London verändert eine seiner bekanntesten Adressen grundlegend: Auf einem großen Abschnitt der Oxford Street verschwindet der Verkehr. Busse, Taxis und Fahrräder müssen künftig andere Wege nehmen. Das Projekt erinnert an mehrere Debatten, die auch Berlin seit Jahren beschäftigen.

Friedrichstraße: Frühere Fußgängerzone
Ein Teil der Friedrichstraße war zeitweise Fußgängerzone. Seit Juli 2023 ist der Abschnitt wieder für den Kfz-Verkehr geöffnet; eine erneute Verkehrsberuhigung bleibt Gegenstand der Innenstadtdebatte.
Hackescher Markt: Fußgängerzone in der Diskussion
Eine Fußgängerzone am Hackeschen Markt erhielt im Beteiligungsverfahren zum verkehrlichen Innenstadtkonzept besonders viel Unterstützung.
Tauentzienstraße: Einkaufsstraße der City West
Für die stark besuchte Einkaufsstraße zwischen Breitscheidplatz und Wittenbergplatz wurde bereits eine zeitweise Fußgängerzone diskutiert. Eine Umsetzung nach Londoner Vorbild ist derzeit nicht beschlossen.

 

© Titelbild: Wikimedia Commons, Leonhard Lenz, CC0

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London macht aus einem Teil der Oxford Street eine Fußgängerzone. Ab Ende Oktober gehört fast ein Kilometer der berühmten Einkaufsstraße weitgehend den Menschen zu Fuß. Für Berlin ist das interessant: Auch hier gibt es Einkaufsstraßen und Innenstadtbereiche, bei denen eine Neuverteilung des Straßenraums bereits konkret diskutiert wurde. Kann London für Berlin zum Vorbild werden?

  • Ort: Oxford Street, City of Westminster, London
  • Abschnitt: Orchard Street bis Great Portland Street
  • Projektstatus: Umsetzung der ersten verkehrsfreien Phase
  • Start der Fußgängerzone: Oktober 2026
  • Länge: fast ein Kilometer

Ab Montag, 26. Oktober 2026, wird die Oxford Street zwischen Orchard Street und Great Portland Street vollständig vom regulären Verkehr befreit. Die Vorbereitungen laufen bereits. Busse verschwinden ab dem Abend des 25. Oktober aus dem Abschnitt. Auch Taxis, Fahrräder, E-Bikes, E-Scooter und Pedicabs dürfen die neue Fußgängerzone nicht nutzen. Mobilitätsscooter bleiben dagegen zugelassen.

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Oxford Street: London verlagert Busse und Taxis in die Nebenstraßen

Damit entsteht zunächst noch nicht die endgültige Gestaltung. Die Oxford Street Development Corporation bezeichnet die erste Phase ausdrücklich als Übergang. Neue Sitz- und Ruhebereiche, Bäume und eine bessere Orientierung sollen schrittweise folgen. Erfahrungen von Anwohnern, Unternehmen, Beschäftigten und Gruppen, die sich mit Barrierefreiheit befassen, sollen in die weitere Planung einfließen. Bis Ende Frühjahr 2027 soll daraus ein weiterentwickeltes Übergangskonzept entstehen.

Bemerkenswert ist die Konsequenz des Londoner Ansatzes. Nicht nur private Autos verschwinden. Auch Busse und Taxis müssen ausweichen. Neue Bushaltestellen entstehen auf den Umwegen, Taxistände sollen höchstens rund 100 Meter vom verkehrsfreien Bereich entfernt liegen. Für den Lieferverkehr bleiben besondere Zeitfenster vorgesehen.

Eine Visualisierung zeigt die geplante autofreie Oxford Street in London aus der Vogelperspektive mit breiten Flächen für Fußgänger und mehreren begrünten Bereichen.

So soll sich die Oxford Street verändern: Die Visualisierung zeigt den Straßenraum nach der geplanten Umgestaltung zur Fußgängerzone. Ab dem 26. Oktober 2026 soll ein knapp einen Kilometer langer Abschnitt für den regulären Fahrzeugverkehr gesperrt werden. / © Visualisierung: OSDC Press Office

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Autofreie Einkaufsstraße bleibt auch in London umstritten

Die Entscheidung blieb dennoch umstritten. Der Westminster City Council äußerte Bedenken zu Erreichbarkeit, Busverbindungen und möglichen Auswirkungen auf die umliegenden Straßen. Eine rechtliche Prüfung kam nach Angaben des Councils allerdings zu dem Ergebnis, dass eine gerichtliche Überprüfung voraussichtlich keine Aussicht auf Erfolg hätte.

Eine direkte Blaupause für Berlin ist die Oxford Street nicht. Einen naheliegenden Vergleich bietet aber die Friedrichstraße in Berlin-Mitte. Ein rund 500 Meter langer Abschnitt zwischen Französischer Straße und Leipziger Straße war zeitweise autofrei. Seit Juli 2023 fährt dort wieder der Kfz-Verkehr. Die Debatte ist trotzdem nicht beendet.

Fußgängerzone in der Friedrichstraße von vielen gewollt

Im Beteiligungsverfahren für das verkehrliche Innenstadtkonzept gehörte eine Fußgängerzone in der Friedrichstraße zu den besonders häufig unterstützten Vorschlägen. Noch mehr Zustimmung erhielt eine Fußgängerzone am Hackeschen Markt; ebenfalls genannt wurden eine autofreie Spandauer Straße und eine Umgestaltung der Leipziger Straße.

