Mit dem Entwurf „27 ha Möglichkeiten“ nimmt die Transformation eines bisher gewerblich geprägten Areals in Alt-Hohenschönhausen konkrete Formen an. Geplant ist ein Quartier, das Architektur, Grünraum und soziale Infrastruktur miteinander verbindet.

Das Quartierszentrum ist in der ehemaligen Sheddachhalle vorgesehen, die umfassend saniert und umgebaut werden soll. Sie bildet künftig den kreativen Mittelpunkt des neuen Stadtviertels. Als mögliche Nutzungen werden unter anderem ein Jugendzentrum, ein Seniorentreff oder eine Stadtbibliothek diskutiert. / © Visualisierung: ChartierDalix
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In Alt-Hohenschönhausen ist der Siegerentwurf für das geplante Stadtquartier „27 ha Möglichkeiten“ öffentlich vorgestellt worden. Der Vorhabenträger ZEITGEIST Asset Management, das Pariser Büro ChartierDalix sowie Vertreterinnen und Vertreter des Bezirks präsentierten Anfang Dezember 2025 ein städtebauliches Konzept, das Wohnen, Gewerbe, soziale Infrastruktur und großzügige Grünräume miteinander verknüpft.
Das rund 27 Hektar große Areal besteht derzeit überwiegend aus mindergenutzten Gewerbeflächen und soll in mehreren Bauabschnitten zu einem vielfältig genutzten Stadtquartier weiterentwickelt werden. Nach Angaben der Architektin Leonie Heinrich sei in der Planung großer Wert darauf gelegt worden, sowohl die erhaltenswerten Hallenstrukturen als auch den bestehenden Baumbestand in das zukünftige Stadtbild einzubeziehen.
Alt-Hohenschönhausen: Wohnen, Arbeiten und Freiraum im neuen Stadtquartier
Camilla Schuler, stellvertretende Bezirksbürgermeisterin und zuständige Stadträtin, hob hervor, dass Wohnen und Gewerbe im neuen Quartier zusammen gedacht werden sollen. Sie machte deutlich, dass sich hier zeige, wie moderne Stadtentwicklung funktionieren könne, wenn verschiedene Nutzungen sinnvoll verknüpft und kurze Wege ermöglicht werden. Die Fläche biete die seltene Chance, ein komplexes städtisches Gebiet von Grund auf neu zu ordnen und gleichzeitig bestehende Gewerbestrukturen zu stärken.
Der Entwurf sieht bis zu 2.500 Wohnungen und produktive Gewerbeflächen vor. Ergänzt wird das Angebot durch eine Schule mit einer benachbarten Sporthalle, eine Kita und weitläufige Grünflächen. Der zentrale Stadtpark bildet das Herzstück des Viertels und schafft direkte Zugänge zu Bildungs- und Freizeitangeboten.
Lichtenberg: Büro ChartierDalix entwickelt vielfältige Wohn- und Sozialstrukturen
Die Planerinnen von ChartierDalix & serp SAS erläuterten, dass bewusst auf unterschiedliche Bautypologien gesetzt worden sei, um architektonische Vielfalt zu fördern. Die Wohnblöcke mit fünf bis sieben Geschossen entstehen entlang des Stadtparks und sind mit begrünten Innenhöfen ausgestattet. Kleinere Plätze, Wasserbecken und geschützte Spielflächen sollen den öffentlichen Raum beleben und Aufenthaltsqualität schaffen.
Erhalten bleibt auch die denkmalwürdige Sheddachhalle, die künftig als offenes Quartierszentrum dienen soll. In ihr könnten eine Bibliothek, Ateliers, Einzelhandel oder gastronomische Angebote Platz finden. Heinrich erklärte, man habe ein Quartier der kurzen Wege konzipiert, das den Alltag für Bewohnerinnen und Bewohner übersichtlich und zugänglich gestaltet.
