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In Alt-Hohenschönhausen plant die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft HOWOGE den Bau von 105 Wohnungen im Innenhof des Joachimsthaler Carree. Während der Senat das Projekt als wichtigen Beitrag zur Wohnraumschaffung sieht, regt sich vor Ort Widerstand gegen den Verlust von Bäumen, Gärten und einem Spielplätzen.
Zu sehen ist ein Weg durch eine begrünte Hofanlage mit Spielplatz und angrenzenden Wohngebäuden.

Der Innenhof des Joachimsthaler Carree mit Spielplatz und alten Bäumen. Anwohner fürchten, dass das geplante Bauprojekt der HOWOGE die Aufenthaltsqualität dauerhaft beeinträchtigt. / © Foto: Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung / BBNS

© Titelbild: Mieterinitiative-Joachimsthaler-Carrée

 

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Die HOWOGE will auf einem Innenhofgrundstück im Joachimsthaler Carree 105 neue Wohnungen errichten. Bereits 2017 beantragte die Wohnungsbaugesellschaft eine Bauvoranfrage beim Bezirksamt Lichtenberg und erhielt einen positiven Bauvorbescheid. Das Projekt umfasst zwei fünfgeschossige Gebäude, die am südlichen Rand des Bestandsquartiers entstehen sollen. Die Hälfte der geplanten Wohnungen soll zu geförderten Einstiegsmieten angeboten werden.

Da freie Bauflächen in Berlin knapp sind und oftmals mit hohen Kosten verbunden sind, setzen landeseigene Wohnungsunternehmen zunehmend auf Nachverdichtung in bestehenden Quartieren. Das Projekt im Joachimsthaler Carree wird von der HOWOGE als Bestandteil ihrer Wohnungsbaustrategie eingeordnet und dient dem Ziel, mehr bezahlbaren Wohnraum auf bereits verfügbaren Flächen zu schaffen.

HOWOGE will auf Nachhaltigkeit setzen: Begrünung, Barrierefreiheit und Regenwasserkonzepte geplant

Laut HOWOGE soll das Bauprojekt energieeffizient und klimagerecht umgesetzt werden. Vorgesehen sind unter anderem barrierefreie Hauseingänge, Aufzüge, begrünte Dächer sowie ein Mieterstrommodell über Solaranlagen. Fahrradstellplätze werden im Gebäudeinneren untergebracht. Zudem sollen Regenwasserflächen, Blühhecken und schattenspendende Aufenthaltsbereiche entstehen.

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Doch der vorgesehene Bauplatz liegt im Innenbereich der Wohnanlage zwischen Joachimsthaler Straße und Plauener Straße. Dort befinden sich derzeit rund 60 Bäume, zum Teil über 100 Jahre alt, sowie Sträucher, Wiesenflächen und ein Spielplatz, wobei viele der Flächen von Anwohnern als Mietergärten genutzt werden. Der Innenhof gilt als wichtiger Ort für Erholung, Spiel und nachbarschaftliches Miteinander.

Kritik aus dem Quartier in Lichtenberg: Sorge vor Hitzestau, Versiegelung und überlasteter Infrastruktur

Die geplante Bebauung stößt deshalb bei einigen Anwohnern auf Ablehnung. So kritisiert beispielsweise die Mieterinitiative Joachimsthaler Carree, dass die Nachverdichtung zu einer spürbaren Verschlechterung der Wohnverhältnisse führen würde. Sie befürchten eine Aufheizung des Quartiers, weniger Luftzirkulation, mehr Versiegelung sowie den Wegfall von Freiflächen. Der Zugang zu Erholung, Begegnung und naturnahem Wohnen werde dadurch stark eingeschränkt. Wie das Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung berichtet, wurden bereits Kündigungen für Mietergärten und Parkplätze zum 30. September ausgesprochen, die Räumung stehe bevor.

Auch das Bezirksamt Lichtenberg äußerte sich zurückhaltend zum Projekt. Die zuständigen Stadträtin verwies auf die geringe Verfügbarkeit an öffentlichen Grünflächen und auf die stark beanspruchte soziale und verkehrliche Infrastruktur im Umfeld. Dennoch genehmigte das Amt im Juni 2025 den Bauantrag. Dies geschah nach der Entscheidung des Senats, eine bisherige Dienstbarkeit zu löschen, die den Innenhof vor Bebauung geschützt hatte.

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Politischer Eingriff in die Quartiersplanung: Senat setzt Wohnungsbau gegen bezirkliche Bedenken durch

Der Berliner Senat nutzte sein Eingriffsrecht nach dem Allgemeinen Zuständigkeitsgesetz, um den Weg für das Bauprojekt freizumachen. Senator Christian Gaebler (SPD) erklärte, dass das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zur Wohnraumschaffung leiste. Ohne diese Entscheidung hätte das Projekt an rechtlichen Hürden scheitern können. Das Beispiel zeigt die Spannungen zwischen landesweiten Wohnungsbauzielen und bezirklichen Interessen.

Im Zuge des Projekts will die HOWOGE südlich der Plauener Straße neue öffentliche Aufenthaltsbereiche errichten. Dazu zählen ein neuer Ersatzspielplatz, Aufenthaltsflächen mit Sitzgelegenheiten sowie gemeinschaftlich nutzbare Gärten. Die Wohnungsbaugesellschaft kündigte eine Broschüre zur Freiraumgestaltung an und plant laut eigenen Angaben eine fortlaufende Information der Anwohnerschaft. Inwiefern es damit gelingt, die wohnungspolitischen Zielsetzungen mit den Anliegen der Anwohnerschaft in Einklang zu bringen, bleibt vorerst abzuwarten.

Quellen: Berliner Bündnis Nachhaltige Stadtentwicklung, Mieterinitiative-Joachimsthaler-Carrée, HOWOGE, Pressemitteilung des Berliner Senats,  Kocher Architekten

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