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Noch näher am Charakter der Londoner Einkaufsstraße liegt die Tauentzienstraße zwischen Breitscheidplatz und Wittenbergplatz. Der rund 600 Meter lange Straßenzug gehört zu den zentralen Einkaufsachsen der City West und verbindet KaDeWe, Europa-Center und Kurfürstendamm. Das Bezirksamt bezeichnet die Tauentzienstraße als Geschäftsstraße mit besonders hoher Fußgängerfrequenz.

Tauentzienstraße: Berlins stärkster Vergleich zur Oxford Street

Eine zeitweise Fußgängerzone wurde dort bereits 2020 politisch diskutiert. Aktuell gibt es dafür jedoch keinen beschlossenen Umbau nach Londoner Vorbild. Zudem zeigt die laufende Planung rund um den Breitscheidplatz, wie viele Funktionen berücksichtigt werden müssten: Die Tauentzienstraße übernimmt weiterhin eine wichtige Verkehrsfunktion, gleichzeitig laufen dort Arbeiten für den dauerhaften Zufahrtsschutz des Breitscheidplatzes.

London liefert deshalb vor allem einen aktuellen Vergleich dafür, wie eine große Einkaufsstraße schrittweise getestet werden kann. Für Berlin wären insbesondere Friedrichstraße, Hackescher Markt und Tauentzienstraße naheliegende Untersuchungsräume. In den Bezirken Mitte und in Charlottenburg-Wilmersdorf dürfte die Frage nach mehr Raum für Fußgänger daher auch künftig Teil der Stadtentwicklungsdebatte bleiben.

 

Quellen: Transport for London, Oxford Street Development Corporation, Westminster City Council, meinBerlin

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5 Kommentare

  1. Ewald Karl 30. September 2026 at 16:47 - Reply

    Danke, dass Ihr rechtzeitig vor der Bildung eines neuen Senats in Erinnerung ruft, dass nach dreieinhalb verlorenen Jahren jetzt wieder zukunftsfähige Stadtentwicklung nötig ist.
    Insbesondere die Umwidmung des Hackeschen Marktes und der Spandauer Straße im Zuge der Neugestaltung des Rathausforums sollten jetzt zügig angegangen werden. Und die Tram-Planung kann auch wieder starten.

  2. Löwe 30. September 2026 at 23:44 - Reply

    Verkehrstechnisch wird Berlin leider immer noch von Entscheidungen die das Auto bevorzugen regiert, zum Nachteil einer großen Mehrheit.

  3. Berlinerin 1. Oktober 2026 at 00:04 - Reply

    Tauentzien und Kudamm (mindestens von Wittenbergplatz bis Joachimsthaler Straße, wenn nicht sogar bis zum Cinema Paris) sollten auf jeden Fall zur Fußgängerzone werden, inklusiver begrünter Tramgleise, um auch die Busse zu entfernen. Da ist Fußverkehr eh schon dominierend. Das Gleiche gilt für den ganzen Breitscheidtplatz und auch den Hardenbergplatz, wenn man irgendwie den Bus- und Taxiverkehr zum Zoo mit einbauen kann. Auch große Teile der Kantstraße, vor allem zwischen Savignyplatz und Wilmersdorfer Straße bieten sich an. Wenn man das klug einrichtet, hat man einen ansprechenden zusammenhängenden Einzelhandelbereich, der eine klassische Einkaufs-Altstadt wie zB in Wien emuliert. Absoluter No-Brainer bei dem schon existierenden Fußverkehr dort, ein effektives Mittel gegen gefährliche Raser, eine Aufwertung der westlichen Innenstadt und nicht einmal sehr teuer.

    Andere Gebiete in der Stadt würden sich vom bestehenden Publikumsverkehr sicherlich auch anbieten, wie etwa das Scheunenviertel, die Steglitzer Schloßstraße und gewisse Gebiete rund um die Oberbaumbrücke, aber nirgendwo wäre ein großes Fußgängergebiet so intuitiv möglich wie rund um den Bahnhof Zoo, denke ich. Friedrichstraße, Unter den Linden, Gendarmenmarkt und Museuminsel wären als touristisches Zentrum auch keine schlechte Idee, aber dort müsste noch Einiges geschehen, um das Verweilen angenehmer zu machen.

    • Löwe 1. Oktober 2026 at 06:32 - Reply

      ✅

  4. 41er 1. Oktober 2026 at 15:13 - Reply

    Spontan fielen mir auch die Schloßstraße in Steglitz (da sind sowieso überwiegend Fußgänger unterwegs und sie ist über die Seitenstraßen sehr gut mit dem Auto zu erreichen, da sind auch die Parkhäuser), Unter den Linden (ggf. nur für Busse und Taxen, der Autoverkehr dort spielt sowieso kaum noch eine Rolle), Bergmannstraße mal endgültig autofrei machen, einen Teil vom Alexanderplatz. Adalbert / Oranienstraße, Winterfeldplatz (die Begegnungszone in der Maaßenstraße ist zwar nett aber da könnte man die Autos auch aussperren, an das Tempolimit hält sich eh niemand), den ganzen Akazienkiez, Sprengelkiez…
    Im Ostteil der Stadt gibt es bestimmt weitere Bereiche.

    Ein pragmatischer Ansatz wäre auch mehr Wohngebiete vom Autoverkehr zu befreien und auf Kiezparkhäuser zu setzen. Zugang mit dem Auto in den Kiez zeitlich beschränkt und für mobilitätseingeschränkte Personen natürlich weiterhin möglich… Könnte man alles machen, in einer CDU Welt ist das vermutlich viel zu radikal und freiheitseinschränkend, obwohl man gleichzeitig viel mehr Freiheit für alle anderen schaffen würde…

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