Auf dem Gelände des ehemaligen Postfuhramts an der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte soll seit vielen Jahren ein neues Quartier mit Wohnungen und öffentlichen Nutzungen entstehen. Das rund 14.000 Quadratmeter große Areal soll künftig unter dem Namen „Luisenstadt Mitte“ neu belebt werden, aber auf dem Gelände tut sich seit Jahren gar nichts. Gleichzeitig zeigt das direkt benachbarte Hausprojekt „Köpi 137“, wie komplex die Eigentums- und Entwicklungsstrukturen in der Nördlichen Luisenstadt sind.

Ein Reststück der historischen Fassade des ehemaligen Postfuhramts soll gesichert, eingelagert und später wieder in das neue Quartier integriert werden, obwohl das Gebäude selbst nicht unter Denkmalschutz steht. Geplant ist, das Fassadenelement innerhalb des Areals wieder aufzustellen und das neue Quartier zugleich offener zur Straße hin zu gestalten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierungen: Patzschke & Partner Architekten / KoSP GmbH
Zwischen Köpenicker Straße und Melchiorstraße soll in den kommenden Jahren eines der größeren Entwicklungsprojekte in der Nördlichen Luisenstadt entstehen – so jedenfalls der Plan. Auf dem Gelände des historischen Postfuhramts soll ein neues Quartier mit Wohnungen, Büros, Einzelhandel und Gastronomie errichtet werden. Das rund 14.000 Quadratmeter große Areal gehörte einst zu den wichtigsten Standorten der Berliner Postlogistik.
Das Postfuhramt entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Zeitweise waren hier mehrere hundert Pferde und zahlreiche Postillione stationiert, die den Postverkehr der Hauptstadt organisierten. Mit der Motorisierung änderte sich der Betrieb. Bereits in den 1920er-Jahren kamen elektrische Fahrzeuge zum Einsatz. Bis in die 1990er-Jahre nutzte die Post das Gelände zur Wartung von Fahrzeugen.
Neues Quartier auf Postfuhramt-Gelände: 195 Wohnungen und Kita geplant
Nach dem Ende des Postbetriebs stand das Areal viele Jahre weitgehend leer. Seit 2022 gibt es Pläne, das Gelände zu einem gemischt genutzten Stadtquartier zu entwickeln. Geplant sind demnach rund 195 Wohnungen, ergänzt durch Büros, Einzelhandel, Gastronomie sowie kulturelle Nutzungen; auch eine Kita ist vorgesehen.
Die Wohnungen sollen sich auf mehrere Neubauten verteilen. Gleichzeitig sollen einzelne historische Gebäude erhalten bleiben. Dazu zählt insbesondere die ehemalige Generatorenhalle, die saniert und aufgestockt werden soll. In ihr ist unter anderem ein öffentlich zugänglicher Ausstellungsbereich vorgesehen.
Soweit so gut, doch bislang ist das alles graue Theorie. Am baulichen Zustand auf dem völlig verwitterten Gelände hat sich in den vergangenen Jahren nichts geändert, auch wenn das Architekturbüro Patzschke vor mehr als einem halben Jahrzehnt ansprechende Visualisierungen für die Neubebauung der Brache geliefert hatte.
Bauprojekt „Luisenstadt Mitte“: Patzschke plante neues Quartier am Postfuhramt
Die Planung für das Quartier stammen, um genau zu sein, vom Architekturbüro Patzschke Planungsgesellschaft, während das Landschaftskonzept vom Büro von Bargen entwickelt wurde. Ziel war es, historische Elemente des Standorts mit neuen Nutzungen zu verbinden und das Gelände langfristig wieder stärker in die Stadtstruktur einzubinden.
Obwohl vieles auf dem Gelände unverändert scheint, ist doch einiges passiert, doch auch das ist schon wieder eine ganze Weile her. Viele der früheren Hallen und Remisen wurden zwischen 2021 und 2022 abgerissen. Der Rohbau eines ersten Wohngebäudes steht auch seit vielen Jahren unverändert und wird nicht weitergebaut.
Städtebauliche Brache am Postfuhramt? Wird hier jemals weitergebaut?
Wer allerdings der heutige Eigentümer des Geländes ist und ob es überhaupt konkrete Planungen für einen Baubeginn gibt, ist nur schwierig herauszufinden, die Gemengelage scheint äußerst kompliziert, es finden sich dazu unterschiedliche Informationen.
Der Entwicklungsstandort ist eigentlich Teil eines größeren und komplexen Grundstücksgefüges entlang der Köpenicker Straße. Das eigentliche Bauprojekt „Luisenstadt Mitte“ soll, wenn es denn umgesetzt wird, auf dem Gelände des ehemaligen Postfuhramts an der Adresse Köpenicker Straße 131–132 entstehen. Daran angrenzend liegt dann auch schon das nächste Problemgrundstück.
Köpenicker Straße 133–138: Eigentumsfragen im Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt
Östlich angrenzend liegen weitere Grundstücke mit anderen Eigentumsverhältnissen. Dazu zählen die Flächen an der Köpenicker Straße 133–138, auf denen sich früher unter anderem der Wagenplatz befand. Diese Grundstücke standen seit 2013 im Besitz der Startezia GmbH und waren wiederholt Gegenstand von Eigentums- und Entwicklungsdebatten.
Das gesamte Umfeld gehört zum Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt, das seit 2011 städtebaulich neu geordnet wird. Für viele Grundstücke gelten daher besondere planerische Vorgaben, etwa zu Nutzungen, sozialer Infrastruktur oder öffentlicher Durchwegung.
Das Sanierungsgebiet soll laut einem Bericht der taz jedoch voraussichtlich Anfang 2027 aufgehoben werden, wodurch sich die Rahmenbedingungen für zukünftige Entwicklungen verändern könnten. Ob die weitere Entwicklung des Geländes bewusst verzögert wird, um diese neuen Rahmenbedingungen abzuwarten, darüber kann nur spekuliert werden.
Köpi 137 in Berlin-Mitte: Hausprojekt mit Verträgen bis 2037 bleibt bestehen
Ein Sonderfall innerhalb dieses Areals ist das linksalternative Hausprojekt „Köpi 137“. Das Gebäude liegt auf einem eigenen Grundstück an der Köpenicker Straße. Die Bewohnerinnen und Bewohner verfügen über gültige Miet- und Nutzungsverträge bis zum Jahr 2037. Eine Räumungsklage gegen das Projekt wurde zuletzt vor Gericht abgewiesen. Damit bleibt das Hausprojekt vorerst bestehen.
Mit der Umgestaltung des ehemaligen Postfuhramts könnte eines der größeren Bauprojekte im Gebiet realisiert werden. Gleichzeitig zeigt die Situation rund um die Köpenicker Straße, wie unterschiedlich Eigentumsverhältnisse und Nutzungen auf engem Raum sein können — zwischen Neubauquartier, historischen Gebäuden und alternativen Wohnprojekten.
Bislang jedenfalls sieht es ganz stark danach aus, als würde sich an der Köpenicker Straße in Berlin-Mitte auch in den kommenden Jahren einer der populärsten und bekanntesten Lost Places der Hauptstadt befinden.
Quellen: Luisenstadt-Mitte, taz, Bürgerverein-Luisenstadt, KoSP GmbH, rbb24, Berliner Morgenpost, Wikipedia
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