In Berlin-Kaulsdorf ist ein Wohnprojekt entstanden, das serielle Bauweise, flexible Grundrisse und gemeinschaftliches Wohnen miteinander verbindet. Das Architekturbüro FAR frohn&rojas hat mit „Lion Feuchtwanger 61“ ein Modell für urbane Nachverdichtung im Osten der Stadt realisiert, trotz schwieriger Ausgangslage.
Das neue Wohnprojekt Lion Feuchtwanger 61 mit markanter Fassade und bodentiefen Fenstern.

Das neue Wohnprojekt „Lion Feuchtwanger 61“ befindet sich in Berlin-Kaulsdorf. Auffallend ist die markante Fassade mit gestaffelten Laubengängen, deren Vorsprünge sich regelmäßig über die Geschosse hinweg wiederholen. Die Konstruktion besteht aus Sichtbeton, bodentiefen Fenstern und filigranen Edelstahlgittern. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT

 

ANZEIGE

Inmitten der Großwohnsiedlung Kaulsdorf-Nord im Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist ein architektonisch eigenständiger Wohnkomplex entstanden. An der Lion-Feuchtwanger-Straße, zwischen dem Wuhletal und dem Clara-Zetkin-Platz, wurde auf einem rund 3.300 Quadratmeter großen Grundstück das Projekt „Lion Feuchtwanger 61“ realisiert. Das Berliner Architekturbüro FAR frohn&rojas entwickelte dafür ein seriell gefertigtes Wohnensemble, das sich bewusst von der umgebenden DDR-Architektur absetzt und deren Prinzipien gleichzeitig weiterdenkt.

Initiiert wurde das Projekt vom Immobilienentwickler Euroboden, dessen Insolvenz im Jahr 2023 zu Verzögerungen führte. Seit Mai 2025 verwaltet der Immobiliendienstleister BEB+ die Wohnanlage. Diese umfasst insgesamt 124 Mietwohnungen sowie 59 Tiefgaragenstellplätze.

Grünes Plateau als Treffpunkt: Sockelbau mit Mobilitätsangeboten und gestalteten Freiflächen

Das Ensemble besteht aus zwei parallelen, jeweils sechsgeschossigen Baukörpern, die auf einem eingeschossigen Sockel ruhen. Der Abstand zwischen den Riegeln entspricht der Breite einer typischen Straßenflucht aus der Berliner Gründerzeit. Zwischen den Bauten spannt sich ein grünes Plateau auf, das als halböffentlicher Treffpunkt dient. Zudem wurden die Freiflächen vom Berliner Landschaftsarchitekturbüro Topotek 1 gestaltet.

ANZEIGE

Im Sockelgeschoss befinden sich Stellplätze für Fahrräder und PKW, darunter auch Ladepunkte für Elektromobilität. Eine Packstation für die Bewohnerinnen und Bewohner ist ebenfalls vorgesehen. Der Zugang zum Plateau erfolgt über offene, rot akzentuierte Treppenanlagen, die durch filigrane Edelstahlgitter gesichert sind.

Von Studio bis Maisonette: Unterschiedliche Wohnungstypen mit offenem Raumkonzept in Hellersdorf

Die Konstruktion basiert auf einem 1,25-Meter-Raster und verwendet rund 1.900 Betonfertigteile, die zerstörungsarm demontierbar und potenziell wiederverwendbar sind. Diese serielle Bauweise ermöglicht nicht nur eine schnelle Umsetzung, sondern bietet auch ökologische Vorteile. Im Inneren des Wohnkomplexes wurde auf Trockenbau gesetzt, wodurch eine hohe Flexibilität in der Raumbildung erreicht wurde.

Insgesamt entstanden mehr als 30 unterschiedliche Grundrisse. Die Wohnungen reichen von kompakten Studios mit etwa 40 Quadratmetern bis hin zu Maisonette-Wohnungen mit knapp 100 Quadratmetern. Alle Einheiten sind durchgesteckt, beidseitig belichtet und zeichnen sich durch Sichtbetonflächen und offene Raumkonzepte aus.

