Kaum ein Thema bewegt die Berlinerinnen und Berliner derzeit so sehr wie die Verkehrspolitik des Senats. Aktuelle Leserstimmen zeigen, wie unterschiedlich die derzeitigen Entscheidungen zum Radverkehr bewertet werden, und welche Erwartungen viele an die Mobilität der Hauptstadt haben.

Grafik mit einer kritischen Lesermeinung zur Berliner Verkehrspolitik auf einem Hintergrundbild eines Radwegs. Der Kommentar fordert mehr Innovationsbereitschaft und ein klareres stadtentwicklungspolitisches Profil für Berlin.

Die Debatte um den Rückbau bestehender und die Aufgabe geplanter Radwege löst bei vielen Leserinnen und Lesern deutliche Reaktionen aus. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT / envato

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Eines der am häufigsten diskutierten Themen der letzten Woche sind die Pläne des Berliner Senats, in Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf zwei bestehende Fahrradwege zurück zu bauen.  Gleichzeitig soll in Karlshorst ein eigentlich geplanter Radweg nun doch nicht realisiert werden. Auch in der Ollenhauerstraße (Reinickendorf) sowie in der Torstraße (Mitte) stehen hoch umstrittene Verkehrsprojekte an.

ENTWICKLUNGSSTADT präsentiert in dieser Woche ausgewählte Meinungen zur Verkehrspolitik des Berliner Senats.

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Radweg mit Markierung auf Boden

Der Rückbau der Radverkehrsführung auf der Straße Unter den Eichen in Steglitz-Zehlendorf sorgt erneut für Diskussionen über die Verteilung des Straßenraums. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

Mehr Artikel über Verkehrsprojekte in Berlin findet Ihr hier

„Ich kann nur hoffen, dass die CDU im September den Denkzettel für das verkehrspolitische Versagen der letzten der Jahre bekommt. Die aktuellen Umfragen bewegen sich dahin. Für das, was jetzt noch vor der Wahl passiert muss man sich als Berliner auf der Weltbühne ja quasi schämen.“

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41er

 

„Man sieht wieder wie rückwärts denkend die CDU ist, es gibt keine Innovation, keinen Mut. Wenn genug gute Radwege da sind, dann werden die auch genutzt. In Hamburg sind wir da schon viel weiter (und auch hier noch nicht weit genug), aber seit wir einen grünen Verkehrssenator haben läuft es, auch wenn viele Autofahren maulen. Aber es kann nicht sein, dass für Autos immer noch so viel Möglichkeiten geschaffen werden und für Fahrräder nicht. Wir leben in 2026 und um uns herum werden die Städte umgebaut für Klimaneutralität und in Berlin geht es rückwärts. Die Arroganz der CDU ist Unfassbar!“

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Carsten

 

„Nach der nächsten Wahl können dann wieder die Autofahrer nach Kräften schikaniert werden. Leider vermisse ich ein Konzept, welches alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt. Ideal wäre ein Konzept für Radwege, die von Marzahn bis Neukölln und von Spandau bis Köpenick aus einem Guss sind. Hierbei ist es nicht wichtig, dass jede Straße einen Radweg besitzt, es sollten aber Achsen queer durch die Stadt geplant und gebaut werden. Fahrspuren zu Radwegen zu machen und die alten Radwege vergammeln zu lassen (z.B. Adlergestell) nutzt niemanden etwas. Hier wird Geld zum Fenster rausgeworfen, anschließend stehen die Busse, die LKWs und der Privatverkehr unnötig im Stau. Weniger Ideologie seitens der CDU und seitens der Grünen wäre wünschenswert.“

Sven

 

„Wenn man Radfahrer und Fußgänger gleichzeitig auf viel zu schmale Wege zusammenzwängt, kommt es zu Konflikten! Und die sind hier vorprogrammiert.“

berlinerbaer 

 

