Seit Jahren steht der Steglitzer Kreisel weitgehend ungenutzt an der Schloßstraße, doch nun rückt ein möglicher Rückkauf durch das Land Berlin wieder in den Fokus, wenn auch nicht zu jedem Preis. Während Finanzsenator Stefan Evers Skepsis äußert, diskutiert die Politik über wirtschaftliche Risiken, bestehende Käuferrechte und mögliche künftige Nutzungen des Rohbaus.

Der ursprünglich für Ende 2024 geplante Wohnturm sollte mit 120 Metern Höhe rund 330 Eigentumswohnungen sowie Einzelhandelsflächen im Sockelbau bieten und zu einem neuen Wahrzeichen im Berliner Südwesten werden. Doch die Realität sieht anders aus. / © Foto: IMAGO / Frank Sorge
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© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Die Zukunft des Hochhauses am Steglitzer Kreisel bleibt ungewiss. Nachdem Berichte über ein mögliches Kaufinteresse des Landes Berlin kursierten, stellte sich heraus, dass bislang keine offiziellen Gespräche geführt werden. Finanzsenator Stefan Evers betonte laut Tagesspiegel im Abgeordnetenhaus, landeseigene Wohnungsunternehmen müssten zwar Chancen prüfen, äußerte jedoch Zweifel an der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit eines Rückkaufs.
Gleichzeitig vermeldete die Adler Group, Eigentümerin des Rohbaus, Optimismus über angeblich positive Signale aus der Politik. Die Pressestelle des Regierenden Bürgermeisters präzisierte jedoch später, man führe lediglich unverbindliche Gespräche und prüfe Optionen, darunter auch einen Rückkauf, jedoch ohne jede Zusage.
Möglicher Rückkauf des Steglitzer Kreisel? Es drohen hohe Kosten und Millionenrisiken
Ein Rückkauf des Hochhauses könnte teuer werden. Branchenkenner gehen von einem hohen zweistelligen Millionenbetrag allein für den Ankauf aus. Hinzu kämen weitere Kosten für Planung, Genehmigungen, mögliche Bauschäden und den kompletten Innenausbau. Der Kreisel steht seit Jahren im Rohbau, nachdem die Adler Group den Umbau zu 330 Eigentumswohnungen angekündigt, aber nie umgesetzt hatte.
Zusätzlich erschweren laufende rechtliche Konflikte eine mögliche Übernahme. Nach Angaben eines Adler-Anwalts bestehen noch Verträge oder Ansprüche von insgesamt 23 Käuferinnen und Käufern, darunter der Berliner André Gaufer, der seit Jahren für sein zugesichertes Wohnungseigentum kämpft, wie msn mitteilt. Das Landgericht bestätigte mehrfach seine Ansprüche und verhängte zuletzt ein Zwangsgeld von 10.000 Euro gegen die Adler Group, da die erforderliche Grundstücksteilung nicht vorgenommen wurde.
Jahrzehnte voller Kosten, Sanierungen und Eigentümerwechsel prägen den Steglitzer Kreisel
Der Steglitzer Kreisel hat bereits eine lange und teure Vergangenheit. Anfang der 1990er-Jahre kaufte der Bezirk Steglitz den Turm für rund 67 Millionen D-Mark und nutzte ihn als Verwaltungsstandort. Zwischen 2012 und 2017 folgte eine umfangreiche Schadstoffsanierung für 18,5 Millionen Euro. 2017 wurde das Gebäude für 21 Millionen Euro an die CG Gruppe verkauft; später ging es an Adler über.
Trotz mehrfacher Eigentümerwechsel blieb die Nutzung des Turms ungeklärt. Jahrelanger Leerstand, gescheiterte Umbaupläne und unvollendete Arbeiten prägen das Bild eines Bauwerks, dessen Potenzial bislang ungenutzt blieb und dessen Zustand weiter Kosten verursachen dürfte.
