Im Berliner Brunnenviertel sollen sechs neu installierte Lichtobjekte ein Zeichen gegen Lichtverschmutzung setzen und zur Auseinandersetzung mit der Gestaltung nächtlicher Stadträume anregen. Das Projekt verbindet Kunst, Umweltbildung und Beteiligung der Nachbarschaft.
© Foto Titelbild: DEGEWO
Im Berliner Brunnenviertel sind sechs neue Lichtinstallationen entstanden, die auf das Thema Lichtverschmutzung im städtischen Raum reagieren sollen. Die sogenannten „Nightcaps“ wurden von der israelischen Künstlerin Alona Rodeh in Zusammenarbeit mit der Wohnungsbaugesellschaft DEGEWO realisiert. Ziel des Projekts ist es, auf die Bedeutung dunkler Nächte für Umwelt und Gesundheit aufmerksam zu machen und zugleich den öffentlichen Raum kreativ zu gestalten.
Partizipation im Mittelpunkt: Workshops bringen Gestaltung und Umweltwissen zusammen
Bereits 2023 wurde das Projekt im Rahmen der Quartiersentwicklung gestartet. Die jetzt installierte zweite Edition entstand gemeinsam mit der Nachbarschaft. In mehreren Workshops entwickelten Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus dem Kiez eigene Entwürfe für neue Lichtkappen. Dabei setzten sie sich nicht nur gestalterisch, sondern auch thematisch mit Fragen zu Lichtnutzung, Nachhaltigkeit und öffentlichem Raum auseinander.
Das pädagogische Konzept wurde gemeinsam mit dem NABU und dem Labyrinth Kindermuseum entwickelt. Die Förderung erfolgte über das Bund-Länder-Programm „Sozialer Zusammenhalt“. Für die DEGEWO war die Mitwirkung der Anwohnenden ein wesentlicher Bestandteil des Projekts. Die Kombination aus Kunst, Umweltbildung und Beteiligung soll neue Perspektiven für die Gestaltung lebenswerter Stadtquartiere eröffnen.
Gestalterische Eingriffe vs. Funktionalität im Alltag: Künstlerische Lichtobjekte setzen neue Impulse im Brunnenviertel
Künstlerin Alona Rodeh sieht in den „Nightcaps“ einen künstlerischen Beitrag zur Diskussion über Licht im urbanen Raum. Ihrer Ansicht nach können auch kleine und symbolische Eingriffe eine große Wirkung entfalten, wenn sie bewusst gesetzt sind. Die Lichtobjekte sollen zum Innehalten anregen, aber gleichzeitig auch Fragen aufwerfen, wie Städte mit nächtlicher Beleuchtung umgehen. Trotz des künstlerisch und ökologisch ambitionierten Ansatzes wirft das Projekt Fragen nach der Alltagstauglichkeit auf. Gerade in der dunklen Jahreszeit spielt Beleuchtung im öffentlichen Raum eine wichtige Rolle für Orientierung und Sicherheit.
Für eine ausgewogene Stadtentwicklung bleibt es daher wichtig, dass gestalterische, ökologische und funktionale Anforderungen gemeinsam gedacht werden. Lichtverschmutzung im urbanen Raum lässt sich durch gezielte Maßnahmen deutlich reduzieren. Dazu zählen der Einsatz warmfarbiger, abgeschirmter Leuchten, eine bedarfsgerechte Beleuchtungsdauer mithilfe von Zeitschaltuhren oder Bewegungsmeldern sowie eine Planung, die Licht gezielt auf Wege und Plätze lenkt, statt in den Himmel oder auf Grünflächen zu strahlen. Dies will auch die Künstlerin mit ihrem Werk vermitteln.
Quellen: degewo, Alona Rodeh, PATZER VERLAG, NABU
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