Die ehemalige DDR-Kaserne Hessenwinkel ist einer der markantesten Lost Places im Berliner Osten. Dort plant die landeseigene STADT UND LAND ein Wohnquartier mit rund 450 Wohnungen, einer Kita, Grünflächen und einer Quartiersgarage.

Durch offene Fenster sind blaue Wandfliesen in einem verfallenen Gebäude der DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin-Rahnsdorf zu sehen.

Alte blaue Wandfliesen sind in einem geöffneten Raum der Kaserne Hessenwinkel noch erhalten. Fenster und Teile der Innenausstattung fehlen bereits. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT

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Mitten zwischen hohen Bäumen stehen graue Plattenbauten, deren Fenster seit Jahren zerstört sind. Feuchtigkeit dringt in die Gebäude ein, Pflanzen wachsen bis in die früheren Räume. Die Kaserne Hessenwinkel gehört zu den markantesten Lost Places im Osten von Berlin. Doch die Tage der verlassenen DDR-Anlage sind gezählt: Auf einem großen Teil des Geländes soll ein neues Wohnquartier entstehen.

  • Bezirk: Treptow-Köpenick
  • Adresse: Fürstenwalder Allee 356 und Fahlenbergstraße 1–11, 12589 Berlin
  • Wohnungen: rund 450
  • Weitere Nutzungen: Kita, Quartiersgarage, öffentliche Grün- und Aufenthaltsfläche sowie weitere Frei- und Ausgleichsflächen
  • Baubeginn: etwa 2030
Ein besprühter Bauzaun steht vor einem überwucherten Gebäude der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin.

Eine mit Graffiti bedeckte Absperrung trennt den Weg von den verlassenen Kasernengebäuden. Das Gelände gehört zu den markanten Lost Places im Berliner Osten. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Vor Ort wirkt die Anlage weitgehend von ihrer Umgebung abgeschirmt. Hinter Zäunen und dichtem Bewuchs stehen mehrgeschossige Unterkunftsgebäude sowie flachere Funktionsbauten. Fassadenplatten sind beschädigt, Scheiben sind zersplittert, Fenster fehlen und in früheren Innenräumen lösen sich Putz und Farbe von den Wänden. Einzelne Zimmer lassen sich noch an alten Fliesen und Fensterrahmen erkennen. Zugleich hat sich die Vegetation große Teile des Geländes zurückgeholt.

Von der Fürstenwalder Allee aus liegt der Lost Place direkt hinter der Baustelle für den Neubau der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmshagen. Beide Projekte nutzen Flächen des früheren Kasernenstandorts, gehören planungsrechtlich jedoch nicht zusammen. Der Feuerwehr-Neubau begann nach Verzögerungen im März 2026 und soll nach aktuellem Stand im dritten Quartal 2027 übergeben werden.

Vor den verlassenen Gebäuden der DDR-Kaserne Hessenwinkel stehen Betonstützen für den Neubau der Feuerwehr Wilhelmshagen in Berlin-Rahnsdorf.

Neue Betonstützen markieren die Baustelle der Freiwilligen Feuerwehr Wilhelmshagen. Dahinter stehen die verfallenen Gebäude der Kaserne Hessenwinkel. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Kaserne Hessenwinkel: DDR-Geschichte zwischen Wald und Fürstenwalder Allee

Die militärische Nutzung des Standorts begann bereits vor dem Bau der heute sichtbaren Gebäude. Zwischen 1952 und 1962 nutzte eine Reserveabteilung der Volkspolizei das Gelände. Anschließend übernahm das Grenzausbildungsregiment 39 den Standort. Die dort ausgebildeten Soldaten bereitete die DDR unter anderem auf den Dienst an der Berliner Mauer vor. Ab 1970 trug die Anlage den Namen „Ho-Chi-Minh-Kaserne“.

Die später errichteten Massivbauten ersetzten ältere Baracken. Zum Standort gehörten Unterkunftsgebäude, Ausbildungs- und Verwaltungsräume sowie weitere militärische Einrichtungen. Die heutige Bebauung vermittelt noch immer die abgeschlossene Struktur eines Kasernenareals: große Baukörper, breite Freiflächen und funktional angeordnete Nebengebäude liegen hinter der dichten Waldkante entlang der Fürstenwalder Allee.

Ein verlassener Plattenbau der DDR-Kaserne Hessenwinkel steht zwischen dichtem Wald und Sträuchern in Berlin-Rahnsdorf.

Zwischen Birken, Kiefern und dichtem Unterholz steht ein lang gestreckter Bau der Kaserne Hessenwinkel. Die Bestandsgebäude sollen nach aktueller Planung Neubauten weichen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Hessenwinkel: Ehemalige DDR-Kaserne steht seit 2000 leer

Nach dem Ende der DDR endete auch die militärische Nutzung. Ab 1991 dienten Teile der ehemaligen Kaserne zeitweise der Unterbringung von Asylsuchenden und Russlanddeutschen. Seit dem Jahr 2000 steht das Grundstück leer. Mehrere Versuche, eine neue Nutzung oder private Investoren für den Standort zu finden, blieben ohne nachhaltiges Ergebnis. 2019 übertrug das Land den überwiegenden Teil der Fläche an die landeseigene STADT UND LAND.