Mögliche Nutzungsperspektiven an der Schloßstraße: Von Wohnprojekten bis Verwaltungsflächen
Sollte Berlin das Hochhaus tatsächlich zurückkaufen, stellt sich die Frage nach der künftigen Nutzung. Möglich wäre weiterhin der ursprünglich geplante Wohnungsbau, allerdings nur bei tragfähiger Wirtschaftlichkeit. Realistisch erscheint auch eine Mischnutzung aus Wohnen, Verwaltung, Gewerbe und öffentlichen Einrichtungen, vergleichbar mit anderen städtischen Hochhausstandorten.
Diskutiert werden zudem soziale Nutzungen wie studentisches Wohnen, Pflegewohnen oder modulare Unterbringung, die sich in bestehenden Strukturen oft leichter umsetzen lassen. Alternativ könnte ein vollständiger Neubau des Innenlebens möglich werden, sofern das Tragwerk dies zulässt. Hier gibt es einen Überblick über mögliche Nutzungsformen des Steglitzer Kreisel.
Ob das Land Berlin den Steglitzer Kreisel übernimmt, bleibt offen. Während Bürgermeister Wegner von einer „vernünftigen und finanzierbaren Lösung“ spricht, betont die Finanzverwaltung die Notwendigkeit strenger Wirtschaftlichkeitsprüfungen. Dabei ist klar, ohne ein finanzielles und konzeptionelles Fundament bleibt der Turm im Herzen Steglitz ein ungelöstes Problem und eine der sichtbarsten Bauruinen der Hauptstadt.
Quellen: Tagesspiegel, msn, rbb24, zeitistknapp.de, Adler Group, CG Gruppe, Bündnis 90/Die Grünen, Berliner Morgenpost
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3 Kommentare
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In den letzten Jahren gab es so viele Langzeit Baustellen das ich mich frage warum es dafür keine Vertragsklausel gibt um z.B. bei 12 Monaten Baupause das Land Optionen gewährt werden welche die Fertigstellung regeln.
Die Idee ist absurd – und das Wegner so etwas überhaupt erwägt, zeigt, dass der Mann es einfach nicht kann (und er kann es einfach nicht)! Weshalb ist die Idee absurd? Das Gebäude ist mal als Gebäude – nach Sanierung – verkauft worden. Jetzt steht dort ein Gerippe. Wenn die Stadt es kaufen wollte, dann allenfalls für einen symbolischen Euro! Die Fertigstellung des Gebäudes mit welchem Verwendungszweck auch immer wird Millionen kosten. Die Adler Group hatte ein funktionsfähiges Gebäude übernommen – und will jetzt ein Mehrfaches des seinerzeit geleisteten Kaufpreises für eine Ruine!!! Grotesk!!!
Und wieder – wie schon bei der Erwägung, die ZLB an den Alexanderplatz ziehen zu lassen, um einer Tochter der Commerzbank wirtschaftlich auf Kosten des Steuerzahlers aus der Patsche zu helfen – soll der Steuerzahler einen Konzern retten!
Ich würde ja mal die Zwangsenteignung des Gebäudeensembles erwägen!
Man erinnere sich an die Skandale in den 70ern als der Senat schon einmal bei der ersten großen Pleite die Steuerkohle in Größenordnung im Rahmen seiner Bürgschaft reinpumpen mußte…oder die Asbestparty in den 90ern.
Wie auch immer, hast du Sch…e am Hacken, hast du Sch…e am Hacken. Das Teil zieht Skandale von jeher nahezu magisch an. Mal davon abgesehen, dass hier schon immer eine Diskussion über die Unpassenheit eines Hochhauses par excellence geführt werden könnte, ist diese Krücke so was wie ein städtebaulicher Dämon. Hätte Steglitz nicht wie so viele andere Brandenburger Städte und Gemeinden dieses Schicksal der Eingemeindung nach Berlin ereilt, wäre wahrscheinlich niemand darauf gekommen, hier solch einen Albtraum hinzustellen.