Nach sechseinhalb Jahren Bauzeit ist das Leipziger Dreieck in Potsdam wieder vollständig für den Verkehr freigegeben. Der zentrale Verkehrsknoten wurde umfassend erneuert, doch trotz technischer Verbesserungen bleibt Kritik an der neuen Verkehrsführung, insbesondere für Radfahrende sowie Fußgängerinnen und Fußgänger.

Mit dem Abschluss der Bauarbeiten ist das Leipziger Dreieck technisch modernisiert und wieder vollständig nutzbar, zugleich steht der Knoten exemplarisch für die Schwierigkeiten komplexer Verkehrsumbauten im Bestand. Gerade für den Radverkehr bleibt jedoch Kritik bestehen, da die Führung an der Heinrich-Mann-Allee weiterhin als unübersichtlich gilt und nach Einschätzung von Fachleuten nicht zeitgemäßen Sicherheitsstandards entspricht. / © Foto: Depositphotos.com
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Das Leipziger Dreieck in Potsdam ist nach sechseinhalb Jahren Bauarbeiten seit dem 15. Dezember 2025 wieder vollständig freigegeben. Die Kreuzung zwischen Brauhausberg, Leipziger Straße, Heinrich-Mann-Allee und Hauptbahnhof gilt als einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Landeshauptstadt. Täglich passierten dort vor Beginn der Bauarbeiten rund 95.000 Verkehrsteilnehmende.
Die lange Bauphase war im Stadtbild allgegenwärtig. Staus, Umleitungen und provisorische Verkehrsführungen prägten über Jahre den Alltag vieler Potsdamerinnen und Potsdamer. Mit der nun erfolgten Freigabe endet eine der umfangreichsten innerstädtischen Infrastrukturmaßnahmen der vergangenen Jahre.
Leitungen, Haltestellen, Wendeschleife: Tiefgreifender Umbau am Leipziger Dreieck
Der Umbau beschränkte sich nicht auf die sichtbare Straßenoberfläche. Unterirdisch wurden Trinkwasser-, Abwasser- und Fernwärmeleitungen erneuert, zudem tauschten die Bauunternehmen Strom- und Gasleitungen aus. Parallel dazu entstanden neue, barrierefreie Bushaltestellen sowie eine Straßenbahn-Wendeschleife, die den Betrieb am Hauptbahnhof entlasten soll.
Auch die Gestaltung des öffentlichen Raums wurde angepasst. Abgesenkte Bordsteine verbessern die Barrierefreiheit, neue Pflanzbeete ergänzen die Verkehrsflächen. Ziel der Stadt war es, den Verkehrsfluss zu stabilisieren und gleichzeitig die Aufenthaltsqualität im Umfeld des Knotens zu erhöhen.
Potsdams zentraler Verkehrsknoten: Kritik an Ampelschaltungen am Leipziger Dreieck
Aus verkehrstechnischer Sicht wurden einzelne Sicherheitsaspekte verbessert. Der Verkehrsingenieur Alexander Rammert, der Kommunen zu Mobilitätsfragen berät, sieht laut rbb24 ein geringeres Unfallrisiko und Fortschritte bei der Barrierefreiheit. Gleichzeitig bleibe das Leipziger Dreieck jedoch ein Ort mit hoher Komplexität und langen Wartezeiten für alle Verkehrsteilnehmenden.
Besonders kritisch bewertet Rammert die Vielzahl an Ampelschaltungen und Abbiegebeziehungen. Diese erzeugten Unsicherheit und machten die Kreuzung insgesamt wenig attraktiv. Aus seiner Sicht werde damit kein klarer Schwerpunkt auf einen bestimmten Verkehrsmodus gesetzt.
Heinrich-Mann-Allee: Neue Radspur am Leipziger Dreieck sorgt für Sicherheitsbedenken
Deutliche Kritik äußert der Experte laut rbb24 an der neuen Radverkehrsführung. An der Heinrich-Mann-Allee verläuft der Radweg zwischen Rechtsabbieger- und Geradeausspur. Autofahrende müssten den Radverkehr kreuzen, was die Situation unübersichtlich mache und Risiken berge. Diese Lösung entspreche nicht mehr zeitgemäßen Standards.
Auch rückblickend auf die Bauzeit fällt das Urteil kritisch aus. Die Kreuzung blieb während des gesamten Umbaus geöffnet, da sie für den Stadtverkehr unverzichtbar war. Dennoch sei die Baustellenführung für Radfahrende und Fußgängerinnen und Fußgänger besonders belastend gewesen. Das habe Vertrauen in die angekündigten Ziele einer fuß- und radfreundlichen Umgestaltung gekostet.
Potsdams zentraler Verkehrsknoten: Leipziger Dreieck geht Ende 2025 in Betrieb
Bereits im Frühjahr 2025 zeichnete sich ab, dass die Bauarbeiten am Leipziger Dreieck in die letzte Phase gehen würden. Damals waren erneut Sperrungen und Umleitungen notwendig, um die neue Straßenbahnführung und die Ampeltechnik umzusetzen. Ziel war es, Straßenbahn, Auto-, Rad- und Fußverkehr besser miteinander zu verknüpfen.
Mit der nun abgeschlossenen Maßnahme steht das Leipziger Dreieck exemplarisch für die Herausforderungen großer Verkehrsknoten im Bestand. Technisch wurde die Kreuzung modernisiert und leistungsfähiger gemacht. Ob sie jedoch den Ansprüchen einer zeitgemäßen, nachhaltigen Mobilitätswende gerecht wird, dürfte weiterhin Gegenstand der öffentlichen Debatte in Potsdam bleiben.
Quellen: rbb24, Der Tagesspiegel, mobil.potsdam
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