„Verkehrspolitik kann leider nicht nur in eine Richtung gehen, man kann das Fahrrad nicht als alleiniges Allheilmittel ansehen. Vermutlich haben weder die Autoren, noch die Kommentatoren sich die Situation am Botanischen Garten irgendwann mal angesehen. Es handelt sich hier um eine Verkehrsachse, Verlängerung der Stadtautobahn, die gerade im Berufsverkehr stark genutzt wird. Während in dieser Zeit, und ich fahre öfter dort entlang, die Autos im Dauerstau stehen, kommen mal ein oder 2 Radfahrer vorbei.“

Peter

 

 

Grafik mit einer Lesermeinung zur Berliner Verkehrspolitik vor dem Hintergrund eines geschützten Radwegs. Der Verfasser fordert mehr Ausgewogenheit zwischen Auto-, Bus-, Lkw- und Radverkehr und kritisiert ideologisch geführte Debatten.

Rückgebaute Radwege, gestoppte Projekte und kontroverse Entscheidungen des Senats sorgen für intensive Debatten von Berlinerinnen und Berlinern. / © Foto: Grün Berlin GmbH

„Auch auf der Torstraße in Mitte sollen sich künftig die Fahrräder und Fußgänger den Bürgersteig teilen. Zudem sollen dort 36 alte, gesunde Bäume gefällt werden um die Straße für Tempo 50 auszubauen. Bitte kommt zur Demo jeden Mittwoch um 17.00 in der Torstraße, Ecke Tucholsky Straße.“

stella.berlin

 

„Wenn rot-rot-grün kommt, wird die Stadt ein einziger Radweg sein und alles ist verkehrsberuhigte Zone. Einfahrt mit dem eigenen Auto nur noch auf Antrag! Ein Fortschritt ohnegleichen! Immer schön weiter demonstrieren. Radfahrer fahren sowieso schon auf Gehwegen und behindern Fußgänger! Toller Fortschritt.“

Damiel

 

„Dass die Leute nicht verstehen, dass die Staus weniger werden, wenn es gute alternative Fortbewegungsmittel wie Fahrräder oder ÖPNV gibt, ist mir schleierhaft.“

Janine

 

„Die Fußfesseln in Deutschland bei der Um- oder Neuplanung von Verkehrs- und sonstiger Infrastruktur sind eine Katastrophe! Sie blockieren nicht nur kleine Anpassungen wie diese hier, sondern lähmen letztendlich den Wirtschaftsstandort Deutschland. Man merkt es vor allem auch an dringend benötigten Anpassungen, die wegen der Klimakrise nötig werden. Es gibt keine Aufbruchsstimmung, keine Lust auf was neues. Stattdessen wird alles wird auf die Goldwaage gelegt.“

Karls Horst

 

„Man kann wohl ruhigen Gewissens sagen, dass jede/r verunglückte Radfahrer/in künftig zu einem gewissen Teil durch Berlins CDU-Senat mitzuverantworten ist. Ich schäme mich in einer politisch derart rückwärtsgewandten Stadt zu leben. Lasst uns das ändern!“

herfen

 

„Es ist leider wirklich offensichtlich, dass diese Partei vor der Wahl ihren Spielraum ausnutzen möchte, um schwächere Verkehrsteilnehmer einzuschränken.“

Ewald

 

„Berlin hat sich selbst ein riesiges Radverkehrsnetz vorgenommen und liegt bei der Umsetzung immer noch deutlich hinter den eigenen Zielen. Wenn jedes Jahr nur ein kleiner Teil dazukommt, dauert das Jahrzehnte. Dabei fahren doch schon heute unglaublich viele Menschen Fahrrad und es werden eher mehr als weniger. Durch E Bikes, steigende Spritkosten und teure Autos steigen immer mehr Leute um. Ich kenne einige, die ihr Auto komplett abgeschafft und sich stattdessen ein E Bike gekauft haben, weil sie es in Berlin sowieso kaum noch gebraucht haben. Ich wünsche mir einfach, dass ich vom Norden bis in den Süden und vom Westen bis in den Osten sicher und zügig mit dem Fahrrad fahren kann, ohne ständig das Gefühl zu haben, vorher noch eine Lebensversicherung abschließen zu müssen.“

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Baustelle in der Ehrlichstraße in Berlin-Karlshorst mit freigelegten Straßenbahngleisen, Bauabsperrungen und einem Baufahrzeug während der Erneuerung der Tramtrasse.