ANZEIGE

Zwischen Rückzug und Gemeinschaft: Fassadengestaltung und soziale Architektur im Dialog

Zur Straßenseite hin zeigt sich die Anlage mit einer ruhigen, rasterhaften Fassade. Raumhohe Fenster und geschlossene Aluminiumfelder wechseln sich ab, was der Architektur eine funktionale und sachliche Anmutung verleiht. Die Fassade wirkt bewusst zurückhaltend.

Auf der Hofseite hingegen öffnen sich die Wohnungen über Laubengänge mit logenartigen Ausweitungen. Diese dienen den Bewohnerinnen und Bewohnern als private Freisitze. Edelstahlgitter sorgen für Sicherheit und könnten künftig als Rankhilfen für Begrünung dienen. So entsteht eine skulpturale, fast wellenartige Struktur, die das kommunikative Konzept des Wohnkomplexes unterstreicht.

Besonderes Augenmerk legt das Projekt auf gemeinschaftlich nutzbare Räume. Der zentrale Hof, die offen gestalteten Treppen und halböffentliche Begegnungszonen sollen das nachbarschaftliche Zusammenleben fördern. Solche Elemente sind sonst eher in Baugruppen oder Genossenschaftsprojekten zu finden. Gegenüber der umgebenden Bebauung verhält sich das Gebäude bewusst zurückhaltend. Die Fassaden zeigen sich dort geschlossen und schlicht. Wie sich das Ensemble langfristig in die Großwohnsiedlung integriert, bleibt angesichts der besonderen architektonischen Ausprägung abzuwarten.

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Quellen: BauNetz, DEAL Magazin, 

Jetzt PLUS-Kunde werden

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.

Tags (Schlagwörter) zu diesem Beitrag

22 Kommentare

  1. Philipp 7. Juli 2025 at 17:57 - Reply

    Unfassbar das so etwas heute gebaut wird. Eine in Stein gemeißelte Dystopie, made in 2025. Die Zeit wird zeigen, dass solche Gebäude nur wenig Nachhaltigkeit aufbauen. Die Wertbeständigkeit ist nahezu GARANTIERT geringer als bei „normalen“ Gebäuden. Diese unsäglichen Gitterzäune oder wie man diese Vogelkäfige auch immer nennen mag, die ganze Anlage. Es wirkt wie ein Ghetto in Schnellbauweise. Obwohl alles noch neu ist. Wie wird das in 20 Jahren aussehen?

  2. Böhme 7. Juli 2025 at 23:25 - Reply

    Architektenhäuser! Kann man weitestgehend wegwerfen – nicht zu gebrauchen! Was soll die „Einzäunung“ der Fassaden. Damit sich die Mieter ob der Architektur nicht vom Balkon stürzen? Architekten sind absolute Narzisten. Die Nutzer sind Ihnen völlig wurscht! Die Hauptsache, ich habe mal wieder was auf den Kopf gestellt – Individualismus bewiesen, alles anders gemacht als die Anderen! Wer soll auf den Balkonen sitzen, ohne ständig den Blicken anderer ausgesetzt zu sein. Ein guter Architekt hätte sich mal die Balkonsitituation in der Stadt angesehen – dann hätte er gemerkt, wie sehr die Menschen die offenen Balkone mit allem Möglichen und Unmöglichen gegenüber anderen abzugrenzen versuchen.

  3. Susi 8. Juli 2025 at 14:10 - Reply

    Welcher Archi…. hatt sich denn so was ausgedacht!?? Ein Schandfleck!!!! Hautpsache abstrakt mit Betonunterzügen vor den Fenstern, keine Privatsphäre auf dem Balkon….mehr ein durchgang! Kein Geländer nur hässliche Gitter. Innenhof mit Gummi Matten ausgelegt im DDR styl ROT. Außenseite sieht aus wie Container. Hässlicher und unpraktischer ging es wohl nicht!!!
    Mann hätte lieber die alte Mecklenburger Gaststätte sanieren sollen, mit evtl. Kindergarten, Jugendtreff, Gaststätte, Späti, Boulingbahn.
    Alles wäre besser gewesen als dieses Gebäude. Es wunde Leerstand produziert. Da werden wohl die beiden Neubauten am Spree Center (Schiffe) ehr vermietet
    Schade!!!!