Der lange Leerstand prägt den Lost Place heute deutlich. Regenwasser gelangte über beschädigte oder fehlende Leitungen in die Gebäude. Nach Angaben von STADT UND LAND korrodiert deshalb bereits die Stahlbewehrung des Betons. Hinzu kommen schadstoffbelastete Bauteile. Die Wohnungsbaugesellschaft ließ prüfen, ob sich die Kasernengebäude erhalten und umbauen lassen, kam jedoch zu dem Ergebnis, dass Abriss und Neubau wirtschaftlich sinnvoller seien.

Die Aufnahme zeigt einen mehrgeschossigen Plattenbau der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel hinter Bäumen und Erdhaufen im Berliner Osten.

Hinter Erdwällen und alten Bäumen stehen die verlassenen Plattenbauten der DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin-Rahnsdorf. Auf dem Lost Place soll künftig ein Wohnquartier entstehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Warum die Gebäude der DDR-Kaserne nicht erhalten bleiben sollen

Neben dem baulichen Zustand erschwert auch die innere Organisation der Gebäude eine Umnutzung. Die ehemaligen Unterkünfte besitzen lange Mittelgänge, von denen zahlreiche kleine Räume abgehen. Diese Struktur eignete sich für Schlaf- und Unterkunftsräume, passt nach Einschätzung der STADT UND LAND jedoch kaum zu einem vielfältigen Angebot aus Ein- bis Fünfzimmerwohnungen. Ein Umbau würde vor allem kleine Wohnungen ermöglichen und zugleich umfangreiche Eingriffe in die vorhandene Konstruktion verlangen. Deshalb entschied man sich für einen Abriss.

Die politische Grundlage für den Wohnungsbau reicht bis 2018 zurück. Damals sprach sich die Bezirksverordnetenversammlung Treptow-Köpenick dafür aus, auf dem Gelände bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. STADT UND LAND beantragte im Oktober 2024 die Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Das Bezirksamt fasste den formalen Einleitungsbeschluss am 17. Dezember 2024. Auch der Stadtentwicklungsplan Wohnen 2040 führt den Standort als langfristiges Wohnungsneubaugebiet mit einem Potenzial zwischen 200 und 499 Wohnungen.

Ein offenes Fenster zeigt bröckelnden Putz und beschädigte Wände in einem verlassenen Gebäude der DDR-Kaserne Hessenwinkel in Berlin.

Offene Fenster geben den Blick in einen beschädigten Raum der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel frei. Feuchtigkeit und jahrzehntelanger Leerstand haben deutliche Spuren hinterlassen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Kaserne Hessenwinkel: Neue Planung für rund 450 Wohnungen in Rahnsdorf

Das aktuelle Konzept sieht rund 450 Wohnungen im Geschosswohnungsbau auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne vor. Hinzukommen eine Kita mit 60 Plätzen, eine öffentlich nutzbare Grünfläche, weitere Frei- und Ausgleichsflächen sowie eine Quartiersgarage mit derzeit vorgesehenen 460 Stellplätzen.

Mindestens die Hälfte der neu geschaffenen Wohnfläche muss STADT UND LAND nach ihrer Kooperationsvereinbarung mit dem Land Berlin mietpreis- und belegungsgebunden errichten. Diese Wohnungen richten sich an Haushalte mit Wohnberechtigungsschein.

Für das Wohnquartier nennt der Bezirk derzeit einen möglichen Realisierungsbeginn ab etwa 2030. Einen verbindlichen Baubeginn gibt es noch nicht. Zuvor müssen die Fachgutachten abgeschlossen, die Stellungnahmen abgewogen, der Bebauungsplan ausgearbeitet und der Durchführungsvertrag geschlossen werden. Erst danach kann aus dem Lost Place der ehemaligen DDR-Kaserne Hessenwinkel tatsächlich ein neues Wohnquartier im Osten von Berlin werden.

Kaserne Hessenwinkel

 

Quellen: Bezirksamt Treptow-Köpenick, STADT UND LAND, Schriftliche Anfrage an das Abgeordnetenhaus Berlin, Drucksache 19 / 24 275

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2 Kommentare

  1. a.t. 28. Juli 2026 at 18:25 - Reply

    Schon bemerkenswert, wie wesentlich ältere Wehrmachtskasernen immer wieder erfolgreich nachgenutzt werden und ihre viel viel jüngeren DDR-Counterparts regelmäßig nach langem Leerstand dem Abriss zum Opfer fallen…Zumal erstere noch meist 45 Jahre lang von den Russen in Grund und Boden geritten wurden.
    Scheint eben ein Riesenunterschied zu sein, ob Walmdach (mit Sargdeckel) oder Flachdach bzw. satt Reichsformat oder dünne Betonwand verbaut wurde.

  2. Fritze 2. August 2026 at 22:18 - Reply

    „einer der markantesten Lost Places im Berliner Osten“
    Da gibts mindestens 20 Markantere!
    Frau Rubert kommt defintiv nicht aus dem Berliner Osten oder hat kein Interesse für LostPlaces…

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