Die Straßenbahngleise in der Ehrlichstraße in Berlin-Karlshorst werden derzeit auf rund 800 Metern erneuert. Der ursprünglich geplante Umbau mit Radfahrstreifen und barrierefreien Haltestellen wird im Zuge der Maßnahme jedoch nicht umgesetzt. / © Foto: BUND Berlin, Nicolas Šustr

„Danke für nichts, liebe CDU. Erstmal viel versprechen, dann alles verlangsamen, jetzt auch noch destruktive Politik.“

Anton

 

„Wer soll mit dem Auto fahren dürfen? Nur Lieferanten? Oder nicht auch die Krankenschwester oder der Polizist oder Feuerwehrbeamte, der vielleicht nach seiner Nachtschicht sich nicht noch in die U-/S-Bahn zwängen möchte?“

audiophile

 

„Die CDU hat Berlin in den vergangenen 3,5 Jahren massiv geschadet, nicht nur in der Verkehrspolitik. Ich wünsche mir, dass die Berlinerinnen und Berlin bei der Wahl aufwachen und ein klares Zeichen setzen. Für eine faire Verteilung des Straßenraums, für den Erhalt von Grün (siehe Torstraße und Ollenhauer Straße), mehr Grün in der Stadt, für Verkehrssicherheit und ein faireres und rücksichtsvolleres Miteinander – im Straßenverkehr und auch abseits davon.“

Norbert

 

Die Torstraße in Berlin-Mitte mit mehrspuriger Fahrbahn, Straßenbahngleisen und Wohn- sowie Geschäftshäusern. Der geplante Umbau der Torstraße soll den Straßenraum neu ordnen und wird kontrovers diskutiert.

Die Torstraße in Berlin-Mitte soll umfassend umgebaut werden. Der Senat plant unter anderem Änderungen an Fahrbahnen, Radwegen und Gehwegen. / © Foto: Wikimedia Commons, Mbzt, CC BY-SA 4.0

„Allein dafür gehört die CDU aus der Regierungsverantwortung abgewählt. Heutzutage so zu planen ist skandalös. Anstatt den ÖPNV konsequent auszubauen und auch den Radverkehr sicher und attraktiv zu gestalten wird dem Autoverkehr auf Kosten der Gehwegbreite, der Aussengastronomie und des Baumbestandes ein vierspuriger Teppich ausgerollt, der die Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Torstrasse gewaltig nach unten ziehen wird. Man sollte die Torstrasse genau im umgekehrten Sinn neu planen und gestalten und dabei endlich auch die Idee der autogerechten Stadt für jeden erkennbar ein für allemal begraben.“

M.Hillen

 

„Jedesmal wenn ich dort durch fahre war Stau. Besonders durch Lieferung von Gastronomie oder Amazon fehlte immer wieder eine Spur. Fazit Stau mit den berühmten Begleitsymptomen. Hier auf eine Spur zu reduzieren würde das Problem verschärfen und am Ende steht der Verkehr. Das kann doch niemand wollen. Und Berlin ist nun mal eine 4 Millionen Großstadt, und besonders die neue Bequemlichkeit macht es doch deutlich. Wenn die Menschen nicht aufhören sich wirklich alles liefern zu lassen braucht man sich nicht über die Konsequenzen aufregen.“

Mario

 

„Schwierig! Welche leistungsfähige Ost-West-Verbindung gibt es in Mitte? Leipziger Straße und Unter dern Linden fallen raus. Torstraße ist jetzt eine Zumutung. Unklare Fahrspuren, zugeparkte Ladezonen (wie überall) und keine Radwege. Das umgebaut werden soll halte ich für sinnvoll. Je eine Autospur, Liefer- und Haltezonen (streng überwacht) und Radspur. Bäume bleiben, außer es geht nicht anders. Von Parkmöglichkeiten ist bei dem Projekt keine Rede.“

Jens

 

Blick entlang der Ollenhauerstraße in Berlin-Reinickendorf mit zahlreichen Straßenbäumen auf dem Mittel- und Seitenstreifen. Die Baumreihe ist Teil der Diskussion um den geplanten Radweg und den Protest gegen Baumfällungen.

