Seit dem Abriss der Waisenbrücke klafft zwischen Luisenstadt und Klosterviertel eine Lücke im Fuß- und Radwegenetz von Berlins historischer Mitte. Die Allianz Neue Waisenbrücke setzt sich seit Jahren für einen Neubau am historischen Standort ein.
Märkischer Platz
Rolandufer
© Titelbild: Wikimedia Commons, Waldemar Franz Hermann Titzenthaler
Seit mehr als 60 Jahren fehlt an dieser Stelle eine direkte Verbindung über die Spree: Wo heute die Uferwege zwischen Märkischem Platz und Rolandufer unterbrochen sind, stand einst die Waisenbrücke. Eine Initiative aus Anwohnervertretung, Stadtmuseum und weiteren Berliner Vereinen setzt sich dafür ein, die historische Querung als Fuß- und Radweg wieder aufzubauen.
Die Geschichte der Waisenbrücke reicht weit zurück. Bereits im 18. Jahrhundert stand an der Stelle eine hölzerne Brücke, die später mehrfach erneuert wurde. Zwischen 1892 und 1894 entstand schließlich eine repräsentative Steinbrücke mit roter Sandsteinverkleidung, Balkonen, Reliefs und aufwendigen Geländern. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Brücke teilweise zerstört und anschließend provisorisch repariert.

Die Waisenbrücke als hölzerne Spreequerung im 19. Jahrhundert. Vor dem Bau der repräsentativen Steinbrücke prägten mehrere Holzkonstruktionen den historischen Übergang in der Berliner Mitte. / © Foto: Wikimedia Commons, F. Albert Schwartz (1836–1906)
1960 ließ die Stadt das Bauwerk schließlich vollständig abtragen, nachdem die benachbarte Jannowitzbrücke wiederhergestellt und der Wiederaufbau der Mühlendammbrücke absehbar war. Heute soll an ihrem früheren Standort eine neue, zeitgemäße Spreequerung entstehen. Die Allianz Neue Waisenbrücke fordert dafür seit Jahren konkrete Schritte von der Politik.
Waisenbrücke: Ein historischer Ort mit neuen Plänen
Ganz verschwunden ist die frühere Verbindung allerdings nicht. Die beiden landseitigen Brückenanschlüsse sind bis heute erhalten. Auf der Südseite befindet sich ein Bereich, der als Schiffsanlegestelle genutzt wird, auf der Nordseite liegt am Rolandufer eine kleine Grünanlage.
Die Idee eines Wiederaufbaus ist ebenfalls nicht neu. Bereits im Planwerk Innenstadt von 1999 wurde eine neue Waisenbrücke berücksichtigt. Seit 2011 gilt ihre Wiederherstellung zudem als Sanierungsziel für die Nördliche Luisenstadt. Im Stufenplan Berliner Mitte 2018–2030 wurde das Vorhaben für den Zeitraum 2026 bis 2030 berücksichtigt.

Vom einstigen Bauwerk der Waisenbrücke sind bis heute die landseitigen Brückenanschlüsse erhalten. / © Foto: Wikimedia Commons, Angela Monika Arnold, Berlin, CC BY-SA 3.0
Allianz Neue Waisenbrücke setzt auf Fuß- und Radverkehr
Um die Umsetzung voranzutreiben, gründete sich um 2019 die Allianz Neue Waisenbrücke. Zu ihr gehören unter anderem die Betroffenenvertretung im Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt und die Stiftung Stadtmuseum Berlin. Unterstützt wird die Initiative von Vereinen und Verbänden wie dem Bürgerverein Luisenstadt, dem BUND Berlin, Changing Cities und dem Historischen Hafen Berlin.
Die Allianz sieht in der Brücke vor allem eine fehlende Verbindung für den Fuß- und Radverkehr. Eine neue Querung könnte nach ihrer Auffassung die Quartiere rund um das Märkische Museum, den Köllnischen Park, den Historischen Hafen, das Nikolaiviertel und die Luisenstadt besser miteinander verbinden. Auch die Idee eines durchgehenderen Spreeuferwegs spielt dabei eine Rolle.
