Der Los-Angeles-Platz in Charlottenburg ist ein Beispiel dafür, wie städtebauliche Gestaltung Funktionalität, Geschichte und Aufenthaltsqualität verbinden kann. In den 1980er Jahren entstand hier auf einem unterirdischen Parkhaus eine grüne Anlage mit Spielplatz, Rosenbeeten und architektonischen Zitaten, bis heute prägt sie die City-West.

Die Tiefgarage des Los-Angeles-Platzes wurde so angelegt, dass sie weitgehend verborgen bleibt und zugleich vor Vandalismus geschützt ist; sichtbare Elemente wie Fluchttreppen oder Lüftungsschächte wurden bewusst als eigenständige Gestaltungselemente in die Platzarchitektur integriert. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
Zwischen Augsburger Straße, Rankestraße und Marburger Straße liegt der Los-Angeles-Platz, nur wenige Schritte vom Kurfürstendamm entfernt. Heute prägen ihn Rasenflächen, Rosenbeete und Sitzgelegenheiten, die den Platz zu einem beliebten Aufenthaltsort machen. Umrahmt wird die Anlage von Wohn- und Geschäftsbauten sowie dem Hotel DoubleTree, das an der Nordseite den gesamten Platz begrenzt.
Doch das sichtbare Grün ist nur die Oberfläche. Unter dem Platz befindet sich eine Tiefgarage, die über Rampen von Rankestraße und Marburger Straße erschlossen wird. Damit verbindet der Ort seit seiner Eröffnung 1982 städtische Infrastruktur mit Aufenthaltsqualität – ein Konzept, das in Berlin selten in dieser Form realisiert wurde.
Postmoderne Platzgestaltung: Wettbewerb von 1978 prägt Architektur und Freiraum am Los-Angeles-Platz

Ein quadratischer Pergolengang mit Rasenfläche im Osten des Los-Angeles-Platzes erinnert an die Architektur mittelalterlicher Kreuzgänge und zeigt, wie historische Vorbilder postmodern neu interpretiert wurden. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Die heutige Gestaltung geht auf einen Wettbewerb aus dem Jahr 1978 zurück. Den Zuschlag erhielten die Architekten Urs Müller und Thomas Rhode sowie die Landschaftsarchitektin Hannelore Kossel. Sie entwickelten ein postmodernes Konzept, das historische Motive aufgriff und neu interpretierte. Mit dem Bau des benachbarten Steigenberger Hotels erhielt der Platz seine endgültige Form.
Ihre Gestaltung verband unterschiedliche Elemente: Ein Pergolengang mit Rasenfläche erinnert an einen Kreuzgang, ein „Lustgarten“ mit Wasserbecken und Säuleneichen zitiert italienische Gartenarchitektur. Gleichzeitig bleibt die technische Ausstattung der Tiefgarage sichtbar, ein Ansatz, der sich an zeitgenössischen Architekturideen wie dem Centre Pompidou in Paris orientierte.
Architektonische Zitate und soziale Nutzung: Spielhaus und Halbrund prägen den Los-Angeles-Platz

Das „Spielhaus“ im Süden des Platzes greift die Grundrisse eines früheren Mietshauses auf und setzt sie als künstliche Ruine in Szene. Markante Rundbögen aus Klinker bilden den Eingang, der heute zu einem Spielbereich für Kinder führt. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Auch die Berliner Baugeschichte wurde in die Gestaltung einbezogen. Im Süden entstand das sogenannte „Spielhaus“, das die Grundrisse eines früheren Mietshauses aufnimmt. Mit niedrigen Klinkermauern und Rundbögen wurde eine künstliche Ruine geschaffen, die heute als Spielfläche für Kinder dient. Historische Bezüge und moderne Nutzung verschmelzen hier zu einem besonderen architektonischen Detail.
Am westlichen Rand ergänzt ein barock anmutendes Halbrund die Anlage. Von einer halbkreisförmigen Fläche führen Wege strahlenförmig in die Grünanlage, die für kleine Veranstaltungen gedacht war. Damit erhielt der Platz nicht nur Aufenthaltsqualität, sondern auch Raum für soziale und kulturelle Nutzung.
Vom zerstörten Wohnquartier zum privaten Grünraum: Die wechselvolle Geschichte des Los-Angeles-Platzes

Der Spielplatz am Los-Angeles-Platz ist ungewöhnlich gestaltet: Er besteht aus Backsteinmauern, die Grundrisse eines früheren Mietshauses zitieren und so eine künstliche Ruinenlandschaft bilden. Zwischen den Mauern sind Spielgeräte wie eine Rutsche integriert, wodurch Geschichte und moderne Nutzung auf besondere Weise verschmelzen. Rundbögen, kleine Dächer und Sandflächen machen die Anlage zu einem markanten Ort für Kinder im Kiez. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Ursprünglich war das Gelände von Wohnhäusern geprägt, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurden. Nach dem Krieg nutzte man die Fläche zunächst als Parkplatz für Besucherinnen und Besucher des Kurfürstendamms. Erst der Wettbewerb und die Investitionen der frühen 1980er Jahre verwandelten das Areal in eine öffentliche Grünanlage. 1982 erhielt der Platz seinen heutigen Namen nach der Berliner Partnerstadt Los Angeles.
In den 1990er Jahren wurde der Platz privatisiert, gemeinsam mit der Tiefgarage an die Firma Contipark verkauft. Dies führte zu Protesten, da öffentliche Räume plötzlich eingeschränkt zugänglich waren. Bis heute ist der Platz privat bewirtschaftet, bleibt aber ein zentraler Aufenthaltsort in der City-West.
Los-Angeles-Platz als Denkmal der Postmoderne und grüne Oase in Charlottenburg

Der Los-Angeles-Platz in Charlottenburg zeigt sich heute als begrünte Anlage mit Rasenflächen, Blumenbeeten und Sitzbänken, die von gepflasterten Wegen durchzogen werden. Das Ensemble verbindet urbane Architektur mit einem ruhigen Ort der Erholung mitten in der City-West. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Seit einigen Jahren steht der Los-Angeles-Platz unter Denkmalschutz. Er gilt als beispielhaft für die postmoderne Stadtgestaltung, die in den 1980er Jahren eine Kombination aus historischen Zitaten, moderner Architektur und funktionaler Infrastruktur wagte. Besonders die Einbindung von Grünflächen über einer Tiefgarage verleiht dem Ort eine besondere städtebauliche Qualität.
Heute verbindet der Platz Denkmalschutz und Alltagsnutzung. Während Rosenbeete, Spielbereiche und Bänke für Anwohnende und Gäste ein Ort der Erholung sind, bleibt er zugleich ein architektonisches Zeugnis seiner Zeit. Damit ist der Los-Angeles-Platz nicht nur eine grüne Insel in Charlottenburg, sondern auch ein Kapitel Berliner Stadtentwicklungsgeschichte.
Quellen: Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, Landesdenkmalamt Berlin, Wikipedia
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.