  4. Tom 8. Juli 2025 at 18:00 - Reply

    Wer schon immer mal hinter schwedischen Gardinen wohnen wollte.

  5. Karin 8. Juli 2025 at 19:30 - Reply

    Sehr spezielle, vielleicht was für den Westberliner Bereich und viele zu eng aneinander gebaut, die Bewohner können sich fast das Abendbrotschnittchen zu reichen.
    Man hätte das Alte Gebäude Instand setzen soll und eventuell das Dach hätte man auch begrühnen können.Mal schauen wer dort einzieht.

  6. Raddatz 8. Juli 2025 at 21:42 - Reply

    Fürchterliche Bauten, wie kann man das Geld für sowas rausschmeißen. Die 2 Hochhäuser auf der anderen Seite sind genauso schlimm

  7. Lona 9. Juli 2025 at 07:42 - Reply

    Entsetzlich hässlich. Die die das zugelassen haben zu bauen – mitsamt Architekt – müssten da drin zwangs wohnen. Einfach grottig und dunkel mit null Lebensqualität.
    Himmel noch mal – was mutet man den Menschen dort noch alles zu.

  8. Robert 9. Juli 2025 at 14:20 - Reply

    Ich habe dort was ausarbeiten müssen, und dachte es seih ein Scherz.

    Das Ding ist allen belangen ein absoluter Horror. Beton reisst schon, Privatsphäre 0, alle Treppen ubd Fahrstühle liegen draußen. Das bedeutet gefrorene Stufen im Winter, der Wind peitscht komplett rein. Unten im Eingang steht das Wasser wenn es geregnet hat… die Liste ist lang.

  9. Becker 9. Juli 2025 at 23:34 - Reply

    So was hässliches habe ich noch nie gesehen, wie kann man so ein Mist bauen. Ich würde da nicht mal um sonst wohnen. Im Schweine Stahl sieht es viel besser aus.

  10. Marcus Cyron 10. Juli 2025 at 13:07 - Reply

    Ich hoffe mal, dass das noch nicht der finale Stand ist. Dass sich noch Irgend etwas zu etwas Lebendigem ändert. Denn leider stimmt das, was ein Vorredner schrieb: das ganze hat etwas sehr dystopisches. Trotz der Werbeworte wirkt es lebensfeindlich. Und der Gipfel sind wirklich die Gitterzäune allenthalben. Bislang vermittelt das nicht das Gefühl von Luxus, sondern von einem Knast aus der Phantasie von besonders kranken Comic-Zeichnern oder Filmregisseuren. Und am Ende trifft es ja nicht nur die, die dort einziehen, sondern auch die übrigen Bewohner der Gegend.

  11. Günter Palm 10. Juli 2025 at 20:40 - Reply

    FAR meint dieses Projekt setzt bewusst von der DDR-Architektur
    ab und beinhaltet eine urbane Nach
    verdichtung !!?Schuss ins Schwarze
    Dazu kommt die wiedermal bewusst
    zurückhaltende ruhige rasterhafte
    Fassade zur Straßenseite und den
    filigranen Edelstahlgitternetzen an
    den Balkonen zur Geltung,man rühmt sich noch dafür. Hoffe das sich für dieses Projekt die Medien interessieren. Schlimm

  12. O. Kupke 11. Juli 2025 at 15:26 - Reply

    Ich dachte die Käfighaltung sei in Deutschland abgeschafft. Gilt vielleicht nur für Hühner. Sehe jeden Tag auf dieses Objekt und muss sagen es gibt kein hässliches in unserer Gegend. Das man das genehmigt hat verwundert mich sehr.

  13. Krücke 12. Juli 2025 at 07:04 - Reply

    Der Architekt muss mit Lego groß geworden sein. Statt Sanierung des alten Komplexes kommen nun diese zwei Gebäude. Hat irgendwie was von Gefängnissen in amerikanischen Filmen.
    Man verdichtet größten teils nur in den Ostbezirken. Aber die Infrastruktur bleibt. UND kann dann wegen der Vergleichsmiete ringsum Erhöhungen verteilen. Was ist mit der heiligen Kuh Tempelhof Feld? Randbebauung wäre möglich.

