 2023 vor. Dazu kam es nicht. Nach der aktuellen Antwort des Senats plant die zuständige BVG Projekt GmbH die Einleitung nun für Sommer 2027.
Bis dahin sind jedoch noch mehrere Arbeiten nötig. Das Projekt befindet sich derzeit in der Entwurfsplanung. Die notwendigen Gutachten für das Planfeststellungsverfahren werden erstellt, außerdem muss die vollständige Entwurfsplanung abgeschlossen werden. Erst auf dieser Grundlage kann die BVG die Antragsunterlagen fertigstellen.
Gleichzeitig muss die Straßenbahnplanung mit anderen großen Infrastrukturvorhaben abgestimmt werden. Der Senat nennt ausdrücklich die geplante Reaktivierung der Siemensbahn und den Ersatzneubau der Rudolf-Wissell-Brücke. Gerade rund um den Bahnhof Jungfernheide treffen damit mehrere Verkehrsprojekte auf engem Raum zusammen.
Straßenbahn nach Jungfernheide: 134 Straßenbäume müssen weichen
Nach dem aktuellen Stand der Entwurfsplanung sollen für die Straßenbahnstrecke insgesamt 134 Straßenbäume gefällt werden. Die meisten davon, nämlich 39, stehen in der Turmstraße. Hinzu kommen jeweils 22 Bäume in der Huttenstraße und nördlich des Bahnhofs Jungfernheide sowie 19 am Tegeler Weg.
Weitere Fällungen sind nach aktuellem Planungsstand in der Wiebestraße mit zwölf Bäumen, am Kehrgleis Reuchlinstraße mit acht und in der Osnabrücker Straße mit sieben Bäumen vorgesehen. In der Kaiserin-Augusta-Allee betrifft die Planung fünf Straßenbäume. Am Mierendorffplatz soll dagegen kein Baum gefällt werden. Endgültig sind diese Zahlen noch nicht. Die BVG prüft nach Angaben des Senats, ob sich einzelne Bäume erhalten lassen, etwa indem sie in geplante Haltestellen integriert werden.
Rettungswege spielen beim Straßenbahnprojekt „Turmstraße II“ eine Rolle
Und noch eine weitere Frage fließt in die Planung ein. Berlin prüft, ob zweite Rettungswege angrenzender Gebäude weiterhin über Aufstellflächen für Hubrettungsfahrzeuge im öffentlichen Straßenraum gesichert werden können. Die Problematik ist auch bei anderen Berliner Straßenbahnprojekten relevant, weil Oberleitungen und Feuerwehrzufahrten miteinander vereinbar sein müssen.
Wann die ersten Bauarbeiten für das Straßenbahnprojekt „Turmstraße II“ beginnen können, steht auch deshalb weiterhin nicht fest. Die Senatsverwaltung nennt auf ihrer Projektseite lediglich eine Inbetriebnahme nicht vor 2030. Zunächst muss die BVG die Entwurfsplanung abschließen und 2027 das Planfeststellungsverfahren auf den Weg bringen. Damit bleibt die heutige Endhaltestelle an der Turmstraße noch einige Zeit Endpunkt der M10.
Turmstraße II: U Turmstraße
Turmstraße II: S+U Jungfernheide
Quellen: Abgeordnetenhaus von Berlin, Schriftliche Anfrage 19/26745, Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, meinBerlin
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8 Kommentare
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weltfremd! Nur die Verlängerung der U5 vom Hauptbahnhof hätte für Jahrzehnte den sinnvolleren Effekt gebracht.
Nein. Allenfalls beide Projekte. Aber wir wollen doch mal realistisch bleiben. Selbst die selbsterklärte U-Bahn-Partei CDU hat nichts erreicht. Im Gegenteil.
Die U5 hätte man lieber Fahrgast wirksam, halbwegs geradlinig über die die die Urban Tech Zone nach Tegel mit der dortigen U-Bahn verknüpfen sollen. Dafür hätte man das nicht Fahrgast wirksame Großprojekt Weisentunnel entfallen lassen können, diesen Tunnel schließen & verpressen können. Das Isolationsproblem der U5 zum restlichen Berliner Großprofil U-Bahnnetz wäre damit Fahrgast wirksam gelöst.
Hätte aber auch durch die U10, wiederum in beide Richtungen, Fahrgast wirksam gelöst werden können. Hbf Jungfernheide verkehren zukünftig ausreichend S-Bahnen, & z.Z. schon Regionalbahnen. Da wäre eine 3 Verbindung abseits der Kernwohnzonen des Bedienungsgebietes rausgeschmissenes Geld. Zumal die Straßenbahn nur ~1/10 der Investitionskosten je km benötigt.
Weltfremd ist vor allem die Geisteshaltung aus Westberlins Sechzigerjahren, Trams wären irgendwie rückschrittlich und extrem teure U-Bahnen ein Allheilmittel.
Wer die Welt kennt, weiß, dass gerade überall Trams errichtet werden.
Weltfremd beschreibt die Situation vortrefflich!!! Seit der Verlängerung zur Turmstr. ist Sie schon unpünktlicher. Macht doch erstmal zwischen HBH und Schönh. Allee freie Fahrt für die Tram. Fakten statt runde Tische, man schaue sich nur die rumeierei bei Tram 21 an… ein Hoch auf die Sesselfurzer.
Naja, vergleicht man mal die Kosten&Aufwand zwischen U-Bahn und Straßenbahn, sieht man klar was realistischer ist.. Oder doch lieber eine Magnetschwebebahn???
Guter Plan. Für Nebenstrecken wie die zur Jungfernheide ist die Tram die beste Lösung, weil eine U-Bahn sich dort nie rentiert.
Die Angst vor höherer Verspätung durch längere Strecken ist unbegründet: Bei der Tram ist der Takt entscheidend, also ob innerhalb von 5 Minuten eine Bahn kommt, nicht ob das die ursprünglich geplante Bahn ist. Bisherige Strecken zeigen das ganz gut, die sind ebenfalls sehr lang.
Die Überschrift ist falsch!
Sogar im Artikel selber wird explizit erwähnt, dass die Zahl der angedachten Baumfällungen bisher lediglich vom völlig autozentrierten Senat / Verkehrsverwaltung genannt werden und diese Angaben erst überprüft werden müssen.
Insgesamt ist aber zu hoffen, dass diese äußerst sinnvolle Tramverlängerung so schnell und mit so vielen Bäumen wie möglich umgesetzt wird!