Nachhaltigkeit im Quartier Alt-Hohenschönhausen: Immergrüne Pflanzen, Photovoltaik und Grünräume
Der Entwurf enthält eine Vielzahl ökologischer Maßnahmen, die auf eine nachhaltige Entwicklung abzielen. Vorgesehen sind Photovoltaikanlagen, geothermische Energiegewinnung, Regenwassersammelbecken und die Nutzung von Abwärme eines Datacenters. Ergänzend sollen immergrüne Pflanzen, bestehende Baumstrukturen sowie Biodiversitätselemente wie Vogelbrutstätten und Insektenhotels das ökologische Profil des Quartiers stärken.
Ökologische Korridore und Kaltluftschneisen sollen das Mikroklima verbessern und für natürliche Belüftung sorgen. Die Gestaltung des Grünraums soll das Quartier zusätzlich kühlen und es gegen Hitzeperioden widerstandsfähiger machen.
Lärmschutz und Übergangszonen: Planung zwischen Wohnen und Gewerbe in Hohenschönhausen
Da Gewerbe- und Wohnflächen im Quartier direkt aneinandergrenzen, spielt Lärmschutz eine zentrale Rolle. Die Gewerbehöfe werden als geschlossene Struktur geplant, sodass diese den Schall innerhalb der Höfe halten.
Eine Retentionsfläche zwischen Gewerbe und Wohnbebauung soll ebenfalls als weitere Pufferzone zu der Wohnbebauung dienen. Darüber hinaus werden Laubengangerschließungen oder Lärmschutz-Loggien geprüft, die den Schutz der Wohnhäuser weiter verbessern sollen.
Mobilitätskonzept für Alt-Hohenschönhausen: Weniger Verkehr im Stadtquartier „27 ha Möglichkeiten“
Der motorisierte Verkehr soll im Inneren des Quartiers deutlich reduziert werden. Eine Buslinie ist vorgesehen, um das Areal anzubinden. Zwei Einbahnstraßen mit eingeschränktem Zugang bündeln den Verkehr, während Quartiersgaragen an den Rändern die Mitte entlasten. Der zentrale Bereich ist primär Fußgängerinnen, Fußgängern und dem Radverkehr vorbehalten.
Die Schule wird über die Gärtnerstraße erschlossen und erhält eine Sporthalle, die auch außerhalb der Unterrichtszeiten genutzt werden kann. Die Kita liegt geschützt innerhalb eines Wohnblocks an der verlängerten Bahnhofsstraße. Gewerbehöfe im Osten des Areals erhalten eine eigene Lkw-Zufahrt, um Konflikte mit Wohnbereichen zu vermeiden.
Weitere Schritte zur Umsetzung des neuen Quartiers in Lichtenberg
Laut ZEITGEIST-Projektentwickler Maximilian Sepp sei das Werkstattverfahren Ausdruck einer engen Zusammenarbeit aller Beteiligten. Neben ChartierDalix nahmen auch die Architekturbüros superwien aus Wien und Octagon aus Leipzig am Verfahren teil. Außerdem seien mehr als hundert Vorschläge aus Bürgerveranstaltungen in die Planung eingeflossen.
Der Entwurf wird nun in einen Bebauungsplan überführt. Die Festsetzung wird in etwa zwei Jahren erwartet. Für den Bezirk gilt das Projekt schon heute als Beispiel dafür, wie verdichtete Stadtquartiere mit sozialer Infrastruktur und nachhaltigen Elementen gestaltet werden können.

Präsentiert wurde der Entwurf am 1. Dezember 2025 von Bernd Neuendorf und Max Sepp von ZEITGEIST Asset Management GmbH, Leonie Heinrich und Nina Krass vom Architekturbüro ChartierDalix sowie Camilla Schuler, Lichtenbergs Bezirksstadträtin. / © Foto: Business Network
Quellen: Zeitgeist Asset Management GmbH, wallstreet online, Deal Magazin
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