Die Baumallee entlang der Ollenhauerstraße steht im Mittelpunkt der Diskussion um den geplanten Straßenumbau in Reinickendorf. / © Foto: NFR

„Reinickendorf ist CDU-Land. Mit dieser absurden und menschenfeindlichen Planung schießt sich die CDU auch noch selbst ins Knie so kurz vor der Berlin-Wahl im September. Die Menschen, die rund um die Ollenhauerstraße wohnen, haben sicher keine Lust mehr CDU zu wählen. Durchdacht ist anders, egal ob verkehrspolitisch oder wahlstrategisch.“

Norbert

 

„Wie es scheint, möchte die CDU-SPD Koalition in ihrem Kampf gegen Radfahrer, Fußgänger und Bäume vollendete Tatsachen schaffen. Ideologen zerstören Bäume.“

Ewald Karl

 

„Ein Baum muss wachsen und braucht Pflege: Bis ein Baum genügend CO2 und Schmutz aus der Atmosphäre binden kann, muss er erst wachsen. Denn je älter Bäume sind, desto mehr CO2 können sie speichern. Ein Baum kann seine positive Klimawirkung also noch nicht direkt nach dem Pflanzen entfalten – sondern erst nach mehreren Jahren. Hinzukommt, dass ein Baum zum Wachsen Wasser und Pflege benötigt. Heißt neue Bäume ersetzen keine alten! Umplanen! Wie heiß sollen unsere Straßen denn noch werden? Oder kriegt der Senat die Hitze im aircon vernebelten Hirn nicht mit? Wann machen wir endlich Pläne für uns Menschen statt dem Auto?“

Simone

 

Kantstraße (Charlottenburg)
Unter den Eichen (Lichterfelde)
Torstraße (Mitte)
Ollenhauerstraße (Reinickendorf)

 

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3 Kommentare

  1. Torsten Behrend 8. August 2026 at 12:25 - Reply

    Achso, drei Jahre regiert der aktuelle Senat, aber alles was schief läuft, war die CDU, nicht die anderen Parteien, die vorher seit Jahrzehnten regiert haben? Und Sorry, ich bin Radfahrer und Autofahrer, aber Rücksichtslosigkeit sehe ich auf beiden Seiten und bei den Radfahrern eine deutliche Riskobereitschaft und Unberechnbarkeit.
    Und Nein, Radwege sind wichtig, aber es gibt auch noch wichtigere Themen, wie Wohnen und SIcherhheit, da traue ich Links Grün auch gar nichts zu! Links Grün würde die Spaltung der Stadt weiter zemnetieren und Rad- und Autofahrer weiter gegeneinader aufhetzen!

    • Fu 11. August 2026 at 09:20 - Reply

      Lieber Torsten,
      bestimmt gibt es andere Themen, die auch wichtig sind. Hier geht es aber explizit um Radweg-Politik. Da reicht es sogar mal nur die Überschrift zu lesen. Vielleicht wäre ein erster Schritt in die richtige Richtung Radfahrende als gleichwertige bzw. gleichberechtigte und noch dazu zu schützende Verkehrtseilnehmer:innen zu betrachten.
      Aber weil Sie schon Wohnen und Sicherheit ansprechen, gibt es da konkrete Lösungen seitens der CDU? Oder sollte Ihr Kommentar nur gegen bestimmte Parteien bashen?
      Beste Grüße.

  2. Leon 15. August 2026 at 18:32 - Reply

    Sehr spannende Debatte! Gute Verkehrskonzepte in Großstädten sind echt ein wichtiges Thema.

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