Der Rohbau steht, nun beginnt die nächste Bauphase: Das Leibniz-Institut für Länderkunde erhält in der Leipziger Innenstadt ein neues Forschungsgebäude. Die Fertigstellung des rund 55 Millionen Euro teuren Projekts ist für das zweite Halbjahr 2027 vorgesehen.

So soll sich das neue Leibniz-Institut nach seiner Fertigstellung präsentieren. Der Entwurf von Henchion Reuter Architekten sieht einen klar gegliederten Baukörper mit öffentlich zugänglichen Bereichen zum Wilhelm-Leuschner-Platz vor. / © Visualisierung: Henchion Reuter Architekten
© Fotos: ENTWICKLUNGSSTADT
© Visualisierung: Henchion Reuter Architekten
Der Wilhelm-Leuschner-Platz gehört seit Jahrzehnten zu den größten unbebauten Flächen in der Leipziger Innenstadt. Mit dem Neubau für das Leibniz-Institut für Länderkunde entsteht nun das erste große Gebäude auf dem weitläufigen Areal zwischen City-Tunnel, Windmühlenstraße und Brüderstraße. Nach dem Richtfest im Dezember 2025 haben inzwischen der Innenausbau und die Vorbereitung der Fassadenarbeiten begonnen.
- Standort: Wilhelm-Leuschner-Platz, Ecke Brüderstraße
- Bauherr: Freistaat Sachsen und Bundesrepublik Deutschland
- Nutzung: Forschungsinstitut, Bibliothek, Archiv und Veranstaltungsräume
- Nutzfläche: rund 6.000 Quadratmeter
- Arbeitsplätze: etwa 150
- Baukosten: rund 55 Millionen Euro
- Fertigstellung: voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2027
Das Institut untersucht räumliche Strukturen und gesellschaftliche Entwicklungen, vor allem in Mittel- und Osteuropa. Es ist das einzige außeruniversitäre Forschungsinstitut für Geografie in Deutschland.
Leipzig: Forschungsneubau am Wilhelm-Leuschner-Platz erreicht nächste Bauphase
Die eigentlichen Hochbauarbeiten begannen im August 2024. Zuvor war der Baugrund aufwendig vorbereitet worden. Unter dem Grundstück kamen Fundamente, Brunnen und tiefliegende Keller der Vorkriegsbebauung zum Vorschein. Um einen gleichmäßigen Lastabtrag zu gewährleisten, mussten Hohlräume beseitigt und der Untergrund mit mehr als 600 Großlochbohrungen stabilisiert werden.
Anschließend wuchs der Rohbau innerhalb von knapp anderthalb Jahren bis zum sechsten Obergeschoss. Am 18. Dezember 2025 wurde Richtfest gefeiert. Seitdem konzentrieren sich die Arbeiten zunehmend auf das Gebäudeinnere. Im Sommer 2026 werden dort Leitungen und Rohre verlegt, während die Fassadenarbeiten vorbereitet werden. Diese sollen nach Angaben des Instituts Anfang August beginnen.

Bis zum sechsten Obergeschoss ist der Forschungsneubau inzwischen gewachsen. Im Gebäude laufen der Innenausbau und die Verlegung technischer Leitungen, während außen die Montage der Fassade vorbereitet wird. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
Leibniz-Institut: Bibliothek und Archiv benötigen besondere Bedingungen
Der Neubau schafft rund 150 Büroarbeitsplätze für Wissenschaft, Verwaltung und Kartografie. Hinzu kommen eine öffentlich zugängliche Bibliothek, das Archiv für Geografie sowie Ausstellungs- und Veranstaltungsräume. Ein zentrales Atrium soll die verschiedenen Bereiche miteinander verbinden.
Besondere Anforderungen gelten für die Magazine, in denen historische Karten, Atlanten, Bücher und Nachlässe aufbewahrt werden. Der Rohbau muss vollständig austrocknen, bevor die empfindlichen Bestände einziehen können. Referenzkörper aus Beton dienen deshalb dazu, den Feuchtigkeitszustand im Gebäude zu kontrollieren.
Henchion Reuter entwarfen den Institutsneubau
Der Entwurf stammt vom Büro Henchion Reuter Architekten, das 2019 den vorausgegangenen Wettbewerb gewann. Das Gebäude soll den südöstlichen Rand des Wilhelm-Leuschner-Platzes räumlich fassen und zugleich als öffentlich wahrnehmbarer Forschungsstandort funktionieren.
Gemeinsam mit Transsolar wurde ein ressourcenschonendes Klima- und Energiekonzept entwickelt. Dazu gehören 30 rund 120 Meter tiefe Geothermiebohrungen, die das Gebäude bei seiner Wärme- und Kälteversorgung unterstützen sollen.
Die Investitionskosten von rund 55 Millionen Euro tragen der Bund und der Freistaat Sachsen gemeinsam. Die Fertigstellung ist für das zweite Halbjahr 2027 vorgesehen. Mit dem anschließenden Einzug erhält nicht nur das Institut einen neuen Sitz; auch die seit Langem geplante Neubebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes wird erstmals dauerhaft sichtbar.
Quellen: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL), Henchion Reuter Architekten
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