    • Böhme 14. Juli 2025 at 15:28 - Reply

      Das Tempelhofer Feld ist eine relativ einzigartige Stadtlandschaft und bietet ein umfassendes Freizeitangebot. Wer den Rand bebauen will, wird sich nach der Bebauung auf erhebliche Einschränkungen in der Freizeitnutzung einstellen müssen, weil die Bewohner sich über Lärm, Dreck, Grillgeruch usw. beschweren werden. Die bisherige Randbebauung war ja für den Süden des Feldes geplant – und zwar direkt neben Stadtautobahn und S-Bahn-Ring. Schon von dort werden die Bewohner einer Randbebauung erheblichen Lärm erfahren – dann wollen sie wenigstens zum Feld hin Ruhe haben. Und deswegen gibt es überhaupt keinen Grund für irgendeine Bebauung des Tempelhofer Feldes!

  14. Regina 12. Juli 2025 at 13:14 - Reply

    Ich finde die Häuser auch fürchterlich hässlich. Wer sich sowas ausdenkt und das dann auch noch genehmigt wurde. Unglaublich. Privatsphäre gleich null.

  15. Klaus 13. Juli 2025 at 13:38 - Reply

    Vogelkäfige oder Tropengefängnis, das sind die beiden Dinge die mir als erstes einfallen. Macht auf mich einen kaktenm menschenfeundlichen Eindruck!

  16. Christiane 14. Juli 2025 at 15:51 - Reply

    Am besten schnell wieder abreißen. Etwas anderes fällt mir dazu nicht ein. Man sitzt auf dem Balkon und hört den anderen Nachbarn beim Streiten zu, da kommt einer und möchte in seine Wohnung, an unserem Abendbrottisch vorbei.
    Gute Idee, dass die Herren und Damen Architekten dort zwangsweise wohnen müssten.
    Vielleicht bekommt jeder Mieter mit dem Einzug eine Drahtzange geschenkt….

  17. Klaus 15. Juli 2025 at 00:55 - Reply

    Vogelkäfige oder Tropengefängnis, das sind die beiden Dinge die mir als erstes einfallen. Macht auf mich einen kalten menschenfeindlichen Eindruck!

  18. Susi 15. Juli 2025 at 12:06 - Reply

    124 Wohneinheiten und 62 Stellplätze….finde den Fehler!!! Schnäppchen…..97,91 m2 für nur 2217,8€ kalt!!!!
    Bonus….Winterdienst im Treppenhaus 😂
    Das ist das was wir brauchen…..toller Sozialwohnungsbau!!!
    Wer genehmigt so etwas???
    Es hatt keiner was gegen neue Wohnungen die man sich leisten kann!!! Unter Berücksichtigung der Infrastruktur (Kitas, Schulen, Grünanlagen, Spiel und Sportplätze…) Aber leider wird die damalige Struktur systematisch zerstört!!!
    Traurig 😔

  19. Marlen 3. Oktober 2025 at 07:54 - Reply

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Wenn man bedenkt, dass das am Anfang Eigentumswohnungen werden sollten – keiner, der das Geld hat, zieht in so ein seelenloses Gebäude ein. Die hohe Miete können sich ebenfalls die Wenigsten leisten. Somit kann man sich denken, wer da einzieht und wer das bezahlt. Ich musste meinen Platz auf die andere Seite meines Balkons verlegen, da ich den ständigen Anblick des Klotzes nicht ertragen habe. Von der Festbeleuchtung des gesamten Wohngebietes durch das Treppenhaus jede Nacht mal abgesehen. Wie war das nochmal mit Strom sparen? Die Menschen, die aus der Not heraus dort einziehen müssen, tun mir leid.

  20. Frieda 26. Dezember 2025 at 12:02 - Reply

    Welcher Lehrling hat das entworfen. Schrecklich durch und durch. So was sollte verboten werden. Wieviel Schmiergeld ist da geflossen um das alles zu genehmigen.

  21. André 1. März 2026 at 15:50 - Reply

    Also ehrlich wer das genehmigt hat muss blind gewesen sein .Das ist so hässlich das man selbst Nachts nicht hinschauen will.Den Bildern von innen nach zu urteilen ist das Gebäude innen genauso kalt und furchtbar anzusehen wie von außen.

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.