Die Umwandlung des ehemaligen City Hotel Berlin East an der Landsberger Allee in eine Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete verzögert sich. Für die überwiegend jungen Bewohnerinnen und Bewohner bedeutet das, länger in einer Übergangssituation zu leben. Der Bezirk Lichtenberg fordert parallel mehr Infrastruktur, um den steigenden Bedarf zu decken.

Das City Hotel Berlin East im Berliner Stadtteil Lichtenberg, unweit von Alexanderplatz und Sportforum Hohenschönhausen, soll ab September schließen und in eine Unterkunft für Geflüchtete umgewandelt werden. / © Foto: Wikimedia Commons, Angela M. Arnold, Berlin (=44Pinguine), CC BY-SA 3.0
© Fotos: Wikimedia Commons, Angela M. Arnold, Berlin (=44Pinguine), CC BY-SA 3.0
Der Umbau des ehemaligen City Hotel Berlin East in der Landsberger Allee zu einer Gemeinschaftsunterkunft dauert länger als vorgesehen. Das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) bestätigte auf Nachfrage der Berliner Morgenpost, dass die Übernahme durch den künftigen Betreiber nun für den 1. September geplant ist, zwei Monate später als ursprünglich vorgesehen. Bereits seit November 2024 sind Geflüchtete in dem früheren Hotel untergebracht. Die Zimmer wurden zunächst im Hotelbetrieb genutzt, inklusive Catering.
Mit dem Umbau sollen Küchen in die Zimmer integriert werden, sodass sich die Bewohnerinnen und Bewohner künftig selbst versorgen können. Die Unterkunft wird dann Platz für rund 1.200 Menschen bieten. Auch ein Schulbetrieb innerhalb der Einrichtung ist nach den Sommerferien geplant. Derzeit besuchen Kinder im Grundschulalter überwiegend die nahegelegene Hans-Rosenthal-Grundschule, ältere Schülerinnen und Schüler sind in Willkommens- und Regelklassen im Bezirk verteilt, wie die Berliner Morgenpost berichtet.
Zusätzliche Betreuung und technische Herausforderungen verzögern vollständige Nutzung der Unterkunft an der Landsberger Allee
Aktuell leben 761 Geflüchtete in der Unterkunft, mehr als die Hälfte davon sind Minderjährige. Mit der Betreiberübernahme soll auch zusätzliches Fachpersonal vor Ort sein, für Schulbetrieb, Sozialarbeit, Verwaltung, Kinderbetreuung und Unterkunftsleitung. Bisher wird eine aufsuchende Sozialarbeit durch einen externen Träger angeboten.
Ein technisches Problem verzögert zusätzlich die vollständige Nutzung: Für den Schulbetrieb ist eine sogenannte Objektfunkanlage nötig, die eine sichere Kommunikation für Einsatzkräfte sicherstellt. Da der Einbau und die Freischaltung bis zu zwölf Monate dauern könnten, soll nun vorübergehend eine provisorische Anlage genutzt werden.
Freizeitangebote vorhanden, jedoch weiterhin Bedarf an besserer Infrastruktur und Versorgung in Lichtenberg
Trotz der offenen Fragen gibt es schon Freizeitangebote. Das Projekt „Fußball ohne Grenzen“ organisiert Trainings für Kinder, ein weiterer Verein plant ein Fahrradkurs-Angebot. Außerdem bietet der Träger blu:boks pädagogische Programme für Kinder und Jugendliche direkt in den Räumen der Unterkunft an.
Der Bezirk Lichtenberg betont, dass neben dem Umbau auch die begleitende Infrastruktur entscheidend sei. Fraktionsübergreifend wird auf Defizite bei der ärztlichen Versorgung, sozialen Betreuung und Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr hingewiesen. Diese müssten gemeinsam mit dem Senat verbessert werden, um den geflüchteten Menschen eine nachhaltige Perspektive zu bieten.
Bezirk fordert Ausbau von Bildung, Gesundheit und Nahverkehr für langfristige Integration an der Landsberger Allee
Schon vor dem Einzug der ersten Bewohnenden hatte der Bezirk gewarnt, dass es an ausreichenden Kita- und Schulplätzen fehle. Auch die gesundheitliche Versorgung sei nicht ausreichend ausgebaut. Vertreterinnen und Vertreter der Grünen-Fraktion betonten, der Senat müsse über die Bereitstellung von Schlafplätzen hinaus Verantwortung übernehmen. Dazu gehöre, Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen sowie den Nahverkehr zu stärken.
Die Unterkunft soll langfristig auch dazu beitragen, andere stark ausgelastete Einrichtungen wie die Notunterkunft am Flughafen Tegel zu entlasten. Parallel sind im Bezirk mehrere Containerstandorte für zusätzliche Plätze geplant, die zwischen 2025 und 2026 entstehen sollen.
Mit der Fertigstellung und dem Ausbau der Unterkunft könnten die Bewohnenden von stabileren Wohn- und Lebensbedingungen profitieren. Die Kombination aus Selbstversorgung, Betreuungsangeboten und guter Verkehrsanbindung soll den Alltag erleichtern. Voraussetzung dafür ist, dass bauliche, technische und soziale Maßnahmen zügig umgesetzt werden. Bis dahin bleibt die Situation für viele Geflüchtete provisorisch, besonders für die zahlreichen Kinder und Jugendlichen, die hier leben.
Quellen: Berliner Morgenpost, Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, rbb, Neues Deutschland
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