Waisenbrückentag bringt Forderung ins Quartier
Wie präsent das Thema im Umfeld der geplanten Querung ist, zeigte zuletzt der sechste Waisenbrückentag im Juni 2026. Auf dem Märkischen Platz kamen Anwohnerinnen und Anwohner, Kulturschaffende und politische Vertreter zusammen. Neben Musik und einem Familienprogramm gab es ein sogenanntes Wünschebüro, in dem Ideen für die Entwicklung des Quartiers gesammelt wurden.
Die Allianz nutzte die Veranstaltung zugleich, um für den Wiederaufbau der Brücke zu werben. Ob und wann tatsächlich ein Neubau entsteht, bleibt allerdings eine politische und planerische Frage. Die historische Verbindung ist seit Jahrzehnten verschwunden – die Forderung nach ihrer Rückkehr dürfte Berlin-Mitte deshalb auch in den kommenden Jahren begleiten.
Quellen: Berlin Museum, Wikipedia, Allianz Neue Waisenbrücke
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8 Kommentare
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Muss unbedingt wiederkommen!
Ja, wäre großartig. Würde die ganze Gegend aufwerten und beleben, wenn sie für Radfahrer und Fußgänger zugänglicher wäre.
Jetzt kommt erst mal die Baustelle für den U-Bahntunnel in den nächsten fünf Jahren.
Hatte das öfter mal hier von mir gegeben, dass die Brücke nochmal ein Boost für die ganze Gegend sein würde, wenn Klosterviertel/Molkenmarkt mit der Südseite/Märkisches Museum endlich wieder normal verbunden wird. Man wunderte sich immer nur, warum das noch nicht angeschoben wurde, da doch stets kolportiert wurden, dass die Mittel dafür schon eingestellt sind…Einen ähnlichen Effekt ergäbe auch eine Brücke in der Gegend vom Eierhäuschen/Plänterwald zur neuen Quartierentwicklung um das Funkhaus herum… Und klar, natürlich nur Fußgänger und Radfahrer. Autos wären in beiden Fällen fatal und im zweiten ohnehin nicht realisierbar.
Ist wie mit dem fehlenden Brommysteig 2 km stromaufwärts: Geld ist in den nächsten Jahrzehnten allenfalls für die brüchigen Bestands-Autobrücken da, aber doch nicht für den Neubau von (nur) Fußgänger-/Radfahrerbrücken. Da würde der Bund nicht einen Cent zugeben…
Hallo Micha, das ist nicht richtig. Für die Brommybrücke ist in der Investitionsplanung des Senats für die nächsten Jahre (leider weiß nicht mehr konkret ab wann) ein Millionenbudget eingestellt. Die wird, wann auch immer, kommen!
Seit Beginn des Sanierungsgebietes Nördliche Luisenstadt 2011 ist die Waisenbrücke ein Sanierungsziel. Der Spreeuferweg von der Schillingbrücke bis zum Märkischen Museum ist in großen Teilen fertig und sollte seine Verlängerung über die Waisenbrücke ins Nikolaiviertel finden. Die Waisenbrücke als touristische Attraktion am Historischen Hafen, vor dem erneuerten Märkischen Museum und Marinehaus, als Besucherplattform für den Neubau des Waisentunnels, als architektonische Wahrzeichen der Spree – nur eine Wunschvorstellung? Auf die öffentliche Hand warten ist frustrierend. Aber Berlinfreunde, Historiker, Stadtplaner, Medienvertreter, Baufachleute, Radfahrer, Touristen, Architekten, Denkmal-Enthusiasten um Unterstützung für eine Neue Waisenbrücke zu bitten, das wäre eine Aufgabe für uns alle.
Wäre sehr dafür. Leider ist mit der derzeitigen Senatorin nichts zu machen, da diese ausschließlich für die Ausbreitung des Autoverkehrs zu kämpfen scheint. Also: Hoffen auf eine unideologisches Regierung, die auch Berliner außerhalb von Autos unterstützt.