Seit mehr als zwei Jahrzehnten verfällt das ehemalige Chemiewerk in Rüdersdorf. Nun zeigt das Büro Max Dudler eine neue Perspektive für die große Industriebrache vor den Toren Berlins. Dabei sollen Teile der markanten Fabrik erhalten bleiben.

Fabrikbauten und Schornsteine erinnern an die industrielle Vergangenheit des Chemiewerks Rüdersdorf. Welche Bestandsgebäude bei einer möglichen Entwicklung tatsächlich erhalten bleiben, ist bislang nicht abschließend bekannt. / © Foto: Wikimedia Commons, SeargeantSnack, CC BY-SA 4.0
© Titelbild: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0
Das ehemalige Chemiewerk in Rüdersdorf ist Industriedenkmal, Lost Place und international bekannte Filmkulisse zugleich. Doch seit dem Ende der Produktion um die Jahrtausendwende wartet das weitläufige Gelände auf eine dauerhafte neue Nutzung. Nun hat das Architekturbüro Max Dudler eine Studie für ein Wohnquartier vorgestellt, die den vorhandenen Bestand nicht einfach beseitigen, sondern zum Ausgangspunkt einer neuen Bebauung machen will.
- Ort: Rüdersdorf bei Berlin
- Adresse: Gutenbergstraße, 15562 Rüdersdorf bei Berlin
- Projekt: Umwandlung des ehemaligen Chemiewerks in ein Wohnquartier
- Planung: Max Dudler
- Projektstatus: städtebauliche Studie
Das rund 13,5 Hektar große Gelände liegt am Wasser und grenzt unmittelbar an den Museumspark Rüdersdorf. Max Dudler schlägt eine dichte neue Bebauung vor, die sich entlang einer zentralen Erschließungsachse entwickelt. Wesentliche Teile der vorhandenen Industriearchitektur sollen dabei integriert werden. Diagonal verlaufende Wege sollen zugleich Sichtachsen zum Wasser schaffen.

Jahrzehntelanger Leerstand ist an den Gebäuden des ehemaligen Chemiewerks Rüdersdorf deutlich sichtbar. Die von Max Dudler vorgestellte Studie sieht vor, wesentliche bestehende Strukturen in die weitere Entwicklung einzubeziehen. / © Foto: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0
Chemiewerk Rüdersdorf: Alte Fabrikstrukturen sollen Teil des Quartiers werden
Wie viele Wohnungen entstehen könnten, welche weiteren Nutzungen vorgesehen sind und welche Bestandsbauten konkret erhalten bleiben sollen, geht aus der bislang veröffentlichten Projektbeschreibung nicht hervor. Auch ein verbindlicher Zeitplan ist derzeit nicht bekannt.
Das geplante Energiekonzept spielt in der Studie jedoch bereits eine wichtige Rolle. Wärme soll nach Angaben des Architekturbüros durch eine Flusswärmepumpe in Verbindung mit Geothermie erzeugt werden. Strom für die Pumpen sollen Photovoltaikanlagen auf den Dächern liefern.
Der Ansatz, große aufgegebene Areale zu neuen Stadtquartieren umzubauen und dabei Teile des Bestands zu erhalten, findet sich auch an anderen Orten der Hauptstadtregion. In den Beelitz-Heilstätten wächst seit Jahren ein neues Quartier zwischen historischen Klinikbauten. In Potsdam-Krampnitz werden frühere Kasernenbauten in einen neuen Stadtteil integriert. Auch beim ehemaligen Kabelwerk Köpenick ist die Umwandlung einer großen Industriebrache in ein gemischtes Quartier vorgesehen.

Auf dem Gelände des Neubauprojekts CÖPIUS in Köpenick stehen noch Teile der alten Backsteinbebauung, während erste Rückbauarbeiten in der Friedrichshagener Straße begonnen haben. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Vom Chemiewerk zur Filmkulisse: Rüdersdorfs Industriegeschichte bleibt sichtbar
Die Geschichte des Standorts in Rüdersdorf reicht weit zurück. Große Teile der heute erhaltenen Bausubstanz entstanden zwischen 1940 und 1942. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden technische Anlagen demontiert. Ab 1950 produzierte der Standort zunächst Glühphosphat, später Calcium-Natrium-Phosphat für die Tierhaltung. Das Werk gehörte schließlich zum VEB Chemiewerk Coswig und zum Kombinat Agrochemie Piesteritz.
Nach der Stilllegung entwickelte sich das Gelände zu einer gefragten Filmkulisse. Unter anderem entstanden hier Szenen für „Enemy at the Gates“, „The Monuments Men“, „Inglourious Basterds“, „Die Tribute von Panem“ und die Serie „Homeland“. Für die Netflix-Serie „Dark“ stellte die Industriebrache ein zerstörtes Atomkraftwerk dar.

Große Hallen prägen bis heute das ehemalige Chemiewerk Rüdersdorf. Die aufgegebene Industrieanlage soll nach einer Studie von Max Dudler teilweise in ein neues Wohnquartier integriert werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Gunnar Klack, CC BY-SA 4.0
Schon 2022 beschäftigte sich ein Wettbewerb mit dem Chemiewerk Rüdersdorf
Die Frage nach einer Umnutzung ist allerdings nicht neu. Der AIV-Schinkel-Wettbewerb 2022 stellte das ehemalige Beton- und Chemiewerk unter dem Titel „Ressource Rüdersdorf – neu aufgemischt“ in den Mittelpunkt. Die eingereichten Arbeiten untersuchten sehr unterschiedliche Formen des Weiterbauens, der Wiederverwendung und des Umgangs mit den vorhandenen Ressourcen. Eine der ausgezeichneten Arbeiten schlug sogar vor, die Mischhalle bis auf ihr Stahlbetongerüst zurückzubauen und große Teile der Anlage der Natur zu überlassen.
Die neue Studie von Max Dudler setzt dagegen klar auf Wohnen und eine dichte bauliche Entwicklung. Wie konkret daraus ein neues Quartier werden kann, bleibt derzeit jedoch offen. Damit steht vorerst vor allem eine neue städtebauliche Idee für eine der markantesten Industriebrachen im Berliner Umland im Raum.
Chemiewerk Rüdersdorf: Studie für neues Wohnquartier
Quellen: Max Dudler, Gemeinde Rüdersdorf bei Berlin, Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin-Brandenburg, Museumspark Rüdersdorf
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