Gegenüber dem Leipziger Hauptbahnhof verbindet das Harmelinquartier einen sanierten Altbau mit zwei neuen Hotels. Das Projekt schließt eine Baulücke, die seit dem Zweiten Weltkrieg bestand.

Der neue Hotelbau schließt die frühere Baulücke am Brühl. Im Erdgeschoss des Harmelinquartiers sind unter anderem gastronomische und gemeinschaftlich genutzte Flächen vorgesehen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
© Titelbild: ENTWICKLUNGSSTADT
Direkt gegenüber dem Leipziger Hauptbahnhof entsteht mit dem Harmelinquartier eines der größten aktuellen Bauprojekte am nördlichen Eingang zur Innenstadt. Das Vorhaben verbindet die Sanierung des denkmalgeschützten Harmelin-Hauses mit zwei großformatigen Hotelneubauten zwischen Richard-Wagner-Straße, Nikolaistraße und Brühl.
- Standort: Direkt gegenüber dem Leipziger Hauptbahnhof entsteht das neue Harmelinquartier.
- Altbau: Das denkmalgeschützte Harmelin-Haus wird saniert und durch 56 Serviced Apartments genutzt.
- Neubauten: Zwei neue Hotels bieten zusammen mehr als 500 Zimmer.
- Architektur: Das Projekt schließt eine jahrzehntelange Baulücke und rekonstruiert das historische Dach.
Das Projekt schließt eine Baulücke, die seit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs das Stadtbild prägte. Während der Altbau zu einem Apartmenthaus umgestaltet wurde, entsteht auf den angrenzenden Flächen ein bis zu neun Geschosse umfassendes Hotelensemble.
Harmelin-Haus erinnert an Leipzigs Pelzhandelsgeschichte
Das Harmelin-Haus wurde in den Jahren 1913 und 1914 nach Plänen des Leipziger Architekten Emil Franz Hänsel errichtet. Namensgeber war die jüdische Pelzwarenhandelsfirma Marcus Harmelin, die zu den bedeutenden Unternehmen des Leipziger Rauchwarenhandels gehörte. Der dazugehörige Krafts Rauchwarenhof galt zeitweise als größter Pelzhof der Stadt.
1939 wurde das jüdische Unternehmen liquidiert; Mitglieder der Familie Harmelin mussten emigrieren oder wurden während der nationalsozialistischen Verfolgung ermordet. Im Zweiten Weltkrieg wurden die rückwärtigen Lagergebäude zerstört. Das erhaltene Geschäftshaus verlor zudem sein markantes Walmdach und erhielt später ein Flachdach.

Eingerüstete mehrgeschossige Fassade des Harmelinquartiers mit Baustellencontainern und Absperrungen im Vordergrund. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Leipzig: Historisches Dach des Harmelin-Hauses wurde rekonstruiert
Im Zuge der Sanierung erhielt das rund 63 Meter lange Baudenkmal seine historische Dachlandschaft zurück. Im Inneren wurden zwei neue Treppenhäuser errichtet, während die bisherigen Treppenanlagen zurückgebaut wurden. Die früheren Kontoretagen wurden zu 56 Serviced Apartments des „AMANO Home“ umgestaltet.
Bei der Innenarchitektur greifen Rundbögen, Parkettböden und eigens entworfene Einbauten charakteristische Elemente des Bestands auf. Läden und gastronomische Angebote im Erdgeschoss sollen das Quartier zusätzlich mit dem öffentlichen Stadtraum verbinden.
Neues Leipziger Harmelinquartier: Zwei Hotelneubauten schließen historische Baulücke
Ergänzt wird der Altbau durch zwei Neubauten mit insgesamt rund 30.500 Quadratmetern Bruttogrundfläche. Im Gebäudeteil an der Richard-Wagner-Straße ist ein AMANO-Hotel mit 274 Zimmern vorgesehen. Am Brühl soll ein NYX-Hotel mit 236 Zimmern entstehen.
Beide Häuser teilen sich ein zweigeschossiges Untergeschoss mit Tiefgarage und Technikflächen. Konferenz- und Speiseräume sowie überdachte Lichthöfe ergänzen die Hotelnutzungen. Nach derzeitigem Stand soll das Projekt noch in diesem Jahr baulich abgeschlossen werden.

Die nahezu fertiggestellte Fassade eines Hotelneubaus am Brühl. Der Neubau fügt sich mit seiner hellen, regelmäßig gegliederten Gebäudehülle in die bestehende Häuserzeile ein. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Anspruchsvoller Baugrund: Teile des Neubauprojekts liegen über dem Leipziger Citytunnel
Technisch anspruchsvoll ist das Vorhaben, weil Teile des Komplexes über dem Leipziger Citytunnel liegen und die Untergeschosse im Grundwasser errichtet wurden.
Mit der Verbindung aus restauriertem Baudenkmal und Neubauten gewinnt der nördliche Innenstadteingang seine geschlossene städtebauliche Struktur zurück. Zugleich bleibt mit dem Harmelin-Haus ein bedeutendes Zeugnis der Leipziger Handelsgeschichte erhalten.

Das Harmelin-Haus kurz nach seiner Errichtung: Der Geschäftsbau entstand 1913 und 1914 nach Plänen des Leipziger Architekten Emil Franz Hänsel. Sein markantes Dach ging im Zweiten Weltkrieg verloren. / © Foto: Wikimedia Commons (gemeinfrei)
Quellen: Züblin, DGNB, Wikipedia
Jetzt PLUS-Kunde werden
Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein PLUS-Abonnement.


