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Leerstehende Kirchen werden zu neuen Orten für Kultur, Wohnen und Gemeinschaft. In Berlin schließen sich neue Akteure zusammen, um gemeinsam an neuen Zukunftsmodellen für Sakralbauten zu arbeiten.

Bethanienkirche, Berlin-Weißensee

Bis Ende 2026 entstehen im 65 Meter hohen, denkmalgeschützten Turm der Bethanienkirche drei Wohnungen. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

© Foto Titelbild: rvda
© Foto: ENTWICKLUNGSSTADT

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Immer mehr Kirchen in Deutschland stehen leer. Sinkende Mitgliederzahlen, steigende Kosten und veränderte gesellschaftliche Strukturen stellen Gemeinden vor große Herausforderungen. Während Ende 2024 noch 37,8 Millionen Menschen einer der großen Kirchen angehörten, waren es im Jahr zuvor 38,9 Millionen. Mit dem Rückgang der Gläubigen wächst auch der Druck, die Gebäude anders zu nutzen.

Initiativen wie die rvda nehmen diese Krise zum Anlass, über tragfähige Nutzungskonzepte zu diskutieren und neue Allianzen zu bilden. Auch die Berliner Politik hat sich kürzlich mit den beiden großen Kirchen zusammengeschlossen, um die Umnutzung von mehreren Hundert Gebäuden zu prüfen. Gemeinsam suchen sie nach Wegen, die oft denkmalgeschützten Bauwerke zu erhalten und gesellschaftlich neu zu verankern.

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Ein Abend für neue Ideen: Das rvda-Meetup im Dezember 2025

Einen wichtigen Impuls setzt das Beratungs- und Planungskollektiv rvda mit einer Diskussionsveranstaltung am 4. Dezember 2025 im betahaus in der Lobeckstraße 30. Unter dem Titel „Meetup – Kirchenumnutzung mit Wirkung“ kommen Fachleute aus Kirche, Architektur, Stadtplanung und Immobilienwirtschaft zusammen, um über innovative Konzepte und bewährte Beispiele zu sprechen.

Nach Angaben der Organisatoren soll der Abend den Austausch zwischen unterschiedlichen Akteursgruppen fördern. Kirchen, die ihre liturgische Funktion verloren haben, sollen als Orte des gesellschaftlichen Miteinanders neu gedacht werden. Die rvda begleitet bundesweit kirchliche Träger bei Transformationsprozessen und betont, dass erfolgreiche Umnutzungen nur im Zusammenspiel von Gemeinde, Politik und Zivilgesellschaft gelingen können.

Gemeinsame Wege: Berliner Senat und katholische Kirche kooperieren

Auch die Berliner Politik geht das Thema aktiv an. Nach einem Treffen im Roten Rathaus kündigten Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner und Erzbischof Heiner Koch an, eine gemeinsame Arbeitsgruppe zu gründen. Daran beteiligt sind das Erzbistum Berlin, die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg und der Berliner Senat.

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Geprüft werden Nutzungsmöglichkeiten für mehrere Hundert kirchliche Immobilien, darunter rund 120 Kirchen und etwa 180 Pfarr- und Gemeindehäuser. Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson erklärte, die Bandbreite möglicher Nachnutzungen reiche vom Wohnungsbau über kulturelle Funktionen bis zur Mitnutzung durch kleinere Religionsgemeinschaften. Der Prozess stehe jedoch noch am Anfang und werde sich über mehrere Jahre erstrecken.

Berlin als Labor: Galerien, Museen und Cafés und ziehen in Kirchen ein

Berlin zeigt bereits, wie vielfältig die Zukunft leerstehender Kirchen aussehen kann. In Kreuzberg wurde die St.-Agnes-Kirche zu einer Galerie umgestaltet, während die Elias-Kirche im Prenzlauer Berg heute das Kindermuseum „MACHmit!“ beherbergt. Beide Projekte zeigen, wie sakrale Architektur respektvoll bewahrt und zugleich neu genutzt werden kann.

Daneben rücken auch gemeinschaftliche Nutzungen in den Fokus. In Neukölln wurde das Seitengebäude einer ehemaligen Friedhofskapelle zum Café „21gramm“ umgebaut, das Gastronomie und Begegnung verbindet. Solche Projekte machen deutlich, dass Sakralbauten weiterhin Orte sozialer und kultureller Identität bleiben können, auch ohne liturgische Funktion.

Weißensee und Schöneberg: Wohnen unter Kirchtürmen

Auch die Umnutzung kirchlicher Gebäude zu Wohnraum wird zunehmend Realität. In der ehemaligen Bethanienkirche in Weißensee entstehen derzeit 17 Wohnungen, ergänzt durch einen Neubau, der bis Ende 2026 fertiggestellt werden soll.

Bereits 2021 wurde in der Feurigstraße in Schöneberg ein ehemaliges Kirchengebäude zu acht Eigentumswohnungen umgewandelt. Solche Beispiele zeigen, dass kirchliche Immobilien auch einen Beitrag zur Entlastung des Berliner Wohnungsmarkts leisten können.

Sakralbauten in Berlin: Ressource der Stadtgesellschaft

Die Debatte um leerstehende Kirchen hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Immer häufiger werden sie als Teil der gesellschaftlichen Infrastruktur verstanden, als Treffpunkte, Lernräume oder Kulturstätten. Der Respekt vor der Geschichte verbindet sich dabei mit dem Anspruch, den Gebäuden eine neue, zeitgemäße Funktion zu geben.

Veranstaltungen wie das rvda-Meetup verdeutlichen, dass die Zukunft kirchlicher Immobilien längst eine gesamtgesellschaftliche Frage ist. Sie betrifft die Stadtentwicklung ebenso wie den sozialen Zusammenhalt. Der Umgang mit diesen Bauwerken könnte entscheidend dafür sein, wie offen, vernetzt und gemeinschaftlich Städte künftig gestaltet werden.

 

Quellen: rbb, Tagesschau, rvda – Building. Identities, Senatskanzlei Berlin, Baunetz, 21gramm

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