In der Schloßstraße wechseln Geschäfte im schnellen Takt, andere Flächen stehen seit Jahren leer. Nun diskutiert die Bezirkspolitik über einen digitalen Leerstandsmelder, der Transparenz schaffen soll. Doch die Ursachen reichen tiefer und betreffen Stadtplanung, Eigentumsstrukturen und Verkehrspolitik.

Ein prägnantes Beispiel für Dauerbaustelle und Leerstand ist der Steglitzer Kreisel, wo die Adler Group die geplanten rund 330 Eigentumswohnungen nicht mehr fertigstellen will und das Hochhaus seit Jahren als unfertiger Rohbau die Schloßstraße prägt. / © Foto: IMAGO / Frank Sorge
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© Foto Titelbild: Wikimedia Commons, Muns, CC BY-SA 3.0
Die Schloßstraße gilt als zentrales Einkaufsband im Berliner Südwesten. Dennoch prägen zunehmend leere Schaufenster das Bild. Manche Läden finden rasch neue Mieter, andere bleiben über Monate oder Jahre ungenutzt. Ein ehemaliger Teeladen etwa steht seit langer Zeit leer, während nebenan Konzepte wechseln und neue Anbieter ihr Glück versuchen.
Der Gewerbeleerstand beschränkt sich nicht auf einzelne Straßenzüge. Auch in Seitenstraßen und Ortsteilen wie Lankwitz zeigen sich Lücken in der Nahversorgung. Politik und Verwaltung sehen darin ein Problem für Stadtbild, wirtschaftliche Stabilität und soziale Vielfalt.
Gewerbeleerstand in Steglitz-Zehlendorf: Online-Portal soll Transparenz schaffen
Im Bezirksparlament liegen laut Berliner Morgenpost zwei Anträge vor, die in eine ähnliche Richtung zielen. CDU und SPD fordern ein digitales Angebot, über das leerstehende Gewerbeflächen gemeldet und sichtbar gemacht werden können. Die beschlossene Variante sieht vor, zunächst zu prüfen, ob ein solches Online-Portal eingerichtet werden kann. Bürgerinnen und Bürger sollen Leerstände melden können, während Eigentümer und Raumsuchende ihre Angebote beziehungsweise Bedarfe einstellen.
Dadurch sollen Flächen schneller vermittelt, Zwischennutzungen erleichtert und Dauerleerstände vermieden werden. Die Plattform soll in einer zweijährigen Pilotphase getestet werden. Bezirksbürgermeisterin Maren Schellenberg äußerte jedoch gegenüber der Berliner Morgenpost, Zweifel an der praktischen Umsetzbarkeit. Es sei unklar, ob gemeldete Flächen tatsächlich verfügbar seien oder belastbare Angaben zu Größe und Mietkonditionen vorlägen. Andere Stimmen betonten, die Plattform solle keine Makler ersetzen, sondern lediglich informieren.
Schloßstraße in Steglitz: Überdimensionierte Einkaufszentren und spekulativer Leerstand als strukturelles Problem
Die Diskussion um einzelne Ladenflächen greift jedoch zu kurz. Beobachterinnen und Beobachter verweisen auf strukturelle Ursachen. Entlang der Schloßstraße ballen sich mehrere Einkaufszentren mit großen Verkaufsflächen und umfangreichen Parkgaragen. Kritiker sprechen von einer Überdimensionierung des Standorts. Die hohe Anzahl an Stellplätzen werde nach ihrer Wahrnehmung selbst zu Spitzenzeiten nur teilweise genutzt.
Zugleich verweisen Stadtentwicklungspolitiker, wie Dennis Egginger-Gonzalez laut nd, auf spekulativen Leerstand. Anders als im Wohnbereich gebe es bei Gewerbeimmobilien kaum rechtliche Instrumente, um Eigentümer zum Handeln zu verpflichten. Am Beispiel markanter Gebäude wie des „Bierpinsels“ werde deutlich, wie langwierige Investorenplanungen und unklare Perspektiven das Umfeld belasten könnten, wie nd im September 2025 berichtete.
Zukunft der Schloßstraße: Mixed-Use-Konzepte, Eigentumsfragen und Verkehr als Schlüssel gegen Gewerbeleerstand
Der geplante Leerstandsmelder könnte ein Baustein sein, um Transparenz zu erhöhen und Akteure zu vernetzen. Er ersetzt jedoch keine grundsätzliche Debatte über Nutzungsmischung, Eigentumsstrukturen und Verkehrsplanung. Mixed-Use-Konzepte, also die Kombination aus Handel, Büro und Wohnen, werden bereits diskutiert — doch auch hier stellt sich die Frage nach realer Nachfrage und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.
Für Steglitz-Zehlendorf steht damit mehr auf dem Spiel als die Wiedervermietung einzelner Ladenlokale. Es geht um die Zukunft einer Einkaufsstraße mit historischer Bedeutung, die sich im Spannungsfeld zwischen Investoreninteressen, öffentlicher Hand und veränderten Konsumgewohnheiten neu positionieren muss. Der digitale Melder wäre ein erster Schritt. Die strukturellen Herausforderungen bleiben jedoch bestehen.
Quellen: Rosa-Luxemburg-Stiftung, Neues Deutschland, Berliner Morgenpost
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In Lankwitz wurde nach Jahrzehnten Brieger Ecke Wedellstrasse der Edeka geschlossen. Der Laden gehörte für Anwohner seit Generationen von damals Mayer Beck über Butter Beck bis hin zu Edeka als Lebensnotwendiges Einkaufsziel. Gerade die ältere Generation hat fußläufig keine Möglichkeit mehr einzukaufen.
Auch wurde im Vorfeld schon ein Zeitungsladen, der Bäcker Melzer und anschließend noch die Apotheke die in dem Kiez jahrelang Bestand hatte geschlossen. Das einzige so begehrte kleine Einkaufscentrum ist mittlerweile eine „Totenstadt“ geworden. Der Reisbär hält sich tapfer und ein neuer kleiner Kaffeetreff ist zum beliebten Nachbartreff geworden. Dafür passt eine 24 Std Lokalität hier garnicht ins Bild der einstmaligen schönen angenehmen und vor allem vielseitigen Angeboten für jung und alt gestalteten Einkaufsidylle. Schade jetzt dominieren wie schon gesagt eine 24 Std Bar die sehr undurchschaubar wirkt und hier eigentlich garnicht hinpasst mit angebrachten Herthafahnen das Viertel. Hier ist doch enorm etwas schief gelaufen. Wer weiß warum, der Besitzer, es heißt es soll ein Eigentümer sein der garkein Interesse hat hier irgendetwas zu bezahlbaren Mieten und vernünftigen langfristigen Mietverträgen hier alles leerstehen lässt. Es wäre schön wenn hier von Seiten der Politik mal nachgeforscht wird was hier eigentlich passiert ist und wie man hier wider ein kleines nettes Einkaufscenter wie früher herstellen kann.
Die Schloßstraße ist ein gutes Beispiel wie nicht mehr zeitgemäße Verkehrsplanung der lokalen Wirtschaft schadet. Überdimensionierte vierspurige Straßen, viel Beton, Stadtautobahn und große Kreuzungen machen sie als Aufenthaltsort unattraktiv. Im Sommer ist es heiß und stickig, im Winter zugig und kalt. Verkehrslärm und Abgase sind ein stetiger Begleiter auf den engen Gehwegen. Als Fußgänger muss man unbequeme Umwege nehmen und sich immer den Autos unterordnen, lange an der Ampel stehen und dauernd aufpassen, dass man nicht angefahren wird. Die Busse sind notorisch überfüllt und dauernd verspätet.
Pläne für eine Tram wurden dank Frau Bonde eingestampft.
Zusammengefasst: Schlendern auf der Schlossstr. Ist kein angenehmes Erlebnis, weil Autoverkehr, Fußgänger und gesunde Umsätze im Einzelhandel nicht zusammen passen. Das Konzept ‚autogerechte Stadt‘ mit vielen günstigen Parkmöglichkeiten und schnellen Straßen hat man hier lange genug beobachten können und sieht nun, dass es nicht funktioniert. Man sollte hier eine dauerhafte Verkehrsberuhigung mit erhöhter Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum umsetzen, dazu die Idee der Tram vom Rathaus Steglitz bis zum Alexanderplatz wiederbeleben. Sonst sehe ich schwarz für die Schloßstraße. Erreichbarkeit für den Autoverkehr bleibt dennoch geboten ,Dank A103 und zahlreicher Nebenstraßen.
Der Autor war wahrscheinlich nie in der Schloßstraße. Es gibt einen Radweg mit Busspur und eine Fahrbahn je Richtung. Die Bürgersteige sind recht breit angelegt. Die benachbarte Autobahn entlastet die Schloßstraße erheblich. Der Kfz Verkehr hält sich in Grenzen. Das die Idee einer Straßenbahn nicht umgesetzt wird ist richtig!
Naja, wer glaubt, dass man mit einer digitalen Plattform, Städtebauliche und verkehrsplanerische Fehler ausmerzen kann, der irrt gewaltig.
Genau solche Fantasterein wie, Mixed-Use zerstören die gewachsene Struktur. Kein Mensch braucht an der Stelle Büros, Co-working oder sonst der gleichen.
Aber wir können ja aus jeder Ecke Berlins ein neues Friedrichshain zaubern.
Begünstigt Neugründer mit verminderter Gewerbesteuer, Bezuschussung zur Ladenmiete.
Rückbau zur zweispurigen Straße und Reduzierung der Parkraumbewirtschaftung.
Die zukünftigen Kunden werden es danken und es wird sich lohnen.
Ich denke es ist einfach der Lauf der Dinge – Einzelgeschäfte werden allgemein immer seltener, das wid sich auch nicht durch Verkehsberuhigung umgehen ( Siehe nur Wilmasdorfer Straße, mitlerwile eine Brache). SOMIT ist damit einfach zu Leben und da sind auch Zwischennuzung oder Co-working Orte willkommen….
Ich finde es merkwürdig, dass bei dem Politiker der Linken nicht die Parteizugehörigkeit genannt wird. Die CDU und SPD sind ja sowohl auf Landesebene, als auch auf Bezirksebene dafür verantwortlich, dass es tausende Parkplätze in der Schlossstraße gibt und vier Einkaufzentren, von denen mittlerweile zwei fast leer stehen. Durch das Boulevard Berlin zu gehen ist schon fast gespenstisch. Anstatt Kultur und anderen Akteuren einen Raum zu gehen, werden seitens der sogenannten Mitte Spekulationen gefördert.